SSRE-SSFE-congrès annuel 2026
17-19 Juin 2026
Haute école pédagogique de Saint-Gall
Programme de la conférence
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Daily Overview |
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SES_32: Attentes éducatives, hétérogénéité et soutien inclusif dans le contexte scolaire
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13:00 - 13:30
Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in Mathematik: Soziale Einflussfaktoren auf Bildungserwartungen in PISA 2022 Pädagogische Hochschule St. Gallen, Schweiz Theoretischer Hintergrund Fragestellung Methode Ergebnisse Diskussion 13:30 - 14:00
Wie Sonderschulung, sonderpädagogischer Förderbedarf und sozioemotionale Faktoren Lehrpersonenerwartungen bei Jugendlichen aus Risikogruppen verzerren können Zentrum Lernen und Sozialisation, PH FHNW, Schweiz Lehrpersonenerwartungen sind von grosser Bedeutung, weil sie selbsterfüllend sind (Neuenschwander & Niederbacher, 2021). Leistungserwartungen von Lehrpersonen können die Leistungen ihrer Schüler*innen beeinflussen. Lehrpersonenerwartungen können verzerrt sein, wozu es insbesondere in Bezug auf Geschlecht, soziale und ethnische Herkunft bereits viel Forschung gibt (Lorenz et al., 2016; Review: Wang et al., 2018). Auch die Schulform (Sonderschulung vs. Regelschulung) und diagnostische Labels wie der sonderpädagogische Förderbedarf können die Wahrnehmung betroffener Schüler*innen negativ beeinflussen und Lehrpersonenerwartungen verzerren (Greber et al., 2017; Wang et al., 2018). Sonderpädagogischer Förderbedarf kann aufgrund von Leistungs- oder sozio-emotionalen Merkmalen diagnostiziert werden. Lehrpersonen nehmen Schüler*innen mit häufigem Störverhalten nach Kontrolle der tatsächlichen Leistungen als leistungsschwacher wahr (Bennett et al., 1993). Hyperaktiven Schüler*innen (Schüler*innen mit diagnostiziertem ADHS) schreiben sie mehr Verhaltensprobleme zu (Ohan et al., 2011). Die Bedeutung der Schulform, des sonderpädagogischen Förderbedarfs sowie der sozio-emotionalen Faktoren für verzerrte Lehrpersonenerwartungen wurde bisher kaum untersucht (Wang et al., 2018). Jugendliche aus Regelschulen mit tiefen Anforderungen und aus Sonderschulen gehören aber zur Risikogruppe, welche mit erhöhter Wahrscheinlichkeit keinen Sek-II-Abschluss erreichen (Pool Maag, 2016). Es wird daher den Fragen nachgegangen, (a) ob der Schultyp (Regelschule vs. Sonderschule) und der sonderpädagogische Förderbedarf (ja-nein) sowie (b) sozio-emotionale Faktoren von Schüler*innen Lehrpersonenerwartungen in Schulsprache und Mathematik verzerren. Methode: Zur Beantwortung der Fragen wurden Daten aus dem Projekt Transition in die Berufslehre (TRAIL) herangezogen. 1388 Jugendliche (Durchschnittsalter 15.56 Jahre, 44.5% weiblich, 51.8% Migrationshintergrund) der Deutschschweiz (79%) und der Westschweiz (21%) aus Regelklassen mit Grundanforderungen (n = 1199), Förderschul- und Sonderschulklassen (n = 189) sowie deren Klassenlehrpersonen (n = 159) füllten am Ende des 9. Schuljahres einen Fragebogen aus. Die Lehrpersonen gaben für jede*n Schüler*in die Zugehörigkeit zu einem Schultyp (Sonderschule, Realschule) und ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf besteht oder nicht, an. Zudem bewerteten sie die sozioemotionalen Faktoren für jede*n Schüler*in ihrer Klasse, indem sie die SDQ-Skalen von Goodman (2005) Prosoziales Verhalten (ω = .87), Emotionale Probleme (ω = .83), Hyperaktivität (ω = .87) und Probleme mit Gleichaltrigen (ω = .78) mit jeweils fünf Items ausfüllten. Die Jugendlichen füllten die SDQ-Skala Emotionale Probleme (ω = .88, 5 Items) von Goodman (2005) aus und absolvierten standardisierte und reliable Leistungstests in Mathematik und Deutsch respektive Französisch (Holzer et al., 2017; Moser Opitz et al., 2021; Bäuerlein et al., 2012). Alle Instrumente wurden durch das IRDP Neuchâtel für die Westschweiz übersetzt und adaptiert. Missings waren zufällig verteilt und wurden 10 Mal imputiert. Migrationshintergrund, sozio-ökonomischer Status, Geschlecht, fachspezifische Leistungen und Sprachregion wurden in den Analysen kontrolliert. Ergebnisse: Stufenweise Mehrebenenanalysen getrennt für Schulsprache und Mathematik zeigen, dass (a) Lehrpersonen in beiden Fächern höhere Erwartungen in Sonderschulen (vs. Regelschulen) und tiefere Erwartungen an Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (vs. ohne sonderpädagogischen Förderbedarf) hatten. Zudem zeigt sich nach Einbezug von Schulform, sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Kontrollvariablen, dass (b) prosoziales Verhalten einen signifikant positiven und Hyperaktivität einen signifikant negativen Effekt auf die Lehrpersonenerwartungen in Schulsprache und Mathematik hatten. Ausserdem hatten Probleme mit Gleichaltrigen einen signifikant negativen Effekt auf die Lehrpersonenerwartungen in Schulsprache und emotionale Probleme aus Lehrpersonen- wie auch aus Schüler*innensicht einen signifikant negativen Effekt auf die Lehrpersonenerwartungen in Mathematik. Diskussion: Der Schulkontext (Sonderschule) führt eher zu überhöhten Erwartungen, die individuelle Diagnose sonderpädagogischer Förderung aber zu unterschätzten Erwartungen. Möglicherweise passen Lehrpersonen in Sonderschulen ihre Erwartungen den institutionellen Rahmenbedingungen an und richten daher höhere Erwartungen an die Schüler*innen als Lehrpersonen aus Regelschulen. Die Effekte der sozio-emotionalen Faktoren sind stark und führen zu verzerrten Lehrpersonenerwartungen in beiden Fächern. In der Aus- und Weiterbildung sollten Lehrpersonen für diese Prozesse sensibilisiert werden. 14:00 - 14:30
Professionelle Handlungskompetenzen für einen inklusionsorientierten Umgang mit Vielfalt an Berufsfachschulen. Grundlegende Konzeption und Befunde aus Beobachtungen und Interviews mit Lehrpersonen in der Schweiz und in Deutschland 1Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz; 2Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland Analysen verdeutlichen, dass junge Erwachsene immer heterogenere persönliche Lernausgangslagen in die Schule und Ausbildung mitbringen. Lehrpersonen sind gefordert, im Unterricht Anpassungen vorzunehmen, um mehr Adaptivität und Individualisierung zu ermöglichen (European Commission, 2022; Miesera et al., 2022). Auch die Beobachtung, dass in den DACH-Ländern (Deutschland – Österreich – Schweiz) trotz etablierter Übergangssysteme und angepasster Ausbildungsformate Bildungsbenachteiligungen persistieren, verweist auf einen akuten Handlungsbedarf im gesamten Bildungssystem. Zugleich greift die an einem weiten Verständnis orientierte Idee, eines inklusionsorientierten Umgangs mit Diversität in der Lehrkräftebildung noch zu wenig (z.B. Bach, Schmidt & Schaub 2016; Kimmelmann & Pool Maag, 2024). Obwohl diese Phänomene nicht neu sind, fordert die Kumulation von Anforderungen auf individueller, gesellschaftlicher und arbeitsmarktbezogener Ebene das berufliche Ausbildungssystem auf eine Art und Weise heraus, die u.a. eine Neuordnung professioneller Kompetenzen des Bildungspersonals nahelegt, was zugleich ein Forschungsdesiderat darstellt (Buchmann, 2020; Bylinski, 2020). Der Beitrag wirft im Hinblick auf das Tagungsthema, «Bildung für eine lebenswerte Zukunft», die Frage auf, inwieweit die Auseinandersetzung mit und die Umsetzung von inklusiveren Praktiken in institutionalisierten Bildungskontexten einen Beitrag zur Stärkung der professionellen Handlungsfähigkeit leisten können, und welches professionelle Wissen, welche Werte und Haltungen sowie Fähigkeiten dafür ausschlaggebend sind. Die vorgestellte Studie untersucht die Frage, welche Fähigkeiten Lehrkräfte benötigen, um Vielfalt in der beruflichen Bildung und Ausbildung inklusiv zu bewältigen. Ziel der Studie ist es, relevante Kompetenzen im Unterricht und aus Sicht der praktisch tätigen Lehrpersonen zu identifizieren, um ein theoretisch fundiertes Rahmenmodell für professionelle Handlungskompetenzen zu validieren und zu konkretisieren. Die empirische Studie baut auf einem früheren Projekt auf, bei dem ein Kompetenzrahmen durch eine multiperspektivische Literaturanalyse bestehender Kompetenzmodelle aus der Lehrkräftebildung theoretisch hergeleitet wurde. Die Kompetenzmodelle bildeten grundlegende Kompetenzen von Lehrkräften im Zusammenhang mit Diversität und Inklusion ab (Pool Maag et al., 2024). Methodisch setzt der explorative Zugang für die Validierung des theoretischen Rahmenmodells auf Beobachtungen im Unterricht und anschliessende Interviews mit Lehrkräften an Berufsschulen in der Schweiz und in Deutschland. Die theoretisch erarbeiteten Dimensionen und Kategorien des Modells (Flick, Kardorff & Steinke, 2019) bildeten den Rahmen für die Erfassung und deduktive Kategorisierung der Beobachtungsdaten sowie für die Entwicklung der Leitfäden und die Auswertung der Interviews. Das Ergebnis ist ein in der Praxis validiertes und verfeinertes Kompetenzmodell, das zeigt, ob und wie sich die theoretisch und normativ abgeleiteten Dimensionen und Kategorien des Rahmenmodells in den konkreten Überlegungen, Methoden und Ansätzen der Lehrkräfte in ihrer Lehrpraxis widergespiegelt werden. Zusätzlich sind Unterschiede zwischen den beiden Ländern und Zusammenhänge mit den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Daten zu erkennen. Für eien breitere Einordnung der Befunde und um die Reichweite der Kompetenzen im präzisierten Rahmenmodell zu überprüfen werden abschliessend Kompetenzempfehlungen zu Teaching und Educations Skills internationaler Organisationen beigezogen (OECD, 2019/2025; UNESCO, 2024) und Überschneidungen sowie Unterschiede herausgearbeitet. Die Ergebnisse der Analyse dienen als Diskussionsgrundlage. Sie können für weitere Unterrichtsforschung genutzt werden sowie für die Überprüfung und Erweiterung bestehender Curricula in der Lehrkräftebildung entlang des Rahmenmodells. | ||
