Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_Europa: Sektionsveranstaltung - Green Deal 2050 vs. Covid-19
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Vincent Gengnagel, Europa-Universität Flensburg
Chair der Sitzung: Sebastian Büttner, Freie Universität Berlin
Chair der Sitzung: Katharina Zimmermann, Universität Hamburg
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Europasoziologie (DGS)


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Präsentationen

Zur kollektiven Rationalität der digitalen und sozialökologischen Transformationen in Europa

Susanne Pernicka

Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Der bereits 2019 von der EU-Kommission angestoßene Prozess einer grünen Transformation Europas soll mit den Zielen der sozialen Säule verwoben und in die Bewältigung der Corona-Krisenfolgen gelenkt werden. Die ambitionierten Pläne zielen auf einen radikalen und sozial verträglichen Umbau der Wirtschaft und sind in ihrer Dimension am ehesten mit dem Nachkriegsprojekt der wirtschaftlichen Integration vergleichbar, die allerdings erst nach mehr als 40 Jahren in den europäischen Binnenmarkt mündete. In Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um die perzipierten Gewinne und Verluste von sozio-ökonomischen Transformationen wurde die enge Verflechtung zwischen den individuellen Einstellungen und politischen Präferenzen und den jeweiligen sozialstrukturellen Positionen hervorgehoben. Das Spannungsfeld zwischen europäischer Solidarität und Spaltungen zwischen Gewinnern und Verlierern aktueller Transformationen werden etwa in der Ablehnung des Green Deal (Polen), Fridays-for-Future Proteste oder Auseinandersetzungen um Entlassungen in Automobilwerken, die auf Verbrennungsmotoren spezialisiert sind, sichtbar. Neben den Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen dem politischen Feld und dem sozialen Raum rücken damit auch die Interaktionen von wirtschaftlichen, staatlichen und assoziativen Feldern der kollektiven Interessenvermittlung in den Vordergrund. In meinem Papier frage ich nach der Bedeutung von assoziativen Feldern und ihrer Akteure Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, etc. und damit nach der kollektiven Rationalität der Transformationen. Am Beispiels der digitalen Plattformen im Personentransport werden die vielfältigen Konfliktlinien in den Blick genommen, gelten doch die genannten Plattformunternehmen je nach Perspektive als Ausdruck einer neuen ressourcensparenden Sharing Economy oder als Treiber von Individualverkehr, Staus und CO2 Belastungen im urbanen Raum. Auch wenn die Mobilitätsdienstleistungen überwiegend im lokalen Raum stattfinden, sind die Deutungs-, Verteilungs- und Interessenkonflikte um die Rekonfiguration von Märkten nicht auf eine räumliche Ebene beschränkt. Inspiriert durch eine feldtheoretische Perspektive zeige ich auf, wie sich die variable Geometrie Europas in diesen Konflikten zu Regeln, Normen und dominanten Sichtweisen temporär verdichtet und damit in spezifischer Weise zur sozioökonomischen und ökologischen Transformation beiträgt.



Globale Öko-Sozialpolitik

Alexandra Kaasch, Robin Schultze Waltrup

Universität Bielefeld, Deutschland

Sei es durch ein größeres Bewusstsein der Bedrohung durch den Klimawandel im Entwicklungskontext, Überlegungen zu Post-Covid-Strategien, oder vielen anderen Verbindungen zwischen Umweltveränderungen und globalen sozialen Problemen - die Verknüpfung von Umwelt- und Sozialpolitik gewinnt auf nationaler und transnationaler Politikebene zunehmend an Dynamik. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Ideen von Wachstum, Forderungen nach möglichst universeller sozialer Absicherung und umweltverträglicher menschlicher Lebensweise miteinander zu verbinden. Trotz offensichtlicher Zusammenhänge wurde die transnationale Steuerung von Umwelt- und Sozialpolitik bisher hauptsächlich getrennt voneinander diskutiert. Ihre Verbindung ist aber auch schwierig. Einerseits teilen die beiden Politikfelder das Ziel, externalisiertes Wirtschafts- und Marktversagen aufzufangen und auszugleichen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Interessenkonflikte zwischen Sozial- und Umweltpolitik. Der Beitrag stellt die Ideen und Strategien internationaler Organisationen vor, Interdependenzen zwischen den beiden Politikbereichen zu fassen und zu entwickeln, und entsprechende Empfehlungen für globale und nationale zu formulieren.



Betritt Europa eine postneoliberale Phase? Wie sich ökonomische Expertendiskurse durch die COVID-19-Pandemie verändert haben

Jens Maeße

JLU Gießen, Deutschland

Die COVID-19-Pandemie beeinflusst zeitgenössische Gesellschaften auf komplexe und vielfältige Weise. Dieser Vortrag nimmt die europäische Wirtschaft in den Blick, indem er fragt, inwiefern die Corona-Krise in 2020 die Struktur ökonomischer Expertendiskurse verändert hat. Ausgehend von Michel Foucaults Dispositif-Theorie werden vier Ebenen unterschieden, auf denen neoliberale Denkmuster und Reformpolitiken europäische Gesellschaften über die EU-Institutionen in den vergangene Jahren und Jahrzehnten beeinflusst haben: die Weltwirtschaft, Institutionen, politische Netzwerke und Diskurse (siehe Tabelle 1). Während die empirische Analyse die diskursive Ebene fokussiert, wird darüber hinaus das Zusammenspiel aller vier Ebenen diskutiert und untersucht. Am Fallbeispiel zweier Dokumente des Europäischen Semesters 2020 („Länderberichte“ und „EU-Empfehlungen“ zu Italien) werden drei Merkmale dieser Dokumente, die den neoliberalen Diskurs der EU charakterisieren, herausgearbeitet: diskursive Zeitlichkeit, diskursive Autorität und diskursives Ethos. Die vergleichende Diskursanalyse zweier zwischen März 2020 und Mai 2020 veröffentlichter Dokumente zeigt, dass die Corona-Krise wie ein „externer Schock“ den neoliberalen ökonomischen Expertendiskurs auf der Ebene der EU-Institutionen verändert hat (Tabelle 2 fasst die Ergebnisse zusammen). Im Vortrag wird diskutiert, inwiefern eine postneoliberale „neue Normalität“ im Bereich der Wirtschaftspolitik zu entstehen scheint, welche die künftigen Entwicklungsperspektiven europäischer Gesellschaften beeinflussen könnte. Das Ergebnis ist zwiespältig: Während der Neoliberalismus auf diskursiver und institutioneller Ebene durch den Corona-Schock zu verschwinden scheint, verschärft die Corona-Krise auf der Ebene der europäischen Weltwirtschaft offenkundig bereits bestehende regionale Ungleichheiten und klassenspezifische Machtasymmetrien.



Corona-Krisenmanagement in Deutschland, Frankreich und Italien - "Schnelltest zur Sicherung der fortlaufenden Betriebsfähigkeit" oder "Impfung" europäischer Sozialstaatlichkeit?

Nikola Tietze1,3, Olivier Giraud2,1

1Centre Marc Bloch (Berlin); 2Laboratoire interdisciplinaire pour la sociologie économique (CNRS-Cnam, Paris); 3Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

Mit Blick auf die sozialen Herausforderungen des „European Green Deal“ schlagen wir eine gesundheits- und sozialpolitische Reflexion über das Krisenmanagement in der COVID-19-Pandemie in Deutschland, Frankreich und Italien vor. Unser Beitrag baut auf eine Studie über die verfügbaren Krankenhausbetten in der Intensivpflege und die Teststrategien der drei Länder in der ersten Pandemiephase auf. Wir fragen nach der Rolle öffentlicher, privat-kommerzieller und Wohlfahrtsverbands-Akteuren und nach der (Nicht-)Koordination zwischen den lokalen, regionalen, nationalen und EU- bzw. westeuropäischen Handlungsebenen im Krisenmanagement wie auch nach dem Verhältnis zwischen Wissenschaft und regierungspolitischen Akteuren in der nationalen Kommunikation über die Pandemie. Die seit Jahrzehnten vorangetriebene Ökonomisierung des Gesundheits- und Pflegesektors wie auch die Individualisierung der Verantwortung für den eigenen Lebensweg haben – in unterschiedlichem Maße und in unterschiedlicher Weise in den drei Ländern – die Umsetzung von Solidarität beeinträchtigt oder unmöglich gemacht. In dieser Hinsicht haben die Pandemie und das mit ihr verbundene Krisenmanagement soziale und geographische Ungleichheiten ins Licht gestellt und zugleich verstärkt, die durch New-Public-Management-Methoden, wohlfahrtsstaatliche Einsparungen und ein unhinterfragtes Zelebrieren des Selbstmanagements im Sozialhilfebereich gefestigt worden sind.



 
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