Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_Unsichtbare: Ad-hoc-Gruppe - Unsichtbare Ungleichheiten in Zeiten der Pandemie
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
17:00 - 19:00

Chair der Sitzung: Carina Altreiter, Wirtschaftsuniversität Wien
Chair der Sitzung: Cornelia Dlabaja, ÖGS Sektion Soziale Ungleichheit
Chair der Sitzung: Raphaela Kogler, Universität Wien
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Unsichtbarkeit und doppelte Fragilität: Die Care-Krise in der Corona-Krise: unsichtbare Ungleichheiten in systemrelevanten Berufsfeldern

Helene Schiffbänker1, Nadja Bergmann2, Greta Wienkamp3

1Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, Österreich; 2L&R Sozialforschung, Österreich; 3Universität Bielefeld, Deutschland

Die COVID-19 Pandemie hat den Fokus der Wahrnehmung und Sichtbarkeit bestimmter Berufsgruppen (Handel, Pflege, Zustelldienste etc.) verändert: im ersten Lockdown wurde in Österreich und Deutschland von den Held*innen gesprochen, welche trotz traditionell schlechter Entlohnung und neu entstehender Herausforderungen wie längerer Arbeitszeiten, erhöhter gesundheitlicher Risiken durch mögliche Ansteckung mit dem COVID-19-Virus sowie Mehrfachbelastung durch umfassende Hausarbeit, häusliche Betreuung der Kinder bzw. Home-Schooling das „System“ aufrecht erhalten.

Für Beschäftigte in diesen „systemrelevanten“ Berufsfeldern, die eine Anwesenheit vor Ort erfordern, verschärft sich die Problematik noch dadurch, dass die ohnehin hohe Arbeitsbelastung weiter zunimmt. Somit stellen die vermehrten Betreuungsaufgaben für Bsie ungleich andere Herausforderungen dar wie für Personen, die im Homeoffice tätig sind. Letztere bestimmen jedoch weitgehend den medialen und politischen Diskurs.

Dagegen sind die spezifischen Betreuungs-Problemlagen von Eltern in „vor-Ort-Berufen“ bislang weitgehend unsichtbar geblieben. Was sind die Herausforderungen für Eltern, die in der Lebensmittel-Industrie oder dem stationären Einzelhandel arbeiten? Wie lösen Pflegekräfte oder medizinisches Personal mit Nacht- und Schichtdiensten ihre Betreuungsverantwortung? Dies ist kaum in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen und Unsichtbarkeit entsteht, weil diese Fakten bislang nicht aufgezeigt, diskutiert und damit aus der privaten Verantwortung heraushoben werden.

Unklar ist auch, ob und wie sich unterschiedliche systemrelevante Berufsfelder unterscheiden in Hinblick auf mögliche Beschäftigungsformen und -muster, wie diese kurzfristig auf die Betreuungssituation während der Covid-Pandemie sowie längerfristig auf die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern rückwirken.

Wir präsentieren erste Ergebnisse aus dem laufenden Projekt „Doppelte Fragilität – Die Betreuungskrise in der Corona-Krise“, das von der deutschen VolkswagenStiftung gefördert wird. In diesem gehen wir auf der Basis von Fallstudien in jeweils zwei Bundesländern in Österreich und in Deutschland der Frage nach, mit welchen Strategien Personen in „systemrelevanten Berufen“ – im Handel und in Krankenhäusern – ihre Betreuungsverpflichtungen bewältigen sowie ob und in welcher Weise bestehende Geschlechterungleichheiten verstärkt werden.



„Von Hundert auf Null“ – Die Disruption der Arbeits- und Lebenslagen solo-selbstständiger Künstler*innen in der Pandemie

Loren Grbic, Stephanie Hamader, Christoph Hiemetsberger, Tamara Kriechbaum

Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Bereits vor der Covid-19-Pandemie waren die Arbeits- und Lebenslagen von Kunst- und Kulturarbeitenden von latenten Prekaritätsrisiken begleitet. Diese verschärften sich auf dramatische Weise im Rahmen der Lockdowns, da für die meisten Künstler*innen die bisherige Geschäftsgrundlage weggebrochen ist.

Im Rahmen eines einjährigen Forschungsprojektes von Master-Studierenden an der Johannes Kepler Universität Linz wurden die Arbeits- und Lebenssituation solo-selbstständiger Kunst- und Kulturarbeitender in der Covid-19-Pandemie untersucht. Hierzu wurden qualitative Interviews mit zehn Künstler*innen mit Schwerpunkt auf Oberösterreich geführt. Hierbei wurden Themen wie atypische und prekärer Arbeitsverhältnisse, Belastungen und Hürden in der Covid-19-Pandemie, Bewältigungsstrategien sowie die Rolle von Interessensvertretungen behandelt.

Im Umgang mit der aktuellen Krise treten vier zentrale Bewältigungsstrategien in den Vordergrund. Dazu zählt neben dem Umstieg auf Online-Formate und beruflicher Umorientierung in Richtung sogenannter „Standbein“-Tätigkeiten (Manske, 2018) auch der Rückhalt in sozialen Netzwerken und staatliche monetäre Hilfeleistungen. Aus den Interviews geht zudem hervor, dass die oftmals nicht bedarfsgerechten staatliche Unterstützungsleistungen den Verdienstausfall nicht kompensieren, Umstiege auf Online-Formate weitgehend wenig zufriedenstellend sind und die berufliche Umorientierung für viele eine unbefriedigende, aber mögliche Option bildet.

Gleichzeitig treten solidarische Ideen, wie die gemeinsame Organisation der eigenen Interessen in den Vordergrund. Trotz der korporatistischen Organisation der Interessensvertretungen in Österreich werden seit jeher manche Berufsgruppen auf politischer Ebene kaum berücksichtigt. Vor dem Hintergrund flexibler Arbeits- und Lebensbedingungen entwickelten die Künstler*innen kreative Strategien zur Bewältigung der Krise.

Literatur:

Manske, A. (2018). Selbstständige Arbeit als Grenzgang. In A. D. Bührmann, U. Fachinger, & E. M. Welskop-Deffaa (Hrsg.), Hybride Erwerbsformen: Digitalisierung, Diversität und sozialpolitische Gestaltungsoptionen (S. 213–237). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-18982-2_9



Ungleiche Unterstützung, ungleiche Überforderung: Geschlechter-Asymmetrien beim Homelearning

Urusla Holtgrewe, Martina Lindorfer, Irina Vana, Carmen Siller

Zentrum für soziale Innovation, Österreich

In einer Befragung in 3 Wellen während der ersten Schulschließung im Frühjahr und Sommer 2020 (an 11 Schulen, finanziert durch den Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds) wurden Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern nach Erfahrungen und Belastungen beim Homelearning, sowie nach Betreuung und Unterstützung zuhause befragt. Ausgewertet wurde nach sozioökonomischem Hintergrund, aber auch nach Geschlecht und nach der Arbeitssituation der Eltern (Arbeitszeit, Homeoffice, eingeschränkte Erwerbstätigkeit).

Mütter übernehmen einen höheren Anteil der intensivierten Kinderbetreuung und Lernunterstützung. Es scheint jedoch, dass (halb-)traditionelle Familien-Arbeitsteilungen in die pandemiebedingte Ausnahmesituation nicht gut übertragbar sind. Versuche, das Homeoffice auf traditionell geschlechterasymmetrische Weise abzuschirmen („Papa muss arbeiten“), stoßen auf Grenzen, und Homeoffice von Müttern ist mit Distanzlernen eher schlecht „vereinbar“. Bei Homeoffice und Distanzlernen erweisen sich gleichmäßigere Aufteilungen und verringerte Arbeitszeiten der Eltern nicht als harmonischer, aber als resilienter.

Auch auf Seiten der Schüler_innen sehen wir geschlechterungleiche Muster: Eltern beobachten die Lernaktivitäten ihrer Söhne besorgter und suchen diese stärker zu unterstützen oder zu beeinflussen als die ihrer Töchter. Mädchen traut man mehr Selbstorganisation und -motivation zu, dabei sind Mädchen und junge Frauen stärker belastet als ihre Kollegen. Diese Wahrnehmung wurde jedoch nicht in mehr Unterstützung durch die Eltern übersetzt.

Im Brennglas der pandemiebedingten Disruption von Lernen, Arbeiten und Leben werden in den Familien Geschlechter-Ungleichheiten in teils unbewussten Denk- und Handlungsweisen, kognitiven und normativen Erwartungen tradiert: Die Arbeitsteilungen und realen wie gefühlten Zuständigkeiten der Eltern geraten an Grenzen. In dieser Situation erwarten die Eltern von Töchtern eher, sich selbst zu organisieren und mit den emotionalen Betroffenheiten selbst zurechtzukommen. Knappe familiäre Kapazitäten der Sorge und Unterstützung werden eher in Buben „investiert“. Man kann darin eine Art indirekter und abstrakter, unintendierter Retraditionalisierung von Geschlechterverhältnissen durch die Familien selbst sehen.



Unsichtbare Ungleichheiten – Sorgetragen in Krisenzeiten.

Carina Altreiter2, Cornelia Dlabaja1, Raphaela Kogler1, Anna Wanka3

1Universität Wien, Österreich; 2Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich; 3Goethe Universität Frankfurt, Deutschland

Die Covid19 Pandemie verstärkt jene gesellschaftlichen Entwicklungen, die dazu beitragen, dass sich soziale Ungleichheiten in verschiedenen Lebensbereichen zuspitzen. Manche Ungleichheiten werden dabei deutlich sichtbarer und andere unsichtbarer – obwohl sie in Krisenzeiten durchaus verstärkt werden. In diesem Diskussionsbeitrag richten wir unseren Blick auf das Sorgetragen in Krisenzeiten und damit verbundenen Invisibilisierungen. Als Sprecherinnen verschiedener Sektionen der ÖGS und DGS kontextualisieren wir (un-)sichtbare Ungleichheiten in Arbeit, Alter(n), Stadt und Prozessen Sozialer Ungleichheit.

Carina Altreiter wirft in ihrem Beitrag aus der Perspektive der Arbeitssoziologie einen Blick auf Mechanismen der Invisibilisierung im Kontext verschiedener Arbeitsformen und damit verbundene materielle wie symbolische Anerkennungsverluste.

Cornelia Dlabaja diskutiert das Thema aus der Perspektive der Ungleichheitsforschung und thematisiert Sorgetragen für die Gemeinschaft in Zeiten der Pandemie, am Beispiel von lokalen Bürgerinitiativen sowie jene SystemerhalterInnen wie NahrungsmittelproduzentInnen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die während der Lockdowns nicht im Homeoffice arbeiten konnten.

Raphaela Kogler zeigt aus Sicht der interdisziplinären Stadtforschung, wie sorgetragende Menschen in urbanen Nachbarschaften während der Pandemie hervortreten und welche Rolle öffentliche Räume (und dessen Zugangsbarrieren) für verschiedene soziale Gruppen spielen.

Anna Wanka diskutiert aus Perspektive der Alter(n)sforschung, wie das Differenzmerkmal ‚Alter‘ und die soziale Situation älterer Menschen in der Pandemie auf amivalente Weise sichtbar und unsichtbar gemacht werden.

Außerdem kontextualisieren wir die in den Vorträgen aufgeworfenen Thesen, um unsichtbare Ungleichheiten in Zeiten der Pandemie fassen zu können.



 
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