Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Plenum_Körper: Plenum - Pandemische Biosozialitäten: Körper, Praktiken, Sozialformen zwischen Krisenerfahrung und Bewältigungsstrategie
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Katharina Liebsch, Helmut Schmidt Universität Hamburg
Chair der Sitzung: Katharina Hoppe, Goethe-Universität Frankfurt
Ort: digital

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Präsentationen
ID: 601 / Plenum_Körper: 1
Plenum - Körper, Praxen und Biosozialität: Krisenerfahrungen und Bewältigungsstrategien

Embodying data – Von biosozialen Körper-Daten-Virus-Beziehungen

Lisa Wiedemann

Helmut-Schmidt-Universität, Deutschland

Im Namen von Gesundheit, Diagnose, Fitness oder Wohlbefinden treten lebendige Körper zunehmend in Beziehung zu Biodaten; seit dem letzten Jahrzehnt signalisieren Tracking-Systeme eine neue Ära der Beobachtung und Überwachung von körperlichen Aktivitäten und biologischen Prozessen. Dabei haben körpersoziologische Arbeiten gezeigt: „These data are not inscribed on bodies: they work with and through bodies” (Lupton 2018: 9). Gelebte körperliche Erfahrungen transformieren sich durch digitale Technologien und es entstehen neue Formen des Selbst- und Körperbezugs auf der Basis von biologischem und körperlichem Wissen. Gleichsam entstehen virtuelle Gemeinschaften rund um die Dateneinblicke oder neue Formen der sozialen Valorisierung des Körperlichen. Kurzum: Digitale Körper-Daten-Beziehungen lassen sich im Sinne Paul Rabinow in vielfacher Weise als biosozial beschreiben.

In meinem Vortrag beleuchte ich, wie ein Virus im Zuge der Corona-Pandemie in dieses Beziehungsgeflecht eingezogen ist und zeige auf, dass sich Körper, Biodaten und soziale Verhältnisse in einem unbekannten Ausmaß verschränken. Das Fieberthermometer etwa ist nicht „nur“ Instrument der Familienplanung – wie im Falle des Eisprung-Trackings – sondern orchestriert zusammen mit Schnell- und PCR-Tests unser soziales Zusammensein. Tracking-Technologien und datafizierte Körper sind zu einem Teil des pandemischen Alltagslebens geworden und können als ein Element sowohl von Solidarität als auch Kontrolle gelesen werden. Und tägliche Blicke auf Daten, Statistiken und Kreisdiagramme informieren nicht nur, sondern greifen in die affektiv-sinnlichen Wahrnehmungen von körperlichen Regungen wie Husten oder Niesen ein.

Der Vortrag zeichnet derartige Verschränkungen nach und plädiert dafür, situierte Körper-Daten-Virus-Verflechtungen kritisch soziologisch zu beobachten.



ID: 585 / Plenum_Körper: 2
Plenum - Körper, Praxen und Biosozialität: Krisenerfahrungen und Bewältigungsstrategien

Im Atembaren: Atmosphären des Selbst in Zeiten von COVID-19

Sven Opitz

Philipps-Universität Marburg, Deutschland

Das epidemiologische Imaginäre kreist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um die Ko-Habitation mit Mikroben und handelt somit in herausgehobener Weise von biosozialen Verbünden. In der Moderne spielt dabei das von Bakterien oder Viren besetzte Objekt eine zentrale Rolle; das regelmäßige Waschen der Hände und der Einsatz von Desinfektionsmitteln sollen die Weitergabe von Krankheitserregern unterbrechen. Im Verlauf der COVID-19-Pandemie ist jedoch in zunehmendem Maße die Bedeutung von Aerosolen in den Vordergrund gerückt. Die Ansteckung erfolgt nicht ausschließlich über den direkten Kontakt, sondern vermittelt über Partikel, die in der Luft schweben. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag, wie durch die Rolle der Luft als Übertragungsmedium unser kollektives „In-Atembarem-Sein“ (Peter Sloterdijk) hervorgehoben wird: Wie kann die Soziologie in Rechnung stellen, dass Interaktionen aufgrund der respiratorischen Emissionen von Körpern, die sich beim Sprechen und Atmen ergeben, riskant geworden sind? Der Beitrag argumentiert, dass die „Territorien des Selbst“, wie Erving Goffmann sie prominent umschrieben hat, unter dem Eindruck der Krise um eine atmosphärische Dimension zu ergänzen sind. Während territorialiserende Maßnahmen wie das Abstandsgebot darauf abzielen, soziale Situationen zu ordnen, drohen sie immer auch an der deterritorialisierenden Eigenschaften von Atmosphären zu scheitern. Das gilt sowohl in Bezug auf die schwer eingrenzbaren Strömungsverhältnisse der Luft als auch für die affektiven Dynamiken, die sich unter dem Eindruck der Ansteckungsgefahr entfalten. Insgesamt soll die gleichermaßen vitale wie bedrohliche Qualität jener atmosphärischen Einhüllung in den Fokus treten, auf die uns die genuin ökologische Konstitution von COVID-19 unhintergehbar verweist.



ID: 582 / Plenum_Körper: 3
Plenum - Körper, Praxen und Biosozialität: Krisenerfahrungen und Bewältigungsstrategien

Katastrophe in der Biopolis. Biosoziale Wertordnungen in der Pandemie

Andreas Folkers

Justus-Liebig University Gießen, Deutschland

Der Vortrag analysiert biosoziale Wertordnungen, die sich während der Covid-19 Pandemie gezeigt haben. Diese Wertordnungen lassen sich jeweils mit unterschiedlichen biopolitischen Regimen in Verbindung bringen: Bevölkerungsbiopolitik, Biopolitik vitaler Systeme, Humanitarismus, biosoziale Gerechtigkeit. Es wird gezeigt, wie sich vor dem Hintergrund dieser Wertordnungen unterschiedliche Katastrophenschwellen identifizieren lassen, also Punkte ab denen die Pandemie zu einer Katastrophe wird. Zum Abschluss diskutiert der Vortrag die politischen Potentiale und Grenzen dieser Wertordnungen.



 
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