Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_HybridMapp: Ad-hoc-Gruppe - Hybrid Mapping. Nutzen und Grenzen von Mapping-Verfahren als Methoden soziologischer Raumforschung
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Ajit Singh, TU Berlin
Chair der Sitzung: Séverine Marguin, Technische Universität Berlin
Chair der Sitzung: Vivien Sommer, TU Berlin
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
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Präsentationen

Hybrid Mapping in der Campusentwicklung

Sarah Herrmann

KIT HoC, Deutschland

Am Beispiel eines Praxisorientierten Forschungsprojekts wird Hybridität im Forschungsprozess an unterschiedlichen Punkten beleuchtet: Beginnend mit der Konstruktion der Fragestellung, ebenso in Datenerhebung und Auswertung und schließlich in der Verwendung der Forschungsergebnisse.

Das Projekt "Außenraumpotenziale am KIT: Lernen, Arbeiten und Leben im Freien" untersucht die Nutzung und potentielle Weiterentwicklung der Außenflächen am KIT. Das Vorhaben ist Teil des Umsetzungsprojektes „KIT als Marktplatz des Wissens“ im Rahmen der Dachstrategie KIT 2025, das interdisziplinär Maßnahmen für eine zukunftsfähige Lehr-Lernumgebung erarbeitet.

In einem Stakeholder-Prozess wurden relevante Frageansätze gesammelt und in ein Befragungsinstrument integriert, was drei übergeordnete Studienzwecke und - perspektiven ergab: a) operativ, b) analytisch sowie c) reflexiv. Diese können den einzelnen Fachrichtungen zugeordnet werden, die im Projekt kooperieren (a) Architektur, b) Soziologie c) Planung/Verwaltung):

a) Die Ortsbestimmung eines Pilot-Projekts

b) Eine Raumsoziologische Untersuchung des Campus zur subjektiven Nutzer*innenperspektive

c) Organisationssoziologisch betrachtet die Legitimation des Vorhabens durch ein adäquates Verfahren (Luhmann2013)

Befragt werden ca. 33000 Personen, 23000 Studierende und 10000 Mitarbeiter*innen des KIT (Vollerhebung- 4 Wochen Laufzeit, Rücklauf ca. 10%). Mit der Software Maptionnaire (new.maptionnaire.com) werden kartenunterstützt quantitativ, qualitativ und visualisierend Daten erhoben. Gezielte Ortsmarkierung sowie Befragung zu Orten ist möglich. Zur Datendarstellung können sog. ‚Heat-maps‘ auf Basis von quantitativen Aspekten der Befragung ausgegeben werden. Zudem werden die qualitativ erhobenen Merkmale bestimmter Orte inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein schlüssiges Ergebnis entsteht durch die Kombination von (quantitativen) Heat-maps und (qualitativen) Beschreibungen, die Proband*innen zu Orten geliefert haben.

Operativ dienen die Ergebnisse der Standortbestimmung eines prototypischen Pavillons. Raumsoziologisch interessiert die aktuelle Nutzung sowie potentielle Ergänzung als ‚Campus‘. Planerisch/Verwaltungstechnisch dient die Erhebung zur Legitimierung der Campusumgestaltung.



Hybrid Mapping von Einzelhandelslandschaften. Ein raumsensibles Mixed-Methods-Design anhand der Verbindung von Kartierung und Foto-Dokumentation

Julia Fülling1, Linda Hering2

1Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland; 2Technische Universität Berlin, Deutschland

Bei Karten und fotografischen Bildern handelt es sich um zwei, in ihren kommunikativen Eigenschaften verschiedenartige, visuelle Medien, die weder in Gänze ineinander noch in Text übersetzt werden können. Die Kartierung ist in der raumbezogenen Forschung eine der klassischen Erhebungsmethoden, um Primärdaten über die räumliche Lage und Merkmale der interessierenden Einheiten zu generieren. Fotografische Bilder werden seit Beginn der Verbreitung der Fotografie in unterschiedlichste Forschungsvorhaben eingebunden. Wir zeigen, wie sie sich ergänzen und durch ihre spezifische Evidenz Akzeptanz schaffen können.

Am Beispiel einer vergleichenden Erhebung des Einzelhandels möchten wir zeigen, wie durch ein raumsensibles Mixed Methods Design, das eine Kartierung mit einer Foto Dokumentation verknüpft, räumliche Wissensmarkierungen und -referenzen erfasst werden können. Die Ergebnisse des Hybrid Mappings von vier Berliner Untersuchungsgebieten belegen, dass sich die Ausstattung eines Gebiets mit Lebensmittelgeschäften mit den baulich strukturellen sowie milieuspezifischen Charakteristika der Gebiete in Zusammenhang bringen lassen. Die Kartierung ist vor allem hilfreich, um die räumlichen Beziehungen und Strukturen der Untersuchungseinheiten zu erfassen, zu vergleichen und zu veranschaulichen. Sie generiert einen Überblick über die Untersuchungsgebiete und liefert zahlenbasierte Informationen auf räumlicher Ebene. Die Bilder als deskriptives Mittel und qualitative Dimension ergänzen die quantitativen Ergebnisse der Kartierungen, indem sie Aspekte der Untersuchungseinheiten sichtbar machen, die über das Kategorienschema der Kartierung hinausgehen. Die Bilder können die Interpretation der Kartierung nicht nur veranschaulichen, bestätigen und verfeinern, sondern liefern für sich wichtige Daten zur Analyse der Untersuchungsgebiete.

Größter Vorteil der vorgeschlagenen Synthese ist die Schaffung einer Datengrundlage, die eine Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Repräsentationsebenen schafft. Sie liefert Daten, um Aussagen auf funktional struktureller Ebene mit jenen auf symbolisch distinktiver Ebene zu kombinieren und bietet dementsprechend einen relationalen Zugang zu Raum.



Following the Affect: Mapping von Affektivität als raumsoziologische Methode?

Yvonne Albrecht

Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

Ausgehend von einem relationalen Raumverständnis wird Raum nicht als fest gefügtes Territorium definiert, sondern in Anlehnung an Martina Löw als relationale (An-)Ordnung von Menschen und Gütern. Aus dieser Perspektive ist insbesondere der Prozess der Herstellung und Konstituierung von Räumlichkeit analytisch relevant. An dieser Konstituierung des so dynamisierten, prozesshaften Raumes sind auch Affekte, Emotionen und Gefühle beteiligt: Sie sind als „media of in-betweeness“ (Seyfert) auch räumliche Bewegungen, wobei sich Affektivität zwischen Subjekten und Körpern vollzieht – in Übertragungen von Kräften und Energien. Insofern sind Affekte, Gefühle und Emotionen auch Distanzphänomene, die Konnektivitäten produzieren und so Räumlichkeit in Form von dynamischer, hybrider Relationalität (mit-)generieren, da sie einen Einfluss auf die Art der Anordnung von Menschen und Gütern zueinander haben. Um dieser affektiv generierten Räumlichkeit auf die Spur zu kommen, ist es daher empirisch notwendig, ‚dem Affekt zu folgen‘. Der Beitrag verfolgt das Ziel, darzustellen, inwiefern dies adäquat gelingen kann und stellt partizipative Mapping-Verfahren in Kombination mit narrativen Interviews und multi-sited ethnography im Sinne eines „Folllowing-the-affect-Designs“ als Möglichkeiten der Methoden-Triangulation in transnationalen Kontexten vor. Daran anschließend soll die Frage diskutiert werden, inwiefern derart produzierte Visualisierungen in Form von affektiven Netzwerkkarten geeignet sind, zu einem Verständnis von Räumlichkeit beizutragen, das auch ihren affektiven Facetten gerecht wird.



Grenzen, Nutzen und Normativität GPS-gestützter Mobilitätsinterviews in der Erforschung sozialer Benachteiligung in ländlichen Peripherien

Christoph van Dülmen

Thünen-Institut für Ländliche Räume, Deutschland

Die alltägliche physische Mobilität von Personen rückt seit Beginn der pandemie-bedingten Einschränkungen in den Fokus öffentlicher Debatten. Durch Kontaktbeschränkungen und zahlreiche weitere Maßnahmen sehen sich viele Bürger*innen einer bewussten Auseinandersetzung mit ihren täglichen Wegen und aufgesuchten Orten gegenüber; räumliche Alltagsroutinen werden gezwungenermaßen sichtbar. Häufig jedoch verorten sich Alltagspraktiken und Raumwahrnehmungen auf einer prä-reflexiven Ebene. Ihre Erhebung stellt dementsprechend eine methodische Herausforderung dar.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht daher die Frage, wie Raumwahrnehmungen sowie -aneignungen von Befragten erhoben werden können. Im Zuge des Beitrages wird ein methodenintegratives Verfahren vorgestellt, welches auf zwei qualitativen Interviews und einem GPS-Tracking beruht. Dieses wurde im Rahmen des Forschungsprojektes „Soziale Benachteiligung in ländlichen Peripherien in Ostdeutschland und Tschechien“ angewandt. Im Mittelpunkt steht die Alltagsbewältigung von Menschen in besonders herausfordernden Lebenslagen (alleinerziehende Eltern, alleinlebende Rentner*innen, arbeitsmarktbenachteiligte Personen) an Wohnstandorten, die u.a. durch dürftige infrastrukturelle Ausstattungen gekennzeichnet sind. In einem ersten problemzentrierten Interview kam die allgemeine Lebenssituation der Personen zur Sprache. Anschließend trugen 30 Befragten für 14 Tage einen GPS-Tracker bei sich und die Bewegungsdaten wurden in Kartenmaterial aufbereitet. Dieses diente in einem zweiten semi-strukturierten Mobilitätsinterview als Erzählstimuli.

Neben einer Skizzierung des Designs wird im Zuge des Beitrags der Nutzen dieser Vorgehensweise anhand von Interviewpassagen herausgestellt. Es wird exemplarisch nachgezeichnet, wie Befragte zum Reflektieren von Raum und Mobilität angeregt werden und welche räumlichen Alltagspraktiken dennoch in einer Sphäre ‚praktischen Bewusstseins‘ (Giddens) verharren. Grenzen zeigen sich dabei auf praktischer sowie kommunikativer Ebene. Im Zuge dieser Diskussion wird ferner auf die normative Dimension der Methodik eingegangen.

Ziel der methodenkritischen Diskussion ist es, einen Beitrag zu den Fragen der Ad-hoc-Gruppe zu leisten, was mittels eines kartenbasierten Interviewverfahrens über Räume erfahren werden kann, was dabei sichtbar gemacht wird und was unsichtbar bleibt.