Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_FrauenG: Sektionsveranstaltung - Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Helen Schwenken, Universität Osnabrück
Chair der Sitzung: Katharina Kreissl, Universität Salzburg
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Feministische Theorie und Geschlechterforschung (ÖGS), Sektion Frauen- und Geschlechterforschung (DGS), Forschungskomitee Geschlechterforschung (SGS)


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Präsentationen
ID: 509 / Sek_FrauenG: 1
Sektionsveranstaltung - Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse

Ambivalenzen der Solidarität: queere und postkoloniale Perspektiven

María do Mar Castro Varela, Yener Bayramoğlu

Alice Salomon Hochschule Berlin, Deutschland

Es ist kaum ein Zufall, dass in pandemischen Zeiten, Solidarität erneut debattiert wird.Während allerdings einige die Meinung vertreten, die Notmaßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie hätten zeigen können, dass Solidarität als Ausgangpunkt für politische Entscheidungen verstanden werden sollte, schauen wir uns Solidarität in ihrer offensichtlichen Ambivalenz an.

Das Gefühl des Miteinanders kann Menschen ermächtigen und gleichsam ausschließen, ja, sie sogar zum Schweigen bringen. In unserem Beitrag möchten wir die Ambivalenzen der Solidarität aus queer-

theoretischen und postkolonialen Perspektiven diskutieren. Wir stützen uns dabei auf Analysen des internationalen Forschungsprojekt CILIA-LGBTIQ+. Die Ergebnisse konnten eine unserer Annahmen bezüglich des ambivalenten Charakters von Solidarität bestätigen: Solidarische Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung können in der Tat notwendige soziale Veränderungen herbeirufen. Debatten um Inklusion, die Einführung von Antidiskriminierungsrichtlinien und auch die persönliche Unterstützung sind mehr als deutliche Beweise dafür, dass die Diskriminierung von diversen LGBTIQ Menschen nicht mehr einfach hingenommenwird und dass deren Leben – wie auch ihre Zukunftsperspektiven - sich tatsächlich im

Verlauf des Lebens verbesserten.



ID: 375 / Sek_FrauenG: 2
Sektionsveranstaltung - Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse

Zwischen Wüste und Meer – Männliche Gewalt und solidarische Männlichkeiten auf der Flucht

Matthias Schneider

Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland

Seit dem Fall des Gaddafi-Regimes in Libyen und der zunehmenden Sicherung nationaler Grenzen in Afrika durch EU-finanzierte Projekte hat sich der Menschenschmuggel zwischen dem Sudan und dem Mittelmeer zunehmend kriminalisiert und die Grenzen zwischen Schmuggel und Menschenhandel verwischen. Das Geschäft wird fast ausschließlich von Männern betrieben: Misshandlungen, sexuelle Gewalt, Erpressung und Tötungen sind vielfach an der Tagesordnung. Es stellt sich die Frage, wie in diesem Kontext Solidarität unter den Geschleppten zu verstehen ist, insbesondere welche Rollen männliche Geschleppte spielen. Anschließend an neuere Betrachtungen der Männer- und Männlichkeitenforschung, dass Männlichkeiten nicht nur patriarchal sind, erhält dies zusätzliche Bedeutung. So schreibt Elliott (2016) angelehnt an Tronto (1993) von Caring Masculinities als männliche Identitäten, welche sich durch die Abwesenheit von Dominanz und fürsorgeorientierte Werte auszeichnen. Der Verwebung von Männlichkeit und Solidarität wird im Rahmen der Rekonstruktionen der Biographien von Männern nachgegangen, welche aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet sind. Dabei wird aufgezeigt, wie geschleppte Männer nicht nur Teil des Gewaltverhältnisses sein können oder diesem gegenüber passiv sind, sondern sie sich ihm auch aktiv widersetzen und sich mit anderen Geflüchteten solidarisieren. Um dies zu zeigen, werden verschiedene Situationen in unterschiedlichen Schlepper- beziehungsweise Gefangenlagern dargestellt. Dabei schließen sich Männer zusammen, um sexuelle Gewalt an einer Frau zu verhindern, starten mit Frauen eine Kooperation, um mehr Nahrungsmittel zu erhalten, oder entscheiden sich, nicht weiter zu reisen, um sich um die Versorgung anderer Geschleppter zu kümmern. Gleichzeitig wird an diesen Beispielen problematisiert, wie aus intersektionaler Perspektive bestimmte Handlungen zwar solidarisch gegenüber Frauen sind, aber gleichzeitig auch genutzt werden können, um ethnisierte Machtverhältnisse unter Männern zu erzeugen. Ferner muss gefragt werden, inwiefern die Rettung vor sexueller Gewalt losgelöst von traditionellen Männlichkeitsvorstellungen gelesen werden kann. Insgesamt soll mit dem Artikel die Diskussion angestoßen werden, was im Kontext struktureller (männlicher) Gewalt im Menschenhandel und Schmuggel unter solidarischen Männlichkeiten zu verstehen sein kann.



ID: 363 / Sek_FrauenG: 3
Sektionsveranstaltung - Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse

Verwebende Solidarität – Dekoloniale Herausforderungen an internationale Solidarität im 21. Jahrhundert

Sebastian Garbe

Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

Mit dem Beitrag „Verwebende Solidarität“ möchte ich die Ergebnisse meiner Doktorarbeit zu den Möglichkeiten und Grenzen von internationaler Solidarität im 21. Jahrhundert anhand eines Fallbeispiels vorstellen. Ausgehend von dekolonialen, feministischen und antirassistischen Theorien diskutiere ich in dieser Arbeit den internationalen Solidaritätsaktivismus von Akteuren der indigenen Mapuche-Bewegung und ihren Unterstützenden. Anhand einer ethnographischen und aktivistischen Feldforschung habe ich die internationalen Solidaritätskampagnen der Mapuche in Chile und Europa kritisch und unterstützend begleitet und dabei die unterschiedlichen Beziehungen, welche in den Begegnungen von Solidarität zwischen Mapuche und Nicht-Mapuche entstehen, differenztheoretisch untersucht. Die übergeordnete Forschungsfrage war dabei, ob und wie solidarische Beziehungen zwischen Gruppen möglich sind, welche nicht dieselbe Betroffenheit teilen und unterschiedliche Positionierungen einnehmen. Daher knüpfe ich mit meinem Beitrag an die Debatte über Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse an.



ID: 353 / Sek_FrauenG: 4
Sektionsveranstaltung - Solidarität(en) im Kontext multipler Ungleichheitsverhältnisse

Fremd/er in der Krise: (Ent)Solidarisierung durch COVID-19 im Spannungsfeld Fluchtmigration und Geschlecht

Judith Kohlenberger

Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich

Der eingereichte Beitrag diskutiert (Ent)Solidarisierung im Spannungsfeld (Flucht)Migration und Geschlecht während der COVID-19-Pandemie. Konzeptuell wird „Solidarität“ dabei als Grundlage für gemeinschaftliches Handeln verstanden, welche gleichzeitig von bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnissen sowie Fragen der Ressourcenverteilung determiniert wird. In diesem Spektrum verorten sich Erfahrungen von Zugehörigkeit und Fremdsein, von Abgrenzung und Kollektivität. Die empirische Basis für den eingereichten Vortrag bildet eine qualitative Studie unter Frauen und Männern mit türkischem und BKS-Migrationshintergrund sowie Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan, die im ersten Quartal 2021 durchgeführt wurde.

Der Vortrag geht insbesondere auf die berichteten Erfahrungen von (anti-muslimischen) Rassismus und Xenophobie ein, die sich in Pandemiezeiten verstärkt haben. Dazu zählt das stark wahrgenommene racial profiling der Polizei bei der Kontrolle der Eindämmungsmaßnahmen und der Verhängung von Strafen. Bedingt durch das Gebot des Social Distancing verorten vor allem geflüchtete Menschen eine noch stärker zu Tage tretende Ablehnung durch die Residenzbevölkerung und die Unmöglichkeit, mit dieser in Kontakt zu treten, wodurch bereits akquiriertes Sozialkapital abgebaut wird. Verschwörungsideologien mit rassistischem Unterton befeuern den Diskurs und zeichnen sich durch eine Fortschreibung der Trennlinien aus dem Fluchtherbst 2015 aus.

Dem zugrunde liegt eine Strategie der kulturalisierten Entsolidarisierung, die Fragen der Erreichbarkeit und Maßnahmendisziplin zunehmend ethnisiert und religionisiert – ein Befund, den Berichte rund um „Chinavirus“, Cluster bei „Türkenhochzeiten“ und „Balkanheimkehrer“ [sic] verdeutlichen. Kulturtheoretisch lässt sich dies als Othering konzeptualisieren (vgl. Spivak 1988), also diskursives „Fremd(er)machen“ von Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrung durch die Zuschreibung negativ konnotierter Attribute. Während diese Dynamik bereits lange vor der Coronavirus-Pandemie präsent war, verdeutlichen die Studienergebnisse, dass die Erfahrungen von Othering im Alltag wie auch im institutionellen Kontext an Wirkmächtigkeit gewonnen haben. Gleichzeitig sind Fragen der nationalen Zugehörigkeit dringlicher geworden. Im Vortrag sollen dadurch entstandene, ent/solidarisierende Momente identifiziert werden.



 
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