Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_SchuleIndPan: Ad-hoc-Gruppe - Schule in der Pandemie - Neue Herausforderungen für Lehrende und Eltern
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
14:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Katja Klebig, Martin-Luther-Universität
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Emotionales Erleben von Eltern im Fernunterricht: Wie erklären sich individuelle Unterschiede?

Raphaela Porsch1, Torsten Porsch2

1Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland; 2Hochschule des Bundes Münster, Deutschland

Die Schulschließungen zur Verhinderung der Verbreitung des Corona-Virus und der damit einsetzende Fernunterricht hatte für die Eltern mit Schüler*innen in der Grundschule unmittelbare Folgen. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit mussten Eltern ihre Kinder betreuen und häufig die Funktion als Lernbegleiter*innen übernehmen. Auch wenn die krisenstiftende Ausgangsituation für alle Eltern mit schulpflichtigen Kindern gleich ist, können die Unterstützung der Schule sowie soziale Rahmenbedingungen und individuelle Merkmale zu einem unterschiedlichen emotionalen Erleben führen (vgl. Lazarus, 1995). Im Vortrag wird (1) die Frage beantwortet, inwieweit diese Form des Fernunterrichts zu individuellem Beanspruchungserleben bzw. Stress und Angstempfinden oder Enthusiasmus bei Eltern mit Grundschulkindern führt und (2) ob das schulische Unterstützungsverhalten, die Arbeitssituation der Eltern sowie individuelle Merkmale wie die Kompetenzüberzeugungen und das berufliche didaktische Wissen Unterschiede im emotionalen Erleben erklären können. Die Ergebnisse basieren auf Daten der online durchgeführten ELAL-Studie („Eltern als Lernbegleiter*innen), die von März bis April 2020 während der Schulschließungen deutschlandweit durchgeführt wurde (n = 3.995). Eltern erleben die Situation unterschiedlich und erleben Beanspruchung, Angst, aber auch Enthusiasmus in der Unterstützung ihrer Kinder beim Lernen im Fernunterricht. Die Regressionsmodelle zeigen u.a., dass Eltern, die ein hohes Selbstwirksamkeitserleben in der Vermittlung der Fachinhalte haben und sich von der Schule gut unterstützt fühlten, geringer belastet waren. Die Ergebnisse der Varianzanalyse (MANOVA) zeigen, dass die Gruppe der Eltern, die selbst als Lehrkräfte tätig sind (n = 280), sich von weiteren Gruppen – Eltern, die beruflich Kinder betreuen (n = 231), Eltern, die über didaktisches Wissen verfügen (n = 229), und Eltern mit anderen Berufen (n = 3.255) – statistisch signifikant unterscheiden. Sie fühlen sich im Vergleich weniger beansprucht bzw. gestresst und sind enthusiastischer, ihre Kinder beim Lernen unterstützen zu dürfen. Neben der Diskussion der Ergebnisse wird ein Konzept vorgestellt, wie die Perspektive der Eltern in der Bewältigung der Situation durch Schulen bzw. Lehrkräfte aufgegriffen und deren Ressourcen pädagogisch genutzt werden können.



Inklusion im Fernunterricht? Herausforderungen aus Sicht von Lehrkräften an Volks- und Mittelschulen sowie Eltern

Caroline Breyer1, Franziska Reitegger2, Barbara Gasteiger-Klicpera1, Thomas Gremsl3, Melina Tinnacher2, Heike Wendt2

1Forschungszentrum für Inklusive Bildung/Universität Graz, Österreich; 2Institut für Bildungsforschung und PädagogInnenbildung/Universität Graz, Österreich; 3Institut für Ethik und Gesellschaftslehre/Universität Graz, Österreich

Die durch Covid-19 bedingten Schulschließungen stellen Schulen und Familien vor große Herausforderungen, da sich sowohl der familiäre Alltag als auch die Unterrichtsgestaltung für alle Beteiligten veränderte. Dies gilt in besonderer Weise für die Umsetzung von Inklusion. Schulische Inklusion bedeutet, dass auch im Fernunterricht alle Schüler*innen erreicht, gefördert und gefordert werden, auch jene mit besonderen Unterstützungsbedarfen.

Bisher ist für die Steiermark unklar, ob alle Schüler*innen im Fernunterricht erreicht wurden und inwiefern sich durch den Einsatz digitaler Technologien Schereneffekte in Bezug auf Bildungsgerechtigkeit beobachten lassen. Es sollen Herausforderungen, aber auch potenzielle Chancen, die der Fernunterricht in Bezug auf Inklusion und Digitalisierung mit sich bringt, aus unterschiedlichen Perspektiven genauer untersucht werden. Im folgenden Beitrag steht die Perspektive der Eltern/Erziehungsberechtigten sowie der Lehrkräfte im Fokus. Dabei wird folgende Forschungsfrage adressiert:

Welche Herausforderungen ergaben sich mit Blick auf die Beschulung und Teilhabe aller Schüler*innen aus Sicht von Lehrkräften und Eltern?

Der Online-Lehrer*innenfragebogen umfasst neben sozio-demographischen Informationen auch bereits etablierte Skalen, wie etwa den TEIP zur Erfassung der Lehrer*innenwirksamkeit für inklusive Praktiken (deutsche Version von Feyerer et al., 2016). Weiters enthält der Fragebogen auch adaptierte und neu konstruierte Skalen zu Themenbereichen wie Fernunterricht, Informations- und Kommunikationstechnologien oder Arbeitsbedingungen und -belastungen.

Der Online-Elternfragebogen konzentriert sich thematisch auf die

Verantwortlichkeiten und den Unterstützungsbedarf der Kinder im Fernunterricht. Es wird die elterliche Zufriedenheit mit der Organisation des Fernunterrichts erfragt und die Situation der Eltern in Bezug auf den Fernunterricht (z.B. berufliche und familiäre Belastungen, usw.) wird erfasst.

Die Untersuchung wird an etwa 21-30 Schulen in der Steiermark (14 Volksschulen, 7 Mittelschulen) durchgeführt und es sollen Schüler*innen, (Deutsch-) Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern bzw. Erziehungsberechtigte befragt werden. Der Erhebungszeitraum erstreckt sich von April bis Juni 2021. Erste Ergebnisse zu dieser Studie werden im Rahmen des Kongresses präsentiert.



[…] wir können ja jetzt auch keine Noten verschenken. Habitusspezifische Umgangsstrategien von Lehrenden mit der Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf soziale Ungleichheit

Katja Klebig

Martin-Luther-Universität, Deutschland

Mit der Pandemie wird das professionelle Handeln von Lehrenden vor neue Herausforderungen gestellt. Die Distanzbeschulung erfordert neue Konzepte der Wissensvermittlung im Vergleich zum bisherigen schulischen Lernen. Aktuelle Studien arbeiten heraus, dass sich die bildungsbezogene soziale Ungleichheit verstärke, da die technische Ausstattung sowie die Fähigkeit der Schüler*innen, Lernprozesse eigenständig zu gestalten oder das elterliche Unterstützungspotential nach sozialer Herkunft differiere (Schul-Barometer 2020: 5). Bereits die klassische Literatur stellt heraus, dass die Bildungsnähe der Herkunftsfamilie großen Einfluss auf die Herausbildung von individuellen Bildungsstrategien besitze (vgl. u.a. Bourdieu/Passeron 2007; Boudon 1974). Untersuchungen zum Lehrendenhabitus zeigen, dass er sich über das professionelle soziale Handeln auf die Unterrichtsgestaltung auswirke. Die dadurch entstehenden Lehrstile halten unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten für die herkunftsspezifischen Bildungsstrategien der Schüler*innen bereit (u.a. Lange-Vester et al. 2019, Helsper 2019).

Wie gehen Lehrende mit den Herausforderungen der Pandemie um? Welche Bewältigungsstrategien entwickeln sie? Was hat das für Auswirkungen auf soziale Ungleichheit? Diese Fragen veranlassten eine Untersuchung der habitusspezifischen Umgangsstrategien von Lehrenden. Anhand von leitfadengestützten Interviews wurden Lehrende zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Pandemie zu ihrer Arbeit befragt. Für die Analyse wurden Elemente der Dokumentarischen Methode (Orientierungsrahmen) und der Habitus-Hermeneutik (Gegensatzpaare und Elementarkategorien) miteinander verbunden.

Ein Beispiel ist die sogenannte Wissensmanagerin, für die die Vermittlung von Fachwissen zentrales Element der Unterrichtsgestaltung ist. Einer Distanzbeschulung steht sie skeptisch gegenüber. Denn ohne Noten als Kontrollmechanismen würden die Schüler*innen nur noch das Allernötigste machen. Als Lehrerin und Mutter gibt sie zu, dass ihr die Strukturierung des Alltags zwischen Homeschooling und Home-Office schwer falle, weshalb sie das ihren Schüler*innen noch weniger zutraue. Den Lernprozess stellt sie als ausbildungsnotwendige Pflichterfüllung dar. Das zeichnet ein starres Bild von Schule, ihrer Struktur und Funktionsweise und eröffnet den Schüler*innen wenig Raum für freie, kreative Ansätze zur Bewältigung der gestellten Aufgaben.