Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_WohnKrise: Ad-hoc-Gruppe - Wohnungskrise – Wohnungspolitik
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Matthias Bernt, Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Wohnungsversorgung im Wandel: Umrisse einer Interdisziplinären Wohnungsforschung

Lisa Vollmer, Barbara Schönig

Bauhaus-Universität Weimar, Deutschland

Wieder einmal wird die Wohnungsfrage heiß diskutiert und wieder einmal regt sich Interesse für das Thema in der Forschungslandschaft. In zyklischer Wiederkehr beginnt sich eine Wohnungsforschung angesichts der gesellschaftlichen Dringlichkeit des Themas zu etablieren und ist dabei auf der Suche nach übergreifenden Theorien, Konzepten, methodischen Zugängen und einer gesellschaftstheoretischen Fundierung, die die diversen disziplinären Zugriffe auf den Gegenstand vereinen könnten. In unserem Beitrag skizzieren wir die Umrisse einer Interdisziplinären Wohnungsforschung und illustrieren anhand von Beispielen eine mögliche Anwendung unseres Forschungsansatzes.

Zur Konzeptualisierung der Wohnungsforschung stellen wir sechs Thesen vor:

1. Die Wohnungsfrage ist paradox: Sie ist universal und zugleich überall besonders, sie ist komplex und basiert zugleich auf einem schlichten Widerspruch.

2. Die Wohnungsforschung muss die vier Dimensionen der Wohnungsversorgung Regulierung und Steuerung, soziale Praktiken, räumliche Materialisierung und Aushandlungsprozesse und deren wechselseitige Bezüge in den Blick nehmen.

3. Der Wandel der Wohnungsversorgung führt zur Herausbildung historisch und lokal spezifischer Wohnungsregime.

4. Um Wandel und Ausprägung der Wohnungsversorgung zu erklären, bedarf es eines interdisziplinären, gesellschaftstheoretisch informierten und vergleichend angelegten Forschungsansatzes.

5. Die interdisziplinäre Wohnungsforschung muss die Wohnungsfrage(n) räumlich differenziert betrachten.

6. Eine institutionalisierte Wohnungsforschung muss die Strukturen und Logiken der Wohnungsversorgung und ihres Wandels auch jenseits wohnungspolitischer Zyklen im Blick behalten.



Der Staat als Adressat städtischer sozialer Bewegungen. Wohnungspolitische Kämpfe und postneoliberale Konstellationen

Sebastian Schipper

Goethe Universität Frankfurt, Deutschland

In Anbetracht der ambivalenten Rolle von städtischen sozialen Bewegungen in Hinblick auf ihr Potenzial, einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel anzustoßen, diskutiert der Beitrag das Verhältnis von wohnungspolitischen Protesten zu staatlichen Institutionen. Angesichts der Rückkehr der Wohnungsfrage ist es städtischen sozialen Bewegungen in den letzten Jahren vielerorts gelungen, Einfluss auf (lokal-)staatliche Wohnungspolitiken zu gewinnen. Allerdings konnten die dominanten Staatsapparate zugleich die Kernprinzipien neoliberalen Regierens, wie etwa die Privilegierung der profitorientierten Wohnungswirtschaft, Austerität in Bezug auf öffentliche Ressourcen und Liegenschaften sowie der Vorrang von Marktmechanismen, erfolgreich institutionell absichern. Dadurch werden die Forderungen wohnungspolitischer Proteste, die auf einen Bruch mit marktorientierten Ansätzen abzielen, häufig entweder entschärft oder in marktkonforme Maßnahmen kanalisiert. Aus Sicht materialistischer Staatstheorie wird diese Konstellation als postneoliberal charakterisiert, da zwar hegemoniale Konsense bröckeln, jedoch die strategische Selektivität der Staatsapparate, in die sich seit Jahrzehnten neoliberale Rationalitäten und ein Regime der Austerität in materiell verdichteter Form eingeschrieben haben, bislang grundlegende wohnungspolitische Veränderungen blockieren.



(Re)Kommunalisierung als neue wohnungspolitische Strategie. Erfahrungen aus deutschen Großstädten

Dieter Rink1, Björn Egner2

1Umweltforschungszentrum Leipzig - UFZ, Deutschland; 2Technische Universität Darmstadt

Im Zuge der neuen Wohnungsfrage ist Wohnungspolitik in vielen deutschen Städten wieder auf die Agenda gelangt. Eine Reihe von Städten haben Wohnungspolitik wieder auf die Agenda gesetzt und wenden Instrumente zur Implementierung an. Eines davon ist die (Re)Kommunalisierung von Wohnungsbeständen, die in zwei Varianten verfolgt wird: 1. Durch den Neubau von Wohnungen und 2. durch den Ankauf bzw. Rückkauf von Wohnungen. Damit soll der Wohnungsmarkt etwas „beruhigt“, den MieterInnen mehr Sicherheit gegeben und der Kommune größere Steuerungsmöglichkeiten verschafft werden. Es stellen sich jedoch auch Fragen: Welchen Beiträge können (Re)Kommunalisierungen zur Lösung der jeweiligen Wohnungsfragen überhaupt leisten? Können wohnungspolitische Ziele mit anderen Instrumenten nicht preiswerter erreicht werden? Diese Fragen werden in Wissenschaft und Politik diskutiert und in öffentlichen Debatten verhandelt. Der geplante Beitrag soll zunächst einen Überblick über die Entwicklung kommunaler Wohnungsbestände in den letzten Jahren in deutschen Großstädten geben. Dabei wird Bezug genommen auf eine Studie zu lokalen Wohnungspolitiken in vierzehn deutschen Großstädten (Rink, D./Egner, B.: Lokale Wohnungspolitik. Beispiele aus deutschen Städten, Baden Baden 2020). Tiefergehend wird dann am Beispiel von vier Großstädten auf die jeweiligen (Re)Kommunalisierungsstrategien eingegangen: Berlin, Dresden, Leipzig und München. Berlin und München sind deswegen interessante Beispiele, weil hier die kommunalen bzw. landeseigenen Wohnungsbestände in den 2010er Jahren etwas erweitert werden konnten, in Berlin auch durch Rückkauf, in München durch Neubau. Dresden ist ein exemplarischer Ausnahmefall, weil hier im Jahr 2017 die Neugründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft erfolgte, nachdem die alte im Jahr 2006 vollständig privatisiert worden war. Leipzig ist ein typischer Fall für Städte, in denen die kommunalen Bestände in den 2000er und Anfang der 2010er Jahre durch Privatisierungen und Abrisse verringert worden waren und wo jetzt eine Ausweitung durch Neubau erfolgen soll. Anhand eines kontrastierenden Vergleichs sollen abschließend Antworten auf die eingangs formulierten Fragen formuliert werden. Der Beitrag zielt damit auf den im CfP genannten Punkt „Veränderungen der Wohnungspolitik“ und sucht dies am Beispiel kommunaler Wohnungspolitiken zu explorieren.



Deutungskämpfe im sozialen Wohnbau in Wien. Aushandlungen des Gemeinnützigkeitsprinzips in Zeiten der Wohnkrise und deren Implikationen für die gebaute Stadt

Georg Wolfmayr1, Altreiter Carina2, Raphaela Kohout1, Sarah Kumnig2, Katharina Litschauer2

1Universität Wien, Institut für Europäische Ethnologie; 2Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung

Der gemeinnützige Wohnbau hat in Wien eine lange Tradition. Nachdem der kommunale Gemeindebau ab den 1990ern langsam zum erliegen kam und erst 2016 im kleinen Stil wieder aufgenommen wurde, entwickelten sich die gemeinnützigen Wohnbauträger zu den zentralen Produzent*innen von leistbaren Wohnraum in Wien. Die gemeinnützigen Wohnbauträger sehen sich selbst als „dritter Sektor“ zwischen Markt und Staat, dessen Aufgabe in der Versorgung mit leistbarem und qualitätsvollem Wohnraum besteht. Wir interessieren uns nun für gegenwärtige Aushandlungen der konkreten Ausformung von Gemeinnützigkeit. Die aktuellen gesellschaftlichen wie finanz-, wohn- und bodenpolitischen Entwicklungen haben das Potential, zu einer Verschiebung sowohl in der Deutung als auch in der (praktischen) Ausgestaltung des gemeinnützigen Wohnbaus zu führen. Die Versorgung mit leistbarem Wohnraum ist in den letzten Jahren durch mannigfaltige Entwicklungen unter Druck gekommen. Der Bevölkerungszuwachs in Wien aber auch Veränderungen von Wohnbedürfnissen führen zu einer anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum und insbesondere leistbaren Wohnraum. Gleichzeitig verzeichnet die Stadt seit Jahren steigende Bodenpreisen, die es für gemeinnützige Wohnbauträger zunehmend schwierig machen, Grundstücke für den geförderten Wohnbau zu akquirieren. Diese veränderten Rahmenbedingungen stellen eine Herausforderungen für das Selbstverständnis der gemeinnützigen Wohnbauträger dar. Wie gehen gemeinnützige Bauträger mit dieser Situation um?

Der Beitrag verfolgt zur Beantwortung dieser Frage einen feldtheoretischen Zugang in der Tradition von Pierre Bourdieu. Basis der Analyse bilden 21 qualitative Interviews (mit Bauträger*innen, Jurymitgliedern, Konsulent*innen und Interessensvertreter*innen), Dokumentenanalysen und statistische Auswertungen von Organisationsdaten, die zwischen 2020 und 2021 erhoben wurden. Wir zeigen unterschiedliche Selbstverständnisse von Gemeinnützigkeit, die sich auch in konkrete unternehmerische Praxis übersetzen und diskutieren diese in Bezug auf Feldposition und institutionelle Rahmenbedingungen. Zur Disposition steht in diesen Aushandlungen, was sozialer Wohnbau und damit auch allgemein das Soziale im 21. Jahrhundert bedeutet und wie er als Teil der gebauten Stadt ausgeformt sein soll.



 
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