Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_VisuelleKultur: Ad-hoc-Gruppe - Visuelle Kultur der Pandemie
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Sebastian W. Hoggenmüller, Universität Luzern
Chair der Sitzung: Andrea Glauser, mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Persönliche und gesellschaftliche Verhandlungen der Pandemie – Corona-Postings in sozialen Medien

Paul Eisewicht, Nico Maximilian Steinmann

TU Dortmund, Deutschland

Globale Krisen, wie die Covid-19-Pandemie, fordern die Soziologie heraus, wie globalpandemische makroökonomische und (national-)politische Veränderungen beschrieben und analysiert werden können. Neben der gesellschaftlichen Perspektivierung werfen sie gleichzeitig die Frage auf, wie diese Krisen im Alltag wahrgenommen werden. Im Vortrag sollen Inhalte sozialer Medien betrachtet und typisiert werden, um einen Zugriff auf die Darstellung individueller Erfahrungen und Erlebnisse (durch Posts) wie auch kollektive Verhandlungen der Pandemie (über Kommentare, Likes u.ä.) zu bekommen. Hierfür wird auf ein Sample aus 2% der am besten bewerteten Postings (645 Beiträge) auf der Plattform Imgur.com zurückgegriffen, die unter dem Hashtag #coronavirus veröffentlicht wurden. Die Beiträge wurden nach den Prinzipien der (Visuellen) Grounded Theory kodiert und angelehnt an eine Mixed-Method-Grounded-Theory deskriptiv-statistisch ausgewertet. Dieses Design ermöglicht die Beantwortung der Frage, welche Themen in welchen Medienformaten verhandelt werden, ohne die Perspektive durch die Fokussierung auf bestimmte Kommunikationsmodi oder spezifische Themen (etwa humoristische oder politische Beiträge) im Vorfeld einzuengen.

Dabei ist nicht nur auffällig, welche Vielfalt an Medienformaten sich zeigt, sondern inwieweit hier auch Beiträge anderer sozialer Medien weiterverwendet werden. Thematisch stehen dabei persönliche Beiträge zum Umgang mit der Pandemie, neben Verhandlungen politischer Kritik und informativen Postings. Entlang des ausgewerteten Datenmaterials lässt sich zeigen, dass User*innen verschiedene Kommunikationszwecke, etwa den der Unterhaltung, der Information und des sozialen Zusammenschlusses, in schneller Abfolge auf derselben Plattform miteinander verbinden können.

Ein Schwerpunkt der Analysen soll auf dem Medienformat der Memes liegen, die eine prominente Rolle einnehmen und die aufgrund ihrer Multimodalität und ihrem auf adaptiver Serialität beruhendem Verweisungszusammenhang spezifische Herausforderungen an den Prozess der Datenerhebung und -auswertung stellen, deren Reflexion anhand des vorliegenden Materials neue Impulse für die Erforschung von Memes und der Kommunikation auf Sozialen Medien liefert. Insgesamt trägt der Beitrag damit dazu bei visuelle Kommunikationscharakteristika in Bezug auf Pandemie-Postings herauszuarbeiten.



Bildproteste in der Pandemie

Viktoria Rösch

TU Dresden, Deutschland

Menschenansammlungen sind in Zeiten von Corona etwas Außergewöhnliches. Bilder vieler Menschen auf engem Raum erregen die Betrachter:innen; die einen spüren außergewöhnliche Lust, für die anderen ist diese Vorstellung außergewöhnlich angsterregend. Derzeit sehen wir Bilder von Menschenmassen in der nationalen Berichterstattung hauptsächlich bei den Demonstrationen der selbsternannten „Querdenker“. Die Bilder der Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen, Menschen dicht an dicht, weit weg von den seit Corona symbolträchtigen ‚Einmeterfünfzig‘, Bilder von Menschen ohne Masken: Sie affizieren. Doch dieser Protest spielt sich nicht nur auf öffentlichen Plätzen oder der Straße ab, weitergeführt und verarbeitet wird dieser und insbesondere seine produzierten Bilder auch im digitalen Raum. Nicht erst seit dem Digitialisierungsschub, der durch die Covid19-Pandemie auch vor der Sphäre des politischen Protests nicht Halt gemacht hat, können eine wechselseitige Bezugnahme von insbesondere visuellen Praktiken im Netz und politischem Protest auf der Straße beobachtet werden. Die nahezu unbegrenzte Möglichkeit der Aufnahme von Fotos und Videos und ihrer sofortigen weltweiten Verbreitung schafft eine spezifische Konstellation, die die Kunsthistorikerin Kerstin Schankweiler als „Bildproteste“ (2019) fasst. Sie geht in dieser Verflechtung noch einen Schritt weiter, sie formuliert, dass sich Bilder und Proteste im digitalen Zeitalter gegenseitig hervorbringen (vgl. ebd.: 56).

In diesem Beitrag soll ein Blick darauf geworfen werden, wie Bilder der Querdenkenproteste von neurechten Akteur:innen visuell aufbereitet und wiederum als Teil des politischen Protests genutzt werden. Es stellt sich die Frage nach einer pandemiespezifischen Protestästhetik samt ihrer eigenen Ikonizität. Daneben soll auch das Affizierungspotential dieser Bilder diskutiert werden, also: Welche politischen Affekte werden mit und durch die Bilder angerufen? Wie wird mit und durch die Bilder eine Gemeinschaft gestiftet und wie werden die Bilder genutzt, um zum politischen Protest zu mobilisieren? Empirische Grundlage dieses Vortrags bilden Fotos und Kurz-Videos von Instagram-Accounts neurechter Akteur:innen.



Fensterblicke im Fotowettbewerb: Zum Porträt einer Nation in der Krise

Matthias Sommer

Technische Universität Chemnitz, Deutschland

Die britische National Portrait Gallery eröffnete am 14. September 2020 die Ausstellung »Hold Still. A Portrait of our Nation in 2020«. In Form eines digitalen Fotoblogs (und in lokalen Gemeinschaftsausstellungen) werden 100 Porträts von Menschen präsentiert und der Fokus auf das einzelne Individuum als Akteur der Pandemie gelegt. Vorausgegangen war der Aufruf zur Einsendung von Bildern, welcher zu mehr als 31.000 Bildbeiträgen – zu den drei vorgegebenen Themenschwerpunkten: Helpers and Heroes, Your New Normal und Acts of Kindness – führte. Die Macher:innen der Ausstellung beschreiben diese als „ein ehrgeizige[s] Gemeinschaftsprojekt um ein einzigartiges, kollektives Porträt von Großbritannien während des Lockdowns zu erstellen“ (https://www.npg.org.uk/hold-still/).

Mein Beitrag nimmt das Bildcluster des Projekts zum Ausgangspunkt einer Analyse. In einem ersten Schritt wird das Format der Ausstellung und die spezifische Rahmung durch den Aufruf zur Einsendung von Bildern in Form eines Fotowettbewerbs thematisiert. Daran anschließend, werden die Bilder mit Fokus auf ihre spezifische Zusammenstellung analytisch in den Blick genommen. Die ausgewählten Porträts konstituieren eine spezifische Art des Sehens – eine imaginierte Gemeinschaft – einer Nation in der Krise. Der letzte Teil des Beitrags diskutiert ein zentrales Symbol der Pandemie: das Fenster. Warum ist es gerade das Fenster, welchem ein zentraler Stellenwert in der Bebilderung individueller Pandemieerfahrungen zukommen kann? In Form von Bildserien werden drei Hauptkategorien präsentiert: auf einer ästhetischen Ebene wird das Fenster als spezifischer Bilderrahmen verwendet; durch die Schaffung eines Außen und eines Innen wird eine besondere Form des Fensterblicks etabliert; zudem fungiert das Fenster als ein spezifisches kommunikatives Medium, welches gleichzeitig einen gemeinsamen Raum etabliert und eine Trennung hervorbringt. Das Potenzial des Fensters als kollektives Krisensymbol – so eine These des Beitrags – liegt in seiner Fähigkeit, das Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz zu visualisieren und Personen in einem Schwellenzustand festzuhalten.



Das Gesicht der Pandemie – Zur Kulturbedeutung der Maske im öffentlichen Raum

Andrea Glauser1, Sebastian W. Hoggenmüller2

1Universität für Musik und darstellende Künste Wien, Österreich; 2Universität Luzern, Schweiz

Bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie war in europäischen Ländern das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen als Schutz vor der Übertragung von Krankheiten im Alltagsleben kaum verankert und mehrheitlich auf bestimmte Orte wie Spitäler, (Zahn-)Arztpraxen oder Kosmetikinstitute beschränkt. Vor diesem Hintergrund hat sich das Bild bedeckter Nasen und Münder in kürzester Zeit mit der Corona-Krise verbunden und avancierte gewissermassen zu deren Gesicht. Kaum zu übersehen ist dabei die starke symbolische und politische Aufladung ›der Maske‹ – der Umstand, dass sich an diesem Phänomen vielfältige Konflikte entzünden, die nicht allein den Umgang mit der Pandemie und ihren Auswirkungen betreffen, sondern auch auf allgemeinere Fragen des sozialen Zusammenlebens verweisen.

Unser Beitrag setzt bei der Beobachtung an, dass (Abbildungen von) Gesichtsmasken und ihre Gebrauchsweisen divers sind und sie in ihrer Vielfältigkeit einer genaueren Untersuchung bedürfen, um die soziale Bedeutung der Gesichtsbedeckung in Zeiten von Corona besser erfassen zu können. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei der öffentliche Raum in Städten der Schweiz und Österreichs. In beiden Ländern wurde für bestimmte Räume und soziale Situationen eine Maskenpflicht eingeführt. Gleichzeitig existieren hier wie dort als Resultat politischer Debatten um islamische Bekleidungs- und Verhüllungsvorschriften gesetzliche Bestimmungen, die eine Verhüllung des Gesichts im öffentlichen Raum untersagen. Wie in einer solchen Konstellation das Tragen von Masken im Zusammenhang mit der Pandemie verhandelt wird, interessiert uns am Beispiel von zwei Phänomenen: zum einen mit Blick auf die Art und Weise, wie städtische Behörden durch Plakate, Bodenaufkleber, Schilder etc. kommunizieren, dass eine Schutzmaske zu tragen ist, wobei das Hauptaugenmerk auf der visuellen Gestaltung solcher Aufforderungen sowie Formen allfälliger (visueller) Anschlusskommunikationen liegt. Zum anderen analysieren wir, wie Schaufenster von Ladengeschäften gestaltet sind und wie Masken dabei inszeniert werden. Ausgehend von diesen Fallbeispielen zielen wir darauf, unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen und Auffassungen von Masken zu rekonstruieren. Hierzu bringen wir die visuellen Maskenstrategien auch ins Gespräch mit klassischen und neueren Studien zur Kulturbedeutung des Gesichts (Simmel 1901; Groebner 2003).



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGS ÖGS Soziologiekongress 2021
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.144
© 2001–2022 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany