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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_ÖsteWäCorona: Österreich während der Corona-Pandemie – Ergebnisse aus sozialwissenschaftlichen Umfragen
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
9:00 - 11:00

Chair der Sitzung: Dimitri Prandner, Johannes Kepler Universität Linz

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Präsentationen

Rückblick und Ausblick – Werteverschiebungen und Zukunftsvorstellungen der ÖsterreicherInnen am Beginn der Corona-Krise

Wolfgang Aschauer1, Franz Höllinger2, Anja Eder2

1Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaft, Paris-Lodron-Universität Salzburg, Österreich; 2Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz

Am Beginn der Covid-19 Pandemie wurde in sozialwissenschaftlichen Analysen vielfach angenommen, dass die Krise zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen führen könnte. Die Schlussfolgerungen waren jedoch nicht einheitlich. Einerseits wurde ein gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Solidarität, zu einem stärkeren Sozialstaat und zu ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit propagiert, andererseits wurde auch auf das Wiedererstarken des Nationalstaates und soziale Schließungsprozesse hingewiesen. In diesem Beitrag untersuchen wir mit einem Fokus auf die erste Welle der Values in Crisis Studie 2020 und in Verbindung mit österreichspezifischen Daten aus weiteren repräsentativen Umfragen (z.B. European Social Survey), ob sich rückblickend eine Werteverschiebung in Hinblick auf die individuellen Grundwerte nach Schwartz am Beginn der Corona-Krise beobachten lässt und wie sich diese nach Generationen unterscheidet. Anschließend werden in einem Ausblick die Zukunftserwartungen und -wünsche der Österreicher*innen für die Zeit nach Corona analysiert und der Einfluss von soziodemographischen Faktoren, Wertorientierungen und Einstellungen auf die Zukunftsvorstellungen untersucht.



Soziales Vertrauen und Solidarität in Zeiten der Krise

Otto Bodi-Fernandez1, Alfred Grausgruber2, Christoph Glatz1

1Universität Graz, Österreich; 2Universität Linz, Österreich

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Solidarität und Vertrauen sind während der Corona-Krise zu viel beschworenen Schlagwörtern geworden. Sie stehen für eine Form sozialen Kapitals, das in Zeiten der Krise eine wesentliche Ressource zu deren Bewältigung darstellen soll und auch von politischer und medizinischer Seite oftmals eingefordert wird. Eng verbunden mit dem Begriff der Solidarität ist jener des sozialen Vertrauens. Das Vertrauen in andere Menschen – sowie in zentrale gesellschaftliche Institutionen – wird als wichtige Komponente des Sozialkapitals einer Gesellschaft betrachtet und gilt als wesentliche Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Solidarität und dem sozialen Vertrauen in der österreichischen Bevölkerung während der ersten Welle der Covid-19-Pandemie anhand der Daten des Austrian Corona Panel Projects (Kittel et al. 2021). Untersucht wird, wie sich das Ausmaß des sozialen Vertrauens im Vergleich zu früher verändert hat und inwieweit es Unterschiede in verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt, die von der Pandemie besonders betroffen sind (z.B. Vorerkrankte, Personen in beengten Wohnverhältnissen, Alleinlebende, Eltern von schulpflichtigen Kindern, Alleinerziehende, beruflich Betroffene). Weiters wird untersucht, wie sich die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Zusammenhalts während der Zeit der Covid-19-Pandemie entwickelt hat, inwieweit sich solidarisches Handeln in verschiedenen Personengruppen unterscheidet und inwieweit soziales Vertrauen zum solidarischen Handeln beiträgt.



Soziale Kontakte und Wohlbefinden während dem Beginn der Corona-Krise 2020

Christoph Glatz, Otto Bodi-Fernandez

Karl-Franzens University Graz, Österreich

Menschen sind soziale Wesen, weshalb Kontakte zu anderen Personen einen wichtigen Beitrag für das eigene Wohlbefinden leisten. Durch die Corona-Krise dreht sich diese Vorstellung dagegen um – Abstand halten heißt das neue Gebot, um die Gesundheit zu wahren. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in diesem Buchbeitrag den Verlauf von Sozialkontakten und Wohlbefinden, sowie den Zusammenhang zwischen diesen beiden Konstrukten von Ende März bis Anfang Juli 2020. Wie erwartet zeigt sich ein sprunghafter Anstieg physischer sozialer Kontakte seit Anfang Mai und somit seit den damals eingeführten Lockerungsverordnungen. Gleichzeitig verringerten sich die nicht-physischen Sozialkontakte (via Telefon & Internet) seit dem 1. Lockdown kontinuierlich, was auf eine Substitution für physische Sozialkontakte hinweist. Affektives- und kognitives Wohlbefinden zeigen einen kleinen und gleichmäßigen Anstieg über diesen Zeitraum. Weitere Analysen zeigen einen signifikanten aber geringen Einfluss von physischen Sozialkontakten auf das Wohlbefinden – der physische Kontakt zu Freunden und Verwandten führt demnach zu einem geringen Anstieg des Wohlbefindens. Weiterführende Vergleiche zwischen alleinlebenden und nicht alleinlebenden Österreicherinnen zeigten, dass alleinlebende Personen häufiger auf nicht-physische Sozialkontakte zurückgriffen als physische Sozialkontakte durch restriktive Maßnahmen erschwert wurden.



Die Erwartungen der Österreicher*innen an die Entwicklung der Lebensumstände nach Corona

Robert Moosbrugger, Dimitri Prandner

Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Der Vortrag thematisiert, die Erwartung an die Lebensumstände auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene in den nächsten Jahren.

Konkret werden drei Fragen diskutiert:

1) in welchen Bereichen wird von einer Verschlechterung der Lebensumstände ausgegangen? In welchen nicht?

2) Welchen Einfluss hat dabei die wahrgenommene Gefahr durch Corona?

3) Welche Determinanten für das Ausmaß von Zukunftspessimismus - also einer antizipierten Verschlechterung der Lebensumstände - lassen sich darüber hinaus finden?

Auf Grundlage der Daten des AUSTRIAN CORONA PANEL PROJECTS (Kittel et al. 2020) kann gezeigt werden, dass die Corona-Krise zu einem Anstieg an Zukunftspessimismus führte.

Je weiter der Bezugspunkt von den persönlichen Lebensumständen entfernt ist, desto pessimistischer fallen Erwartungen hinsichtlich deren Entwicklung in den nächsten Jahren aus.

Es zeigen sich aber durchwegs Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen und der wahrgenommenen gesundheitlichen, vor allem aber wirtschaftlichen Gefahr durch Corona.

Zusätzliche Determinanten für die Zukunftserwartungen von Individuen liegen im wahrgenommenen Potenzial einer Gesellschaft, Krisen zu bewältigen.

Wenn es gelingt, eine als gerecht wahrgenommen Verteilung von gesellschaftlichen Gütern zu gewährleisten und Vertrauen in Institutionen besteht, dann schlagen sich die aktuellen krisenbedingten Disruptionen weniger in pessimistischen Zukunftserwartungen nieder.

Referenzen:

Kittel, Bernhard; Kritzinger, Sylvia; Boomgaarden, Hajo; Prainsack, Barbara; Eberl, Jakob-Moritz; Kalleitner, Fabian; Lebernegg, Noëlle S.; Partheymüller, Julia; Plescia, Carolina; Schiestl, David W. und Schlogl, Lukas (2020). Austrian Corona Panel Project (SUF edition). Wien: AUSSDA. DOI: https://doi.org/10.11587/28KQNS.



Arbeit und Familie im Covid-19-Alltag

Karin Scaria-Braunstein1, Sabine Haring-Mosbacher1, Martina Beham-Rabanser2, Johann Bacher2, Matthias Forstner2

1Karl Franzens-Universität Graz, Österreich; 2Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

Die zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie von den Regierungen gesetzten Einschränkungen und Maßnahmen im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 beeinflussten unser berufliches und privates Alltagsleben in einem bis dato unbekannten Ausmaß. Wie sich dabei der Stellenwert von Familie und Kindern bzw. Arbeit und Beruf veränderte und welche Rolle dabei die konkrete individuelle Lebenssituation und damit einhergehende Stressoren spielen, analysiert der vorliegende Beitrag. Neben den Daten der Values in Crisis Umfrage (VIC) (Aschauer et al. 2020) und dem Sozialen Survey Österreich 2016 (SSÖ) (Prandner 2019) wird in den Analysen auf eine qualitative Primärstudie zurückgegriffen (Haring-Mosbacher und Scaria-Braunstein 2021), um neben Wertorientierungen auch Muster der Alltagsbewältigung herauszuarbeiten. Die Ergebnisse zeigen: Während bei Frauen in der ersten Phase der Corona-Krise die Wichtigkeit von Familie und Kindern gegenüber 2016 gleichgeblieben ist und jene von Arbeit und Beruf leicht zurückging, hat bei Männern der Stellenwert von Arbeit und Beruf deutlich abgenommen. Zugleich belegen die qualitativen Analysen, bei denen besonderes Augenmerk auf die spezifische Situation von Frauen in der „Rushhour des Lebens“ (zwischen Ende 20 und Mitte 40) gerichtet wird, dass ihre Alltagswelt eine sehr heterogene war: Die starke Entgrenzung des Arbeitsalltags, die Hauptverantwortung für Betreuungs- und Haushaltsarbeiten, inklusive Homeschooling, sowie eine starke Gefühlsambivalenz waren für die Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 charakteristisch.

Literatur:

Aschauer, W., Seymer, A., Prandner, D., Baisch, B., Hadler, M., Höllinger, F., & Bacher, J. (2020). Values in Crisis Austria (SUF edition). https://doi.org/10.11587/HOUJNT.

Haring-Mosbacher, S.A., & Scaria-Braunstein, K. (2021): „Wenn das Leben zuhause bleibt“. Sabine Haring-Mosbacher und Karin Scaria-Braunstein im Gespräch. https://unitube.uni-graz.at/portal/aufzeichnungen.html?id=ec9cd909-2443-4378-aa7c-f5ecc1d05584.

Prandner, D. (2019). Sozialer Survey Österreich – Methodik des Sozialen Survey Österreich 2016. In Bacher, J., Grausgruber, A., Haller, M., Höllinger, F., Prandner, D., & Verwiebe, R. (Hrsg.), Sozialstruktur und Wertewandel in Österreich. Trends 1986 – 2016. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 515-531. https://doi.org/10.1007/978-3-658-21081-6_21.



 
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