Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_DieatomStadt: Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
14:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Lisa Vollmer, Bauhaus-Universität Weimar
Chair der Sitzung: Nihad El-Kayed, HU Berlin
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen
ID: 640 / ad_DieatomStadt: 1
Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise

Das Neosoziale in/an der Pandemie

Stephan Lessenich

Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland

Eigenverantwortung in Sozialverantwortung: Auf einen kürzeren Nenner lässt sich wohl kaum bringen, was in der gegenwärtigen Krise gesellschaftlich angesagt und gesellschaftspolitisch gefragt ist. Jede*r ist aufgefordert, sich selbst zu steuern, zu zügeln, zu kontrollieren – im Sinne und Dienste des Gemeinwohls. Daheimbleiben, Abstand halten, Maske tragen, Kontakte minimieren, das Impfangebot annehmen – der gesamte coronabedingte Verhaltenskodex zielt zwar auch auf den Selbstschutz vor Infektion, in erster Linie aber auf den Schutz der Allgemeinheit vor den Infizierten. Das Wohl (und Wehe) der gesellschaftlichen Gemeinschaft ist in meine, deine, unser aller Hände gelegt. Wer gegen die Verhaltensnorm verstößt, macht sich daher schuldig, ja setzt das Leben anderer aufs Spiel. Eine stärkere Moralisierung individuellen Wohl- und Fehlverhaltens als entlang der Achse von Leben und Sterben ist wohl kaum denkbar: Jede*r einzelne von uns hat es selbst in der Hand, ob er*sie gut oder böse, Heldin oder Schurkin, Lebensschützer oder Todesengel ist. Dabei vollzieht sich die Subjektivierung des Sozialen in der Corona-Krise wie im „neosozialen“ Drehbuch: Vor lauter individueller Eigenverantwortung für die Reproduktion des Sozialen geraten die strukturellen Ursachen der Krise ebenso aus dem Blick wie die Vernachlässigung öffentlicher Verantwortlichkeit.



ID: 491 / ad_DieatomStadt: 2
Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise

Paradigmen der postpandemischen Stadt

Iris Dzudzek

Institut füt Geographie der Universität Münster, Deutschland

Derzeit wird in Stadtpolitik, Planung und Wissenschaft um die Zukunft der Stadt gerungen. Dieser Input analysiert aktuelle Debatten um die postpandemische Stadt, arbeitet ihre zugrunde liegenden Wissensordnungen und Paradigmen heraus und fragt welche Menschen-, Technologie-, Raum- und Politikbilder die konkreten Entwürfe der postpandemischen Stadt prägen. Diese sind so divers wie die Stadt selbst. Der Input zeigt weiter, dass es gerade in außereuropäischen Kontexten mit Erfahrungen im Umgang mit Infektionskrankheiten Alternativen zur Dystopie von Selbstverantwortung in der technikoptierten und marktliberalen Stadt gibt, die Gesundheit als Recht auf Stadt mit Solidarität und struktureller Gesundheitsprävention verwirklichen.



ID: 571 / ad_DieatomStadt: 3
Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise

Urbane Moralökonomien in der Krise

Hannah Schilling

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland

Mein Beitrag nimmt die Diagnose eines neosozialen sozialmoralischen Regimes als Ausgangspunkt, um die Wirkungsweisen der in der gegenwärtigen Krise verstärkten individualisierten Anrufung von Solidarität zu diskutieren. Mein Fokus liegt auf städtischen Alltagspraktiken und wie sie in Spannung zu politischen Sichtweisen auf die Bewältigung der Corona-Krise stehen. Indem ich den Blick auf die Wirkungsweisen des Neosozialen lenke, kann ich zum Einen zeigen, dass die individualisierte Anrufung zwar mächtig, aber nicht die einzige Logik ist, die städtisches Leben in der Corona-Krise prägt. Moralökonomien, die auf gegenseitige Verpflichtungen beruhen genauso wie unsichtbare soziale Infrastrukturen zeigen die Grenzen der atomisierten Stadt auf. Daraus folgt, dass Diskurse über das Städtische nicht bei einer Diagnose der atomisierten Stadt stehen bleiben sollten: Die Stadtsoziologie läuft sonst Gefahr, selbst zur Komplizin des Neosozialen zu werden, da sie unsichtbar macht, wie Interdependenzen das städtische Zusammenleben weiterhin maßgeblich prägen.



ID: 670 / ad_DieatomStadt: 4
Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise

Die post-soziale Stadt

Christoph Reinprecht

Universität Wien, Österreich

Die Pandemie beschleunigt einen Formenwandel des Sozialen, der in Richtung einer post-sozialen Urbanität weist. In meinem Beitrag beschäftige ich mich, auch in Bezugnahme auf Lessenichs Überlegungen zum Neosozialen, mit Beispielen post-sozialer Urbanität, wie sie an Praktiken der (Un-)Sichtbarmachung, der Residualisierung des Sozialen, der ökonomischen Landnahme des öffentlichen Raums, des sicherheitsbesessenen Urbanismus, der Durchsetzung von Programmierungsdispositiven in Stadtplanung und städtischer Governance festgemacht werden können. In Reflexion von Ansätzen der guten und umkämpften Stadt, als zwei dominierende Varianten des Sozialen im Konzept des Städtischen, stelle ich schließlich die Frage nach den Potenzialen und Quellen eines neuen Sozialen, das sich der neoliberalen/neosozialen Logik städtischer Vergesellschaftung (nach dem Motto "allein solidarisch") widersetzt, aber zugleich Erfahrungsräume reflektiert von alternativen Formen solidarischer Urbanität.



ID: 288 / ad_DieatomStadt: 5
Ad-hoc-Gruppe - Die atomisierte Stadt – Urbanität und Moral in der Corona-Krise

Solidarische Nachbarschaften und Infrastrukturen der Fürsorge (Care) – Theorie oder Praxis?

Anna Steigemann1, Christian Haid2

1TU Berlin/ Universität Regensburg, Deutschland; 2TU Berlin/ Institut für Architektur, Deutschland

Seit ihren Anfängen prognostiziert die Stadtforschung regelmäßig das Aus der Nachbarschaft. Zugleich konzentrieren sich die stetig steigenden sozialen Ungleichheiten nicht nur räumlich auf bestimmte Nachbarschaften, Corona hat diese Ungleichheiten weiter verstärkt und verfestigt während neoliberale Appelle und Erwartungen an all das, was Nachbarschaft leisten soll, stetig angewachsen sind. Nachbarschaftliche Fürsorge und Hilfe, Gabenzäune und Einkaufshilfen werden medial und politisch bejubelt, gleichzeitig werden viele marginalisierte und nicht normativ lebende Gruppen durch die Corona-Maßnahmen ausgegrenzt. Wichtige Praktiken der Selbsthilfe und der gegenseitigen Unterstützung werden eingeschränkt, manchmal sogar kriminalisiert; das Überleben urbaner community spaces und Infrastrukturen wird gefährdet.

Die von Lessenich aufgezeigten individualisierten und moralisierten Anrufungen der Solidarität treffen also auf weitere Ausgrenzung und Ausbeutung der Bewohner:innen bestimmter Nachbarschaften. Während die Ideen sozialer Wohlfahrt und Gemeinschaft schon lange durch eine Vorstellung von individualisierter Self-Care im Verdrängen begriffen sind, wurde die Krise der Fürsorge durch die Pandemie einerseits verstärkt, andererseits und tragischerweise führt uns die aktuelle Lage vor Augen wie wichtig robuste Fürsorge-Institutionen sind. Der Beitrag untersucht daher die neuen Praktiken, Infrastrukturen und Räume, die eine solidarische Nachbarschaft – auch nach Corona – konstituieren können. Durch das Wegfallen der Infrastrukturen steigt der Druck auf den öffentlichen als auch auf den ganz privaten Raum, wohin Praktiken der nachbarschaftlichen Fürsorge verlagert werden. So finden wichtige Fürsorge-Praktiken der Queercommunity in öffentlichen Parks oder daheim auf dem Sofa statt, vor vielen Kneipen treffen sich auch weiterhin die Stammgäste zum sozialen Austausch. Wir möchten daher diskutieren, wie und warum Nachbarschaft in Pandemiezeiten als Konzept ein Revival erfährt, zugleich aber auch zum gelebten zentralen räumlichen Maßstab wird, auf welchem der Alltag und Machtpositionen in der Stadt neu verhandelt und neue Routinen, räumliche Praktiken und Praktiken der Fürsorge entwickelt werden, insbesondere von sozioökonomisch schwächeren und auf anderer Ebene marginalisierten sozialen Gruppen wie etwa queeren Menschen.



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGS ÖGS Soziologiekongress 2021
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.144
© 2001–2022 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany