Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_Alter: Sektionsveranstaltung - Corona-Prekarität? Lebenssituationen älterer Menschen unter Pandemie-Bedingungen
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Claudia Vogel, Hochschule Neubrandenburg
Chair der Sitzung: Miranda Leontowitsch, Goethe-University Frankfurt
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Alter(n) und Gesellschaft (DGS)


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Präsentationen

Spätes Erwerbsleben während der COVID-19-Pandemie in Schweden

Andreas Motel-Klingebiel, Annika Heuer, Susanne Kelfve

Universität Linköping, Schweden

Während der COVID-19-Pandemie hat sich Schweden von Anbeginn auf Empfehlungen wie Kontaktreduzierung and Abstand konzentriert, aber trotz des Verzichts auf lockdownähnliche Maßnahmen standen und stehen die Menschen wie überall vor großen Herausforderungen. Während altersbedingte Sterblichkeitsrisiken und die Rolle der stationären und ambulanten Pflege in Schweden wohlbekannt sind, ist weiterhin wenig über die Folgen insbesondere für die späte Erwerbstätigkeit bekannt. Ziel diese Beitrags ist es daher, die Auswirkungen und Pandemiefolgen in Schweden unter dem Gesichtspunkt sozialer Risiken im Bereich des Erwerbslebens und der Ungleichheit in Bezug auf Alter und Geschlecht vor den Hintergrund von Pandemie- und Gleichstellungspolitiken zu verstehen. Es werden Veränderungen und deren Bewertungen während der Pandemie und der damit verbundenen politischen Maßnahmen erörtert. Es wird vor dem Hintergrund der schwedischen Pandemiepolitiken gefragt a) Welche Veränderungen im Bereich der Erwerbsarbeit erleben Menschen unterschiedlichen Alters in Schweden? b) Wie zufrieden sind Menschen unterschiedlichen Alters mit den Veränderungen im Arbeitsleben und welches sind wichtigsten Herausforderungen? c) Hat die COVID-19-Pandemie im Hinblick auf Alter, Geschlecht einen ungleichen Einfluss auf das Erwerbsleben?

Die Division Ageing and Social Change (www.ageing.se) der Linköping University , in Schweden hat hierzu eine Online-Umfrage mit bisher zwei Wellen durchgeführt (eine dritte Welle wird im Juni 2021 hinzugefügt). Die Stichprobenziehung erfolgte durch Online-Werbung in den größten Tageszeitungen Östergötlands mit 780.000 zufällig verteilten Seitenaufrufen im Juni und Dezember 2020 (n = 1.100 (617/483), 30-74 Jahre, gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bildung). Die Studie wurde im Rahmen des Forschungsprogramms EIWO (www.eiwoproject.org; Forte dnr. 2019-01245) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen Ergebnisse zu Veränderungen und deren subjektive Bewertung im Verlauf der Pandemie: Ältere Arbeitnehmer sind anfangs allgemein weniger negativ von pandemiebedingten Veränderungen betroffen als jüngere. Auffallend sind hingegen starke Geschlechtsunterschiede hinsichtlich Auswirkungen und Bewertungen, die negativen Konsequenzen in der Gruppe der 65-Jährigen und Älteren sowie der Anteil und die Zusammensetzung der Gruppe, die von positiven Veränderungen berichtet.



Veränderung der finanziellen Situation der Menschen im mittleren und höheren Lebensalter nach der ersten Welle der Corona-Pandemie – Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys

Claudia Vogel1, Laura Romeu Gordo2, Heribert Engstler2, Julia Simonson2, Alberto Lozano Alcántara2

1Hochschule Neubrandenburg, Deutschland; 2Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Deutschland

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden ab März 2020 weitreichende Maßnahmen erlassen, die neben intendierten Effekten wie der Kontaktreduzierung auch nicht-intendierte Effekte wie Einkommenseinbußen für einige Gruppen mit sich gebracht haben, und zwar trotz Kompensationsmaßnahmen durch verschiedene Corona-Soforthilfen. Wir gehen den Fragen nach, wie stark Menschen in der zweiten Lebenshälfte in den ersten Monaten nach Beginn der Corona-Krise finanziell von dieser betroffen waren und ob Einkommensverluste bei verschiedenen Gruppen etwa nach sozio-ökonomischen Merkmalen unterschiedlich häufig waren.

Die Ergebnisse basieren auf der im Juni/Juli 2020 durchgeführten schriftlichen Befragung von Personen im Alter ab 46 Jahren, die bereits zuvor mindestens einmal am Deutschen Alterssurvey (DEAS) teilgenommen hatten. Der DEAS ist eine repräsentative Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte, die bereits seit 25 Jahren in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. Einbezogen sind die Angaben von 4.796 Personen, die auch ihr Haushaltseinkommen angegeben haben.

Nach der ersten Welle der Corona-Pandemie hat sich das Haushaltseinkommen bereits bei einem Fünftel der Menschen in der zweiten Lebenshälfte verringert, lediglich bei 3,7 Prozent hat sich das Einkommen erhöht. Erwerbstätige, insbesondere Selbstständige, sind am häufigsten von Einkommensverlusten betroffen (61,1 Prozent), während es bei Personen mit Rentenbezug nur 11,4 Prozent sind. Außerdem hat sich das Haushaltseinkommen am stärksten verringert bei denjenigen, die bereits vor der Corona-Krise über ein geringes Einkommen verfügten. Darüber hinaus wirkten sich während der ersten Welle erfahrene Einkommensverluste bei den unteren Einkommensgruppen besonders gravierend auf eine Verschlechterung des empfundenen Lebensstandards aus. Aus diesen Ergebnissen lässt sich eine (weitere) Zunahme der sozialen Ungleichheit hinsichtlich der finanziellen Lagen aufgrund der Corona-Pandemie folgern. Sie können Argumente liefern in der Debatte, welche politischen Maßnahmen die krisenbedingt ansteigende Ungleichheit abfedern könnten, indem Corona-Hilfen verstärkt für Menschen mit geringen Einkommen verfügbar gemacht werden.



Altersarmut in der Pandemie - Zum Stand der Forschung aus einer lebenslagenanalytischen Perspektive

Lukas Richter

St. Pölten University of Applied Sciences, Österreich

Aus gerontologischer Sicht ist die Covid-19-Pandemie eine Herausforderung für ältere Menschen: Haben sie eine höhere Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe, ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bei einer Infektion und im Besonderen zogen viele Distanzierungsmaßnahmen, die zwar als Schutzmaßnahmen für ältere Menschen getroffen oder argumentiert wurden, weitreichende negative Konsequenzen nach sich. Dabei ist nicht davon auszugehen, dass ältere Menschen uniform mit denselben Problemen und Hindernissen konfrontiert waren und sind. Insbesondere bereits vor der Pandemie von Armut betroffene ältere Menschen dürften weitere Prekarisierungen während der Pandemie erlitten haben, so die wissenschaftliche Vermutung am Beginn der Pandemie (Abrams & Szefler, 2020).

Mittlerweile zeigen erste Studien die Folgewirkungen, konnten etwa Whitehead & Torossian (2020) unterschiedliche Muster von “stressors and joys” der Pandemie entlang sozioökonomischer Determinanten bei älteren Menschen identifizieren, bzw. verweisen Schätzungen für die US-amerikanische Bevölkerung auf ein höheres Risiko einer schweren Erkrankung durch COVID-19 mit zunehmendem Alter und signifikanten Unterschieden zwischen niedrigeren und höheren Haushaltseinkommen (Raifman & Raifman, 2020). Trotz früher Warnungen blieb die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Altersarmut gleichwohl verhalten.

Ziel des geplanten Beitrages ist, aus einer lebenslagenanalytischen Perspektive die bisherigen internationalen Forschungsergebnisse zur Lebenssituation altersarmer Menschen und die begleitenden Lebensveränderungen durch die Pandemie zusammenzuführen und entlang der eigenen Forschungsergebnisse zum Thema Altersarmut zu verdichten. Konkret soll damit aufgezeigt werden, was bisher zum Wandel und möglicherweise verstärkten Prekarisierungstendenzen bekannt ist und wo aktuell Lücken bestehen. Hiermit sollen weitere Forschungsvorhaben eine Anregung finden, denn trotz aller Warnungen scheint der Schnittmenge von Alter und Armut im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs der Pandemie bis dato wenig Platz eingeräumt worden zu sein.



„Während des 1. Lockdowns war noch alles erträglich“ – Einsamkeitsempfinden und Techniknutzung bei Ruheständlerinnen während der Coronakrise

Kristina Barczik, Niklas Weinhold

TU Dresden Medienzentrum, Deutschland

Der 2. Lockdown der Corona-Pandemie zeichnet unterschiedliche Gefühlslagen und verweist bei Frauen im Ruhestand auf Einsamkeitstendenzen. Akzeptierte Zurückhaltung, die Sehnsucht nach Reisen und der Wunsch nach Interaktionen mit der Familie avancieren und mancherorts scheint der Rückzug in den Garten als Ausweg – zumindest für diejenigen, die in der eigenen Häuslichkeit leben. Prekär dagegen lassen sich die Empfindungen von älteren Bewohnerinnen in Pflegeheimen beschreiben. Dominierend und negativ akzentuiert, variieren hier die Empfindungen zwischen Einsamkeit und Isolation. Vier Wochen „im Zimmer bleiben zu müssen und noch dazu allein, war eher wie eingesperrt sein.“ Fungiert Technik in dieser Situation als „Tor zur Welt“? Mitunter lassen sich Tendenzen zur Kompensation durch den Gebrauch von Technik (herkömmliche Telefonie, Fernseher, digitale Medien (Smartphones und Tablets)) feststellen.

Diese Einschätzungen basieren auf 16 qualitativen Einzelinterviews. Die Interviews wurden im März 2021 mit Frauen im Ruhestand bei einem Durchschnittsalter von 77 Jahren, wohnhaft im ländlichen Raum der sächsischen Oberlausitz, durchgeführt. Zu Vergleichszwecken wurden sowohl Frauen, die selbstständig in der eigenen Häuslichkeit leben, als auch Frauen, die in einem Pflegeheim wohnen, befragt. Erfasst wurde das allgemeine Empfinden während des ersten und zweiten Lockdowns. Untersetzt werden die Ergebnisse durch Rückgriff auf die Skalen zum Einsamkeitsempfinden von de Jong Gierveld & van Tilburg (2006) und zu der allgemeinen Lebenszufriedenheit von Janke & Glöckner-Rist (2014). Überdies wurde bei den technikaffineren Probandinnen eruiert, inwieweit die Technik- und/oder Mediennutzung eine Kompensation bereithält und welche Unterstützungsangebote für einen souveränen Umgang mit digitalen Medien erforderlich sind.



Einsamkeit und individuelles Alterserleben in Zeiten einer weltweiten Pandemie – Ergebnisse aus dem SwissSurvey65+

Alexander Seifert, Klaus R. Schroeter

Hochschule für Soziale Arbeit, FHNW, Schweiz

Einleitung und Fragestellung: Der Alltag ist seit nunmehr einem Jahr von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie geprägt. Kontaktbeschränkungen soll(t)en eingehalten und gerade ältere Menschen als „Risikogruppe“ geschützt werden. Dabei wurde/wird allerdings oft die subjektive Wahrnehmung dieser Personengruppe vernachlässigt; also die Frage, wie ältere Menschen selbst vor allem die erste Zeit der Pandemie wahrgenommen haben. Hierbei interessierte uns insbesondere, wie diese Menschen das durch die Kontaktbeschränkungen hervorgerufene vermehrte Alleinsein sowie ihr individuelles Alterserleben empfunden haben.

Methode: Im Rahmen der Schweizer Studie „Swiss Survey 65+“ wurde untersucht, unter welchen Voraussetzungen Menschen ab 65 Jahren möglichst lange und gut ein selbständiges Leben führen können. Insgesamt wurden hierfür Anfang 2020 1.990 Personen ab 65 Jahren in der gesamten Schweiz befragt. Zufällig ergab es sich, daß die Datenerhebung zwischen Januar und Mai 2020 stattfand, also gerade in der Zeitspanne vom Auftreten der ersten Schweizer Corona-Fälle über den ersten Lockdown im März 2020 bis hin zu dessen Lockerungen. Dadurch bot sich die Chance, nicht nur die ursprünglich geplanten Fragen zu stellen, sondern auch die durch die Schutzmaßnahmen bewirkten Veränderungen erheben zu können.

Resultate: Die Ergebnisse zeigen, daß die Einsamkeit anders erlebt wurde und sich auch das negative Alterserleben in dieser Zeitphase verändert hat. Das subjektive Gefühl von Einsamkeit und das negative Alterserleben nahmen im Anschluß an die Empfehlung einer physischen Distanzierung durch die Schweizer Regierung zunächst zu und gingen erst nach der Ankündigung erster Lockerungen des Lockdowns wieder etwas zurück. Neben diesem im Zeitverlauf beobachtbaren Effekt zeigen die Auswertungen auch, daß personenbezogene Faktoren (z. B. sozioökonomischer Status, soziale Eingebundenheit) die Einsamkeit und das Alterserleben beeinflußten.

Diskussion: Die ersten Erkenntnisse zeigen, daß nicht jede Person eine solche Krise gleich gut oder gleich schlecht „übersteht“. Unsere Aufmerksamkeit, als gerontologisch orientierte Sozialwissenschaftler*innen, sollte daher auch nach der Pandemie denjenigen älteren Personen gelten, die besonders unter der Pandemie bzw. den damit verbundenen Schutzmaßnahmen der physischen Distanzierung zu leiden hatten/haben.



 
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