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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_PandemicScien: Ad-hoc-Gruppe - Pandemic Science: Forschung und Lehre in der digitalisierten Arbeitsorganisation
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Maria Keil, University of Bristol
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Pandemic Science: Herausforderungen digitalen Forschens und Lehrens in der Soziologie

Maria Keil1, Tim Sawert2

1University of Bristol; 2Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Während einige wissenschaftliche Disziplinen wie die Epidemiologie und die Virologie während der Covid-19-Pandemie eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren, ist wissenschaftliche Arbeit gleichzeitig nach wie vor stark von den Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus betroffen. Mit der Schließung von Hochschulen und Universitäten sowie Kindergärten mussten Forschungsaufenthalte, Datenerhebungen und physische Lehrveranstaltungen abgesagt und Wissenschaftler*innen sich auf neue Formen der Wissensproduktion und -vermittlung einstellen. Der Start des "kreativen" digitalen Semesters konfrontierte die meisten Lehrenden in Deutschland mit Technologien und Lehrformaten, die sie nicht oder kaum kannten. Welche Auswirkungen hat also diese neue Situation auf die Arbeit von Wissenschaftler*innen und wie stellen sich diese darauf ein? Wie sieht die Zusammenarbeit in Zeiten sozialer Distanzierung aus und wie wird Wissen mit Hilfe digitaler Technologien produziert und ausgetauscht? Die Ergebnisse unseres Surveys, den wir im Mai 2020 mit Professor*innen und Postdocs der deutschen Soziologie durchgeführt haben, zeigen, dass zum einen die Covid-19-Pandemie vor allem die Arbeit von empirisch arbeitenden Forscher*innen einschränkt und dass einige Bereiche der Wissensproduktion besonders von den Covid-19-Maßnahmen betroffen sind, was zur Anpassung verschiedener Strategien wie der Digitalisierung von Arbeitsroutinen führt. Darüber hinaus lassen sich Unterschiede in den Arbeitseinschränkungen zwischen Statusgruppen sowie zwischen Forscher*innen mit und ohne Kinder erkennen. Es zeigt sich, dass die Digitalisierung für bestimmte empirische Forschungsdesigns ihre Grenzen hat. Zum anderen ist die digitale Lehre nicht nur für Lehrende und ihr Arbeitspensum, sondern auch hinsichtlich des erwarteten Lernfortschritts der Studierenden mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Zwar werden auch Vorteile in der Online-Lehre gesehen, dennoch wird die ad hoc Umstellung auf digitale Formate eher kritisch eingeschätzt. Diese Ergebnisse bieten sowohl Anschluss für die Frage neuer oder alter sozialer Ungleichheiten in der Lehre, aber auch in der Forschung, als auch für weitere Betrachtungen fachinterner Differenzen in der Wissensproduktion und -vermittlung.



Das Ende der "Schildkröten"? - Routinierte Karrierepraktiken der Wissenschaft auf dem pandemischen Prüfstand

Hanna Haag1, Daniel Kubiak2

1gFFZ - Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen, Deutschland; 2Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

Auf Grundlage von Forschungsergebnissen aus einem explorativen Projekt zum Erleben der Krise an Hochschulen, in dem Gruppendiskussionen und Einzelgespräche mit Lehrenden und Studierenden in drei Bundesländern durchgeführt wurden, soll insbesondere ein Blick auf veränderte Arbeitsroutinen unter den Lehrenden geworfen werden. Im Vordergrund stehen dabei drei Themenfelder: (I) Digitalisierung der Lehre, (II) Zeitregime und Vereinbarkeit von Carearbeit und Beruf sowie (III) Sollbruchstellen und Chancen für künftige Veränderungen durch die COVID-19 Pandemie.

Die Erwerbsarbeit an Hochschulen ist für wissenschaftliches Personal unterschiedlichen Logiken unterworfen. In der Corona-Krise gerieten diese Logiken teilweise unter einen Prüfstand. Zunächst nicht als systemrelevant eingestuft, war nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 recht schnell klar, dass der Hochschulbetrieb wie gewohnt weiterlaufen sollte und musste. Einige Hochschulen hatten bereits mit Lehrveranstaltungen begonnen, andere waren dabei, sich auf ein digitales Semester einzustellen und rüsteten dafür zunächst ihre digitale Infrastruktur so gut es ging auf, was allerdings bereits einige Missstände im Wissenschaftsbetrieb offenbarte. Was vorher Anspruch war, wurde in rasantem Galopp unausweichliche Realität. An allen deutschen Hochschulen fand eine Umstellung auf fast hundertprozentige digitale Lehre statt – mittlerweile seit drei Semestern. Anhand des Interviewmaterials möchten wir zeigen, dass das Erleben dieser Veränderung hochschulinterner Lehrpraktiken als ein wesentlicher Teilbereich wissenschaftlichen Arbeitens an Hochschulen in starkem Maße von den jeweiligen individuell-biographischen Settings abhängig ist, in denen sich die Personen wiederfinden. Insbesondere Fragen des Zeitmanagements und der Vereinbarkeit mit Carearbeit stellen sich vor diesem Hintergrund noch einmal neu oder anders formuliert weisen auf bestehende Missstände hin, die in die Logiken des Systems eingeschrieben sind. Gleichzeitig eröffnen sich daraus auch Chancen, die eine Veränderung arbeitsbezogener Routinen und Praktiken anstoßen könnten. Im Datenmaterial lassen sich bspw. erste Hinweise auf eine Erosion des Konstrukts „guten Arbeitens“ im Sinne eines Funktionierens im Wissenschaftssystems auf Kosten individual-biographischer Relevanzen erkennen, die eine neue Wertigkeit erlangen.



Und plötzlich nur noch Video: Auswirkungen der digitalen Lehre auf den Lernerfolg von Studierenden

Manuela Pötschke

Universität Kassel, Deutschland

Seit über zehn Jahren werden im Projekt „Statistik lernen!“ am Lehrgebiet Angewandte Statistik der Universität Kassel Daten zu den Einflussfaktoren auf den Lernerfolg von Studierenden der So-ziologie und der Politikwissenschaft untersucht. Eine besondere Rolle spielte dabei immer die Fra-ge, wie digitale Angebote als Begleitung in die Lehrveranstaltung oder das Selbststudium einge-bunden werden können und welche (positive) Wirkung sie möglicherweise entfalten (vgl. Pötsch-ke 2015). Innerhalb der Veranstaltung standen der Einsatz von Audio Response Systemen (ARS) und die Nutzung des Smartphones im Fokus (Pötschke/Krumbein/Moosdorf 2019). Für den Einsatz eines ARS in der Einstiegsphase konnte eine positive kognitive Aktivierung des Vorwissens auch experimentell gezeigt werden (Pötschke/Krumbein 2020).

Zum Beginn des Sommersemesters 2020 fand der Umstieg auf vollständig digitale Lehre ad hoc statt. Seither werden die Angebote kontinuierlich reflektiert und weiterentwickelt. Befürchtun-gen im Zusammenhang mit digitaler Lehre sind unter anderen, dass die Vergleichbarkeit von Prüfungsleistungen vor und während der Pandemie nicht gewährleistet werden kann und dass der Lernerfolg der Studierenden durch die veränderten Studienbedingungen leidet. Im Beitrag werden zwei Fragen empirisch bearbeitet:

Unterscheidet sich der Studienerfolg vor und während der Pandemie und welche spezifischen Herausforderungen sind dabei zu meistern?

Wie können Präsenzklausuren durch gleichwertige und faire Take-Home-Klausuren ersetzt werden?

In die empirischen Analysen zum Studienerfolg werden Erhebungen seit dem WS 2016/2017 einbezogen. Die Klausurformate werden vom SoSe 2019 bis WS 2020/2021 verglichen. Dabei ist eine semesterweise Betrachtung geboten, weil sich die Veranstaltungen im SoSe und WS in den Inhalten und den Prüfungsanforderungen unterscheiden.

Der Ertrag des Beitrages soll in einer besseren Abschätzung der Wirkung von Präsenz- und digitaler Lehre bestehen. Darüber hinaus werden praktische Tipps für die faire Gestaltung von Take-Home-Klausuren in der statistischen Grundausbildung für Sozialwissenschaftler abgeleitet.

Quellen für Forschungspapiere aus dem Projekt "Statistik lernen!": www.uni-kassel.de/go/angst

Pötschke, M./ Krumbein, N. 2020: E-Learning in der Vorwissensaktivierung. In: Kahmann, S./ Ludwigs, S. (Hg.): So gelingt E-Learning. München: Pearson, 146-153



Unsere Forschung in der Pandemie – Die Pandemie in unserer Forschung. Reflexionen über Expert_inneninterviews am Telefon

Anna Gerchen, Lisa Walther

Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Deutschland

Telefoninterviews in der Pandemie sind nicht einfach nur Interviews am Telefon – es sind auch Interviews in der Pandemie. In unserem Beitrag möchten wir beides reflektieren, einerseits die Implikationen und Spezifika von Expert_inneninterviews am Telefon; andererseits die Auswirkungen, welche die anhaltende Covid-19-Pandemie als gesellschaftlicher und sozialer Kontext der Interviews hat.

Unsere Reflexion basiert auf leitfaden-gestützten Expert_inneninterviews, die wir mit (Neuen) Hochschulprofessionellen zu Fragen der Qualitätssicherung in Berufungsverfahren und der Etablierung des dafür eingerichteten Stellentypus der ‚Berufungsbeauftragten‘ führ(t)en. Pandemiebedingt mussten diese Interviews am Telefon geführt werden. Dies erlaubt nun einen Vergleich dieser Interviews mit jenen aus einem Vorgängerprojekt, in dem mit einem konzeptionell vergleichbaren Leitfaden Interviewpartner_innen des gleichen Feldes befragt wurden. So zeigt sich beispielsweise, dass telefonisch geführte Interviews sich sowohl in ihrer Dauer als auch hinsichtlich des Antwortverhaltens der Interviewees von jenen in Ko-Präsenz unterscheiden.

Wie eingangs dargelegt, ist es uns jedoch auch zentral, nicht nur die Medialität des Telefons in ihrer Bedeutung für die Interviewführung zu reflektieren, sondern auch die Pandemie als Kontext (qualitativer) Forschung: So bedeutet(e) die Pandemie große Unsicherheiten auf allen Ebenen und stellt(e) zahlreiche Herausforderungen, die Anpassungen erforderlich machten. Dies betrifft auch das Expert_innenwissen unserer Interviewpartner_innen: Pandemiebedingt ist das von uns untersuchte Feld von Veränderungen der Handlungsabläufe geprägt, was auch eine Neuausrichtung von Handlungsorientierungen forderte. Dies macht die Pandemie auch auf inhaltlicher Ebene in den Interviews präsent.

Ausgehend von diesen Überlegungen möchten wir in unserem Beitrag aufzeigen, wie die Bedingungen der qualitativen Forschung in der Pandemie in allen Phasen des Forschungsprozesses – bei der Leitfadenkonstruktion, dem Feldzugang, der Durchführung der Interviews selbst sowie bei der Auswertung – mitgedacht werden können und so zum Diskurs um (qualitative) Forschung unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie beitragen.



 
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