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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_wirdDiePeripherie: Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Theresia Oedl-Wieser, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen
Chair der Sitzung: Petra Hagen Hodgson, ZHAW Wädenswil
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Präsentationen
ID: 404 / ad_wirdDiePeripherie: 1
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Und wenn die Peripherie peripher(isiert) bleibt? Reflexionen über alte und neue sozialräumliche Muster

Annett Steinführer, Sylvia Keim-Klärner

Johann Heinrich von Thünen-Institut, Deutschland

Nach der Phase der Reurbanisierung seit Mitte der 2000er Jahre begannen sich dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zufolge die Muster der Binnenwanderung in Deutschland bereits seit 2014 wieder zu ändern: Nahezu unbemerkt von der öffentlichen Diagnose einer vermeintlichen „Landflucht“ verlieren seitdem im Mittel die Großstädte und gewinnen ländliche Räume. Bricht man die Stadt-Land-Dichotomie auf und prüft genauer, welche ländlichen Regionen gewinnen, wird deutlich, dass es vor allem die (entfernteren) Ränder der Ballungsräume sind, die Bevölkerungszuwächse durch Zuwanderung aus dem Inland (und teilweise sogar durch einen positiven natürlichen Saldo) erfahren. Die Pandemie scheint diesen Trend zu verstärken – schon ist medial von „Stadtflucht“ die Rede –, doch ist es für eine belastbare Auswertung kleinräumiger Binnenwanderungsdaten noch zu früh.

In unseren aktuellen Forschungen in unterschiedlichen peripheren ländlichen Regionen in Deutschland – die sich in mancher Dimension auch als peripherisiert charakterisieren lassen – können wir zwar partiell ebenfalls (längerfristig) veränderte Wanderungsmuster feststellen (vor allem eine stärkere Zuwanderung als in den 2000er Jahren), doch bleiben grundlegende Aspekte struktureller Benachteiligung bestehen. Die Wege sind weit, die lokale Infrastruktur ist ausgedünnt, das Pendeln zur Arbeit der Normalfall und die Alterung ausgeprägt. Daran hat die Pandemie nichts geändert – im Gegenteil, sie macht manchen Nachteil (etwa im Hinblick auf die alltägliche Versorgung oder das nahräumliche Fehlen medizinischer Einrichtungen) noch offensichtlicher.

In drei peripheren Regionen haben wir vor und während der Pandemie Interviews mit sozial Benachteiligten und Älteren, teils Hochbetagten geführt. Bei allen Beschränkungen sehen wir diese Menschen als aktiv Gestaltende ihrer Lebenssituation. Wir möchten den Vortrag zum Anlass nehmen, das Interviewmaterial auf alte und neue Muster räumlicher und sozialer Benachteiligung in pandemischen Zeiten und vor dem Hintergrund der These einer besonderen oder größeren Resilienz ländlicher Räume zu prüfen. Mit diesen Binnenperspektiven auf die Entwicklung ländlicher Peripherien soll zugleich ein Beitrag zur Debatte um den Wandel und die Persistenzen sozialräumlicher Muster auf regionaler Ebene geleistet werden.



ID: 525 / ad_wirdDiePeripherie: 2
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Perspektiven und Herausforderungen für Land_Frauen*_Leben – Erkenntnisse einer explorativen Studie und Schlussfolgerungen für Post-Corona-Zeiten

Sophie Pfusterschmid, Lisa Bauchinger, Elisabeth Loibl, Theresia Oedl-Wieser

Bundesanatalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen, Österreich

Gerade als die Erhebungsarbeiten für die Studie „Frauen und lebendige ländliche Räume“ im Frühjahr 2020 voll ins Laufen kamen, brach die Corona-Pandemie aus. Die Intention der Studie war es, vor allem in Hinblick auf die Herausforderung von geschlechterspezifischer Abwanderung in Österreich, die vielfältigen Chancen, Potenziale und Bedürfnisse von Frauen* in ländlichen Regionen zu erfassen. Im Zuge des Projektes wurden 46 narrative Interviews mit Frauen* in unterschiedlichen ländlichen Regionen Österreichs durchgeführt – Zugezogene, Rückkehrerinnen und Dagebliebene aller Altersklassen mit unterschiedlichen beruflichen Ausrichtungen. In den Interviews reflektieren sie über individuelle Handlungsmöglichkeiten und strukturelle Rahmenbedingungen, die für eine eigenständige Lebensführung notwendig sind. Die Erfahrungen der befragten Frauen* während und nach dem 1. Lockdown im Frühjahr 2020 reichten von größerer Wertschätzung regionaler Lebensmittel, über Entschleunigung und mehr Bewegung im Freien, neue, manchmal auch belastende, Erfahrungen mit Home-office und -schooling bis hin zu einer gestiegenen Nachfrage bei Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben. Darüber hinaus schätzten einige Frauen* den Wegfall der Pendelzeiten und es wurden vereinzelt Überlegungen angestellt, sich in Zukunft selbständig zu machen.

Die Ergebnisse lassen auf ein hohes transformatives Potenzial von Frauen* in ländlichen Regionen schließen. Sie investieren in Bereiche, welche das Angebot an ökologisch produzierten regionalen Lebensmitteln erhöhen und erweitern die Palette von physischen und psychischen Dienstleistungen sowie Beratungsdienstleistungen. Als Gründerinnen verfolgen sie vielfältige und oft ökologisch nachhaltige Geschäfts- und Arbeitskonzepte und schaffen Arbeitsplätze sowie neue soziale Räume. Sie berichten jedoch auch von zahlreichen (strukturellen) Hindernissen auf dem Weg in die Selbständigkeit, vor allem im Bereich der Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe. Für mögliche wirtschaftliche, ökologische und soziale Transformationen in Post-Corona Zeiten ist es zentral, dass das Veränderungspotenzial von Frauen im Bereich sozialer und ruraler Innovationen sowie bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder genutzt und auch gefördert wird. Nur so steigen die Chancen, dass sich der ländliche Raum zu einem attraktiven und vitalen Lebens- und Arbeitsraum für Frauen* weiterentwickelt.



ID: 409 / ad_wirdDiePeripherie: 3
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Ländliche Armutsräume zwischen Peripherisierung und neuer Aufwertung. Corona als Chance oder als Brandbeschleuniger für soziale Ungleichheiten?

Tine Haubner, Mike Laufenberg

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland, Institut für Soziologie

„Gesellschaft selber machen“ scheint das neue Leitmotto ländlicher Entwicklung zu sein, das die Strukturkrise als Chance für demokratische Erneuerung, Versorgungsautonomie und neuen sozialen Zusammenhalt deutet. Ländlich-periphere Räume sind aber nicht nur Erprobungsräume für stadtmüde Zuwanderer*innen und resiliente Sehnsuchtsorte, sondern auch von sozialer Ungleichheit geprägte Krisenorte, wenn fehlende Infrastruktur Dörfer veröden lässt und die Bevölkerung altert und verarmt. Weil die Zunahme von Zweitwohnsitzen aber auch das bürgerschaftliche Engagement in Kontexten von Selbstversorgung und kultureller Sozialraumgestaltung mittelschichtsdominiert sind, geraten tendenziell jene aus dem Blick, die ebenfalls in ländlich-peripheren Räumen wohnhaft, aber ressourcenschwach sind. Für die von Armut betroffenen ländlichen Akteure ist die Renaissance ländlicher Räume von ambivalenter Bedeutung, wenn mit der Ansiedlung urbaner, kreativer und digital vernetzter Milieus nicht nur lokale Aufwertungen einhergehen, sondern auch soziale Spaltungen vertieft werden.

Ausgehend von der Annahme, wonach die Resilienz ländlicher Räume maßgeblich von den sozioökonomischen Voraussetzungen sozialer Teilhabe abhängt, widmet sich der Beitrag und auf der Grundlage erster empirischer Forschungsbefunde eines 2020 angelaufenen Forschungsprojektes zu ländlichen Armutsräumen folgenden Fragen:

a) Wie stellt sich die Resilienz ländlicher Räume in der (Post-)Corona-Gesellschaft im Spannungsfeld sozialer Ungleichheit und in Bezug auf ländliche Armut dar?

b) Wer profitiert von einer Aufwertung ländlicher Räume und wer hat möglicherweise das Nachsehen. Erste Befunde unseres Projektes zeigen, dass aktuelle Entwicklungen und lokalpolitische Aufwertungsstrategien im ländlichen Raum von einer konfliktgeladenen, sozialen Binnendifferenzierung begleitet werden, die die Sozialstruktur zu einer Zweiklassengesellschaft zu verfestigen droht.

c) In explorativer Absicht fragt der Beitrag schließlich auch danach, ob und wie Prozesse sozialer Polarisierung durch die Corona-Krise angetrieben werden– und welche Maßnahmen zu ergreifen wären, um diesen Prozessen entgegenzuwirken.



ID: 401 / ad_wirdDiePeripherie: 4
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Digitale Arbeitswelt als Entwicklungschance für ländliche Räume

Claudia Hille

Fachhochschule Erfurt, Deutschland

Derzeit zeigt sich stärker als je zuvor, wie die fortschreitende Digitalisierung unsere Gesellschaft prägt. So zwingt die Corona-Pandemie große Teile der Bevölkerung beispielsweise seit Monaten das eigene Wohnzimmer zum Büro umzufunktionieren und im Homeoffice zu arbeiten. Es ist davon auszugehen, dass diese Mobilisierung von Arbeit unsere Arbeitswelt langfristig prägen wird und nicht zuletzt enorme Auswirkungen auf unser Mobilitätsverhalten und damit verbunden auf vorhandene Raumstrukturen haben könnte.

In den letzten Jahren war eine zunehmende Verbreitung hochmobiler, multilokaler Arbeits- und Lebensweisen zu beobachten, die nicht zuletzt die polare Gegenüberstellung von der Stadt als Arbeitsort und dem peripheren Raum als Lebensort verschärft hat. Multilokalität – als das Wohnen und Arbeiten an zwei oder mehr Orten parallel – äußert sich in einer wachsenden Zahl an Tages- wie Wochen(end)pendler*innen. Die steigenden Pendler*innenzahlen und die wachsende Anzahl multilokal wohnender Haushalte (Haushalte mit Zweit- und Nebenwohnungen) sind mit temporären Abwesenheiten verbunden, die sich insbesondere in bevölkerungsschwachen, ländlichen geprägten Regionen negativ auf den sozialen Zusammenhalt auswirken können. Darüber hinaus kann Multilokalität langfristig betrachtet zum „Türöffner“ einer dauerhaften Abwanderung werden.

Im Rahmen des Vortrages wird auf Basis von Forschungsergebnissen aus dem vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Vorhaben „MALA – Mobiles Arbeiten auf dem Lande“ aufgezeigt wie moderne Kommunikationsmöglichkeiten und eine fortschreitende Digitalisierung dazu beitragen können Arbeit und Arbeitnehmer*innen ortsunabhängig miteinander zu vernetzen bzw. spezifische Mobilitätslösungen zu ermöglichen. Es werden regionale Handlungsstrategien vorgestellt und diskutiert, die den ländliche Raum zum Ermöglichungsraum werden lassen, in dem regional ausgerichtete Wertschöpfungsketten wieder aufleben und die sich aus der Multilokalität ergebenden Dilemmata sukzessive auflösen. Der Vortrag hat zum Ziel Instrumente und Strategien einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung vor dem Hintergrund fortschreitender Flexibilisierungs- und Modernisierungsprozesse in unserer Arbeitswelt aufzuzeigen, die die Attraktivität ländlicher Regionen als Wohn- und Arbeitsstandorte langfristig stärken können.



ID: 532 / ad_wirdDiePeripherie: 5
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Ökonomie, Arbeitsmarkt - Die Peripherie als neues Zentrum der Post-Corona-Gesellschaft? Wohl kaum …

Isabella Juen1,2, Jan Kluge1

1Institut für Höhere Studien, Österreich; 2Institut für Strategieanalysen, Österreich

Anders als epidemiologische Lai*innen hätte vermuten können, ist der ländliche Raum in Österreich keineswegs besser durch die Coronakrise gekommen als die Städte. Trotz der geringeren Bevölkerungsdichten waren die Inzidenzen nicht niedriger. Auch die wirtschaftliche Situation gestaltet sich am Land keineswegs besser; die Arbeitslosenzahlen sind teils um mehrere tausend Prozent gestiegen. Die romantische Vorstellung eines Aussteigerdaseins im Dauerhomeoffice mit Selbstversorgung entspringt wohl eher dem Hirn urbaner Träumer*innen und hat mit der Lebensrealität am Land nur wenig gemein. Die Frage, ob der ländliche Raum in der post-Corona-Gesellschaft an Bedeutung gewinnen kann, stellt sich aber freilich doch. Dafür wird das vielzitierte Resilienzthema entscheidend sein. Wir werden zunächst mit Daten aus der abgestimmten Erwerbsstatistik und der Arbeitsmarktdatenbank untersuchen, inwieweit der ländliche Raum wirtschaftlich resistenter war als die Städte – d. h. in der Lage, den wirtschaftlichen Schock robuster zu überstehen. In einem zweiten Schritt gehen wir der Frage nach, inwieweit ländliche Gemeinden grundsätzlich resilienter sind – d. h. nach einem Schock schneller zum ursprünglichen Beschäftigungsniveau zurückkehren können. Dafür wird aus ökonomischer Sicht vor allem die sektorale Diversifikation entscheidend sein: Eine Gemeinde, die über viele Jahre auf einzelne Branchen fokussiert war, wird derzeit kaum eine Möglichkeit haben, Beschäftigung zu schaffen. Eine Gemeinde, die breiter aufgestellt ist, wird Möglichkeiten haben, die Beschäftigungsstruktur langfristig umzubauen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen diskutieren wir anschließend, ob es neben der Beschäftigungsstruktur nicht auch anderer Faktoren benötigt, welche Einfluss auf die Resilienz von Gemeinden haben. Aus wirtschaftlicher Sicht mag es ausreichend erscheinen auf ein breites Arbeitsangebot zu setzen um Regionen attraktiver zu gestalten und somit auch zukunftssicherer. Jedoch ist diese Perspektive aus soziologischer Sicht zu kurz gedacht, bedarf es für die Prozesse des Zusammenlebens in Gemeinden doch weit mehr als nur der Aussicht auf Beschäftigung. Im Spannungsfeld der zwei Disziplinen Ökonomie und Soziologie möchten wir mit diesem Beitrag sowohl die wirtschaftliche Lage von Gemeinden beleuchten als auch den Aufschwung bzw. die „neue“ Wertschätzung des ländlichen Raums thematisieren.



ID: 437 / ad_wirdDiePeripherie: 6
Ad-hoc-Gruppe - Wird die Peripherie das neue Zentrum in der Post-Corona-Gesellschaft? Zur Resilienz ländlicher, peripherer Räume

Vermeintliche Idylle? Die Pandemie als Beschleuniger von Umbrüchen im ländlichen Raum

Elisabeth Donat, Simon Lenhart

Donau-Universität Krems, Österreich

Die „Wiederentdeckung“ des ländlichen Raumes als Rückzugsort während (und nach) der Corona-Pandemie wird oft unter dem Gesichtspunkt des Aufeinandertreffens von „Städtern“ versus „ländlicher Bevölkerung“ thematisiert. In diesem Prozess gilt es aber besonders auch die unterschiedliche Strukturiertheit des ländlichen Raumes zu beachten, in dem sich neben landwirtschaftlich geprägten Räumen auch industrielle Produktion findet. Neben Bewohner*innen aus dem bäuerlichen Milieu sind europäische Industrieregionen seit jeher auch durch große Anteile an Bevölkerung aus dem

Arbeiter*innenmilieu geprägt. Die ländliche Bevölkerung und der ländliche Raum sind keine Konstanten und keine „Containerräume“, sondern selbst – gerade jetzt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie – starken Umbrüchen und Verwerfungen ausgesetzt. Auch im ländlichen Raum treffen die Auswirkungen der Pandemie bei weitem nicht alle Bewohner*innen in gleichförmigem Ausmaß.

Am Beispiel einer alt-industriellen Kleinregion, deren wesentlichste Arbeitgeber Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung sind, sollen in einer ethnografischen Mikrostudie die Herausforderungen einer traditionellen Region im gesellschaftlichen Wandel und besonders in Zeiten der Krise herausgearbeitet werden. Die Region steht dabei exemplarisch für viele ähnliche Gebiete in ganz Europa: noch immer speist sich die regionale Identität ganz wesentlich aus den markanten Betrieben in der Region, jedoch führen Globalisierung und Abwanderung zu tiefen Einschnitten und fragilen Unsicherheiten im Selbstbild von Region und Bevölkerung. Die Zuwanderung in die Region ist hingegen nicht besonders hoch ausgeprägt, und wird dennoch oftmals sorgenvoll betrachtet. Während der Pandemie wurde in den Betrieben des sekundären Sektors lange weitergearbeitet, doch auch innerhalb der Unternehmen gab es Ungleichheiten: während Fließbänder und Hochöfen weiterliefen, zogen sich Angestellte, Betriebsräte und Unternehmensführungen von einem Tag auf den anderen ins „Home Office“ zurück. Kurzarbeitsmodelle haben vorerst viele Arbeitsplätze erhalten, aber die Zukunft der Betriebe bleibt ungewiss. In dieses Vakuum stechen Verschwörungsbewegungen zielsicher, und die neue Zuwanderung aus der Stadt droht auf einen „heißen“ Boden zu treffen. Eine politische Begleitung dieses Prozesses erscheint unabdingbar um einer weiteren Polarisierung entgegenzuwirken.