Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_MeduGes: Sektionsveranstaltung - Chancen und Risiken der Corona-Pandemie aus Sicht der Gesundheitssoziologie
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
14:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Nadine Reibling, Universität Siegen/ Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Chair der Sitzung: Simone Grandy, FH Campus Wien
Chair der Sitzung: Michael Gemperle, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Medizin- und Gesundheitssoziologie (DGS), Sektion Gesundheits- und Medizinsoziologie (ÖGS), Forschungskomitee Gesundheitssoziologie (SGS)


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Präsentationen

Was geschieht, wenn COVID-19 in das soziale Umfeld rückt?

Theresa Heidinger2, Lukas Richter1,3

1St. Pölten University of Applied Sciences – Department Soziales; 2Karl Landsteiner Privatuniversität – Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung; 3Wirtschaftsuniversität Wien – Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Studien, welche die negativen Folgen der Pandemie, sei es durch die Infektion mit Covid-19 oder den Folgewirkungen der (sozialen) Distanzierungsmaßnahmen, auf die Menschen dokumentieren. Wenig beachtet ist jedoch, wie sich eine Infektion mit dem Virus im sozia-len Umfeld auf Menschen auswirkt. Denn wie Berger und Luckmann schreiben, ist die Wirklichkeit der Alltagswelt um das Hier des Körpers und das Jetzt der Gegenwart angeordnet, womit angenommen werden kann, dass durch die Sichtbarwerdung des Virus im Umfeld von Menschen, deren Wahrung auf das Virus und ihr Verhalten ändert. Konkret wird im eingebrachten Beitrag untersucht, wie sich eine positive Testung, die Hospitalisierung durch und der Tod an COVID-19 im sozialen Umfeld von älteren Personen auf deren Psyche und Verhalten auswirkt.

Hierfür werden die Daten von SHARE (Wave 8 COVID-19 Survey) genutzt und dahingehend untersucht, ob negative Stimmungsbilder (Nervosität, Trauer, Schlafstörungen) seit dem Ausbruch der Pandemie gehäuft bei Personen auftraten, welche mit COVID-19 Infektionen bis hin zum Tod in Ihrem sozialen Umfeld konfrontiert wurden. Die Analysen zeigen, dass COVID-19 allgemein für einen Teil der älteren Bevölkerung eine psychische (Mehr)Belastung darstellt und die Befragten eine Zunahme der negativen Stimmungsbilder angeben, wobei jedoch mit Heranrücken von COVID-19 in das soziale Umfeld und steigendem Schweregrad des Verlaufs signifikant häufiger davon berichtet wird.

Die Präsentation liefert erste Einsichten darüber, dass die Pandemie vielschichtig auf die mentale Gesundheit Einfluss nimmt und bereits Infektionen im sozialen Umfeld negativ auf Menschen wirken.



Auswirkung der Corona-Schutzmaßnahmen auf Gesundheit und Wohlbefinden von Hochschulmitarbeitenden mit Kindern

Regina Jutz, Marlen Niederberger

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Deutschland

Hintergrund: Die Corona-Pandemie erweist sich für die gesamte Bevölkerung als multidimensionaler Stressfaktor. Befunde zeigen, dass diese Zeit insbesondere für berufstätige Eltern mit Kindern herausfordernd ist und sich psychische, soziale und physische Gesundheitsgefährdungen ergeben. Bisherige Befunde zeigen weiter, dass sich insbesondere für Mütter die Zahl der Aufgaben und dadurch auch die Belastungen im Alltag durch geschlossene Kinderbetreuungseinrichtungen und Home-Schooling erhöht haben. Der vorliegende Forschungsbeitrag fokussiert auf die Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen, wie z.B. Homeoffice und Schließung von Schulen und Kinderbetreuungs-einrichtungen, auf Gesundheit und Wohlbefinden der Eltern. Welche Faktoren aus dem Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind in der Lage, negative Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen abzumildern?

Methoden: Mit einer Online-Umfrage während dem Lockdown zum Jahresbeginn 2021 werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die subjektive Gesundheit und das Wohlbefinden von Hochschulbeschäftigten mit Kindern im Kita- und Grundschulalter untersucht. Ein Schwerpunkt der Umfrage liegt auf der Lebens- und Arbeitssituation unter dem Einfluss der Corona-Schutzmaßnahmen. Die Umfrage wurde durch Praxispartner aus Gleichstellung und Chancengleichheit an Hochschulen in Sachsen und Baden-Württemberg verteilt und von 1.104 Hochschulbeschäftigten zwischen dem 11.1. und dem 7.2.2021 beantwortet. Die Umfrage erfasst neben verschiedenen Indikatoren für Gesundheit und Wohlbefinden auch Items zu innerfamiliären Verantwortlichkeiten, insbesondere in Hinblick auf die Kinder.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen für die befragten Frauen ein geringeres Wohlbefinden und geringere Gesundheitsindikatoren als für die befragten Männer. Dennoch weisen die Frauen eine höhere Resilienz auf und nehmen mehr Hilfsangebote aus der Hochschullandschaft in Anspruch. Darüber hinaus wird der Beitrag der Aufteilung der innerfamiliären Verantwortlichkeiten für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mütter beleuchtet.



Die Folgen der Corona-Pandemie für die Digitalisierung der psychotherapeutischen Versorgung

Moritz von Stetten, Jasmin Dierkes

Universität Bonn, Deutschland

Die psychotherapeutische Versorgung wurde im Zuge der Corona-Pandemie für telefon- und videogestützte Behandlungsformen geöffnet. Der Diskurs der Digitalisierung weist hier jedoch eine längere Vorgeschichte auf. Im Rahmen unseres Projektes zur Digitalisierung der Psychotherapie beschäftigen wir uns mit dem Einfluss von Machtkonstellationen und Wissensformen zwischen ver-schiedenen psychotherapeutischen Strömungen auf telemedizinische Angebote. Dazu haben wir in einer ersten Datenerhebungsphase im Laufe des vergangenen Jahres qualitative Interviews mit approbierten Psychothera-peutInnen zur veränderten Situation sowie ihrer Positionierung in telemedizinischen Fragen geführt. Dabei stellt sich für uns die Frage, welche sozialen Praktiken und Wissensformationen (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, etc.) die Organisation der teletherapeutischen Versorgung gestalten und prägen. Diese werden von uns vor dem Hintergrund einer historischen Diskursanalyse psychotherapeutischer Fachliteratur zu teletherapeutischen Angeboten interpretiert und eingeordnet.

Im Rahmen des Vortrags konzentrieren wir uns anhand der Interviews auf das Wechselverhältnis von diskursiven Anordnungen und sozialen Praktiken innerhalb der psychotherapeutischen Versorgung. Dabei zeigt sich zum einen, dass sich die PsychotherapeutInnen während der Corona-Krise schulenübergreifend unter Rückgriff auf teletherapeutische Unterstützung auf die Pflege der therapeutischen Beziehung fokussiert haben. Zum anderen zeigt sich, dass die psychotherapeutischen Schulen nicht grundsätzlich in digitalisierungsskeptische und –optimistische Ansätze eingeordnet werden können. Darauf aufbauend verfolgen wir die These, dass die Etablierung der therapeutischen Beziehung für die approbierten PsychotherapeutInnen eine zentrale Bedeutung einnimmt. Demgegenüber entwickeln andere Akteure (Therapie-Apps-Unternehmen, Krankenkassen) Versorgungsangebote, die das therapeutische Dispositiv verändern. Die Konfliktlinien in der Gestaltung digitaler Angebote verlaufen folglich zwischen verschiedenen Ansprüchen von Professionalisierungs- und Beziehungsgraden zwischen PatientIn, TherapeutIn und technischen Medien. Gerade die wachsende Bedeutung letzterer sowie die Verabschiedung des Digitale-Versorgungs-Gesetzes lässt vermuten, dass sich diese Auseinandersetzung im Nachgang der Corona-Pandemie noch weiter zuspitzen wird.



Bildungsunterschiede in Risikowahrnehmung, Wissen und Schutzverhalten bezüglich COVID-19 bei Frauen und Männern in Deutschland. Ergebnisse der COSMO-Studie (COVID-19 Snapshot Monitoring)

Petra Rattay1, Niels Michalski1, Olga Domanska1, Anna Kaltwasser1, Freia De Bock2, Lothar H. Wieler1, Susanne Jordan1

1Robert Koch-Institut, Deutschland; 2Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

In 2020 bestand die Hauptstrategie zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie aus Verhaltensregeln wie Abstandhalten, Händehygiene und Tragen einer Maske. Für das Einhalten der Verhaltensempfehlungen spielen Risikowahrnehmung und Wissen eine wichtige Rolle. Die Bedeutung von Bildung wurde bislang selten untersucht.

Es wird analysiert, ob sich in Risikowahrnehmung, Wissen und Schutzverhalten bzgl. COVID-19 Unterschiede nach Bildung zeigen und ob diese im Pandemieverlauf variieren.

Die Analyse erfolgte mit Daten der COSMO-Studie der Wellen 1–28 (3.3.-24.11.2020; 27.957 Teilnehmende; 18-74 Jahre). Der Einfluss von Bildung (Abitur: ja/nein) auf Risikowahrnehmung, Wissen und Schutzverhalten wurde mittels linearer und log. Regressionen analysiert. Zeittrends wurden durch Interaktionen aus Bildung und Kalenderwoche modelliert.

Die stärkste Assoziation zu einem höheren Bildungsabschluss zeigt sich beim selbsteingeschätzten und faktischen Wissen zu COVID-19. Die Bildungsunterschiede sind nahezu über den gesamten Pandemieverlauf konstant. Ferner finden sich Zusammenhänge zwischen niedriger Bildung und höherem wahrgenommenen Schweregrad der Erkrankung und einer geringer wahrgenommenen Erkrankungswahrscheinlichkeit. Bzgl. des Schutzverhaltens lässt sich unter höher Gebildeten bei Frauen eine bessere Händehygiene und bei Männern eine stärkere Einhaltung der Abstandsregel feststellen als bei niedrig Gebildeten. Sowohl Risikowahrnehmung als auch Schutzverhalten variieren stark über den Pandemieverlauf; im Trend lassen sich aber nur geringe oder keine Bildungsunterschiede beobachten.

Da sich beim Wissen die größten Bildungsunterschiede zeigen, sollten in der Risikokommunikation die Verständlichkeit von Informationen erhöht und Informationskanäle gewählt werden, die auch Gruppen mit niedriger Bildung erreichen.



Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf wissenschaftliche Projekte im Gesundheits- und Pflegebereich

Theresa Galanos, Simone Grandy, Elisabeth Haslinger-Baumann, Elisabeth Klupka-Klepsch, Cornelia Feichtinger, Lucia Zeuner

FH-Campus Wien, Österreich

Die COVID-19 Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche und die wissenschaftliche Forschung. An der FH-Campus Wien – Kompetenzzentrum für Angewandte Pflegeforschung - werden aktuell in interdisziplinärer Weise Projekte im Gesundheits- und Pflegebereich durchgeführt: „LICA“ mit dem Ziel der Entwicklung eines interdisziplinären Setting übergreifenden digitalen Dokumentationssystems; „24h QuAALity“, mit dem Ziel der Entwicklung und Evaluation einer verteilten Client-Server Softwarelösung zur Qualitätssicherung der 24h-Betreuung; „ECO 3“, mit dem Ziel Lehrveranstaltungen für das Sozialwirtschaftsstudium zu den Themen Gesundheits- und Nachhaltigkeitsmanagement sowie Green Controlling zu konzipieren und „ReMIND“ mit dem Ziel die Lebensqualität von Patient*innen mit milden dementiellen Erkrankungen durch den Einsatz einer kombinierten IKT-Lösung (Roboter) zu verbessern. Zusätzlich wird ein intergeneratives Bewegungsförderungsprojekt evaluiert und ein Projekt zu den Erwartungen der Studierenden an zukünftige Arbeitgeber durchgeführt.

Lernprozesse:

Diese Projekte wurden während der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen mit unterschiedlichsten Methoden umgesetzt (u.a. quantitative online Befragungen; teilnehmende Beobachtungen; Gruppendiskussionen, Fokusgruppen und Einzelinterviews via Zoom und live; Telefoninterviews; online Dokumentationstools; Usability Tests; Cultural Probes). Hierbei zeigt sich die große Bedeutung der Digitalisierung in Praxis und Forschung. Online Tools bieten eine effiziente, ressourcenschonende Kommunikationsmöglichkeit, sowie eine rasche Reaktionsmöglichkeit auf unvorhergesehene Ereignisse und eine partizipative Berücksichtigung aller relevanten Projektteammitglieder.

Herausforderungen:

In der Pandemiesituation wurden Settings vulnerabler Personengruppen (alte Menschen/kranke Menschen/Arbeitsmigrant*innen) besonders geschützt und für geplante Forschungsaktivitäten schwer zugänglich. Teilweise waren Neuplanungen der Feldzugänge (z.B. Rekrutierung der Testhaushalte) sowie Projektverlängerungen nötig, zusätzlich wurden Fragebogen und Leitfadenerhebungen über Onlinesysteme umgeplant. Eine partizipative Teilnahme mancher Zielgruppen konnte auf Grund der Schwierigkeiten mit digitalen Medien schwer umgesetzt werden. Der Zugang zu betreuenden Arbeitsmigrant*innen wurde durch die Grenzschließungen erschwert.



Der Einfluss von Bedrohungspotential und optimistischer Perspektiven auf das Schutzverhalten älterer Menschen in der COVID-19 Krise

Johanna Bristle, Gregor Sand

Max Planck Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, Deutschland

Die Sterblichkeit in der COVID-19-Krise ist bei älteren Erwachsenen und anderen vulnerablen Gruppen am höchsten. Basierend auf der Theorie der Schutzmotivation (Protection Motivation Theory) und unter Verwendung von Daten der ersten Corona Umfrage des Survey of Health, Ageing and Retirements in Europe (SHARE) untersuchen wir, wie die Wahrnehmung von Bedrohungspotential und optimistischer Perspektiven Menschen der Bevölkerung über 50 dazu motivieren sich an empfohlenes Schutzverhalten zu halten. Basierend auf gewichteten Daten von über 30.000 Individuen aus 26 Ländern rechnen wir logistische Regressionen auf die Wahrscheinlichkeit zu Hause zu bleiben und lineare Regressionen auf die Umsetzung empfohlener Schutzmaßnahmen (operationalisiert als Summenindex). Erste Ergebnisse zeigen, dass rund 15 Prozent aller Befragten in der Anfangsphase der COVID-19-Krise vollständig zu Hause blieben - hauptsächlich ältere Menschen über 80 und Personen mit Vorerkrankungen und bestehenden Gesundheitsrisiken. Im Durchschnitt hielten sich ältere Europäer stark an die empfohlenen Schutzmaßnahmen (6 von 7 Maßnahmen wurden im Schnitt umgesetzt). Die Hauptmotive für Schutzverhalten sind ein höheres Maß an Ängstlichkeit als vor dem Ausbruch von Corona und Angst vor Infektionen. Gleichzeitig zeigt ein optimistischer Ausblick in die Zukunft einen ebenso starken Zusammenhang mit Schutzverhalten. Optimistische Perspektiven sind in Schweden, Frankreich, Luxemburg und der Tschechischen Republik sogar ein stärkerer Prädiktor als Angst - vier Länder mit einem hohen Maß an Vertrauen in ihre Gesundheitssysteme. Im Gegensatz hierzu dominiert Angst als stärkster Prädiktor in Estland, Lettland, Finnland und Polen – Länder mit unterdurchschnittlichen Mortalitätsraten. Vor dem Hintergrund negativer, gesundheitlicher Langzeitfolgen von Angst und einer über eine längere Zeit andauernden Krise, hoffen wir, dass die Ergebnisse dieser Studie dazu beitragen, politische Maßnahmen- und Kommunikationsstrategien zu reflektieren.