SSRE-SSFE-congrès annuel 2026
17-19 Juin 2026
Haute école pédagogique de Saint-Gall
Programme de la conférence
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Daily Overview |
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SES_49: Faire face aux défis : résilience et soutien à l'école
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8:00 - 8:30
Startklar? Resilienz im Übergang zur Primarstufe 1Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Österreich; 2Universität Salzburg, Österreich Der Übergang von der Elementar- in die Primarstufe ist für viele Kinder ein Moment zwischen Vorfreude, Unsicherheit und zahlreichen Veränderungen. In dieser Phase zeigt sich, wie gut sie sich an neue Routinen gewöhnen, Beziehungen aufbauen und Lernanforderungen bewältigen (Griebel & Niesel, 2020). Studien zeigen, dass dieser Übergang weit über das erste Schuljahr hinauswirkt – auf die Entwicklung, die Leistungsfähigkeit und den schulischen Erfolg (z.B. OECD, 2017; Dockett & Perry, 2001; Rimm-Kaufman & Pianta, 2000). Während manche Kinder an den Entwicklungsaufgaben des Schuleintritts wachsen, stellen sie für andere eine Belastung dar (Mays et al., 2023). Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche gewinnt deshalb die Frage an Bedeutung, welche Faktoren Kinder bei bedeutsamen Veränderungen unterstützen und welche sie belasten. Die aktuelle Studie erfasst anhand eines sehr bedeutsamen Ereignisses im Kindesalter – der Transition von der Elementar- in die Primarstufe – welche Faktoren die Resilienz der Schüler:innen im ersten Schuljahr beeinflussen. Bislang stehen besonders individuelle Resilienzfaktoren, wie Problemlösefähigkeit oder Selbst- und Fremdwahrnehmung im Mittelpunkt der Forschung (Fröhlich-Gildhoff, 2024). In dieser Studie werden jene Faktoren untersucht, die im Umfeld der Kinder liegen. Es wird der Frage nachgegangen, welche schulischen Strukturen (z.B. Teilnahme am Tag der offenen Tür) und soziale Faktoren (z.B. der sozioökonomische Status) die Resilienz im ersten Schuljahr beeinflussen. Dabei wird Resilienz nicht als persönliche Fähigkeit verstanden, sondern als ein dynamischer Entwicklungsprozess innerhalb eines bio-psycho-sozialen Systems (Helmreich, 2024; Ratcliff et al., 2019). Anhand eines quantitativen Längsschnittdesigns wurden zu drei Messzeitpunkten T1 (erste Schulwoche), T2 (Mitte des Schuljahres) und T3 (Schuljahresende) von 318 Schüler:innen die Selbsteinschätzungen der individuellen Resilienzfaktoren (RS-GS-Skala, Fröhlich-Gildhoff, 2017) erhoben. Um den Einfluss von sozialen sowie schulisch-strukturellen Wirkfaktoren auf die Resilienzeinschätzung der Kinder zu untersuchen, füllten erziehungsberechtigte Personen einen in 15 Sprachen verfügbaren Fragebogen mit LimeSurvey dazu aus. Die Kombination individueller, sozialer und struktureller Wirkfaktoren ermöglicht eine umfassende Analyse, warum manche Kinder die Herausforderungen im Übergang erfolgreich bewältigen können und welche Faktoren dazu führen, dass anderen dies nicht gelingt. Die Daten werden mittels linearer Mehrebenenmodelle ausgewertet, um individuelle Entwicklungsverläufe über das erste Schuljahr hinweg abzubilden. Erste Analysen zeigen deutliche Unterschiede zwischen Kindern mit hohen und niedrigen Gesamtrohwerten der Resilienzskala zu T3. Die Gruppe mit niedrigen Werten zeigt über das Schuljahr hinweg einen Abfall, während die Gruppe mit hohen Werten einen stabilen Entwicklungsverlauf aufweist. Der Einfluss von sozialen und strukturellen Prädiktoren wird aktuell analysiert. Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem sozio-ökonomischen Status, dem Migrationshintergrund, dem Einfluss älterer Geschwister sowie der aktiven Gestaltung des Übergangs durch die betroffenen Bildungsinstitutionen, dem Einfluss des Schulstandortes sowie der Klasse. Eine gemeinsame Diskussion der Ergebnisse im Rahmen des Vortrags ist von hohem Interesse. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit einem niedrigen Gesamtrohwert ihrer individuellen Resilienz über das Schuljahr hinweg besonders vulnerabel sind und gezielte Unterstützung durch ihr Umfeld benötigen, da sich dieser Übergang nachhaltig auf den weiteren Bildungsweg auswirkt. Die Studie soll zeigen, welche sozialen und strukturellen Bedingungen in dieser prägenden Phase wirksam sind und welche Konsequenzen sich daraus für eine zukunftsorientierte Schule ergeben. 8:30 - 9:00
Risiko- und Schutzfaktoren in der weiterführenden Schule aus Sicht der Schülerinnen und Schüler. Möglichkeiten für resilienzförderliche Unterrichtsentwicklung in der Transitionsphase (Projekt ResTU) 1Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz, Österreich; 2PH Weingarten, Deutschland Für den Begriff der Resilienz gibt es interdisziplinär eine Vielzahl von Definitionen, welche jedoch allesamt das Phänomen eines positiv-adaptiven Umgangs und der Bewältigung von herausfordernden, kritischen oder traumatischen Situationen beschreiben: Trotz gravierender biologischer, psychologischer oder psychosozialer Belastungen oder widriger Lebensumstände ist eine psychisch gesunde Entwicklung gegeben und ein subjektiver Normalzustand wird wiedererlangt (Wustmann, 20208). Aktuell ist der Begriff der Resilienz auch in der Kinder- und Jugendforschung ein vieldiskutiertes Thema. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein sorgenvolles Bild zeichnet: Rund ein Fünftel der deutschen Schüler:innen zwischen 8 und 17 Jahren schätzen sich selbst als psychisch auffällig ein (Dt. Schulbarometer, Robert Bosch Stiftung, 2024) oder berichten über psychische Probleme. Ähnliche Ergebnisse zeigen auch aktuelle österreichische Studien (MHAT, 2018; HBSC, 2023). Ein Anstieg der Belastungen wird vor allem auch für den schulischen Kontext beschrieben, mit gleichzeitig sinkender Beziehungsqualität innerhalb der Peergroups oder zu den Lehrkräften. Schulische Übergänge, vor allem die Transition in weiterführende Schulen, gelten in der Resilienzforschung als besonders vulnerable Phasen, weshalb schon länger eine sensiblere Moderation dieses Prozesses durch die Fachkräfte der jeweiligen Institutionen gefordert wird (Griebel et al., 2009; Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff, 20243). Da ein negatives Transitionserleben auch längerfristig mit einer schlechteren psychischen Gesundheit der Jugendlichen in Zusammenhang gebracht werden kann, ist das Ziel des ResTU-Forschungsprojektes (Resilienzförderung in der Transitionsphase durch Unterrichtsentwicklung, als Teil des B3-Projektes „Bausteine der Resilienz“) durch die Triangulation der Ergebnisse von qualitativen Studien und einer quantitativen Längsschnitterhebung Möglichkeiten für Schul- und Unterrichtsentwicklung zu generieren, um in diesen ersten Monaten nach dem Übergang in eine weiterführende Schule die Kinder in ihren personalen und sozialen Resilienzressourcen zu stärken und psychische Belastungen zu verringern. Im Beitrag sollen erste Ergebnisse der qualitativen Teilstudie „Risiko- und Schutzfaktoren in der weiterführenden Schule aus Sicht der Schülerinnen und Schüler“ vorgestellt werden. Diese widmet sich konkret der subjektiven Wahrnehmung von förderlichen oder belastenden strukturellen sowie sozialen Wirkfaktoren in den ersten Monaten nach dem Übergang in eine weiterführende Schule aus der Perspektive der betroffenen Schülerinnen und Schüler und darüber hinaus der Frage, welche Möglichkeiten sich daraus für standortbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung ergeben. Um solche Informationen über Unterricht als Ausgangspunkt für Entwicklungen zur Unterrichtsqualität zu verwenden, wird unter anderem vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Qualitätsrahmen für Schulen hingewiesen (20213). Dieser partizipative Ansatz kann auch als Beitrag zur Demokratisierung von Schule verstanden werden. Zu Beginn werden aktuelle Konzepte der Resilienz- und Transitionsforschung vorgestellt, bevor die Bedeutung von Schüler:innenperspektiven in der Kinderheitsforschung und ihren Beitrag für Schulforschung erläutert und das methodische Vorgehen beschrieben wird. Für vorliegende Studie wurden im Dezember 2024 an einem österreichischen Gymnasium 33 Schüler:innen aus allen vier ersten Klassen interviewt und die Daten im Anschluss mittels inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse ausgewertet (Kuckartz & Rädiker, 20242). In der Ergebnisdarstellung werden Hinweise auf risikoerhöhende sowie schützende Faktoren in diesen ersten Monaten nach dem Übergang zusammengefasst und daraus konkrete Empfehlungen für resilienzförderliche Maßnahmen im Unterricht abgeleitet. 9:00 - 9:30
Chronisch krank in der Schule: Entwicklung einer Toolbox für Lehrpersonen im Umgang mit chronischen Erkrankungen bei Kindern im Schulalltag 1Gesundheitsdepartement, OST – Ostschweizer Fachhochschule, St.Gallen, Schweiz; 2JBI Centre for Evidence-Based Healthcare Eastern Switzerland, University of Adelaide, Adelaide, Australia; 3Research Center for Clinical Neuroimmunology and Neuroscience (RC2NB), Universität Basel und Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz; 4Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle (Saale), Deutschland; 5Universität Luzern, Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften, Luzern, Schweiz Theoretischer Hintergrund: In der Schweiz lebt jedes fünfte Schulkind mit einer chronischen Erkrankung – etwa Asthma, Epilepsie, Diabetes oder einer angeborenen körperlichen Einschränkung [1]. Diese Kinder verbringen den grössten Teil ihres Alltags in der Schule, wo sie auf eine kompetente und sichere Unterstützung durch Lehrpersonen angewiesen sind [2]. Mehr als 76% der Lehrpersonen haben bereits Kinder mit chronischen Erkrankungen unterrichtet und fühlen sich verantwortlich für den Umgang mit damit verbundenen Problemen [3]. Die Mehrheit der Lehrpersonen sind jedoch unzureichend auf den Umgang mit chronischen Krankheiten vorbereitet. Fehlendes Wissen und mangelnde Kompetenzen können zu Unsicherheiten, gesundheitlichen Risiken und eingeschränkter Teilhabe für betroffene Kinder führen [1,4]. Es besteht die Notwendigkeit zur Wissens- und Kompetenzförderung von Lehrpersonen im Umgang mit chronisch kranken Kindern. Im Projekt «ChronCare» entwickeln wir eine evidenzbasierte, bedarfsgerechte Toolbox für Lehrpersonen. Die Toolbox dient als Unterstützungsinstrument zur Vermittlung von Wissen, Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit chronischen Krankheiten bei Kindern. Sie stärkt die Gesundheitskompetenz der Lehrpersonen und schafft Sicherheit. Fragestellungen:
Forschungsdesign und -methode: Mittels einem Mixed-methods Forschungsdesign wird die IST und SOLL Situation erhoben. Dazu erfolgen folgende Studien:
Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse dienen als Basis zur iterativen Entwicklung der Toolbox. Nach der Entwicklung erfolgt eine Pilotierung in 1-3 Primarschulen im Kanton St. Gallen. Resultate und deren Bedeutung: Bisher erfolgte der Scoping Review. Die Ergebnisse der einbezogenen Studien im Scoping Review zeigen grosse Unterschiede zwischen unzureichender und ausgezeichneter Gesundheitskompetenz und einen erheblichen Anteil von Lehrpersonen mit problematischer Gesundheitskompetenz. Die mit der Gesundheitskompetenz assoziierten Faktoren umfassten persönliche, situative und umgebungsbezogene Bereiche, die Fähigkeit, auf Gesundheitsinformationen zuzugreifen, diese zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, sowie Gesundheitsverhalten und -ergebnisse. Dabei wurden sowohl statistisch signifikante, als auch keine Zusammenhänge festgestellt. Beispielsweise waren jüngeres Alter, weibliches Geschlecht, höherer Ausbildungsstand, gesunder Lebensstil, höheres Sicherheitsgefühl im Umgang mit chronischer Erkrankung und gesundheitsfördernde Schulkultur mit höherer Gesundheitskompetenz verbunden. Keinen statistischen Zusammenhang mit der Gesundheitskompetenz zeigte sich u.a. bei Typ und Grösse der Schule, sowie Vorhandensein eigener chronischer Erkrankungen oder Tabakkonsum. Nur zwei Studien bewerteten Interventionen, und keine davon zeigte statistisch signifikante Verbesserungen der allgemeinen Gesundheitskompetenz der Lehrpersonen. In nationalen Erhebungen zur Gesundheitskompetenz in der Allgemeinbevölkerung zeigen 47% der Teilnehmenden eine problematische Gesundheitskompetenz [5]. Auch im Scoping Reviews zeigte sich eine grossteils eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Es wird vermutet, dass auch in der Ostschweiz eine problematische Gesundheitskompetenz unter Lehrpersonen besteht. Durch Förderung der Gesundheitskompetenz handeln Lehrpersonen informierter, sicherer und selbstbewusster. Komplikationen können verhindert, Notfälle souverän gemeistert und Teilhabechancen verbessert werden. Die Entwicklung und Bereitstellung einer Toolbox kann eine sichere, inklusive und gesundheitsfördernde Schulkultur fördern. | ||
