Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_DynamikUSub: Ad-hoc-Gruppe - Dynamik und subjektive Bedeutung egozentrierter Netzwerke in der Pandemie
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: André Knabe, Universität Rostock
Chair der Sitzung: Andreas Klärner, Thünen-Institut für Ländliche Räume
Chair der Sitzung: Arne Koevel, Universität Bremen
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Auswirkungen der Pandemie auf soziale Netzwerke in Risikofamilien

André Knabe1, Michael Kölch2, Carsten Spitzer3, Olaf Reis2

1Universität Rostock; 2Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Universitätsmedizin Rostock; 3Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Rostock

Die Maßnahmen zur Reduktion des Infektionsgeschehens brachten insbesondere für Familien mit schulpflichtigen Kindern erhebliche Einschränkungen mit sich. Besonders betroffen sind Risikofamilien, die bereits vor der Pandemie mit psychischen Störungen, Armut oder beengtem Wohnraum konfrontiert waren.

Die bisherige Forschung zum subjektiven Umgang mit diesen Risiken und den Bewältigungschancen der davon Betroffenen verweist auf eine hohe Bedeutung sozialer Netzwerke. Doch da die Netzwerke ihrerseits durch die mit der Krise einhergehenden Maßnahmen bedroht sind, ist fraglich, welche Rolle Netzwerke in Pandemiezeiten spielen.

In unserem Vortrag fragen wir daher, wie sich die Zusammensetzung und Dynamik der sozialen Netzwerke von Risikofamilien während des Lockdowns darstellen.

Wir präsentieren die Ergebnisse einer Mixed-Methods-Studie am Ende des ersten Lockdowns (Mai/Juni 2020) mit 19 Familien, die sich zum Zeitpunkt der Erhebung in psychiatrischer Behandlung befanden. Im Rahmen der Studie wurden qualitative Leitfadeninterviews mit den Eltern geführt und die egozentrierten Netzwerken der Familien standardisiert erhoben.

Es zeigt sich, dass die Netzwerke aller Familien durch die Krise geschwächt wurden. Die Hauptlast der Bewältigung trägt die Kernfamilie. Unterstützung fehlt vor allem bei der Sorge um die Kinder. Darüberhinausgehende Quellen von Unterstützung sind die erweiterte Familie und institutionelle Einrichtungen. Letztere waren in der Krise oft nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zu erreichen. Im Idealfall sind die verbliebenen Beziehungen stark genug, um die Situation zu überstehen. Im schlimmsten Fall werden die Kinder nicht nur aus institutionellen Strukturen entlassen (KiTa, Schule, medizinische und therapeutische Hilfen), sondern verschwinden ganz aus der institutionellen und gesellschaftlichen Obhut. Ihr Wohl hängt dann allein von den Kompetenzen und Möglichkeiten ihrer Eltern ab.

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen benötigen Risikofamilien daher besondere Aufmerksamkeit. Es genügt nicht, darauf zu warten, dass sie von sich aus um Hilfe oder eine Notbetreuung für die Kinder bitten. Institutionen sollten proaktiv praktische und informationelle Unterstützung anbieten.



Wenn die Pandemie keinen Unterschied macht: Netzwerke und Mobilität sozial benachteiligter Personen in ländlichen Peripherien

Christoph van Dülmen

Thünen-Institut für Ländliche Räume, Deutschland

Die zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossenen Kontaktbeschränkungen der Bundesregierung stellen den Hintergrund dar, vor dem dieser Beitrag der Frage nachgeht, inwiefern sie sich auf die Lebenslage sozial benachteiligter Personen in ländlichen Peripherien auswirken: Erfahren diese Menschen durch die Maßnahmen weitere Einschränkungen ihrer Lebenschancen; werden Muster sozialer Ungleichheit weiter verstärkt?

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Soziale Benachteiligung in ländlichen Peripherien in Ostdeutschland und Tschechien“ erforschten wir vor und während der Pandemie, wie Personen in besonders herausfordernden Lebenslagen (alleinerziehende Eltern, alleinlebende Rentner*innen, arbeitsmarktbenachteiligte Personen) an Wohnstandorten, die u.a. durch dürftige infrastrukturelle Ausstattungen gekennzeichnet sind, ihren Alltag bewältigen.

Grundlage für diesen Vortrag bilden fünf ausgewählte Fälle, für die ego-zentrierte Netzwerkdaten, GPS-Bewegungsdaten und zwei qualitative Interviews vor der Pandemie und nochmals ein telefonisches Interview sowie Bewegungsdaten während der ‚ersten Welle‘ erhoben wurden.

Es zeigen sich im Alltag der meisten Befragten kaum pandemiebedingte Veränderungen. Die geleistete Mobilität sowie die physischen Kontakte innerhalb der sozialen Netzwerke sind notwendig für die Bewältigung der eigenen Lebenslage und können somit nicht weiter reduziert werden. Diese Praktiken finden nun jedoch unter erschwerten Bedingungen statt (Maskenpflicht in Bus und Supermärkten, Angst vor Ansteckung in notwendigen Kontaktsituationen). Es können Minimalnetwerke bzw. Minimalmobilitäten rekonstruiert und ihr Zusammenwirken vorläufig skizziert werden. Die Situation der Befragten hat sich durch die Regierungsbeschlüsse kaum verändert, weil sie sich permanent in einem (vergleichsweise) kontaktbeschränkten Zustand befinden. Phänomene der Deprivation von sozialen Kontakten in der Freizeit oder dem Aufsuchen öffentlicher Orte stellen hier eher einen Dauer- als einen Ausnahmezustand dar.

Gerade dieser Befund sensibilisiert dafür, wie sich der Alltag sozial Benachteiligter in ländlichen Peripherien gestalten kann, welchen Belastungen diese nicht erst seit der Pandemie ausgesetzt sind und welche Erhebungsinstrumente zur Aufdeckung von Mustern sozialer Benachteiligung herangezogen werden können.



Beziehungsbildung im HomeOffice: Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Formation persönlicher Kollaborationsbeziehungen in interorganisationalen Innovationsprojekten

Philip Roth, Laura Göbel

RWTH Aachen, Deutschland

Das gelingen interorganisationaler Innovationsprojekte wird entscheidend davon beeinflusst, ob starke Kollaborationsbeziehungen zwischen den beteiligten Personen entstehen. Die Forschung zur Formation solcher Beziehungen hebt die hohe Relevanz von face-to-face Begegnungen hervor und fokussiert auf Mechanismen, die solche Begegnungen voraussetzen. Durch die Corona-Krise ist die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung stark eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund soll im Beitrag empirisch danach gefragt werden, wie sich die Formation von Kollaborationsbeziehungen durch die Corona-Krise verändert hat.

Grundlage dafür ist eine komparative Untersuchung von drei Projekten, die zeitlich so verteilt sind, dass sie nicht, nicht von Anfang an und von Anfang an kontaktbeschränkt gearbeitet haben. Die Netzwerke zwischen den jeweils etwa 15 beteiligten Personen aus 7 Organisationen wurden mit differenzierten Standardisierten Verfahren vollständig erhoben. Weiterhin wurde die Formation der Beziehungen im Rahmen Qualitativer Interviews mit sämtlichen Personen detailliert rekonstruiert.

Der Beitrag fokussiert drei Fragen. Erstens soll danach gefragt werden, in welchem Maße es den Partner:innen auch unter den Bedingungen der Corona-Krise gelingt, persönliche Beziehungen zueinander zu entwickeln. Zweitens wird danach gefragt, wie sich die Mechanismen der Beziehungsformation durch die neuen Rahmenbedingungen verändern. Im Artikel soll gezeigt werden, welche der bekannten Mechanismen durch die veränderten Voraussetzungen an Bedeutung gewinnen, welche an Bedeutung verlieren und welche überhaupt erst dadurch entstehen. Drittens wird an diese differenzierte Analyse anschließend auch danach gefragt, wie sich die entstehenden Beziehungs-Netzwerke verändern und zu welchen (neuen) Ungleichheiten die medienvermittelte Kollaboration. Ausgehend von der differenzierten Mechanismen-Analyse soll hier gezeigt werden, dass nicht einfach ein Weniger an Beziehungen zu konstatieren ist, sondern sich andere Konstellationen ergeben.



DYNAMICS IN EGO-NETWORKS OF STUDENTS IN SWEDEN AND THEIR COMPLIANCE WITH COVID-19 RELATED RECOMMENDATIONS

Srebrenka Letina1,2, Karl Wennberg2, Karoly Takacs2, Robert Krause3, Abiel Sebhatu2, Mark McCann1

1University of Glasgow, Vereinigtes Königreich; 2Linköping University, Schweden; 3Freie University Berlin, Deutschland

Strategies for fightingthe spreadof Covid-19 require individual behavioural changes, but are also likely associated with some changes in personal ego-networks due to recommendations related with social distancing. In the past year, a host of studies have examined sources of individual variation in compliance with Covid-19 related recommendations and restrictions, but very little research has examined a central theoretical mechanism in compliance (or non-compliance): social influences among peers and other proximate individuals. Moreover, no study so far looked at how different levels of compliance are related with ego-network characteristics. The aim of our study was to examine dynamics in properties of ego-networks, attitudes and self-reported behaviours related to compliance with Covid-19 recommendations among university students. They are of special interest because they are generally very mobile, social, and in comparatively good health with lower risk of severe disease from Covid-19. In this study, we collected data via on-line questionnaire from over 1200 (wave I) Swedish university students, about their hygiene and social distancing behaviours, how serious they take the pandemic, personality traits, general well-being, and most crucially, their ego-network (with six alters) including alters’ adherence to the recommendations, as perceived by ego. With the longitudinal data (wave I: Dec2020 –Mar2021, wave II: planned for April/May 2021) we aim to assess: 1) characteristics and changes in students’ ego-networks and how are they associated with the level of compliance, and 2) to which extent ego’s Covid-19 related attitudes and behaviours are predicted by how they perceive the behaviour of their alters, while considering socio-demographic variables, personality traits and general well-being. The data from Sweden is especially interesting as Sweden initially took very limited and non-enforced measures. Results may provide relevant insights about how are characteristics and changes in personal ego-networks among students during the crisis related with their compliance with Covid-19 measures. Knowing whether the level of compliance is differentially related with changes in ego-network properties and perceived behaviours of alters could be of importance for future pandemic responses relying on behavioural adaptation among individuals in society.



 
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