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Sitzungsübersicht
Sitzung
ad_WissenschRepräsen: Ad-hoc-Gruppe - Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit - Darstellung und Legitimation empirischer Forschung in Publikationen
Zeit:
Montag, 23.08.2021:
14:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Laura Behrmann, Uni Wuppertal
Chair der Sitzung: Falk Eckert, ISF München
Chair der Sitzung: Oliver Berli, Universität zu Köln
Chair der Sitzung: Michaela Pfadenhauer, Universität Wien
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen
ID: 563 / ad_WissenschRepräsen: 1
Ad-hoc-Gruppe - Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit - Darstellung und Legitimation empirischer Forschung in Publikationen

Manuskripte im Entwurf: Von der Empirie zur Darstellungsleistung

Kornelia Engert

Universität Mainz, Deutschland

In der empirischen Sozialforschung wird die Darstellung von der sozialen Welt grundsätzlich in Textform publiziert. Egal in welcher Repräsentationslogik Soziologinnen und Soziologen ihre empirische Daten gewinnen und bearbeiten, das wissenschaftliche Publizieren pflegt das Referieren auf ‚Abbildungen‘ in Form von Tabellen, Protokollen, Transkripten oder visuellen Exzerpten. In der Wissenschaftsforschung wird der selektive Zuschnitt von Forschungsarbeit in die ‚Papiermethode‘ der Erkenntnis als Übersetzungsleistung gerahmt. Der produktive Überschuss und die Vielfalt empirischer Daten wird in Textform gebracht durch Prozesse des Eliminierens und Purifizierens. Schreiben, so lautet die Auffassung, entspricht dem Wegstreichen von Entwurfsoptionen. Gleichzeitig werden, vor allem in der qualitativen Forschung, Ideale eines zirkulären und reflexiven Forschungsprozesses betont. Und auch die ‚Krise‘ der Repräsentation verweist auf die praktische Herausforderung durch die Frage, ob sich sozio-materielle Welten überhaupt in Textform übersetzen lassen und ob und wie Forschende als Übersetzer/innen fungieren können.

Jenseits solch wissenschaftspolitischer Diskurse um den Repräsentationsbegriff möchte dieser Beitrag praxeologisch ansetzen. Er beginnt mit der Frage danach, wie Forschende sich im praktischen Schreiben, noch vor der Ebene des Peer-Reviews, alltäglich mit der Arbeit an Repräsentationsformen auseinandersetzen und Antworten auf Frage generieren, wie: Welcher Titel? Welcher Einstieg in den Artikel? Wen zitieren? Welche Daten auswählen? Kann das so stehen bleiben? Reicht das aus? Gerade die qualitative Sozialforschung erschient hier als ein lohnender Testfall, weil kaum Standardformate oder Modell-Routinen bereitstehen. Vielmehr werden solche abgelehnt und Darstellungen immer auf Basis geleisteter Forschung erprobt und erarbeitet. Auch auf der Ebene des Erfahrungswissens berichten Forschende darüber, es entgegen bisherigen Vorgehens bei diesem oder jenem Manuskript nochmal anders zu versuchen. So wird die Logik der Darstellung praxeologisch mit der Eigenlogik des forschenden Schreibens beantwortet. In den Blick der Wissenschaftsforschung gerät sie als eine schwer kalkulierbare Praxis, welche Darstellungen von Forschung erst hervorbringt und in ihrer ‚Leistung‘ beobachtbar macht und zur Diskussion stellt.



ID: 340 / ad_WissenschRepräsen: 2
Ad-hoc-Gruppe - Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit - Darstellung und Legitimation empirischer Forschung in Publikationen

Patch or Parish? Publikationsprozesse in der Sozialwissenschaft und deren Rückwirkung auf Ergebnisse

Cornelia Schadler

Universität Wien, Österreich

Wissenschaftspolitisch sind in den Sozialwissenschaften Publikationen in gerankten Journalen in den Vordergrund der Diskussion getreten, während andere Publikationsformen (Anthologien, Monographien) wichtig bleiben, aber an Prestige verlieren (Engels et al., 2018). Während in der Diskussion von der einen Seite der Prestigeverlust der Monographie mit einem Niedergang der Qualität in Verbindung gebracht wird (Akbas 2016), betonen andere Stimmen, dass Artikel in Journalen spezifische Diskussionen genauer verfolgen können (Happell, 2016). Wir wollen wissen, ob sich Resultate eines Projekts in unterschiedlichen Disseminationskanälen unterscheiden? Werden Ergebnisse an das Publikationsorgan angepasst? Werden von vornherein andere Methoden verwendet, mit Blick auf spezifische Publikationsstrategien?

Aus einer neomaterialistischen theoretischen Perspektive kann postuliert werden, dass die Einbindung unterschiedlicher Publikationswege unterschiedliche Ergebnisse hervorbringt, auch wenn diese Unterschiede eventuell mikroskopisch klein sind. Wissenschaftspolitisch wäre dies ein Argument für möglichst unterschiedliche Disseminationsstrategien, da einige Ergebnisse eventuell nur auf spezifische Wege transportiert werden können. Eine Verengung der Publikationsformen würde somit einer Verengung des wissenschaftlichen Wissens gleichkommen.

Empirisch gilt es zu untersuchen, wie dies in den wissenschaftlichen Alltagspraktiken passiert. Ein Projekt soll Autor*innen, die in Journalen des "Journal Citations Reports Index Social Sciences, Interdisciplinary" veröffentlichen, interviewen und deren Ergebnisse und Ergebnisdarstellung durch verschiedene Publikationswege hindurch verfolgen. Unterscheiden sich Ergebnisse in unterschiedlichen Publikationsformen (wenn auch nur minimalst)? Wie werden Ergebnisse im Laufe des Publikationsprozesses transformiert? Erste theoretische und empirische Ergebnisse werden präsentiert.



ID: 186 / ad_WissenschRepräsen: 3
Ad-hoc-Gruppe - Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit - Darstellung und Legitimation empirischer Forschung in Publikationen

"Wie schreibe ich (k)einen ethnografischen Bestseller? US-amerikanische Ethnografie als Paradebeispiel öffentlich-soziologischer Wissenschaftskommunikation."

Debora Niermann

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland

Das Genre der ethnografischen Monografie taugt in seiner spezifischen Komposition zum Bestseller auf dem US-amerikanischen Buchmarkt. So rangier(t)en einige einschlägige Soziolog*innen (Gans 1997; Longhofer 2010) mit ihren „tales of the field“ (van Maanen 2011) auf der New York Times Bestseller-Liste oder/und sind in anderen öffentlichkeitswirksamen medialen Formaten präsent. Unbenommen von der gegenwärtigen Ausdifferenzierung der soziologischen US-Ethnografielandschaft (Niermann 2020) eint die diversen Autor*innen das Praktizieren genuin narrativer Prinzipien in der textuellen Produktion ihrer Bücher.

In dem Vortrag skizziere ich zunächst zentrale Charakteristika der Entstehungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhänge dieser aufmerksamkeitsökonomisch wirksamen Ethnografien. Diese Analysen basieren auf Forschungsergebnissen der DFG-Studie „Etablierte Außenseiter. Zur (Re-)Produktion ethnografischen Wissens in der gegenwärtigen US-amerikanischen soziologischen Ethnografie“. Daraufhin werden drei leitende Konventionen in der schriftlichen Herstellung eines Bestseller-Formats vorgestellt und abschließend in Verbindung mit den darin jeweils identifizierbaren Repräsentationsmodi diskutiert.



ID: 339 / ad_WissenschRepräsen: 4
Ad-hoc-Gruppe - Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit - Darstellung und Legitimation empirischer Forschung in Publikationen

How editors think: Erwartungen an Texte und ihre Autor*innen

Annette Schnabel1, Martin Endreß2, Oliver Berli3

1Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland; 2Universität Trier, Deutschland; 3Universität zu Köln, Deutschland

Im Anschluss an die drei materialen Vorträge zu Fragen des Schreibens in und Publizierens von Sozialforschung wird im letzten Teil der Ad hoc-Gruppe „Wissenschaftliche Repräsentationsarbeit“ ein Perspektivwechsel vorgenommen. Im Podiumsgespräch ermöglichen Martin Endreß (Universität Trier, Editor-in-Chief von Human Studies) und Annette Schnabel (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, amtierende Mitherausgeberin der Zeitschrift für Soziologie) Einblicke in die Eigenlogiken der Arbeit mit Manuskripten und Autor*innen im Kontext sozialwissenschaftlicher Journals. Dabei sollen neben den Herausforderungen des Tagesgeschäfts des Herausgebens vor allem auch die gegenwärtig geltenden Qualitätskonventionen thematisiert werden. So wäre dann zu beleuchten, welche Erwartungen an Texte und ihre Autor*innen gerichtet werden. Zusammen mit den vorangehenden materialen Vorträgen konkretisiert das Podiumsgespräch, wie sich die Praxis des Schreibens und Publizierens vollzieht und welche Logiken dabei ineinandergreifen und nicht selten auch im Widerstreit liegen. Die Moderation übernimmt Oliver Berli (Universität zu Köln).



 
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