Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_DeutDerDeut: Ad-hoc-Gruppe - Deutung der Deutungen: Analysen zur medialen und politischen Integration von Professionen in die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Olaf Behrend, Universität Siegen
Chair der Sitzung: Claudia Scheid, Uni Innsbruck
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Externe Ressource:
Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Zur politischen Instrumentalisierung des ärztlichen Berufsverständnisses während SARS-CoV2 als Symptom einer ausbleibenden Modernisierung

Paul Brandenburg

Berlin

Ärztliche Veröffentlichungen zur SARS-CoV2-Situation in Deutschland haben überwiegend politischen, nicht fachlichen Charakter. Eine medizinisch-wissenschaftliche Begleitung der Ereignisse, wie sie im angelsächsischen Raum geleistet wird, findet kaum statt. Damit setzt sich ein langjähriger Qualitätsverlust der deutschen Medizin fort. Er ist gekennzeichnet durch Vernachlässigung der wissenschaftlichen Grundlagen des Berufes und ein autoritäres Rollenverständnis.



‚…, aber der Rahmen muß stimmen.‘ Überlegungen zum medizinischen Arbeitsbündnis und seiner Entgrenzung

Jochen Schäfers

Uni Ffm (Doktorand), Deutschland

Die Explikation des medizinischen Arbeitsbündnisses ist eine der zentralen Leistungen der soziologischen Professionalisierungstheorie. Der Sache nach hat sie ihren Ausgangspunkt in der Selbstexplikation der ärztlichen Praxis bei Freud, welche in der Schaffung der Psychonalyse als eines Extremfalls ärztlichen Handelns mündet, in dem das Moment des Arbeitsbündnisses selbst in besonders deutlicher Form hervortritt. Dies wurde dann zunächst bei Parsons in The social System und dann noch expliziter bei Ulrich Oevermann weiterentwickelt bzw. soziologisch als Arbeitsbündnis gefaßt. Letzterer hat dann versucht, ausgehend vom medizinischen bzw. therapheutischen Arbeitsbündnis als Paradigma einer stellvertretenden Krisenlösung, und damit der (Wieder)Herstellung von Autonomie, weitere Felder professioneller Praxis in ihrer Handlungslogik genau zu bestimmen.

Die Explikation des ‚Rahmens‘ des Arbeitsbündnisses von Arzt und Patient (ein Status, der im paradigmatischen Fall darin besteht, sich selbst als krank und behandlungsbedürftig zu verstehen) als normativem Kern des Handelns dieser Profession, die dann jeweils auf die Sonderprobleme der medizinischen Teilprofessionen spezifiziert werden muß (insbesondere nach dem Stellenwert der beiden Momente Diagnose und Intervention), ist ein notwendiger Bestandteil der begrifflichen Folie, auf deren Basis die ‚Corona-Krise‘ erst wissenschaftlich analysierbar wird, wie umgekehrt die genauere Durchdringung von Abweichungen vom Professionsideal (vor allem im Hinblick auf die Entgrenzung des Patientenstatus auf die als gesund zu definierende Alltagspraxis) eine noch genauere Durchdringung dieser Handlungslogik zu liefern verspricht.



Die zwei Grundsäulen des WHO-Corona-Managements: Pandemic und Infodemic

Silvia Behrendt

GHR Agency, Salzburg

Ich werde in der Kürze der Vortragszeit einen knappen Überblick über die Strukturen geben, die sich hinter dem WHO-Corona-Management befinden. Die These ist, dass dieses Management erstens eng mit der "global health security agenda" zusammenhängt. Hinzu kommt zweitens das offizielle WHO-Narrativ, dass die Corona-Pandemie nur mit "Infodemic" bewältigt werden könne.



Merkmale von Krisenjournalismus und der journalistische Umgang mit Professionskritik in der Corona-Krise

Martin Hennig

Universität Passau, Deutschland

Mediale Äußerungen bewegen sich aufgrund ihres Konstruktionscharakters per se in einem Feld der Mehrdeutigkeit(en). Gerade in einer umfassenden Krise wie der Coronakrise wird im Zusammenhang mit medialer Kommunikation deutlich, dass das, was als Neutralität begriffen werden kann, nicht ontologisch gesetzt, sondern stets Gegenstand von Verstehens- und Auseinandersetzungsprozessen ist. Die Verfahrensweisen der Massenmedien sind – mit Begriffen Stuart Halls – sowohl auf der encoding-Seite der Medienproduktion i) in ein Feld von Annahmen, Wissenshorizonten und institutionellen Praktiken eingebettet und generieren ii) semantisch einen Bedeutungsüberschuss beispielsweise durch journalistisches Storytelling, als sie auch auf der decoding-Seite der Rezeption auf ein diskursives System unterschiedlicher Deutungshorizonte und Aneignungsstrategien treffen. Die Krise erfüllt hier die Rolle eines Brennglases, das die per se vorhandene komplexe Struktur journalistischer Kommunikation deutlich werden lässt. Hieran anknüpfend möchte der Vortrag erstens Merkmale von Krisenkommunikation ausgehend von journalistischen Fallbeispielen der Coronakrise darlegen, die sich als Reaktionen auf die beschriebenen kommunikativen Unsicherheiten deuten lassen.

Dabei begleitet auch Kritik an der journalistischen Aufbereitung der Corona-Krise den Krisendiskurs von Beginn an und hat zu vielfältigen Richtungsstreits, Selbstpositionierungen, Grabenkämpfen und Grenzziehungen, sowohl innerhalb des journalistischen Feldes als auch in Auseinandersetzung mit anderen Professionen geführt. Als Beispiel für diese Kontroversen soll im Vortrag zweitens das Feld der wissenschaftlichen Medienkritik näher beleuchtet werden, insoweit dieses in den Medien selbst besprochen wird. Die Rezeption von Medienkritik im Mediensystem macht dabei die spezifischen Logiken der einzelnen Felder anschaulich: Journalistische Beiträge arbeiten in der Regel auf der Grundlage der Personalisierung wissenschaftlicher Ergebnisse, wo in der Wissenschaft eher von Positionen auszugehen ist. Personalisierungsstrategien sind wiederum dazu angetan, in Tendenzen der Moralisierung von Diskurspositionen umzuschlagen. Die entsprechenden journalistischen Repliken lassen sich dabei als Symptom einer tieferliegenden Professionskrise werten, die auf einer zunehmenden gesellschaftlichen Generalkritik am Mediensystem basiert.



Wenn die Wissenschaft der Gesellschaft empfiehlt. Eine Textanalyse von Stellungnahmen der Leopoldina zur Coronavirus-Pandemie

Peter Münte

Universität Innsbruck, Österreich

Der Rat wissenschaftlich ausgewiesener Experten ist in der Coronavirus-Pandemie zweifelsohne von herausragender Bedeutung. Mit der Pandemie hat aber auch eine Reflexion der Rolle von Experten und des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik eingesetzt. Und in diesem Zusammenhang zeichnen sich Versuche ab, diese Beziehung neu zu gestalten, etwa über die Bestrebungen, die Wissenschaft, vertreten durch eine nationale Akademie der Wissenschaften, „sprechfähig zu machen“ und den in der Krise gefragten Expertenrat in einem von der Wissenschaft selbst organisierten Prozeß Politik und Gesellschaft bereit zu stellen.

Diese Bestrebungen sind in Gestalt der Stellungnahmen zur Coronavirus-Pandemie, die von der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, die seit 2008 als Nationale Akademie der Wissenschaften firmiert, abgegeben worden sind, auch für ein größeres Publikum sichtbar und Gegenstand einer im Feuilleton einer überregionalen Tageszeitung ausgetragenen Kontroverse geworden.

Die mit solchen Bemühungen einhergehende Transformation der Expertenrolle ist soziologisch kaum untersucht. Es liegt in diesem Zusammenhang nahe, an die klassische Professionssoziologie anzuschließen und die der Beziehung von Professionellen und Klienten inhärenten Delegationsverhältnisse in den Blick zu nehmen, also zu untersuchen, welche Deutungen und Entscheidungen von wen für wen stellvertretend vorgenommen beziehungsweise getroffen werden.

In dem Beitrag soll der Frage nach einer möglichen Transformationen der Expertenrolle im Rahmen der von der Leopoldina angestrebten Politik- und Gesellschaftsberatung anhand mikrologischer Textanalysen nachgegangen werden.



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGS ÖGS Soziologiekongress 2021
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.144
© 2001–2022 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany