Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_KindHeitUndJu: Ad-hoc-Gruppe - Kindheits- und Jugendforschung in Zeiten einer Pandemie und Krise
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Ralph Chan, Universität Wien
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
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Präsentationen

Von den lokalen Gemeinderatswahlen zur globalen Pandemie. Jugend und politische Beteiligung im digitalen Raum

Astrid Ebner-Zarl

Fachhochschule St. Pölten, Österreich

„Man hat auch um Angehörige Angst und um Freunde, die Vorerkrankungen haben – man möchte sie sehen, kann das aber nicht und hält sich zurück, weil man sie nicht anstecken möchte. Ich besuche meine Großeltern gerade nicht, damit nichts sein kann.“

„Für uns Schüler ist belastend, dass alles so ungewiss ist.“

„Mein Bruder hat keinen Laptop – er teilt sich manchmal meinen Laptop und manchmal den vom Papa. Es ist ein bisschen mühsam oft, weil er ihn oft dann braucht, wenn ich ihn auch brauche.“

„Wenn man sich an die Maßnahmen hält, ist man heutzutage leider ein Außenseiter.“

Diese Zitate von Jugendlichen zu ihrem Erleben der Coronakrise stammen aus dem Analysematerial des Projekts „Digitalizing Youth Politics“. Ende 2019 gestartet, hatte es ursprünglich einen lokalen Fokus: die NÖ Gemeinderatswahlen vom 26.1.2020. Welche Anliegen haben Jugendliche an Politik, wie artikulieren sie diese? Wie nutzen sie Online-Kanäle, um sich politisches Gehör zu verschaffen, welche Möglichkeiten und Einschränkungen erleben sie dabei? In Schulworkshops, einmal vor und zweimal nach den Wahlen, sollten diese Fragen mit Bezug zur Lokalpolitik aufgearbeitet werden. Mit der Coronakrise, die kurz nach der zweiten Workshopreihe Österreich erfasste, wandelte sich der Fokus des Projekts orientiert an den Interessen und Lebenslagen der Schüler*innen von der Reflexion der lokalen Politik zur politischen Reflexion der globalen Pandemie. Nachdem die Erhebungen im Frühjahr 2020 hatten pausieren müssen, gelang es im Winter 2020/21 sie mit einem Teil der Schüler*innen online weiterzuführen, wobei anstelle eines abschließenden Termins sogar drei Termine realisiert werden konnten. Das Ergebnis sind vielseitige Einblicke in die Lebenssituation von Jugendlichen während der Coronakrise, ihre Sichtweisen auf die Pandemie, ihre Sorgen, aber auch ihre (digitalen) Bewältigungsstrategien. Nach wie vor spielt dabei politisches Denken eine Rolle: (Digitale) politische Beteiligung und Umgang mit der Krise greifen ineinander. Ein vertiefender Schwerpunkt liegt auf der spezifischen Funktion von Memes, die sich schon in den vor-pandemischen Workshops als zentrales Element der digitalen Jugendkultur herausgestellt hatten. Nicht zuletzt ermöglicht die doppelte Anlage der Erhebungen, vor und während der Krise, den Vergleich: Welche politischen Anliegen haben Kontinuität, was weicht der Dominanz der globalen Krise?



Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie im regionalen Kontext

Elisabeth Zehetner1, Marcel Reiner1,2, Karina Fernandez1

1Pädagogische Hochschule Steiermark, Österreich; 2Universität Graz, Österreich

Stehen Kinder und Jugendliche durch die Corona-Krise vor einem verlorenen (Schul-)Jahr oder eröffnen sich ihnen neue Lerngelegenheiten? Sind sie mit massiven psychischen Problemen konfrontiert oder zeigt die Krise ihre Anpassungsfähigkeit und Resilienz? Die Befunde fallen unterschiedlich aus – und bilden damit die divergierenden Erfahrungen ab, die in der Krise gemacht werden können. Dass diese Unterschiede entlang bestehender sozialer Ungleichheiten verlaufen und dass (Bildungs-)Ungleichheiten durch die Krise verstärkt werden, wurde mittlerweile in einer Reihe an Erhebungen festgehalten (vgl. Steiner et al. 2020, Holtgreve et al. 2020, Andresen et al. 2021). Dieser Beitrag möchte daran anschließend die sonst wenig beachtete regionale Dimension in den Fokus rücken. Nicht nur unterschiedliche soziale Lagen, sondern auch regionale Strukturen formen jene Sozialräume, die die Handlungs- und Erlebensmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in der Krise (mit-)strukturieren.

Datengrundlage für den Beitrag bildet die Erhebung, die im Zuge des Forschungsprojekts „Schule nach Corona“ an der PH Steiermark durchgeführt wurde. Der im Projekt verfolgte multiperspektivische Ansatz erfasst – vor allem anhand qualitativer Interviews – eine Reihe an Akteur*innen aus allen Regionen der Steiermark: Schüler*innen und Eltern, außerdem Lehrer*innen sowie Mitarbeiter*innen der psychosozialen Unterstützungssysteme an den Schulen. Dazu kommen die Daten einer Fragebogen-Befragung der Mitarbeiter*innen der schulischen Unterstützungssysteme.

Für diesen Beitrag soll herausgearbeitet werden, welche Problemlagen für Kinder und Jugendliche bestehen und welche Ressourcen verfügbar sind – und zwar in spezifischen regionalen Konstellationen zwischen urbaner und ländlicher Umgebung. Im Zentrum stehen die folgenden Fragestellungen: Welche (sozialen) Räume stehen Kindern und Jugendlichen in Krisen- bzw. Lockdown-Zeiten in unterschiedlichen Regionen zur Verfügung, welche Rolle spielt für sie „Schule“ als Lern- und Sozialraum und welche alternativen Orte gibt es? Außerdem: Welche Be- und Entlastungen werden jeweils berichtet und wie stellt sich die psychosoziale Versorgungssituation dar? Am Ende soll ein regional differenzierter Blick nicht nur helfen, die Vielfalt an jugendlichen Lebensweisen zu unterstreichen, sondern spezifische Belastungen und auch Lösungsansätze zu identifizieren.



Die Empfindung pandemischer Einschränkungen bei der jungen Generation in die Slowakei

Veronika Fishbone Vlčková, Katarína Čavojská

Rat der slowakischen Jugend (Rada mládeže Slovenska), Slowakei

Unser Beitrag analysiert die emotionale Empfindung der ersten Pandemiewelle von COVID-19 in die Slowakei aus der Sicht der jungen Menschen. Die Analyse beruht auf die repräsentative Erfassung für die Bevölkerung im Alter von 15 bis 29 Jahren, welche der Rat der slowakischen Jugend (wie die Bundes Vertretung Jugend im Österreich) an der Wende zwischen April und Mai 2020 realisierte. Wo relevant, wird Vergleich aus der Sicht der erwachsenen Bevölkerung herangezogen.

Obwohl es in der Slowakei keine robuste repräsentative epidemiologische Studie gibt, welche den psychischen Gesundheitszustand während der Pandemie verfolgen würde, sehen wir aus den Teilstudien, dass der psychische Gesundheitszustand der jungen Menschen sich während der Pandemie verschlechtert hat.

Die wiederholte Forschung des Expertenteams aus dem Zentrum für die Forschung der psychischen Störungen an der Comenius-Universität zeigt, dass bis zu 37% der Hochschulstudenten werteten ihre psychische Gesundheit als eher schlecht oder sehr schlecht, was sogar einen doppelten Anstieg des Studentenanteils im Vergleich zum Jahr 2018 darstellte. Die zwei größten Hotlines für Kinder und Erwachsene haben im Vergleich mit Vorjahren während des ganzen Jahres 2020 das Dreifache an Fällen bearbeitet.

In unserer Analyse bestätigen wir, dass in Folge der Pandemie die allgemeine Zufriedenheit der jungen Menschen mit ihrem Leben noch relativ hoch war, und dass sie in der ersten Welle im Vergleich mit den Vorjahren nicht schlechter wird. Die jungen Menschen haben positive Emotionen öfter als die negativen empfunden, die Pandemie haben sie jedoch im Vergleich mit den Erwachsenen weniger positiv erlebt. Die jungen Frauen waren einerseits zwar glücklicher, aber gleichzeitig empfanden sie die negativen Emotionen markanter als Männer.

Junge Menschen fühlten sich vom Coronavirus deutlicher weniger gefährdet als die ganze Bevölkerung. So, wie auch in der ganzen Bevölkerung, haben die jungen Frauen ein höheres Ausmaß an Gefahr empfunden. Von allen Bevölkerungsgruppen fühlten sich junge Männer am wenigsten gefährdet, was sich auch in der niedrigsten Bereitschaft der Maßnahmeneinhaltung widerspiegelte.

Unser Beitrag betrachtet Faktoren, die diese Geschlechtsunterschiede erklären, wie das Aufsuchen von Experten in der Vergangenheit, Kinderfürsorge, aber auch soziale Faktoren, oder wirtschaftliche Faktoren.



Peer-to-Peer Support bei psychischen Problemen am Beispiel der Plattform OPEN

Andrea Jesser, Anna-Lena Mädge, Susanne Schmalwieser, Beate Schrank, Markus Böckle

Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Österreich

Das tägliche Leben junger Menschen hat sich durch die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen wie Homeschooling, Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing massiv verändert. Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sind enorm. Aktuelle Untersuchungen zeigen eine deutliche Zunahme bei depressiven Symptomen, Ängsten und Schlafstörungen und immer mehr Jugendliche berichten von suizidalen Gedanken (Pieh et al., 2021). Gleichzeitig ist das Versorgungsangebot dürftig. Auf Psychotherapie als Kassenleistung müssen Kinder und Jugendliche mehrere Monate warten (Mauritz, 2019). Aber nicht nur Ressourcenknappheit spielt eine Rolle darin, dass Beschwerden unbehandelt bleiben. Viele Jugendliche vertrauen sich erwachsenen Bezugspersonen nicht mit ihren Sorgen an, haben aber selbst zu wenig Wissen um Unterstützungsmöglichkeiten oder eine Scheu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Rahmen eines partizipativen Forschungsansatzes haben wir qualitative Interviews und Gruppendiskussionen mit Jugendlichen, Fachkräften aus der psychosozialen Versorgung, Eltern und Lehrkräften geführt. Das Ziel dabei ist, herauszufinden, mit welchen Formen niedrigschwelliger Unterstützung Jugendliche am besten erreicht werden können. Auf Basis der Ergebnisse haben wir das Konzept für die Plattform OPEN (Online Peer Encouragement Network) entwickelt, auf der sich Jugendliche mit psycho-sozialen Problemen von gleichaltrigen jungen Menschen Hilfe holen können und durch diese über einen gewissen Zeitraum online begleitet werden. In unserem Kurzvortrag werden wir die Ausgangslage für unsere Forschungen präsentieren, die zentralen Ergebnisse darstellen und anschließend die Plattform und ihre Funktionen vorstellen.



In welcher Form tragen Wechselwirkungen zwischen den Logiken digitaler Sozialität und den zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben zu einer veränderten Lebensrealität von Jugendlichen bei?

Sandrine Klot

TU Wien, Forschungsbereich Soziologie

Aus entwicklungspsychologischer Sicht suchen junge Menschen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren nach Räumen, in denen sie mit Peers ungestört Zeit verbringen können (Meeus et al., 2002). Zusammentreffen dieser Art gehen auf entwicklungsbedingte Prozesse zurück, die von der Suche nach Identität, kultureller Zugehörigkeit, moralischem Urteilsvermögen und einem geeigneten Selbstbild bestimmt sind (Erikson, 1982). Für die heutige Generation der Jugendlichen bietet der Umgang mit digitalen Medien ein nahezu unbeschränktes Zeitkontingent für sozialen Austausch (Grgic and Holzmayer, 2012). Zugleich stellen Treffen mit Freunden im Freien, in der Shoppingmall oder in Vereinsräumen einen wichtigen körperbezogenen Anteil ihrer zunehmend digitalisierten Lebenswirklichkeiten dar (Hurrelmann and Quenzel, 2016, Berk, 2011).

Seit dem 2. Lockdown der Pandemie belegen unterschiedliche Erhebungen, dass Jugendliche vermehrt unter depressiven Verstimmungen und subjektiv empfundener Überforderung leiden. In vielen Fällen verfügen Heranwachsende über eine noch zu gering entwickelte Impulskontrolle, um mit den Anforderungen des Distance-Learning zufriedenstellend umgehen zu können (vgl. Salzburger Jugendreport 2020). Außerdem werden sie durch Schuldgefühle gegenüber Älteren und Sorgen um Bezugspersonen wie die eigenen Eltern verunsichert (vgl. Erhebung Schule im 3. Lockdown, 2021). Der Anstieg psychischer Symptome bei Jugendlichen macht deutlich, dass viele Stunden am Smartphone den persönlichen Kontakt beim Sport, Musikhören oder Ausgehen nicht ausreichend ersetzen können (vgl. Erhebung Mental Health in Adolescents during COVID-19-Related Social Distancing and Home-Schooling, 2021).

Reduzieren sich die Möglichkeiten des gemeinsamen Aufenthaltes in öffentlich zugänglichen Räumen, treten Konstitutionsbedingungen medial gestützter Kommunikation stärker in den Vordergrund. Der Vortrag diskutiert ausgewählte Ansätze aus qualitativ-empirischen Untersuchungen (im Kontext der Dissertation „Jugend & Stadt“ TU Wien/ISRA), die mit diskursiver Ausrichtung entwicklungsbedingte Bedürfnislagen Jugendlicher in ihrer wachsenden Verschränkung mit technologischen Paradigmen zum Thema hat. Im Vordergrund steht der Versuch, zusammenhängende Phänomene und wechselnde Facetten von Handlungs- und Wirkmächtigkeit jeweils beteiligter Instanzen zu beschreiben.



Auswirkungen der Covid-19 Pandemie an die Intimbeziehungen der Jugendlicher

Martin Pokorny

Universität Wien, Österreich

In der gegenwärtigen Covid-19 Pandemie werden die Gestaltungsmöglichkeiten von diversen Intimbeziehungen (Familien, Freundschaften, Partnerschaften etc.) deutlich reduziert. Junge Menschen greifen unter diesen Umständen zu unterschiedlicher Alternativen, die die Leistungen der beschränkten Intimbeziehungen teilweise ersetzen sollten. Darunter zählen hauptsächlich ein intensiverer Kontakt mit einer kleineren Gruppe von in der Pandemie zugelassener sozialer Kontakte (z.B. Familie), oder die Nutzung von unterschiedlichen digitalen Medien (diverse Formen der online Kommunikation, soziale Medien, digitaler Kulturkonsum etc.). In diesem Beitrag werden die Auswirkungen dieser alternativen vor allem in Hinsicht auf die Entwicklung der psychosozialen Kompetenzen, die für eine Erfolgreiche Gestaltung von Intimbeziehungen schlüssig sind, diskutiert. In weiterem werden die dargestellten Erkenntnisse auch in einem breiteren, gesamtgesellschaftlichen Kontext verankert.