Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_Migration: Sektionsveranstaltung - Pandemische Verhältnisse und nationalisierte Solidarität in der Migrationsgesellschaft
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Niki Kubaczek, ÖGS Sektion Migrations- und Rassismusforschung
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Migrations- und Rassismusforschung (ÖGS), Sektion Migration und ethnische Minderheiten (DGS), Forschungskomitee Migration und Minderheiten


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Präsentationen
ID: 606 / Sek_Migration: 1
Sektionsveranstaltung - Pandemische Verhältnisse und nationalisierte Solidarität in der Migrationsgesellschaft

Die EU-Bewegungsfreiheit in der Krise: Grenzüberschreitende Arbeitsmobilität im Spannungsfeld von „Systemrelevanz“ und Renationalisierung“

Torben Krings

Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas zum Stillstand brachte, kam auch der grenzüberschreitende Verkehr weitgehend zum Erliegen (Manderscheid 2020). Angesichts einer zu beobachtenden Renationalisierung in der Krisenbekämpfung schränkten viele EU-Mitgliedsstaaten die Personenfreizügigkeit massiv ein und setzten damit eine der vier Grundfreiheiten faktisch außer Kraft. Dies traf einige Wirtschaftsbereiche unvorbereitet. Infolge der Restriktionen wurde in Österreich ein „Zusammenbruch“ der mobilen 24-Stunden-Betreuung befürchtet und in Deutschland ein Ausfall „ganzer Kolonnen von Bauarbeitern“ (FAZ 2020; ORF 2020). Mit anderen Worten, es zeigte sich in der Krise die „Systemrelevanz“ grenzüberschreitender Arbeitsmobilität. Gleichzeitig traten die prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse vieler migrantischer Arbeitskräfte in der Fleischwirtschaft in Deutschland oder in der 24-Stunden-Betreuung in Österreich offen zutage und wurden einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Dieser Beitrag untersucht die sozialen Folgen der Krise mit einem besonderen Fokus auf transnationale Arbeitsmobilität in Deutschland und Österreich. Es wird argumentiert, dass sich diese Mobilität in der Pandemie in einem Spannungsfeld von „Systemrelevanz“ und Renationalisierung bewegt. Dabei steht tendenziell eine ökonomische Logik der Öffnung einer nationalen Logik der Schließung gegenüber. Schon jetzt zeigt sich, dass die Einschränkung der Bewegungsfreiheit einen Arbeitskräftemangel in einigen Branchen verschärft hat. Zuvorderst handelt es sich aber um eine Mobilitätskrise für die Betroffenen selbst, auf deren oftmals prekäre Erwerbslage die Corona-Pandemie wie ein Brennglas wirkt.

Literatur

FAZ (2020). Baustopp wegen des Coronavirus: Viele Kräne stehen still.

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/baustopp-wegen-corona-folgen-fuer-hessisches-baugewerbe-16685554.html. Zugegriffen: 27. April 2020.

Manderscheid. K. (2020) „Über die unerwünschte Mobilität von Viren und unterbrochene Mobilitäten von Menschen und Gütern“, in Volkmer, M. & Werner, K. (Hrsg.) Die Corona-Gesellschaft: Analysen zur Lage und Perspektiven. Bielefeld: transcript.

ORF (2020) Mediziner warnen: 24-Stunden-Betreuung vor Zusammenbruch.

https://orf.at/stories/3162384/. Zugegriffen 27. April 2020.



ID: 650 / Sek_Migration: 2
Sektionsveranstaltung - Pandemische Verhältnisse und nationalisierte Solidarität in der Migrationsgesellschaft

Wer darf rein? Wer muss raus? Das österreichische Grenzregime in pandemischen Zeiten

Helena Segarra, Magdalena Übleis-Lang, Ivan Josipovic

Universität Wien, Österreich

Die Corona Pandemie hat auf unterschiedliche Weise die Wichtigkeit solidarischer (staatlicher) Unterstützungssysteme aufgezeigt. Menschen die als außerhalb dieser Solidargemeinschaft wahrgenommen werden, wurden von der Pandemie und ihren Politiken jedoch zusätzlich ins Abseits gedrängt und somit einem höheren Risiko ausgesetzt. Während restriktive Maßnahmen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit als gesundheitspolitische Notwendigkeit klar erkennbar sind, spielen auch darüber hinausgehende wirtschaftliche und politische Interessen eine Rolle. So werden im Oktober 2020, mitten in der Corona Pandemie, Grenzschließungen in Österreich noch immer mit einem anhaltenden Migrationsdruck und illegalen Grenzübertritten gerechtfertigt . Hier wird ersichtlich, dass Narrative zur Grenzsicherung und des Pandemieschutzes ineinandergreifen, bzw. Diskurse und Praktiken einerseits fortbestehen aber auch neue hinzukommen. So wurden in der Pandemie weitreichende Reisebeschränkungen eingeführt, allerdings gab es Ausnahmen für Migrant*innen, die als wirtschaftlich „wertvoll“ oder „erwünscht“ klassifiziert werden, während andererseits Abschiebungen, trotz Reisewarnungen und erhöhtem Risiko in den Herkunftsländern durchgeführt wurden. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich dieser Beitrag mit der Frage, wie sich das österreichische Grenzregime durch die Coronakrise hindurch verändert und welche Diskurse und Regierungstechniken sich aus der Pandemie heraus entwickeln. Anhand einer Policy- und Diskursanalyse erläutern wir, wie einerseits physische Grenzräume (weiter) etabliert werden und andererseits gesellschaftliche Grenzziehungsprozesse selektiv verändert oder verfestigt werden, z.B. entlang von Unterscheidungen zwischen ökonomisch wertvoll und nicht-schutzwürdig.



ID: 653 / Sek_Migration: 3
Sektionsveranstaltung - Pandemische Verhältnisse und nationalisierte Solidarität in der Migrationsgesellschaft

Gemeinsam aus der Krise oder zurück zur alten Normalität? Antirassistische Kämpfe unter pandemischen Verhältnissen

Niki Kubaczek1,2, Monik Mokre2,3

1ÖGS Sektion Migrations- und Rassismusforschung, Österreich; 2transversal texts; 3Österreichische Akademie der Wissenschaften

Während manche zu Beginn der Pandemie die Hoffnung hegten, die Corona-Krise könnte die grundsätzliche Verletzlichkeit, das auf einander Angewiesen-Sein aller sichtbar machen und eine breite Welle der Solidarität lostreten, wurde bald klar, dass die Tendenz in eine andere Richtung zeigt: Obwohl klar ist, dass das Problem der Pandemie nur global gelöst werden kann, setzt sich der Trend der Nationalisierung fort: Von Beginn an galt Solidarität nur den jeweiligen Bürger_innen und nicht etwa Migrant_innen und Geflüchteten. Ein Jahr später ist nun die Impfstoffbeschaffung von einem Wettlauf der Nationalstaaten darum gekennzeichnet. Anstatt das Patentrecht auszuschalten, aufgrund dessen sich die Länder des globalen Nordens den Impfstoff leisten können, während durch postkoloniale Verhältnisse ausgebeutete Regionen vermutlich erst Jahre später Zugang zu Impfstoff erhalten werden, werden Feigenblatt- und Charity-Initiativen wie COVAX angepriesen.

Parallel dazu formiert sich Widerstand von durch die Pandemie Frustrierten, Verschwörungstheoretiker_innen und Rechtsradikalen. Die Forderung nach individueller Freiheit verhindert hier jegliche Überlegung zu einer wirksamen solidarischen Pandemiebekämpfung, die die Bedingung der Freiheit nicht nur mancher, sondern aller wäre. Die Erfahrung, in der Reisefreiheit beschränkt zu sein, ist für viele Grund zur Empörung, die es gewohnt sind, diese Freiheit zu genießen, meist ohne ein Bewusstsein dafür, was es bedeutet, diese Freiheit nicht zu besitzen.

Während in europäischen Städten der Frust über die Beschneidung der Reisefreiheit die Menschen auf die Straßen bringt, kämpfen andere weiter um das allgemeine Recht auf Mobilität: Seenotretter_innen und Initiativen wie Border Violence Monitoring Network kämpfen gegen Pushbacks und andere Formen gewaltsamen Grenzschutzes. Auch wenn Social Distancing soziale Bewegungen und breiten Widerstand besonders dann schwer machen, wenn man das Risiko einer Ansteckung ernst nimmt, gelingen immer wieder Mobilisierungen gegen die Auswirkungen der Festung Europa.

Der Beitrag geht anhand von aktuellen Protesten den Bedingungen, Möglichkeiten und Herausforderungen nach, die Solidarität in Zeiten der globalen Corona-Krise mit sich bringt.



 
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