Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sek_BildungErz: Sektionsveranstaltung - Schüler*innen ohne Schule - (Bildungs-)Strategien Heranwachsender unter Pandemiebedingungen
Zeit:
Mittwoch, 25.08.2021:
11:30 - 13:30

Chair der Sitzung: Alexandra König, Universität Duisburg Essen
Chair der Sitzung: Philipp Schnell, AK Wien
Chair der Sitzung: Mario Steinberg, Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Sektion Bildung und Erziehung (DGS), Sektion Bildungssoziologie (ÖGS), Forschungskomitee Bildungssoziologie (SGS)


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Präsentationen

Bildungsstrategien Hamburger Schüler*innen im Distanzunterricht. Befunde aus einer hamburgweiten Befragung von Schüler*innen, Erziehungsberechtigen und Pädagog*innen

Andrea Albers, Tobias Brändle

Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung, Deutschland

Im CfP wird danach gefragt, auf welche Ressourcen Heranwachsende zurückgreifen, um „mit der Schließung der Schule“ umzugehen. Dabei sind trotz des öffentlichen Diskurses über Schulschließungen die Funktionen von Schule (Fend 2009) nicht vollständig außer Kraft gesetzt worden. Vielmehr waren Schüler*innen, Pädagog*innen und auch Eltern mit einer bis dato nur selten praktizierten Form von Schule konfrontiert: der Beschulung über räumliche Distanz. Trotz dieser Modusänderung wurde die Allokationsfunktion von Schule, ebenso die Qualifikationsfunktion überwiegend aufrechterhalten (Fend 2009). Demgegenüber gab es deutliche Einschränkungen im Bereich der Integrations- und Enkulturationsfunktion (Fend 2009). Vor diesem Hintergrund gehen wir der übergeordneten Frage nach: Welche Bildungsstrategien verfolgen die Heranwachsenden während der Aussetzung des Präsenzunterrichts?

Auf Basis einer empirischen Untersuchung (standardisierte Online-Befragung von 13.886 Eltern, 3.201 Pädagog*innen und 3.336 Schüler*innen) zum Ende des Schuljahres 2019/2020 in Hamburg zeigen wir auf, dass

a) Schüler*innen an Gymnasien sich hochgradig motiviert und selbstständig mit Bildungsinhalten auseinandersetzen. Dabei geben sie an, insbesondere mit Mitschüler*innen und Freund*innen zusammenzuarbeiten und sich wechselseitig zu unterstützen.

b) Schüler*innen an Stadtteilschulen sich eher den Lehrpersonen als Unterstützungsinstanz zuwenden und weniger den Mitschüler*innen oder ihren Eltern. Darüber hinaus berichten die Lehrkräfte, sich Sorgen um den Lernfortschritt dieser Schüler*innenschaft zu machen.

c) Schüler*innen an Grundschulen insbesondere an ihre Eltern angebunden sind, womit eine Überforderung der Eltern einhergeht.

Diese Ergebnisse, die sich sowohl in deskriptiven als auch in multivariaten Analysen bestätigen, deuten darauf hin, dass die Bildungsstrategien der Schüler*innen entsprechend des sozioökonomischen Status (Bourdieu 1982, 1987) der Heranwachsenden variieren. Das bedeutet, dass während der Pandemie insbesondere Schüler*innen aus sozial weniger privilegierten Milieus mit zusätzlichen Hürden im Bildungsprozess konfrontiert sind – beispielweise geringere Eigenmotivation und weniger Unterstützungsressourcen. Diese differierenden Bildungsstrategien sind kohärent zu den gruppenspezifischen Alltagspraktiken der Heranwachsenden und der damit einhergehenden Anpassungsfähigkeit.



Das Privileg selbstbestimmten Lernens – Ansätze für eine schülerzentrierte Gestaltung von Schule nach Corona

Irina Vana, Ursula Holtgrewe, Martina Lindorfer, Carmen Siller

Zentrum für soziale Innovation, Österreich

Bereits vor der (temporären) Schulschließung und dem eingeschränkten Präsenzunterricht war das österreichische System durch besonders hohe Ungleichheiten geprägt. In Folge der Schulschließungen, in der die Unterstützung zu Hause und die Ressourcen der Eltern für das Fortkommen der Schüler_innen verstärkt an Bedeutung gewannen, hat sich diese verschärft: In unserem Beitrag gehen wir der Frage nach, welche Unsicherheiten die Schulschließung bei Schüler_innen und ihren Eltern verursachte, aber auch, welche Chancen und Spielräumen für neue Praktiken, Lernformate und Arbeitsrhythmen des selbst organisierten Lernens sich durch die Disruption häuslicher und schulischer Routinen entwickeln könnten. Wir erweitern also die Ungleichheitsperspektive mit ihrem Fokus auf Benachteiligung um eine schüler_innenorientierte Sicht auf Ressourcen und Gelegenheiten des Lernens im Lockdown und fragen, welche Erfahrungen für eine schülerzentrierte Gestaltung von Schule nutzbar gemacht werden können. Dabei stellen wir die Vorschläge und Wünsche der Schüler_innen ins Zentrum, um Innovationen aufzugreifen und Handlungs-, Investitions- und Gestaltungsbedarfe im Schulsystem herauszuarbeiten und in Bezug auf das Zukunftsthema digitalen oder digital unterstützten Lernens auf mittlere Sicht zu präzisieren. Basis dessen sind die Ergebnisse der im Rahmen der aus Mittels des WWTF finanzierten, am ZSI durchgeführten Studie „Lernen im Ausnahmezustand“. In drei Befragungswellen wurden Schüler_innen, Eltern und Lehrende an insgesamt 11 Wiener Schulen (Volkschulen, Neuen Mittelschulen, Gymnasien und eine Berufsschule) zu ihren Erfahrungen mit dem Lernen auf Distanz befragt. Sie berichten über ihre Erfahrungen während der ersten Schulschließung, der Teilöffnung der Schulen und bilanzieren ihre individuellen Erfahrungen, wie das ungeplante „Realexperiment“ der Schulschließung zur Überwindung von Defiziten im bestehenden System genutzt werden kann.



Distance Learning an berufsbildenden Schulen – eine Triangulation der Lernenden- und Lehrendensicht

Miriam Gangl, Valentina Renner, Bettina Fuhrmann, Julia Riess

Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich

COVID-19 – bekannt als jener Virus, der in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben alles auf den Kopf gestellt hat. So auch die gesamte, bis dahin gelebte, Schulroutine. Der Begriff „Distance Learning“ gewann schlagartig an Bedeutung (Tengler/Schrammel/Brandhofer 2020) und die erforderlichen Umstellungen brachten österreichweit für insgesamt 1.135.143 Schüler/innen (Statistik Austria 2020) einen völlig neuen Tagesablauf mit sich – weg von gemeinsamer Interaktion im Klassenraum, hin zu einem „auf-sich-alleine-gestellt-Sein“ und selbstständigem Lernen (Köppl-Turyna/Lorenz 2020).

Oftmals wurde diese neue Situation aus der Perspektive unterschiedlicher Expert/inn/en beurteilt. Ebenso bedeutsam ist es jedoch, den Blickwinkel der Schüler/innen einzunehmen und auch ihre Wahrnehmung, Ansichten und Empfindungen zu analysieren. Um zur Schließung dieser Forschungslücke beizutragen, wurde eine empirische Untersuchung am Beispiel der berufsbildenden Schulen in Österreich durchgeführt. Die Untersuchung war als qualitative Erhebung konzipiert. Der Umgang der Schüler/innen mit der völlig neuen Lehr-Lernsituation wurde ausgehend von 17 problemzentrierten Interviews mit Schüler/inne/n sowie 16 problemzentrierten Interviews mit Lehrpersonen erkundet. Dieser Zugang erlaubte es, das Bild des untersuchten Gegenstandes aus zwei verschiedenen Perspektiven nachzuzeichnen und damit differenziert zu betrachten.

Ausgehend von den Interviews gibt dieser Vortrag einen Einblick in die Wahrnehmung, Ansichten und Empfindungen der Schüler/innen im Kontext der Umstellung auf Distanzlehre. Die Ergebnisse legen nahe, dass die neugewonnene Verantwortung und Selbstständigkeit durchaus positiv, viele andere Aspekte jedoch als große Herausforderungen wahrgenommen werden. Welche die zentralen Herausforderungen für Schüler/innen waren und wie diese bewältigt werden konnten, wird im Rahmen der Ergebnisdarstellung ausführlich thematisiert. Die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen sollen Impulse für die zukünftige Gestaltung von Unterricht aufzeigen.



Vernetzung als Bildungsstrategie Heranwachsender im Homeschooling

Caterina Rohde-Abuba

World Vision Deutschland, Deutschland

Im Sommer 2020 hat World Vision für die laufende 5. World Vision Kinderstudie je 15 Interviews mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren in Deutschland und Ghana erhoben. Der Interviewzeitraum fiel in die erste Phase des Homeschoolings (das in Ghana bis heute andauert) und des Wechselunterrichts.

Unsere Interviews zeigen, dass Schüler*innen durch die Schulschließungen eine De-Regulierung und De-Institutionalisierung ihrer Bildung erleben. Angesichts der geringen Verbreitung des Unterrichts über Video-Konferenzen oder Streaming bedeutete dies, dass Familien das Homeschooling zu weiten Teilen selbst organisieren mussten. In vielen der von uns interviewten Familien konnte das Homeschooling allerdings nur sehr eingeschränkt von Eltern oder privaten Lehrkräften begleitet werden, so dass viele Kinder und Jugendliche im Homeschooling auf sich gestellt waren. In beiden Ländern nennen Kinder und Jugendliche die Angst vor einem möglichen Bildungsverlust und die Frustration über das Homeschooling als größte Belastungen der Pandemie, die noch schwerer wiegen als ihre soziale Isolation.

Auf Grundlage des capability approach geht dieser Vortrag der Frage nach, welche Handlungsweisen und Strategien Kinder und Jugendliche entwickeln, um mit Schwierigkeiten und Belastungen des Homeschoolings umzugehen. Unsere Daten zeigen, dass die (digitale) Vernetzung von älteren Kindern und Jugendlichen über Chats, Telefon oder WhatsApp Gruppen für sie eine Möglichkeit ist, verbindliche Zeitstrukturen für Lernphasen festzulegen, sich zum gemeinsamen Lernen zu motivieren und Verständnisprobleme miteinander zu klären. Der bisherige Fokus auf die Rolle von Eltern im Homeschooling übersieht die Bedeutung, die Peerkontakte für die inhaltliche und psychologische Bewältigung des Homeschoolings haben können und damit abhängig von der individuellen Vernetzung Heranwachsender eine weitere Dimension von Bildungsungleichheit darstellen. Darüber hinaus weisen diese Daten darauf hin, dass es bei dem Schulbesuch für Kinder und Jugendliche nicht nur darum geht, Freundschaften zu pflegen, sondern dass der kollaborative Wissenserwerb für sie ein bedeutsamer Aspekt institutionalisierter Bildung ist, der auch nach der Pandemie weiter untersucht und gefördert werden sollte.



 
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