Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_SozArbeit: Sektionsveranstaltung - Transformationen der Sozialen Arbeit in Zeiten von Corona
Zeit:
Dienstag, 24.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Hemma Mayrhofer, Universität Innsbruck
Ort: digital

Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Soziale Arbeit (ÖGS)


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Präsentationen
ID: 654 / Sek_SozArbeit: 1
Sektionsveranstaltung - Transformationen der Sozialen Arbeit in Zeiten von Corona

Der Lockdown als Krisenexperiment – zur Bedeutung physischer Kopräsenz in der Sozialen Arbeit

Kai Dröge1, Julia Meyer2

1Hochschule Luzern / Institut für Sozialforschung Frankfurt a.M.; 2Hochschule Luzern / KJFH Frankfurt a.M.

Die vorliegenden Überlegungen basieren auf einem Forschungsprojekt an der Hochschule Luzern aus dem Herbst 2020. Dort haben wir – gemeinsam mit Studierenden – Personen aus ganz unterschiedlichen Berufen in qualitativen Interviews zu ihren Erfahrungen im Homeoffice während des Lockdowns befragt. Eine Teilstudie hat sich auch mit der Sozialen Arbeit befasst, speziell in Bezug auf Beratungstätigkeiten. Dabei wurden acht rund einstündige Interviews mit Sozialarbeitenden geführt: von der Familien- bis zur Suchthilfe, von der Beratung von Menschen mit Behinderung bis zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt.

Wir möchten aus der Analyse dieser Interviews vor allem einen interessanten Querschnittsaspekt herausgreifen – nämlich die Frage, welche Bedeutung der körperlichen Kopräsenz in der sozialarbeiterischen Interaktion zukommt. Dies ist gerade dadurch besonders sichtbar geworden, dass physische Treffen zeitweilig nicht möglich waren. Stattdessen haben die Beratenden vor allem über niedrigschwellige Alltagsmedien wie Telefon, Email und WhatsApp, teils auch über Videokonferenztools wie Zoom Kontakt zu Ihren Klient*innen gehalten.

1. Ein wichtiges Thema in den Interviews ist, dass die Verlagerung der Beratung in den virtuellen Raum den Aufbau von Vertrauensbeziehungen erschwert. Allerdings betrifft dies insbesondere neue Klient*innen, mit denen es noch keine physische Begegnung gab.

2. Eine besonders interessante Beobachtung betrifft die Bedeutung des Körperlich-Sinnlichen für das professionelle Fallverstehen. Sozialarbeitende berichten, dass sie unsicher werden und die Situation und Bedürfnisse ihres Gegenübers schwer einschätzen können, wenn sinnliche Eindrücke wie Gerüche, körperliche Interaktionen, nonverbale Gesten, etc. fehlen. Aus unserer Sicht fordern diese Beobachtungen dazu heraus, mehr über die Relevanz körperlich-sinnlicher Wahrnehmung als professionelle Kompetenz nachzudenken.

3. Allerdings hat die Verlagerung sozialarbeiterischer Tätigkeiten in den medialen Raum nicht nur negative Effekte. Interessant war etwa, dass sich Machtungleichgewichte in der Klient*innenbeziehung verringern können, wenn beide Seiten aus ihrem heimischen Umfeld bzw. in einem geteilten medialen Raum agieren. Klient*innen verhalten sich teils ungezwungener, wenn sie ihr Anliegen spontan am Telefon erläutern können, als wenn sie sich dazu physisch vor Ort einfinden müssen.



ID: 541 / Sek_SozArbeit: 2
Sektionsveranstaltung - Transformationen der Sozialen Arbeit in Zeiten von Corona

Digitalisierte Soziale Arbeit… für alle? – Von Digitalisierung, Hybridisierung und neuen Ungleichheiten

Marcel Reiner1,2, Elisabeth Zehetner1, Karina Fernandez1

1Pädagogische Hochschule Steiermark, Österreich; 2Universität Graz, Österreich

Die Corona-Krise hat starke Impulse in Richtung Digitalisierung im Bildungssystem gesetzt, und dies nicht zuletzt auch für die psychosozialen Unterstützungssysteme an der Schule. Dies zeigen die Ergebnisse unseres Forschungsprojekts an der PH Steiermark, das „Schule nach Corona“ in einem multiperspektivischen Setting untersucht. In diesem Beitrag wollen wir diskutieren, wie Digitalisierungsprozesse im Bereich der Sozialen Arbeit und der Unterstützungssysteme in der Schule gestaltet werden und welche Auswirkungen sie haben. Datengrundlage sind 25 qualitative Interviews mit Mitarbeiter*innen des psychosozialen Unterstützungssystems sowie ein Fragebogen, der an alle Einrichtungen der Unterstützungssysteme im Bildungsbereich in der Steiermark ausgesandt wurde. Zudem wurden auch Interviews mit Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern geführt.

In Hinblick auf die Praxis der Sozialen Arbeit und der Unterstützungssysteme zeigen unsere Ergebnisse weniger eine „Digitalisierung“ als vielmehr eine Erweiterung und Flexibilisierung der Kommunikationsmöglichkeiten. Digitale Formate können als Ersatz für Begegnungen in Lockdown-Zeiten dienen; darüber hinaus erschließen sie für die Unterstützungssysteme aber auch neue Möglichkeiten: Manchen Jugendlichen etwa fällt es leichter, zunächst online Kontakt aufzunehmen und Beziehungen aufzubauen. Umgekehrt wurde jedoch auch klar, dass gerade sensible Themen oft einer Beratungssituation in Präsenz bedürfen. Längerfristig lässt sich wohl von einer „Hybridisierung“ der sozialen Arbeit im schulischen Bereich sprechen, die Präsenz- und Online-Formate auf neue Weise verbindet.

Die Daten zeigen aber, dass die Nutzung digitaler Medien auch durch Ungleichheiten geprägt ist: Hier spielen finanzielle Möglichkeiten und die damit verbundene Ausstattung eine Rolle; aber auch Unterschiede in den Kompetenzen, die wiederum mit Bildung oder Sprachkompetenz zusammenhängen. Digitalisierungsprozesse bringen also auch neue Ausschlüsse mit sich, die im Verlauf und Nachhall der Corona-Krise besonders im Blick behalten werden müssen.



ID: 414 / Sek_SozArbeit: 3
Sektionsveranstaltung - Transformationen der Sozialen Arbeit in Zeiten von Corona

Sicherheit schaffen in unsicheren Zeiten. Herausforderungen für Führungspersonen und Mitarbeiter*innen der psychosozialen Versorgung während der Covid-19-Pandemie.

Anna-Lena Mädge2, Johanna Muckenhuber1, Andrea Jesser2

1FH Joanneum, Graz; 2Karl Landsteiner Privatuniversität

Die Corona-Pandemie stellte die psychosoziale Versorgung in der Durchführung ihrer Angebote vor neue Herausforderungen. In dieser Studie wurde zu drei Erhebungszeitpunkten zwischen März und Oktober 2020 untersucht, wie sich die Pandemie auf die Arbeit in der psychosozialen Versorgung auswirkte und wie Mitarbeiter*innen und Führungspersonen psychosozialer Einrichtungen die mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten, die Arbeit unter den veränderten Gegebenheiten erlebten. Das Sample umfasste sowohl stationäre als auch ambulante Angebote. Für die Studie wurden 30 Frauen und Männer (davon 11 Mitarbeiter*innen und 19 Personen mit Leitungsfunktion) in Wien und Niederösterreich mittels semi-strukturierter Leitfadeninterviews befragt. Die Interviews wurden mittels eines offenen Kodierverfahrens ausgewertet.

In der Sozialen Arbeit treffen Fachkräfte in der Interaktion mit den Klient*innen regelmäßig eigenverantwortlich, aber in einem Kontext bekannter Rahmenbedingungen und Normen Entscheidungen über die konkrete Ausgestaltung ihrer Arbeit. Während der Pandemie wurden diese Routinen außer Kraft gesetzt und bekannte Spielregeln verloren an Klarheit. Dies spiegelte sich auch in der Gestaltung der Entscheidungsfindung über die Frage, ob und in welcher Form Angebote weitergeführt wurden. Es zeigte sich, dass Entscheidungsfindungen in sehr unterschiedlichen Prozessen stattfanden, teilweise in hohem Ausmaß direktiv, teilweise wurden von der Führungsebene keine klaren Entscheidungen getroffen, teilweise wurden zentrale Entscheidungen aber auch kooperativ von Führung und Team getroffen.

Für die Analyse dieser Situation erachten wir insbesondere die These vom „Arbeitskraftunternehmer“ (Voss & Pongratz, 1998) als zutreffend. Sie beschreibt u.a. Ansprüche an Selbstregulierung und Selbstmanagement die an ArbeitnehmerInnen gestellt werden. In der Zeit der Corona Krise verstärkte sich die Notwendigkeit des Selbstmanagements der Fachkräfte. So waren Viele gefordert eigenverantwortlich Entscheidungen darüber zu treffen, welche Angebote sie in welcher Form weiterführten und die zeitlichen und räumlichen Begrenzungen ihre Arbeit wurden durchlässig. Die Handlungsspielräume wurden einerseits geschätzt, andererseits erforderte die neue Situation auch Entscheidungen und Verantwortungsübernahme, die zu einer Überforderung und zu Selbstausbeutung führten



ID: 656 / Sek_SozArbeit: 4
Sektionsveranstaltung - Transformationen der Sozialen Arbeit in Zeiten von Corona

„An erster Stelle steht so die Zufriedenheit der Bewohner“? Soziale Arbeit mit älteren Men-schen im Kontext der Corona-Pandemie

Yvonne Rubin1, Monika Alisch2, Wolfgang Stadel3, Nikolaus Meyer4

1Hochschule Fulda, Deutschland; 2Hochschule Fulda, Deutschland; 3Hochschule Fulda, Deutschland; 4Hochschule Fulda, Deutschland

Ältere Menschen sind nicht nur aufgrund ihrer stärkeren Betroffenheit von schweren Krank-heitsverläufen und Tod mit den Auswirkungen der Pandemie konfrontiert. Über die Betroffen-heit durch die Krankheit hat die Pandemie für diese Gruppen älterer Menschen auch in anderen Lebenslagendimensionen (z.B. Abhängigkeiten in institutionellen Kontexten)einen deutlichen Einfluss.

In unserem Beitrag wollen wir die bereits jetzt ersichtlichen Folgen der Corona-Pandemie für das Handlungsfeld Soziale Altenarbeit in den Blick nehmen. Hierfür ziehen wir erste Ergebnisse aus einer quantitativen und zwei qualitativen Studien heran. Die quantitative Studie untersucht die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten aus dem Bereich Sozialer Altenarbeit und kommt zu dem Ergebnis, dass sich neben der aktuellen Verschärfung bestimmter Problemlagen bereits heute langfristige, negative Veränderungen in den Arbeitsbündnissen zwischen Sozialarbei-ter*innen und ihren Adressat*innen abzeichnen. Anhand der qualitativen Studien zeigen wir zum einen auf, wie sich das freiwillige Engagement in der Arbeit mit älteren Menschen verän-dert hat. So halten ehrenamtlich Engagierte die langjährig aufgebauten Strukturen bereits für beschädigt und fürchten, dass sich Engagierte zurückziehen werden. Zudem können wir anhand von qualitativen Interviews mit Sozialarbeiter*innen in stationären Altenhilfeeinrichtungen zei-gen, wie die Corona-Rahmenbedingungen zu einem massiven Spannungsfeld zwischen Autono-mie/ Selbstbestimmung und Kontrolle führen.

In unserem Beitrag diskutieren wir zum einen, inwiefern sich für professionell Tätige und freiwil-lig Engagierte in der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen die Aufgaben und Abläufe, Ziele und das Verhältnis zu den Adressat*innen verändert haben und weiter verändern werden. Argumen-tiert wird, dass sich in diesem Handlungsfeld Transformationen des Mandats Sozialer Arbeit be-reits heute abzeichnen. Zum anderen wird versucht, die Herausforderungen für die Soziale Ar-beit im Handlungsfeld Altenarbeit abzuleiten.



 
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