Veranstaltungsprogramm

Sitzung
ad_Cov19UBilUng: Ad-hoc-Gruppe - COVID-19 und Bildungsungleichheiten: Manifestierungen von Ungleichheitslagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Karina Fernandez, Pädagogische Hochschule Steiermark
Chair der Sitzung: Philipp Schnell, AK Wien
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
Präsentationen
ID: 584 / ad_Cov19UBilUng: 1
Sektionsveranstaltung - Schüler*innen ohne Schule - (Bildungs-)Strategien Heranwachsender unter Pandemiebedingungen

Bildungsungleichheit durch Corona-Pandemie – Über abgehängte und abhängende Schüler*innen im internationalen Vergleich

Christoph Helm1,2, Stephan Huber2

1Johannes Kepler Universität Linz, Österreich; 2Pädagogische Hochschule Zug, Schweiz

Um die negativen Konsequenzen der Schulschließungen, die besonders diese Schülergruppe treffen dürfte, abzufangen oder zumindest abzufedern, ist Wissen über sozialen Disparitäten im Fernunterricht nötig, das Bildungspolitik und -praxis als empirische Basis für bildungspolitische Entscheidungen über remediale Maßnahmen (z.B. Notbetreuung, Sommerschulen, Lernhilfen) dient. Dieses empirische Wissen ist laut Frohn (2020, S. 60) aber noch ausständig.

Erfreulicherweise liegen mittlerweile immer mehr Studien (z.B. , sowohl in Form von Befragungen verschiedener Akteure als auch in Form von Schülerleistungsstudien vor, die sich zum Ziel gesetzt haben, dieses Forschungsdesiderat zu beheben. So existiert bereits eine kleine Zahl an Leistungs- (für einen Überblick siehe Helm, 2021) und Befragungsstudien (z.B. Dietrich et al., 2020; Grewenig et al. 2020; Helm et al., 2021; Huber & Helm, 2020; Holtgrewe et al., 2020; Sari et al., 2021; Steiner et al., 2020/2021; Steinmayr et al. 2020; Wößmann et al. 2020/21), die inferenzstatistisch abgesicherte Befunde zum Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds auf das Lernen im Fernunterricht untersucht. Während sich derartige Studien aber oft noch in Arbeit befinden, liegt bereits eine Fülle von Situationsanalysen zum Fernunterricht vor (siehe Helm et al., 2021), die auf deskriptiver Ebene von Unterschieden nach der sozialen Herkunft in zentralen Aspekten des Fernunterrichts berichten.

Vor dem Hintergrund dieser ersten Studien stellen wir Analysen aus dem tri-nationalen (Deutschland, Österreich, Schweiz) und mehrperspektivischen (Schüler*innen, Eltern, Lehrkräfte) Forschungsprojekt "Schul-Barometer" vor, die der Frage nachgehen, welche Rolle Schüler*innenmerkmale, insbesondere deren soziale Herkunft, für das Lernen während der Pandemie spielen.

Darüber hinaus iste es Ziel dieses Beitrags, die gegenwärtige Befundlage zur Frage nach den sozioökonomischen Einflüssen in gesammelter und strukturierter Weise darzustellen, um so ein klareres Bild über direkte und indirekte Zusammenhänge zwischen der sozialen Herkunft der Schüler*innen und zentralen Aspekten des Fernunterrichts zu erhalten.



ID: 493 / ad_Cov19UBilUng: 2
Ad-hoc-Gruppe - COVID-19 und Bildungsungleichheiten: Manifestierungen von Ungleichheitslagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Eine Frage der Ressourcen? Die Auswirkungen der COVID-19-bedingten Schulschließungen auf die herkunftsbedingte Bildungsungleichheit

Elif Sari, Felix Bittmann, Christoph Homuth

LIfBi – Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V., Deutschland

Erste Ergebnisse legen nahe, dass die COVID-19-Pandemie bestehende Bildungsungleichheiten weltweit verschärft. Wir argumentieren, dass die Pandemie insbesondere für Schüler*innen aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Elternhäusern eine besondere Herausforderung darstellt, da es während der Schulschließungsphase besonders auf das Engagement und die Möglichkeiten der Eltern ankommt, den Lernprozess anzuleiten und zu unterstützen.

Im Zentrum dieses Beitrags steht die Frage, wie gut Eltern ihren Kindern während des ersten Lockdowns bei den Schulaufgaben helfen konnten und wie sich soziale Unterschiede erklären lassen. Wir argumentieren, dass familiäre bildungsrelevante Ressourcen (elterliches Kulturkapital, Sozialkapital, Digitalausstattung sowie Aspirationen) und damit verbunden, die aus der Bildungssoziologie bekannten Mechanismen herkunftsbedingter Ungleichheit von Bildungschancen, diese Unterschiede erklären.

Die Datenbasis für diese Untersuchung stellt die Startkohorte 2 (Kindergartenkinder) des NEPS dar. In einer Online-Zusatzbefragung wurden im Mai/Juni 2020 (n=1587) Eltern von 14-Jährigen zu ihrer Situation während der Schulschließungen befragt.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Eltern mehrheitlich gut bei den Schulaufgaben unterstützen konnten. Allerdings zeigen sich auch die erwarteten herkunftsbedingten Ungleichheiten. So geben deutlich mehr Eltern ohne Abitur (23 %) an, ihren Kindern nur unzureichende Unterstützung bei den Schulaufgaben bieten zu können als Eltern mit Abitur (10 %). Die multivariaten Ergebnisse bestätigen unsere Erwartungen bezüglich der Kapitalausstattung und legen nahe, dass strukturelle Unterschiede wie die Familienform oder elterliche Homeofficemöglichkeiten zwar bedeutsam sind, aber Unterschiede zwischen den Sozialschichten nicht erklären können. Insbesondere familiären Ressourcen haben einen signifikant positiven Effekt. Zudem wird deutlich, dass unabhängig von Sozial- oder Kulturkapitalausstattung der Eltern, eine gute technische Ausstattung des Haushalts (mit bspw. Laptops) mit einer höheren Unterstützungswahrscheinlichkeit einhergeht. Somit könnte die Sicherstellung einer guten häuslichen Ausstattung eine Möglichkeit sein, über alle sozialen Gruppen hinweg eine Aufrechterhaltung einer bildungsförderlichen Lernumwelt zu gewährleisten und somit Bildungsungleichheiten während der Homeschoolingphasen zu verringern.



ID: 535 / ad_Cov19UBilUng: 3
Ad-hoc-Gruppe - COVID-19 und Bildungsungleichheiten: Manifestierungen von Ungleichheitslagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Covid-19 und Bildung: Was tun, damit aus der Gesundheits- keine Bildungskrise wird?

Gabriele Pessl, Maria Köpping, Andrea Leitner, Mario Steiner

Institute for Advanced Studies, Österreich

Die Schulschließungen im Frühjahr 2020 bedeuteten für LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern eine Ausnahmesituation. Mit unterschiedlichen Voraussetzungen ausgestattet waren Schulen gefordert, den Unterricht in kürzester Zeit auf Distance Learning umzustellen und Familien gefordert, ihre Wohn- zur Lernumgebung zu machen. In einer Situation, in der Lernerfolge mehr denn je von Ressourcenausstattung und privater Unterstützung abhängen, entsteht das Risiko wachsender Bildungsunterschiede in Abhängigkeit von sozialer Ungleichheit. Dies haben wir zu unserer zentralen Forschungsfrage gemacht und dabei mehrere Forschungsperspektiven integriert.

Im Mai und November 2020 wurden österreichweit LehrerInnen online befragt (n für Sek. I > 4.800) mit Fokus auf die Gestaltung des Distance Schooling und die Konsequenzen daraus. Die Auswertungen differenziert nach SchülerInnen mit und ohne Benachteiligungen (wie Ressourcenausstattung) können durchaus als alarmierend eingestuft werden, denn es leidet nach Ansicht der LehrerInnen das Kompetenzniveau wie auch die ohnehin hohe soziale Kluft deutlich zu wachsen droht. Internationale Studien unterstreichen dieses Ergebnis (z.B. Engzell, Frey, und Verhagen 2020, Learning inequality during the COVID-19 pandemic. S. 1-45. https://doi.org/10.31235/osf.io/ve4z7).

Unsere zweite Forschungsfrage betrifft Möglichkeiten zur Vermeidung wachsender Ungleichheit zwischen SchülerInnen. Dazu wurden Interviews mit LehrerInnen an Mittelschulen und AHS-Unterstufen in Wien durchgeführt, um ihre Strategien zur Erreichung und Motivation benachteiligter SchülerInnen zu reflektieren. Dabei zeigen sich vielfältige pädagogische Herangehensweisen, die sich zwei Strategien zuordnen lassen: 1. die Anpassung des Unterrichts, damit SchülerInnen das Lernen zuhause mit minimalen technischen Voraussetzungen und ohne familiäre Unterstützung bewerkstelligen können, 2. die Ansprache einzelner SchülerInnen im Kontext einer Rollenerweiterung. Das Potenzial dieser Strategien trifft allerdings auch auf Grenzen.

Schließlich weisen Interviews aus dem Frühjahr 2021 mit SchülerInnen aus Wiener Mittelschulen und Eltern darauf hin, dass Herausforderungen im Umgang mit dem Distance-Learning im Kontext von Risiken aus der Gesundheitskrise stehen, aber auch verschiedene Coping-Strategien entwickelt wurden.



ID: 665 / ad_Cov19UBilUng: 4
Ad-hoc-Gruppe - COVID-19 und Bildungsungleichheiten: Manifestierungen von Ungleichheitslagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Veränderung der relevanten Aspekte für die Berufs- und Ausbildungswahl in Zeiten der Pandemie am Beispiel einer Längsschnittstudie bei Jugendlichen in der Sekundarstufe I

Susanne Roßnagl, Wolfgang Hagleitner

University of Innsbruck, Österreich

Jugendliche müssen ihre Berufs- und Ausbildungswahl gut vorbereiten, wobei Wissen und Kompetenzen, Motivation, Umfeld (Familie, Schule, Freund*innen) und Aktivtäten eine Rolle spielen (Marciniak, Steiner & Hirschi, 2019), sowie auch Faktoren der Person (Rübner & Höft, 2019) und die Bildungsaspiration der Eltern (Maaz, Baumert & Trautwein, 2009). Es wird vermutet, dass sich für Jugendliche, die in Zeiten der Pandemie und der damit verbundenen Phase des Distance-Learnings im Frühjahr 2020 ihre Berufs- und Ausbildungswahl treffen müssen, diese Phase schwieriger gestaltet, da sie mit noch mehr Unsicherheiten und Herausforderungen (Neuenschwandner et al. 2012) verbunden sein könnte.

Im Rahmen dieses Beitrags wird der Frage nachgegangen, wie sich Jugendlichen aus Neuen Mittelschulen in Bezug auf ihr Selbstkonzept, ihre Ausbildungs- und Berufswahl sowie elterlicher Unterstützung einerseits verändert haben von Mai 2019 bis Juni 2020 und wie sie sich andererseits hinsichtlich individueller Faktoren und der sozialen Herkunft unterscheiden vor dem Hintergrund der psychosozialen Bewältigung des Lockdowns und des Umgangs mit Selbstreguliertem Lernen in der Phase des Distanzunterrichts. Im Rahmen der Längsschnittstudie wurde im Mai 2019 und Ende Juni 2020 jeweils eine Erhebungswelle mittels Paper-Pencil-Fragebögen bei den Schüler*innen in der 7. und 8. Schulstufe von sieben Neuen Mittelschulen im Zillertal (Bundesland Tirol) durchgeführt (eine dritte Erhebungswelle ist für April 2021 geplant). 155 Schüler*innen konnten zu zwei Messzeitpunkten befragt werden. Als theoretische Grundlagen für diese Untersuchung dienen die Rational Choice Theorie (Boudon, 1974) und sozial-kognitive Theorien zur Berufswahlbereitschaft (Höft & Rübner, 2019). Erste Analyseergebnisse zeigen, dass das Selbstkonzept sehr stabil bleibt, aber vor allem Berufswahlmotive einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen 2019 zu 2020 hervorbringen, sich auch die Beziehungsqualität zu den Eltern signifikant verschlechtert und sich ein Zuwachs bezüglich Bildungsungleichheit zeigt. Diese Ergebnisse werden noch detaillierter hinsichtlich Unterschiede bezogen auf das Geschlecht, Leistungsniveau und Bildungsaspiration der Eltern präsentiert.