Veranstaltungsprogramm

Sitzung
ad_PandemienHIV: Ad-hoc-Gruppe - Pandemie(n) - Corona aus Sicht der HIV/Aids-Krise
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Heiner Schulze, Hochschule Nordhausen
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Präsentationen

Aspekte der Primärprävention bei HIV und Corona im soziologischen Vergleich

Eugen Januschke

Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

Im Format eines Vortrags angelehnt an das Pecha-Kucha-Prinzip (20 Folien à 20 Sekunden) werden Präventionsplakate HIV und Corona als visuelle Grundlage dienen. Ausgehend von diesen Plakaten als Mittel der Primärprävention soll beispielhaft dargestellt werden, welche Ziele mit diesen Plakaten in der Primärprävention verfolgt wurden.

Dabei zeigen die Plakate zu HIV der 80er und 90er Jahre einen grundsätzlich sex-positiven Ansatz, sowohl diejenigen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als auch die der Deutschen AIDS-Hilfe. Zusätzlich wird hier deutlich, wie wichtig der Community-Bezug auch in der Primärprävention ist. (1)

Ebenso wird deutlich, dass in den offiziellen Präventionsmedien bei HIV und Corona der Weg der Angstprävention, wie z.B. beim Tabakkonsum und anderem Substanzgebrauch, nicht gewählt wurde. In wie weit Angst dennoch impliziter Teil staatlicher Strategien zum Umgang mit den beiden Epidemien war oder ist, wäre im Anschluss an den Vortrag zu diskutieren.

In der anschließenden Diskussion können aber auch Fragen zur Sinnhaftigkeit des Vergleichs von Kondom und Maske (2) oder einer solidarischen Biopolitik von unten aufgeworfen werden (3).

(1) https://austriaca.at/0xc1aa5576_0x003ba8ce.pdf

(2) https://www.siegessaeule.de/magazin/ist-die-atemmaske-das-neue-kondom/

(3) https://www.zeitschrift-luxemburg.de/solidarische-biopolitik-kondome-masken-und-die-parallelen-zwischen-hiv-und-corona-pandemie/



Gegenseitige Ko-Konstruktionen von HIV/AIDS und COVID

Todd Sekuler

Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

Relativ zeitnah nach dem Ausbruch von COVID wurde International in zahlreichen Medienkanälen gefragt, was aus der Geschichte des sozialpolitischen Umgangs von HIV/AIDS für den aktuellen Umgang mit COVID gelernt werden kann. In diesem Vortrag wird argumentiert, dass diese Ausgangsfrage oft, ein Verständnis von HIV/AIDS und seiner Geschichte als etwas Feststehendes, was auch nicht mehr weiterläuft, beinhaltet. Mit diesem Ausgangsbeispiel werden dann andere aktuelle soziopolitische Praxen und Ereignisse angeschaut, um zu zeigen, wie diese zwei Pandemien – HIV/AIDS und COVID – sich gegenseitig beeinflussen, verändern und neu definieren. Nicht nur Epidemien ‚of Signification’ (1), die durch Diskurse konstruiert werden, HIV/AIDS und COVID werden durch den Blick von agential Realism als Objekte gefasst, die durch Interaktionen erst entstehen (2). Inkludiert werden gewisse rechtliche Veränderungen – z.B. die Verschärfung der Strafen für eine HIV-Übertragung, die als Teil des staatlichen Kampfs gegen Corona in Polen umgesetzt wurde – kulturelle Erinnerungspraktiken – z.B. die Faces of COVID (3) und Faces of AIDS (4) Projekte, die beide einander neue Bedeutungen gegeben haben – und körperliche Vulnerabilitäten – z.B. dass die Möglichkeit entsteht, früher gegen COVID geimpft zu werden, wenn eine HIV-Infektion vorlegt. Am Ende wird gefragt, wie die Behauptung einer gegenseitigen Beeinflussung auch als eine Möglichkeit des Atmens (‚possibility for breath’) gesehen werden kann - d.h. „that any scientific formulation is a partial understanding, a partiality from more“ (5).

(1) Treichler, P. (1987). ‘AIDS, Homophobia and Biomedical Discourse: An Epidemic of Signification.’ Cultural Studies, 1(3): 263-305.

(2) Barad, K. (1998). ‘Getting real: technoscientific practices and the materialization of reality.’ differences: A Journal of Feminist Cultural Studies. 10 (2): 87–128.

(3) twitter.com/FacesOfCOVID

(4) faceofaids.ki.se/

(5) Rosengarten, M. (2021). ‘The challenge of breath: toward an ‘after’ COVID‐19.’ Social Anthropology, 28(2): 342-343.