SSRE-SGL-annual conference 2026
June 17-19, 2026
St.Gallen University of Teacher Education
Conference Agenda
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Daily Overview |
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SES_14: Educational decisions and cooperation within the education system: perspectives from parents, schools and teacher training
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1:00pm - 1:30pm
Definitionen und Operationalisierungen der Eltern-Lehrpersonen-Zusammenarbeit: Ein Scoping-Review Pädagogische Hochschule Bern, Schweiz Theoretischer Hintergrund: Die Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehungsberechtigten stellt heute eine zentrale Herausforderung und Belastung im Lehrberuf dar (Brägger et al., 2019). Das Verhältnis ist für viele Beteiligte von Unsicherheit geprägt, was Goodall und Montgomery (2014) als «area of confusion» bezeichnen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Eltern-Lehrpersonen-Zusammenarbeit (ELZ) stark gewandelt (Sheridan & Garbacz, 2022; Swap, 1993), wobei Erwartungen und Rollen häufig unklar bleiben. Empirische Studien zeigen übereinstimmend, dass eine gelingende Zusammenarbeit positiv mit schulischen Leistungen sowie mit der sozio-emotionalen und Verhaltensentwicklung von Kindern und Jugendlichen zusammenhängt (Killus & Paseka, 2021; Sheridan et al., 2019; Täschner et al., 2021). Diese Befunde beruhen jedoch auf Studien mit sehr unterschiedlichen Begrifflichkeiten, konzeptionellen Verständnissen und Operationalisierungen von Zusammenarbeit, bedingt durch kulturelle, historische und paradigmatische Unterschiede. Diese begriffliche Unschärfe erschwert sowohl die Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis als auch deren Vergleichbarkeit. Für die Forschung besteht daher ein zentrales Desiderat in der konzeptuellen Klärung, da valide empirische Ergebnisse nur auf der Basis klar definierter und konsistent operationalisierter Konstrukte möglich sind (Babbie, 2020; Hawley & Dent, 2019; Lazarsfeld, 1993). Fragestellung: Vor diesem Hintergrund verfolgt der Beitrag das Ziel, den internationalen Forschungsstand zur Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen systematisch zu erfassen. Im Fokus stehen folgende Fragen: 1. Wie wird Eltern-Lehrpersonen-Zusammenarbeit in der Literatur konzeptuell definiert, und inwiefern variieren diese Definitionen über kulturelle Kontexte, Länder und Zeiträume hinweg? In welchem Ausmass spiegeln die Definitionen eine reziproke Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule wider? 2. Wie wird Eltern-Lehrpersonen-Zusammenarbeit operationalisiert, welche Kooperationsparadigmen werden abgebildet, welche Dimensionen und Aspekte der Zusammenarbeit werden erfasst, inwiefern sind die Messinstrumente multidimensional und reziprok angelegt und wie unterscheiden sich die Operationalisierungen in Abhängigkeit von Kontext, Kultur und Zeit? Forschungsdesign und Methode: Zur Beantwortung dieser Fragen wurde ein Scoping Review nach dem Framework von Arksey und O’Malley (2005) in Übereinstimmung mit der JBI-Methodologie (Peters et al., 2020) durchgeführt. Diese Methode eignet sich besonders zur Klärung zentraler Konzepte, zur Systematisierung bestehender Forschung und zur Identifikation von Forschungslücken. Resultate: Insgesamt wurden 5’346 Publikationen identifiziert. Das Titel- und Abstract-Screening wurde mit ASReview Lab (2023) durchgeführt, wodurch 546 potenziell relevante Studien bestimmt wurden. In der anschliessenden manuellen Volltextprüfung wurden 180 Studien eingeschlossen. Beide Screening-Phasen erfolgten durch zwei unabhängige CodiererInnen. Bedeutung der Resultate: Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Forschung zur Eltern-Lehrpersonen-Zusammenarbeit bislang durch konzeptuelle und methodische Inkonsistenzen geprägt ist. Für zukünftige Forschung besteht ein klarer Bedarf an theoretisch fundierten, klar definierten und empirisch konsistenten Konzeptualisierungen und Operationalisierungen. Diese Klärung ist nicht nur für die Weiterentwicklung der Forschung, sondern auch für bildungspolitische Entscheidungen und die schulische Praxis von zentraler Bedeutung, da nur auf dieser Grundlage evidenzbasierte Massnahmen zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus entwickelt und evaluiert werden können. Mündigkeit und Zukunftsfähigkeit in der Lehrer:innenbildung stärken Pädagogisch Hochschule Zürich, Schweiz Worum es geht: «Ich habe gelernt nicht nur Probleme zu sehen, sondern auch Lösungen zu entwerfen.» (Studentin PHZH). Wie können Mündigkeit und Visionsfähigkeit in der Lehrer:innenbildung gestärkt werden, so dass Studierende sich als Mitgestalter:innen einer lebenswerten Zukunft verstehen? Mündigkeit bedeutet eine Fähigkeit, sich kritisch, reflektiert und selbstbestimmt in der Gesellschaft einsetzen zu können (Henkenborg 2002; Dorsch/Kanwischer 2020; Albers/Blanck 2022; Pettig/Ohl 2023). Visionsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit, sich wünschenswerte Zukünfte vorzustellen und an deren Gestaltung mitzuwirken (z.B. Ehlers 2020). Dieser Beitrag zeigt auf, wie im Studienbereich Fachdidaktik Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) des dreijährigen Bachelorstudiums Studierende komplexe Fragestellungen erfolgreich bearbeiten und sich ermutigt fühlen, selbst einen vernetzten, zukunftsorientierten Unterricht zu planen und vernetzendes, problemlösendes und zukunftsorientiertes Denken zu fördern. Anhand der Leitfrage «Welche Landschaften wollen und brauchen wir in der Zukunft?» formulieren Studierende des Studiengangs Primarstufe entlang des Politikzyklus (Thyroff 2022) für einen realen «TatOrt» Problemstellungen, erarbeiten Lösungen und entwickeln Visionen, welche reflektiert, kritisiert und schließlich nach außen begründet verteidigt werden. Dazu werden Ziele der politischen Bildung, der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, des außerschulischen Lernens sowie aus den Didaktiken Geografie, Geschichte und Ethik integrativ verknüpft. Das Forschungsdesign nutzt den Ansatz einer Design-Based Research (DBR) (Reinmann 2021). Ein «Conjecture Mapping» ermöglicht, theoretisch fundierte und überprüfbare Verbindungen zwischen den Design-Elementen und den angestrebten Ergebnissen herzustellen (Sandoval 2014). Zwischen 2024-2025 wurden insgesamt acht Studienwochen designt, durchgeführt, ausgewertet, reflektiert und sukzessive verbessert. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern eine transformativ konzipierte Studienwoche Mündigkeit und Visionsfähigkeit fördert. Transformativ konzipiert bedeutet, dass Ansätze einer instrumentellen BNE 1 (Vermittlung von Wissen, Normen und Werten zu Nachhaltiger Entwicklung), einer emanzipatorischen BNE 2 (Befähigung zu Kritik und Reflexion, Umgang mit Unsicherheit) und einer transformativen BNE 3 (Widersprüche und Unsicherheit überwinden, Emergenz) systematisch aufeinander bezogen werden (Pettig/Ohl 2023). Erhebungsmethoden: offene schriftliche Fragen (n=129) (Petersen 2014) sowie acht problemzentrierte Gruppen-Interviews (Witzel 2000). Auswertung: Strukturierende Qualitative Inhaltsanalyse (Mayring 2015). Der Beitrag stellt ausgewählte Ergebnisse vor: Die Landschaftsentwicklung im Nahraum eignet sich als Inhalt besonders gut, um zukunftsorientierte, vielperspektivische, demokratische Aushandlungsprozesse zu üben. Das klar strukturierte, vernetzte fachdidaktische Wissen nehmen die Befragten als Vorbild für die eigene Unterrichtsplanung. Einige Studierende zeigen sich ermutigt, um an lebenswerten Zukünften mitzugestalten. Mit Bezug zur empirischen Forschung zeigen Studierende nach der Studienwoche ein aktiv-teilhabendes und weniger ein passiv-distanziertes Raumverständnis (Huser 2021). Das bedeutet, dass Raum nicht nur als Betrachtungsobjekt - im Sinne von Anschauen – künftigen Schüler:innen vermittelt wird und Studierende deshalb bei unterrichtspraktischen Überlegungen vernetzendes, zukunftsorientiertes und problemlösendes Denken vernachlässigen (Huser 2021), sondern dass die Befragten (Alltags-)Landschaften vielmehr als gestaltbarer Beziehungsraum zwischen Menschen und Umwelt wahrnehmen. Dieses Raumverständnis ist adäquater und entspricht einem aktuellen integralen Landschaftsverständnis (Mathieu et al. 2016). Das Referat leistet einen Beitrag zur Diskussion, wie Bildung für lebenswerte Zukünfte konzeptionell gestaltet werden kann. Zudem wie Komplexität in der Ausbildung bewusst erhalten und von Studierenden erfolgreich bearbeitet wird. Elterliche Schulwahl in der Schweiz: Motive für den Wechsel an Schulen in privater Trägerschaft PH FHNW, Schweiz Die elterliche Schulwahl ist sowohl international als auch im deutschsprachigen Raum ein zunehmend diskutiertes Thema (Mayer, 2019). In der Schweiz ist die Zuteilung zur öffentlichen Primarschule strikt an den Wohnort gebunden (Diem & Wolter, 2011), sodass Eltern auf dieser Schulstufe de facto nur zwischen einer öffentlichen und einer privaten Schule wählen können. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts sind Privatschulen in allen Kantonen rechtlich anerkannt, wobei die Kosten vollständig von den Erziehungsberechtigten getragen werden (Suter, 2013). Nichtdestotrotz ist in den letzten Jahren die Zahl der Privatschulen in der Schweiz gestiegen, wobei der Anteil der Schüler*innen an privaten Bildungsinstitutionen weitgehend konstant bleibt (Bundesamt für Statistik, 2025; Santoro, 2024). Neben diesen strukturellen Entwicklungen zeigt sich, dass sich Eltern vermehrt mit dem Thema Schulwahl auseinandersetzen. So geben rund 60 % der Eltern an, sich grundsätzlich vorstellen zu können, ihre Kinder in eine Privatschule zu schicken (Wüest & Bütikofer, 2023). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Eltern ihre Schulwahlentscheidungen strukturieren. Mayer (2019) unterscheidet dabei zwei Ebenen, denen wir in unserer Untersuchung ebenso folgen: die Schulwahl erster Ordnung beschreibt den Auslöser für den Wechsel, der dazu führt, dass sich die Eltern für eine Alternative interessieren. Die konkrete Entscheidung für eine bestimmte Einzelschule wird auf der Ebene der Schulwahl zweiter Ordnung getroffen. Untersuchungen zur Einzelschulwahl zeigen, dass sowohl verschiedene Aspekte der Schulqualität als auch pragmatische Faktoren für die Entscheidungsfindung relevant sein können (Clausen, 2006; Suter, 2013). Zudem spielt hier die Passung zwischen Schulprofil und den Interessen des Kindes sowie den Präferenzen der Eltern eine zentrale Rolle (Koinzer & Mayer, 2015). Schulwahlentscheidungen resultieren meist aus dem Zusammenspiel mehrerer Motive, wobei neben der Passung auch die Abgrenzung bei der Schulwahl zweiter Ordnung relevant ist (Mayer, 2019). Bei diesen beiden Begründungskontexten wird pragmatisch-rationale sowie emotionalen Argumenten differenziert. Vor diesem theoretischen Hintergrund untersucht dieses Paper die Motive von Eltern für den Wechsel an Schulen in privater Trägerschaft. Dafür wurde ein sequenziell erklärendes Mixed-Methods-Design verwendet (Creswell & Plano Clark, 2017). In einem ersten Schritt wurden Eltern an fünf Privatschulen mittels Onlinefragebogen (N=76) zu den Motiven für den Wechsel befragt. Auf Basis der quantitativen Daten wurden 16 Fälle kriteriengeleitet mittels Maximum-Variation-Sampling unter Einbezug allerfünf befragten Schulen für ein vertiefendes Interview ausgewählt. Die Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2018) ausgewertet. In einem dritten Schritt wurden die Daten mittels Joint Display zusammengeführt (Peters & Fàbregues, 2023). Die Ergebnisse zeigen, dass der Auslöser also das Schulwahlmotiv erster Ordnung das Wohlbefinden des Kindes ist, die Gründe für das Nichtvorhandene Wohlbefinden sind vielfältig. Die Gründe für die Schulwahl zweiter Ordnung sind mehrheitlich im Bereich der Passung des Konzeptes der Schule: Eltern schätzen an den Privatschulen insbesondere die Förderung von intrinsischem Lernen, Neugierde, individuelle Unterstützung, überzeugende pädagogische Konzepte zur Entwicklung von Future Skills, offene Lernformen, stabile Beziehungen und geringen Leistungsdruck. Nicht das Privatschul-Sein an sich, sondern konkrete pädagogische und strukturelle Merkmale standen bei der Wahl der Schule im Vordergrund und bestätigen somit Erkenntnisse aus anderen Schulwahlkontexten (Mayer, 2019) Die Gründe, die Eltern an der gewählten Schule besonders schätzen, lassen erkennen, in welche Richtung sich Bildung künftig entwickeln könnte: hin zu einer stärkeren Förderung von Future Skills, intrinsischem Lernen oder projektartigem Lernen, getragen von einem hohen Stellenwert des schulischen Wohlbefindens. | ||
