Veranstaltungsprogramm

Sitzung
ad_KunstUKult: Ad-hoc-Gruppe - Kunst und Kultur im Griff der Pandemie. Transformationen, Herausforderungen und Folgen von Covid 19 für Kunst und Kultur
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Uta Karstein, Universität Leipzig
Chair der Sitzung: Nina Tessa Zahner, Kunstakademie Duesseldorf
Chair der Sitzung: Guy Schwegler, Universität Luzern
Chair der Sitzung: Olivier Moeschler, Universität Lausanne
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Präsentationen

Towards de-flexibilisation of the cultural work force after Covid?

Johan Kolsteeg1, Lisa Gaupp2

1Rijks University of Groningen, Niederlande; 2Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland

The Covid crisis caused a radical decrease of the cultural independent workforce. The effect of the crisis was in this sector particularly hard because of a preceding period of flexibilisation of the work force in general and of the cultural work force in particular.

Dutch government planning agencies expect the interest in cultural participation to return after the crisis. But the question remains how many people will still be working in the sector? The flexibilisation leads to cultural professionals seeking employment elsewhere. Also, even if the flexibilisation is sufficiently countered by societal and political calls for deflexibilisation, most organisations that used to employ the cultural work force will no longer exist. It can therefore be expected that the cultural work force will come out of this crisis in reduced numbers.

We know that cultural participation plays a vital role in people’s lives, no matter which type of cultural activity this encompasses. Cultural participation improves acceptance of a diversity of world views, increases solidarity, mutual understanding and decreases social isolation. It can be hypothesized that a decrease of the numbers of cultural professionals will lead to a regression of these beneficial effects of cultural participation in society.

Responding to the predominantly quantitative research on how the Covid crisis has impacted the sector in economic terms and how it has increased already pressing precarity, this research investigates how the experience of the present situation influences cultural professionals in their strategic decision making and career choices. Related to this question is investigated how cultural independent professionals, having experienced how the flexibilisation development before Covid had destructive effects on local cultural ecosystems, envision a societal and political support system that could sustainably revitalise the sector.

These questions are framed by the ongoing public discourses in Germany and the Netherlands on what the arts and culture mean in and for society, how they (have to) legitimise themselves (e.g. in relation to other sectors), and which societal chances could lie in revitalising the sector. The paper will also touch upon how a different understanding of what is accepted as being art could change through these developments.



Musikberufe in der Pandemie

Diana Betzler1, Dieter Haselbach2

1SparsNet GmbH, Schweiz; 2Zentrum für Kulturforschung

Der Ausbruch des Coronavirus hinterlässt besonders tiefe Einschnitte bei den Kunstschaffenden. Professionelle Musiker*innen sind besonders hart getroffen. Mit der Schließung fast aller Live-Auftrittsorte haben viele ihre primäre Einkommensquelle, ihre künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, und den Austausch in der Szene verloren. Die persönlichen Kontakte im Musikunterricht wurden durch Kommunikation via Bildschirm ersetzt, weitere Einkommensmöglichkeiten sind teils weggefallen. In der kulturökonomischen Diskussion werden als Gegengewicht der bereits vor der Pandemie niedrigen Durchschnittseinkommen der meist Freiberuflichen und Selbständigen positive psychische Ausgleichseffekte und ein Streben nach Superstar-Effekten gesehen. Unstrittig ist, dass nur geringe wirtschaftliche Puffermöglichkeiten bestehen und mit der Pandemie weiter motivationale Faktoren für den Beruf als Musiker*in wegfallen.

Unser Vortrag wird die Ergebnisse unserer Untersuchungen zu Folgen der Covid 19- bei den professionellen Musikschaffenden fokussieren. Die Verfasser*innen haben für den Deutschen Musikrat eine qualitative und quantitative Studie zur Veränderung von Musikberufen in der Pandemie durchgeführt. Aus der quantitativen Befragung vom Februar 2021 liegt ein Datensatz mit ca. 2.800 Antworten von Musikschaffenden vor, mit dem Schwerpunkt auf wirtschaftliche Fragen, Einkommensveränderungen, Anpassungsstrategien in der Pandemie, Berufsveränderungen. Ergänzt wird dieses Material durch die Ergebnisse einer Expertenbefragung mit rund 40 Schlüsselakteuren, die zusätzlich das Lernen aus der Pandemie und Fragen verbandlicher Politik untersucht. Schwerpunkt der Untersuchung liegt bei den Existenzbedingungen insbesondere selbständiger Akteure im Musikbetrieb, ihren Erfahrungen und Umgang mit der Pandemie, und die mittel- und längerfristigen Folgen für den Musikbetrieb. Weiterer Fokus ist die Nutzung der kulturpolitischen Maßnahmen (COVID-19-Hilfen) zur Abfederung von Aufführungs- und Unterrichtsverboten. Die Datensätze erlauben einen tiefen Einblick auch in die psychischen und sozialen Folgen des Coronajahrs von März 2020 bis Februar 2021 für die Musik.



Clubsterben reloaded? Die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf Musikclubs in Deutschland

Jan Üblacker1, Heiko Rühl2, Katharina Huseljić3, Johannes Krause3, Niklas Blömeke4

1EBZ Business School Bochum, Deutschland; 2Universität zu Köln; 3Heinrich-Heine Universität Düsseldorf; 4Universität Paderborn

Musikclubs sind nicht nur ein integraler Bestandteil der Musikwirtschaft, sondern leisten durch ihre Aktivitäten auch einen sozialen und kulturellen Mehrwert in den Städten und Regionen. Sie dienen als Orte für künstlerische Experimente, entdecken neue Trends und ermöglichen unerfahrenen Künstler*innen den ersten Kontakt mit dem Publikum. Darüber hinaus fungieren sie als Orte der Begegnung und Identifikation für subkulturelle Milieus und gesellschaftliche Minderheiten, aus denen wiederum zivilgesellschaftliches Engagement und politische Initiativen hervorgehen. Die ohnehin prekäre Situation vieler Musikclubs hat sich seit dem Frühjahr 2020 durch die flächendeckende Schließung zur Eindämmung der Pandemie weiter verschärft. Vor diesem Hintergrund behandelt der Beitrag die folgenden Fragestellungen:

1. Welche Auswirkungen haben Covid-19 und die Kontaktbeschränkungen auf die Musikclubs in Deutschland?

2. Wie wirkt sich dies auf den kulturellen und sozialen Beitrag der Musikclubs aus?

3. Welche langfristigen Folgen erwarten die Akteure der Branche?

Das Ziel besteht darin, ein empirisch fundiertes Bild der Situation der Musikclubs in Deutschland zu zeichnen. Dazu greifen wir auf die Daten der ersten bundesweiten Clubstudie1 zurück, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Bestandteil des sequentiellen MixedMethods-Designs war eine qualitative Vorstudie mit 14 Expert*inneninterviews und eine anschließende bundesweite Befragung der Betreiber*innen von Musikclubs (n=830).

Auf Basis der qualitativen Befunde erläutern wir zunächst die erwarteten Auswirkungen auf die Branche und wie die Akteure mit der Situation umgehen. Anschließend quantifizieren wir den sozialen und kulturellen Beitrag, den die Musikclubs leisten und stellen anhand der erwarteten Einnahmeausfällen dar, welche in besonderem Maße von den Schließungen betroffen sind.

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Musikclubs mit mittleren und hohen Besucher*innenkapazitäten finanziell besonders stark betroffen sind. Obwohl die Rettungsprogramme des Bundes, der Länder und Kommunen die finanziellen Auswirkungen der Schließung z.T. kompensieren können, befürchten die Betreiber*innen aufgrund des längerfristigen Ausfalls des Veranstaltungsbetriebs den Kontakt zu ihren Publika, zu informellen Unterstützungsnetzwerken innerhalb der Branche und damit auch ihre Funktion als community builder zu verlieren.