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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_Umwelt: Sektionsveranstaltung - Krise erkannt – Krise gebannt? Sozial-ökologische Brüche, Risiken und Kontinuitäten und was wir aus ihnen lernen können
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Jens Jetzkowitz, Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Chair der Sitzung: Stephan Lorenz, Friedrich Schiller Universität
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Umweltsoziologie (DGS)


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Präsentationen

Wald in der Dauerkrise und die Rolle der Forstwissenschaften in deren (Nicht-) Bewältigung

Susanne Koch1,2

1Technische Universität München, Deutschland; 2Leiden University, Niederlande

Die Überschrift „Wald in der Krise“ betitelt zahlreiche Medienartikel, Pressemitteilungen und Studien, die sich in den letzten Jahren mit dem Zustand von Wäldern befasst haben, wie kürzlich der erste WWF-Waldbericht für Österreich 2020. Entwaldung und Walddegradation lassen sich als Krisenphänomene fassen, die von Kontinuitäten geprägt sind – sowohl im Hinblick auf diskursive Konfliktlinien wie auf ihre Nichtbewältigung. Das Ausbleiben von Veränderungsprozessen ist insofern bemerkenswert, als Ursachen und Treiber von Entwaldung und Walddegradation weitgehend bekannt sind. Das interdisziplinäre Feld der Forstwissenschaften liefert dazu ein breites Spektrum an wissenschaftlichem Wissen, oftmals kommuniziert mit Vorschlägen, wie den Problematiken auf nationaler und globaler Ebene begegnet werden kann. VertreterInnen des Feldes erklären die Kontinuität der Krisensituation oftmals mit der Komplexität von Interessenkonflikten und wachsenden Anzahl von Ansprüchen an den Wald, die der Herausbildung wirksamer Lösungsansätze auf politischer Ebene im Wege stehen.

Mein Beitrag richtet den Fokus auf die Waldforschung selbst und hinterfragt ihre Rolle in der Aufrechterhaltung der Krise: Inwiefern tragen die Forstwissenschaften zur Beharrlichkeit bestehender (und häufig ineffektiver) Mechanismen wie beispielsweise REDD+, einem globalen Instrument zur Minderung von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradation, bei? Inwiefern behindern Machtgefälle und Ungleichheiten innerhalb des forstwissenschaftlichen Feldes einen pluralistischen Diskurs, der vorherrschenden Ansätzen alternative Bewältigungsstrategien entgegenstellt?

Anhand explorativer Studien zu Konferenzen als Orten forstwissenschaftlicher Wissens- und Statusproduktion skizziere ich, wie sich darin Ungleichheiten manifestieren und reproduziert werden. Dabei stütze ich mich auf empirische Daten, die ich mittels statistischer und ethnographischer Methoden generiert habe. Am Beispiel der Waldforschung stellt mein Beitrag die Rolle von Wissenschaft als beharrende Kraft hinter sozial-ökologischen Krisen zur Diskussion.



Treiber und Hindernisse einer Bewältigung der Klimakrise – Erkenntnisse aus der deutschen Energiewende

Gregor Kungl

Universität Stuttgart, Deutschland

In meinem Vortrag möchte ich zur Beantwortung der Frage beitragen, weshalb es bis dato nicht gelungen ist, der Bedrohung des menschenverursachten Klimawandels mit adäquaten Maßnahmen zu begegnen. Hierzu möchte ich am Beispiel der deutschen Energiewende Treiber wie auch Hindernisse einer gesellschaftlichen Bearbeitung ökologischer Probleme identifizieren und auf drei Ebenen differenziert darstellen: Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Von einer strukturierten Gesamtschau ausgehend, will ich zwei ausgewählte Problemfelder vertieft vorstellen und diskutieren.

Erstens lässt sich am Beispiel des erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) und dem Atomausstiegsbeschluss nach Fukushima verdeutlichen, dass die treibenden Faktoren, die den Verlauf der Energiewende begünstigt haben, äußerst voraussetzungsvoll waren und ihre Kraft vor allem aufgrund spezifischer historischer Kontextbedingungen entfalten konnten (Kungl 2018).

Zweitens möchte ich die Bedeutung neoliberaler Sinngehalte für die Bearbeitung der Klimakrise problematisieren. Solche Sinngehalte prägen sowohl die Narrative der Gegner ökologisch orientierter Politik wie auch die vieler Befürworter – jedoch auf sehr unterschiedliche Weise: Der rechtspopulistische Diskurs beispielsweise mobilisiert liberale Vorstellungen von individueller Freiheit zur Diskreditierung ordnungspolitischer Eingriffe und konstruiert die Bedrohung eines aufkommenden grünen Sozialismus (Radke/Schreurs 2019). In ökologisch orientierten Kreisen, auf der anderen Seite, wirken neoliberale Sinngehalte durch das Leitbild der ökologischen Modernisierung (Kungl 2021) das inadäquate Instrumente zur Lösung der Klimaproblematik nahelegt und damit eine Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen erschwert (vgl. Rosenbloom et al. 2020; Gross et al. 2018).

Diese Betrachtungen werde ich zum Abschluss meines Vortrages nochmals in den Gesamtkontext einordnen und in ihrer Bedeutung über den konkreten Fall hinaus bewerten.



Klima-Gefühle – emotionale Pfade zur Nachhaltigkeit?

Martina Hasenfratz, Sighard Neckel

Universität Hamburg, Deutschland

Dass das Wissen um die ökologischen Gefährdungen der Gegenwart keine hinreichende Voraussetzung dafür ist, das Umweltverhalten von Akteuren nachhaltig zu verändern, ist der Umweltsoziologie seit langem bekannt. Der gesellschaftliche Wissenszuwachs über Klimawandel, Artensterben und den Verlust von Biodiversität reicht offensichtlich nicht hin, die ökologische Krise zu überwinden. In der Reflexion dieser kognitiven Beschränkungen verweisen sowohl die Klimaforschung als auch die Klimabewegung in letzter Zeit immer häufiger auf die Bedeutung, welche der Vergegenwärtigung ökologischer Gefahren in kollektiven Emotionen zukommt. In unserem Beitrag nehmen wir diesen Diskurs auf und fokussieren uns auf jene „Klima-Gefühle“, denen aktuell der Status zugeschrieben wird, affektive Treiber für den Klimaprotest und die Etablierung nachhaltiger Lebensweisen zu sein. Basierend auf ethnographischen und anderen empirischen Studien aus der sozialwissenschaftlichen (Klima)Forschung, zeigen sich in der exemplarischen Analyse von Gefühlen wie Scham und Angst dabei ambivalente Konsequenzen, die mit der intensiven Emotionalisierung ökologischer Krisen verbunden sind. Auch sollte die große Aufmerksamkeit, die den „Klima-Gefühlen“ in der Öffentlichkeit zuteilwird, nicht den Blick auf jene emotionalen Dynamiken verstellen, die für das Verschweigen und Leugnen ökologischer Probleme verantwortlich sind.



Governance systemischer Risiken am Beispiel der Corona-Pandemie

Pia-Johanna Schweizer, Ortwin Renn

Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung, Deutschland

Die angestrebte Transformation zur nachhaltigen, klimaneutralen Gesellschaft ist ein konfliktgeladener und riskanter Prozess, der technologische Innovationen, den gravierenden Wandel im Umgang des Menschen mit den Ökosystemen und gesellschaftliche Modernisierungsprozesse umfasst. Neue, komplexe gesellschaftliche Konstellationen ergeben sich aus der Überlappung von global wirkenden Transformationswellen, wie z. B. Globalisierung und Digitalisierung, und der Vielzahl an Interdependenzen zwischen gekoppelten Systemen, wie z. B. Gesellschaft, Technologie und Ökologie. Keiner dieser Transformationsprozesse läuft ohne inhärente Widersprüche ab. Transformationsprozesse bieten große Chancen, zugleich bergen sie zum Teil versteckte Risiken.

Diese Risiken können als die nichtintendierten Konsequenzen von Transformationsprozessen aufgefasst werden. Sie entstehen aus den Wechselwirkungen zwischen Systemen und deren Subsystemen an den Schnittstellen von Technologie, Ökologie und Gesellschaft. Risiken dieser Art werden als systemische Risiken bezeichnet. Systemische Risiken sind komplexe, grenzüberschreitende und nonlineare Risikophänomene, die zudem Kipppunkte aufweisen. Außerdem beeinflussen Risikowahrnehmungen, institutionelle Rahmenbedingungen und kulturelle Situierungen die Reaktion auf und den Umgang mit Risiken. Systemische Risiken erfordern somit Analyseverfahren, die gezielt systemische Wechselwirkungen und Kaskadeneffekte sowie soziale Prozesse in den Blick nehmen. Governance systemischer Risiken erfordert die Integration von interdisziplinären Wissensbeständen und deliberativen Prozessen, um die weitreichenden Auswirkungen dieser Risiken auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche im transdisziplinären Modus der Kooperation zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu bewerten und Nachhaltigkeitstransformationen anzustoßen.

Der Beitrag fokussiert die systemischen Risiken der Corona-Pandemie. Die räumliche und sektorale Entgrenzung zusammen mit der dynamischen Entwicklung der Pandemie stellen die Governance der Pandemie vor Herausforderung. Zudem spielen für die Risikowahrnehmung der Pandemie nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern auch die wahrgenommenen negativen Auswirkungen der Pandemie auf weitere Gesellschaftsbereiche eine Rolle. Besonders bedeutsam ist der Prozess, wie die notwendigen Trade-offs bestimmt und kommuniziert werden.



 
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