Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_WohnUndCoro: Ad-hoc-Gruppe - Wohnen und Corona – Krise als Chance und/oder Brennglas für Missstände?
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Katrin Roller, Technische Universität München
Chair der Sitzung: Sandra Eck, Frauenakademie München
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Wohnen im Kontext urbaner Ungleichheitsverhältnisse: Soziale und ökologische Nachhaltigkeit durch die UN Sustainable Development Goals?

Meike Bukowski, Katharina Kreissl

Universität Salzburg, Österreich

Der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ist auch in Österreich ein zunehmend relevantes Thema (Verlic 2020). Das sinkende Angebot an preislich angemessenem und nachhaltigem, d.h. auch umwelt- und klimafreundlichen Wohnraum, besonders in urbanen und urban-nahen Räumen, hat mittlerweile Dimensionen erreicht, die zu einer verschärften Wohnungskrise führen (Crisp et al. 2017, Schönig und Vollmer 2020). Das schließt ebenso damit einhergehende Prozesse der armutsgetriebenen Binnenmigration mit ein und bedeutet, dass bestimmte Orte aufgrund von Wohnkostensteigerung für bestimmte Gruppen nicht mehr erschwinglich sind und diese Gruppen daher innerhalb Österreichs, oft innerhalb eines Bundeslandes oder Stadtgebiets, umziehen, siehe auch Vertreibungen durch Gentrifizierungsprozesse. Diese resultieren nicht zuletzt aus dem Umstand, dass aufgrund der Finanzmarktlage mit niedrigen Zinsenerträgen Wohnsegmente verstärkt als profitable Anlagemöglichkeiten genutzt werden und nicht mehr dem eigentlichen gesellschaftlichen Anliegen als Versorgung mit Wohnraum zur Verfügung stehen. Dieser Prozess bildet somit ein Kernproblem für die Verfügbarkeit von leistbarem Wohnraum, den es zu überwinden gilt, zumindest, wenn eine wirklich nachhaltige Transformation im Sinne der Agenda 2030 und der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (den sog. SDGs) angestrebt wird.

Die Ziele (SDGs) „keine Armut (SDG 1) und „Reduzierte Ungleichheiten“ (SDG 10) sind für komplexe und dynamische Herausforderungen, wie die Versorgung von angemessenem und leistbarem Wohnraum, von besonderem Interesse, denn sie zeigen die wechselseitige Beziehung von sozialer Ungleichheit, armutsgeprägten Lebensbedingungen sowie ökonomischen und ökologischen Herausforderungen auf. In diesem Zusammenhang werden Optionen bzw. Maßnahmenbündel präsentiert und diskutiert, welche die Reduktion sozialökologischer Ungleichheiten sowie das Zusammendenken von klimaneutraler und klimagerechter Wohnversorgung in den Fokus rücken. Korrelierende Schwerpunktthemen und vorhandene Maßnahmen werden zudem entlang der SDG-Unterziele (Targets) eruiert und einer weiteren qualifizierten Analyse, einem Social and Environmental Impact Assessment unterzogen. Mithilfe eines eigens entwickelten Inequality and Poverty Assessment Modells (IPAM) werden deshalb Maßnahmen und mögl. Handlungsempfehlungen untersucht und Ergebnisse präsentiert.



Corona-Krise als Chance? Soziale Innovation, Transformation und die Aufwertung ländlicher Wohn- und Lebensräume am Fallbeispiel Südtirol

Katharina Crepaz1,2

1Eurac Research, Italien; 2Technische Universität München, Deutschland

Covid-19, der Kampf gegen die Pandemie und ihre Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Gesellschaft dominieren seit März 2020 den öffentlichen Diskurs. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, die Wirtschaft und der Tourismus leiden, und Kulturschaffende sind durch den Ausfall des öffentlichen Lebens und die fehlenden Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen etc. besonders stark betroffen. In diesen gesamtgesellschaftlich schwierigen Zeiten stößt man aber auch immer wieder auf das Narrativ der Krise als mögliche Chance für Innovationen und als Beschleuniger des gesellschaftlichen Wandels in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In der Tat ist es wahrscheinlich, dass einige der Veränderungen, die während der Pandemie Einzug gehalten haben – wie die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, die Verringerung von Geschäftsreisen, das Abhalten von Meetings über Videokonferenz-Tools - auch nach dem Ende von Covid-19 Bestand haben werden. Die Arbeit von zu Hause aus spart Zeit, die mit der Familie oder gemeinwohlorientierten Tätigkeiten verbracht werden kann, schafft Flexibilität, und lässt auch abgelegene ländliche Gebiete zu attraktiven Lebensräumen werden. Nähe zum Ballungsraum verliert an Relevanz, Nähe zur Natur und mehr Platz zum Leben werden wichtiger. Regionale und lokale Kreisläufe und Ökonomien werden gestärkt, ebenso wie die Verbundenheit mit der jeweils unmittelbaren Umwelt und ihren Ressourcen. Die Pandemie sorgte für einen Transformationsschub und ermöglichte plötzliche und sehr rigorose Veränderungen, die in einer Nicht-Krisenzeit in diesem Tempo kaum möglich gewesen wären. Soziale Innovation, gepaart mit der Unterstützung von Transformationsprozessen durch Empowerment der Beteiligten, kann zu einer Aufwertung bisher von Abwanderung und Landflucht betroffener Gebiete, und somit von einer Reaktion auf die Krise zu einer Aktion zur Erschließung und Gestaltung von Lebensraum und Lebenswelt führen. Am Fallbeispiel Südtirol soll dargestellt werden, wie insbesondere ländliche Gebiete von dieser Entwicklung profitieren und sich langfristig zu nachhaltigen und attraktiven Wohn- und Lebensräumen entwickeln können.



WellCare. Wie gemeinschaftliche Wohnformen die Pandemie bewältigen

Katrin Roller1,2, Sandra Eck2

1Technische Universität München, Deutschland; 2Frauenakademie München, Deutschland

Während der öffentliche Diskurs in Zeiten der Pandemie stark den „Haushalt“ und die (tradierte, klassische) „Kleinfamilie“ in eins setzt, bleiben andere Wohnformen und damit die Bedarfe ihrer Mitglieder unterbelichtet. Gemeint sind beispielsweise Alleinlebende, Patchworkfamilien oder Co-Elternschaftsgemeinschaften, transnationale familiäre Gefüge, Wohngemeinschaften und gemeinschaftliche Wohnprojekte – die je eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung, Ausprägung und sozial-räumliche Gestalt annehmen können.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind „dauerhafte Zusammenschlüsse von Menschen, die freiwillig und bewusst bestimmte Bereiche ihres Lebens räumlich und zeitlich miteinander teilen“ (Rettenbach 2008, S. 13), zentral ist dabei das Merkmal der Selbstorganisation im Hinblick auf Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen. Durch die pandemie-bedingte Kontaktreduktion auf vornehmlich die eigenen Haushaltsmitglieder stehen die Wohnprojekte vor der Herausforderung, mit dieser Restriktion umzugehen, demzufolge ihr Zusammenleben anzupassen. Zugleich stehen sie vor der Herausforderung das Wohnprojekt selbst „am Laufen“ zu halten und ggf. übergeordnete Ziele und Ideen der Wohnprojekte dennoch realisieren zu können. Wie kann durch die Pandemie das Gemeinschaftsgefühl erhalten bleiben und dennoch dem subjektiven Befinden und den vergebenen rechtlichen Distanzregeln Rechnung getragen werden? Zeichnen sich durch die Hygienebestimmungen neue Ein- und Ausschlüsse ab, die auch im Bereich der Wohnprojekte sichtbar werden – und dort bearbeitet werden müssen?

Der Vortrag beschäftigt sich mit diesen Fragestellungen und bezieht sich übergeordnet auf die Thematik der sozialen Kohäsion, sowohl in den Wohnprojekten als auch darüber hinaus – auf gesellschaftlicher Ebene. Dazu stellen wir erste Ergebnisse des Forschungsprojektes WellCare, anhand qualitativer Interviewdaten von Bewohner_innen unterschiedlicher Wohnprojekte und Expert_innen im Bereich Wohnpolitik, vor.



Podiumsdiskussion

Sandra Eck

Frauenakademie München, Deutschland

In der Podiumsdiskussion wollen wir einen Bogen spannen von den eben gehörten Forschungsergebnissen hinein in die zivilgesellschaftliche Praxis vor Ort. Wie wohnt es sich unter Pandemiebedingungen? Was bedeutet ein "Recht auf Stadt" trotz Corona? Wo kann und muss politisches Engagement ansetzen?

Es diskutieren:

Raphael Kiczka, Wien

Alexander Jungmann, Augsburg

Romy Reimer, Hannover

Moderation:

Sandra Eck, München



 
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