SSRE-SGL-annual conference 2026
June 17-19, 2026
St.Gallen University of Teacher Education
Conference Agenda
Overview and details of the sessions of this conference. Please select a date or location to show only sessions at that day or location. Please select a single session for detailed view (with abstracts and downloads if available).
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Daily Overview |
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SES_10: Aesthetic Education: Participation and Professionalisation
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10:00am - 10:30am
Partizipation in musik- und bewegungsbezogenen Praxisformaten als Gegenstand empirischer Bildungsforschung Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik Feldkirch, Österreich Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen gewinnt die Frage nach erweiterten und fächerübergreifenden Ansätzen zur Förderung von Partizipation, interaktiver Ko-Kreation sowie in erweiterter Betrachtung Verantwortungsübernahme und sozialem Zusammenhalt zunehmend an Bedeutung. Musik- und bewegungsbasierte Praxisformate bieten hierbei besondere Potenziale, da sie künstlerisch-kreative, ästhetische und körperbezogene Dimensionen von Bildung miteinander verbinden. Musik und Bewegung stehen in einem engen Zusammenhang und können in ihrer Verschränkung transformatives und bildendes Potenzial entfalten (Vliex 2015, S. 119). Spychiger (2019) verweist zudem auf die Bedeutung flexibler Anpassungsprozesse (Entrainment) auf individueller wie sozialer Ebene, während sozialräumliche Ansätze die konstitutive Rolle von Interaktion für das Entstehen sozialer Räume betonen (Löw 2016, S. 105). Vor diesem Hintergrund untersucht ein kooperatives Forschungsprojekt von vier Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Chancen und Grenzen von Partizipation in musik- und bewegungsbasierten Praxisformaten. Ziel ist es, empirisch zu rekonstruieren, wie Teilnehmende und anleitende Musikpädagog*innen partizipative Prozesse mit Musik und Bewegung wahrnehmen und in Ko-Kreation gestalten. Der Tagungsbeitrag nimmt insbesondere Ergebnisse aus Beobachtungen und Befragungen von teilnehmenden Kindern und Jugendlichen ein, die u.a. im Rahmen einer Schulkooperation an den Praxisformaten teilnehmen, und schließt auch Vergleiche von Teilnehmenden mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund ein. Die Datengrundlage bilden leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmenden (n ≈ 50, 5–10 Minuten) sowie mit anleitenden Musikpädagog*innen (n = 3, 30–60 Minuten), ergänzt durch videografische Dokumentationen. Die Erhebungen erfolgten im Rahmen von drei Veranstaltungen an unterschiedlichen Standorten. Die Datenauswertung wurden mittels qualitativer Inhaltsanalysen nach Mayring (2022) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, wie Partizipation in den untersuchten Formaten wesentlich durch Faktoren wie Gruppenoffenheit, Verständlichkeit der methodischen Zugänge und Möglichkeiten nonverbaler Interaktion geprägt ist. Niedrigschwellige Bewegungs- und Tanzstrukturen können Teilhabe und Interaktion unterstützen. Zugleich zeigen die Ergebnisse auch Grenzen von Partizipation, etwa im Zusammenhang mit individuellen Zugangsbarrieren oder gruppendynamischen Prozessen des Ein- und Ausschlusses. Der Beitrag lädt zur Diskussion ein, wie musik- und bewegungsbezogene Praxisformate innerhalb und außerhalb von insitutionalisiertem Unterricht zur Förderung von Partizipation, Interaktion und sozialem Zusammenhalt beitragen können. 10:30am - 11:00am
Reflex-Reflexion-Resilienz? Eine Spurensuche in kunstpädagogischen Professionalisierungsprozessen Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Schweiz Aktuell wird vermehrt darüber nachgedacht, wie Herausforderungen im Bildungsbereich bewältigt werden können und wie es gelingt, in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Passend zum Thema «Bildung für eine lebenswerte Zukunft» ist der Einzelbeitrag im Schnittbereich angrenzender Forschungsfelder verortet, zwischen kunstpädagogischer Professionalisierung und akademischer Resilienzforschung (Lisi, 2020; Kassis et al., 2019). Resilienz wird als Schlüsselbegriff des 21. Jahrhunderts bezeichnet, weil darin Zeittypisches verdichtet wird (Bröckling, 2017). Herausforderungen, denen eine Epoche ausgesetzt ist, werden gebündelt und es wird implizit vorgeschlagen, wie diesen zu begegnen wäre. Es steckt im Schlüsselbegriff also bereits ein Lösungsansatz drin. In meinem Verständnis von Resilienz geht es nicht lediglich darum, Instabilität auszuhalten, sondern Systeme und Denken neu zu organisieren und Transformationsprozesse zu initiieren. Bisher fehlt eine empirische Basis dazu, wie Lehramtsstudierende Anforderungen spezifisch im Bildnerischen Gestalten bewältigen. Im Zentrum des Promotionsprojektes steht deshalb die Frage, wie Studierende herausfordernde Praxissituationen im Bildnerisches Gestalten auf Sekundarstufe I identifizieren, zur Sprache bringen, reflektierend bearbeiten, wie sie diese bewältigen und in das eigene Selbstverständnis einordnen. Beforscht werden Lehramtsstudierende der Sekundarstufe I, die ein fachdidaktisch ausgerichtetes Reflexionsseminar besuchen, das im Fachbereich Kunst und Design praktikumsbegleitend an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) angeboten wird. Das Reflexionsseminar hat zum Ziel, Vorwissen, Erfahrungswissen, Fachwissen mit fachdidaktischem Wissen zu verknüpfen. Aus Sicht der Berufspraktischen Studien kann für die Verbindung der pädagogisch-praktischen mit der wissenschaftlich-reflexiven Ebene der Begriff der doppelten Professionalisierung verwendet werden (vgl. Leonhard, 2021). Grundsätzlich schätzen Studierende die Relevanz von Unterrichtsreflexion im Lehrberuf als hoch ein und bewerten kollegiale Reflexion als hilfreich (Raaflaub, Wyss & Hüsler, 2019). Wyss und Mahler (2021, S. 18) weisen darauf hin, dass unter gewissen Voraussetzungen «Reflexion im Lehrberuf das eigene Wohlbefinden steigern und die Gefahr von beruflichem Burn-out verringern» könne. Weil die Einschätzung herausfordernder Praxismomente von Ressourcen und Kompetenzen abhängt, lässt sich eine Verbindung zum Resilienzkonzept herstellen. Professionalisierung und Resilienz werden zunehmend gemeinsam betrachtet, wie das Thema «Gesundheit von Lehrpersonen» der Zeitschrift «Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung» (Bd. 42 Nr. 1, 2024) zeigt. Studierende in der Schweiz stehen vor der Herausforderung, parallel zum Studium den Berufseinstieg zu meistern (Hascher & Krummenacher, 2024). Anschlussfähig ist das Forschungsvorhaben an den berufsbiografischen Professionalisierungsdiskurs, wo untersucht wird, wie Anforderungen in der Studieneingangsphase bewältigt werden (z. B. Hinzke, 2022, Kowalski et al., 2024). Auf methodischer Ebene wird anhand leitfadengestützter Einzelinterviews (Helfferich 2019) erhoben, wie Studierende fachspezifische Anforderungen aus Praxisphasen thematisieren und herausfordernde Situationen als Fälle in kollektive Erfahrungsgemeinschaften einbringen. Die erhobenen Interviewdaten werden mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack, 2018; Nohl, 2017) ausgewertet. Dem Erkenntnisinteresse entsprechend, schafft die Dokumentarische Methode Zugang zu «Wissen im handlungspraktischen, im performativen Vollzug des Handelns» (Bohnsack, 2017, S. 143). Im Hinblick auf dokumentarische Unterrichtsforschung wird von einem konjunktiven Erfahrungsraum gesprochen, der «gegenstandsbezogen» ist und sich auf Erfahrungen bezieht, die Lehrperson und Lernende mit dem Fachgegenstand verbindet (Asbrand & Martens, 2018, S.21). Hinweise auf erste Ergebnisse liefern rekonstruierte Orientierungen der Beforschten, die anhand von Fallbeispielen vorgestellt werden. Im Rahmen der Datenauswertung steht eine Theorie-/ Typenbildung an, wo abstrahiert und generalisiert wird, wie angehende Lehrpersonen Fachunterricht verstehen und wie sie krisenhafte Situationen im Bildnerischen Gestalten bewältigen. Das Wissen darüber kann in hochschuldidaktische Formate einfliessen und zur Professionalisierung von Studierenden beitragen. Aus fachdidaktischer Perspektive stuft Dreyer (2019) die Auseinandersetzung mit dem eigenen kunstpädagogischen Selbstverständnis als zentral für die Professionalisierung ein. Im Studium soll eine «reflexive Grundhaltung gegenüber der eigenen Kunstlehrer*innenpersönlichkeit» geübt werden (Dreyer, 2019, S. 362). Kassis et al. (2019) konnten nachweisen, dass soziale Unterstützung auf Peer-Ebene und konstruktives Feedback die Selbstwirksamkeit von Lehramtsstudierenden stärken und deshalb die Entwicklung von Resilienz positiv beeinflussen. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, empirische Erkenntnisse zu generieren, aufzugreifen und an der Pädagogischen Hochschule in geeignete Lehrformate einzubringen. 11:00am - 11:30am
Entwerfen als relationale Kulturtechnik in der postdigitalen Bildung PHSG, Schweiz Das vorgestellte Dissertationsvorhaben entwickelt eine theoretische Rekonstruktion des Entwerfens als relationale Kulturtechnik und untersucht seine epistemischen und bildungstheoretischen Implikationen unter Bedingungen der Postdigitalität. Ausgangspunkt ist die Problemlage, dass der Entwurfsbegriff im Bildungsdiskurs zwar verbreitet ist, jedoch kaum systematisch reflektiert wird. Zugleich verschärfen digitale und postdigitale Bedingungen – insbesondere algorithmische Agency, KI-gestützte Verfahren und entgrenzte Materialität – die Komplexität pädagogischer Situationen. Damit wird eine theoretische Rekonstruktion nötig, die Entwerfen nicht als kreative Methode, sondern als epistemische Praxis sichtbar macht, die strukturell mit Komplexität, Ungewissheit und verteilter Agency operiert, wodurch ein Beitrag zur Handlungsfähigkeit im Ungewissen erwartet wird. Im Anschluss an Ruckers komplexitätstheoretische Analyse der Bildung (2014) wird Entwerfen als epistemische Praxis gefasst, die zwischen Wissen und Nicht-Wissen operiert. Erkenntnis wird nicht durch Deduktion oder Induktion erzeugt, sondern durch abduktives Navigieren im Offenen. In dieser Perspektive erweist sich Entwerfen als Praxis des Navigierens im Offenen: relational, emergent, responsiv und iterativ. Greiner-Petters Verständnis des Entwerfens als wertendes Unterscheiden (2020) und Kretz’ Beschreibung der untersuchenden, ordnenden und verändernden Dimension entwerferischer Tätigkeit (2020) bilden zentrale theoretische Bezugspunkte. Diese werden in relationale Bildungsansätze (Engel & Kerres 2023) sowie in Theorien postdigitaler Agency (Jandrić & Knox 2021) eingebettet. Methodologisch folgt die Arbeit Anhalts und Ruckers Zirkel der Problemgenerierung (Anhalt 2012; Rucker 2014; Rucker & Anhalt 2017): Durch Beobachtungen zweiter Ordnung werden die epistemischen Voraussetzungen von Entwurfsbeschreibungen als Haltepunkte identifiziert, problematisiert und neu formuliert. Diese Problematisierungen erzeugen jeweils neue Beschreibungen, die wiederum problematisiert werden. Die Analyse erfolgt durch einen systematischen relationalen Reframe nach Ebner von Eschenbach (2019). Ziel ist eine relationstheoretische Rekonstruktion, die substanzielle und relationale Perspektiven verbindet: Wie verschiebt sich zum Beispiel ein Haltepunkt, wenn er nicht anthropozentrisch – also als Eigenschaft eines autonomen Subjekts – sondern materiell-distributiv gelesen wird, also als Effekt relationaler Gefüge? Damit wird sichtbar, dass Zuschreibungen wie zum Beispiel "KI macht uns dumm" nur innerhalb einer substanziellen Perspektive Sinn ergeben, während sie in einer relationalen Perspektive als Konstellationseffekt erscheinen. Auf diese Weise entsteht ein iteratives Reframing, das die epistemischen Bedingungen des Entwerfens sichtbar macht. Forschung wird so als entwerfende Praxis nachvollziehbar: Erkenntnis entsteht durch die performative Herstellung neuer Relationen. Ziel ist es, Erwartete theoretische Beiträge liegen Die Arbeit zeigt Analogien zwischen Entwerfen und Bildung in den Parametern der Komplexität (Rucker 2014): Beide sind Wechselspiele, die durch Selbstreferentialität, Dynamik, Emergenz, Offenheit und Ungewissheit sowie Nichtplanbarkeit und Nichtsteuerbarkeit geprägt sind. Mit Blick auf das Kongressthema Bildung für eine lebenswerte Zukunft wird so deutlich, dass Gestaltungskompetenz in postdigitalen Kontexten nicht primär technische, sondern epistemische und relationale Fähigkeiten erfordert. Entwerfen wird als Haltung sichtbar, die dazu befähigt, in komplexen, von Unsicherheit und geteilten Handlungsspielräumen geprägten Situationen orientiert, verantwortungsvoll und transformativ handeln zu können. 11:30am - 12:00pm
Construire un projet professionnel en contexte d’incertitude : dimensions épistémiques, réflexives et autorégulatrices chez des étudiant·es en formation musicale supérieure Université de Fribourg/ HEMU, Suisse Contexte théorique Problématique Méthodologie Résultats et signification | ||
