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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_Studieren: Ad-hoc-Gruppe - Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten im Studienverlauf
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Lena M. Zimmer, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)
Chair der Sitzung: Markus Lörz, DZHW
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Präsentationen
ID: 544 / ad_Studieren: 1
Ad-hoc-Gruppe - Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten im Studienverlauf

Keine Kinderbetreuung, kein Job – dafür flexible Studienbedingungen. Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Studienabbruchintentionen von studierenden Müttern und Vätern aus?

Lena M. Zimmer1, Susanne Strauß2

1Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Deutschland; 2Universität Konstanz

Studierende mit Kind gehörten auch schon vor der Coronakrise zu den vulnerablen Studierendengruppen. Die beiden wichtigsten Gründe hierfür sind mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie finanzielle Schwierigkeiten (Wladis et al. 2018). Beide Herausforderungen haben sich in der Coronakrise verschärft: So waren (und sind) Kinderbetreuungseinrichtungen über lange Zeiträume geschlossen und alternative Betreuungsmöglichkeiten, wie Großeltern, waren aufgrund der Gefährdung durch das Virus nicht verfügbar. Darüber hinaus sind viele typische Studierendenjobs in der Gastronomie (Lörz und Becker 2020) pandemiebedingt weggefallen. Auf der anderen Seite zeigen frühere Befunde, dass Online-Lehre die Flexibilität von studierenden Eltern erhöht (Andersson 2019), was die Vereinbarkeit von Elternschaft und Studium erhöhen sollte. Wir gehen also der Frage nach, welche der genannten Faktoren die Studienabbruchintentionen von studierenden Eltern (positiv und negativ) beeinflussen. Darüber hinaus untersuchen wir, inwiefern sich die Situation von studierenden Müttern und Vätern unterscheidet. Aus Untersuchungen in der Allgemeinbevölkerung wissen wir, dass Mütter den größeren Teil der pandemiebedingt zusätzlich anfallenden Kinderbetreuung übernehmen (Kulic et al. 2020). Die Frage ist, ob diese geschlechtsspezifische Spezialisierung auch in der Gruppe der Studierenden zu finden ist, bei denen einerseits die finanzielle Abhängigkeit von einem männlichen Familienernährer geringer sein sollte und andererseits aufgrund des hohen Bildungsniveaus im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung liberalere Geschlechterrollen dominieren sollten.

Die empirischen Analysen basieren auf repräsentativen Daten einer Online-Sonderbefragung der Studie „Studieren in Deutschland (SiD)“ im ersten pandemiebedingten Online-Semester 2020. Um einen Vergleich mit der Situation vor der Pandemie zu haben, werden außerdem Daten der 21. Sozialerhebung aus dem Jahr 2016 herangezogen. Mit Hilfe von logistischen Regressionen vergleichen wir die Studienabbruchintention von Studierenden mit und ohne Kind. Erklärende Faktoren sind u. a. die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung, die finanzielle Situation sowie die Wahrnehmung der Online-Studiensituation. Die Modelle werden getrennt für Männer und Frauen berechnet.



ID: 598 / ad_Studieren: 2
Ad-hoc-Gruppe - Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten im Studienverlauf

Führt die Corona-Pandemie zu einer Zunahme herkunftsspezifischer Ungleichheiten im Studium?

Markus Lörz1, Karsten Becker2

1Otto-Friedrich-Universität Bamberg; 2DZHW, Deutschland

Im Zuge der Corona-Pandemie haben viele Studierende ihren Job verloren oder die Einkommenssituation ihrer Eltern gestaltet sich schwieriger. Vor dem Hintergrund dieser veränderten Finanzierungssituation stellt sich die Frage, ob bestimmte Studierendengruppen vor größeren finanziellen Schwierigkeiten stehen und welche Konsequenzen dies für ihren weiteren Studienverlauf und damit die sozialen Ungleichheiten im Studium insgesamt hat. Aus Perspektive der Rational Choice Theorie dürfte sich die veränderte Finanzierungssituation insbesondere auf den Studienabbruch der Studierenden aus weniger privilegierten Familien auswirken. Zum einen weil diese ihren Lebensunterhalt in höherem Maße über eine studentische Erwerbstätigkeit finanzieren (i) und deren Eltern häufiger in Berufsbranchen arbeiten, die stärker von der Corona-Pandemie betroffen sind (ii), zum anderen aber auch, weil Sie keine alternativen Finanzierungsquellen im Familienkreis vorfinden, um einen Jobverlust ausgleichen zu können (iii).

Auf Basis aktueller Daten der DZHW-Befragung „Studieren zu Zeiten der Corona-Pandemie“ werden diese theoretischen Überlegungen hinsichtlich ihrer empirischen Evidenz betrachtet. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Ungleichheiten in der Studienabbruchintention zwischen 2016 und 2020 zunehmen und dies mit der schwieriger gewordenen Finanzierungssituation zusammenhängt.



ID: 609 / ad_Studieren: 3
Ad-hoc-Gruppe - Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten im Studienverlauf

Wer nicht hat, dem wird genommen? Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Studiendauer internationaler Studierender.

Anna Marczuk1, Markus Lörz2

1Universität Konstanz, Deutschland; 2Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung

Internationale Studierende stellen eine äußerst vulnerable Gruppe an deutschen Hochschulen dar (Burkhart & Kercher, 2014). In der Regel weisen sie höhere Abbruchquoten auf oder benötigen deutlich mehr Zeit, um das Studium abzuschließen (Heublein, 2014; Kristen, 2014). Dies wird vor allem auf ihre schlechtere finanzielle Situation, niedrigere Studienleistungen oder höhere soziale Isolation zurückgeführt (Apolinarski & Brandt, 2018; Thies & Falk, 2021). Insbesondere diese Aspekte haben sich in der Corona-Pandemie verändert: Die finanzielle Situation von Studierenden hat sich deutlich verschlechtert (Becker & Lörz, 2020; Berkes et al., 2020), aber auch die Lernsituation sowie die Kontaktsituation zu Kommilitonen und Lehrenden ist schwieriger geworden (Traus et al., 2020; Marczuk et al., 2021). Dieser Beitrag widmet sich daher der Frage, inwiefern sich die Corona-Pandemie auf die bereits vorhandenen Unterschiede zwischen deutschen und internationalen Studie-renden ausgewirkt hat? Im Fokus stehen Auswirkungen auf die Studiendauer beider Bildungsgruppen, die momentan im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie intensiv diskutiert wird (FZS, 2021; StudisOnline, 2021). Unsere Hauptannahme lautet, dass die Corona-Pandemie die bereits bestehenden Ungleichheiten verstärkt bzw. verringert. Einerseits sollten sich die finanziellen und lernbedingten Nachteile internationaler Studierender während der Pandemie verschlechtert haben und dadurch ihre Studiendauer verlängern. Andererseits könnte sich die Studiendauer aufgrund der sozialen Isolation vor allem bei deutschen Studierenden verlängern, weil sie früher von sozialen Kontakten am stärksten profitiert haben. Mehrebenenanalysen mit den Daten "Studieren in Deutschland während der Corona-Pandemie" bestätigen einige dieser Annahmen. Während inter-nationale Studierende aufgrund größerer finanzieller Probleme eine längere Studiendauer erwarten, kämpfen deutsche Studierende in der Pandemie stärker mit sozialer Isolation und höheren Lernschwierigkeiten. Alles in allem erschwert die Pandemie die Studiensituation für alle: Wer nicht hat, dem wird genommen (die finanzielle Benachteiligung der internationalen Studierenden hat sich verschärft), aber auch privilegierte Gruppen erleiden klare Verluste (die deutschen Studieren-den verlieren ihren sozialen und akademischen Vorteil).



ID: 608 / ad_Studieren: 4
Ad-hoc-Gruppe - Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten im Studienverlauf

Stresserleben von beeinträchtigt Studierenden in Zeiten der Corona-Pandemie

Marie-Christin Ehrhardt, Katharina Thies

DZHW, Deutschland

Die Corona-Pandemie hat zu einer veränderten Lern- und Studiensituation geführt. In kürzester Zeit mussten Studierende neue, digitale Lernformen in ihren Studienalltag integrieren und mit studienbegleitenden Veränderungen umgehen. Bereits vor der Pandemie war der Studienalltag für einige Studierendengruppen mit besonderen Herausforderungen und Hürden verbunden. So neigte die Gruppe der beeinträchtigt Studierenden schon vor der Pandemie zu einem höheren Stresserleben im Studium (Zaussinger et al. 2020). Zudem liegen erste Ergebnisse vor, die daraufhin deuten, dass sich dieser Umstand im Rahmen der Pandemie fortsetzt oder sogar verschärfen könnte (Zimmer et al. 2021). Da es sich bei der Gruppe der beeinträchtigt Studierenden um eine sehr heterogene Gruppe handelt, geht der vorliegende Beitrag der Frage nach, wie sich die pandemiebedingte besondere Studiensituation auf das Stresserleben spezifischer beeinträchtigter Gruppen auswirkt.

Datengrundlage bildet die DZHW-Studie „Studieren zu Zeiten der Corona-Pandemie“, welche Juni 2020 an 23 deutschen Hochschulen durchgeführt wurde und Antworten von n=6.335 beeinträchtigt Studierenden beinhaltet. In die Analysen fließen verschiedene studienbezogene Variablen, wie bspw. die digitale Lern- und Kontaktsituation sowie Variablen zur Studierbarkeit ein, da gerade diese Aspekte für beeinträchtigt Studierende relevant sind (Poskowsky et al. 2018).

Deskriptiv wird das Stresserleben der beeinträchtigt Studierenden nach Art der Beeinträchtigung geprüft und untersucht, ob und inwiefern sich das Stresserleben spezifischer beeinträchtigter Gruppen unterscheidet. Anschließend wird multivariat untersucht, worauf sich das ggf. erhöhte Stresserleben spezifischer beeinträchtigter Gruppen zurückführen lässt.

Die Daten werden derzeit ausgewertet. Ausgehend von bestehender Literatur kann angenommen werden, dass beeinträchtigt Studierende ein erhöhtes Stresserleben durch die pandemiebedingte besondere Studiensituation aufweisen. Da es sich bei beeinträchtigt Studierenden um eine heterogene Gruppe handelt, ist zu erwarten, dass das Stresserleben nach Beeinträchtigungsart variiert.

Die Befunde werden auf dem Kongress im Kontext bestehender Literatur sowie vor dem Hintergrund methodischer Limitierungen diskutiert. Der Beitrag schließt mit Empfehlungen für zukünftige Forschungen und es werden Implikationen für bedarfsgerechte Maßnahmen skizziert.