SGBF-SGL-Jahreskongress 2026
17.-19. Juni 2026
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | ||
DISK 07: «Ich kann mich ab 15 Uhr einfach nicht mehr konzentrieren» - Hochschulbildung in Krisenzeiten: zwischen individuellen Bedürfnissen und gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen.
| ||
| Präsentationen | ||
«Ich kann mich ab 15 Uhr einfach nicht mehr konzentrieren» - Hochschulbildung in Krisenzeiten: zwischen individuellen Bedürfnissen und gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. In ihrem zeitdiagnostischen Essay «Vulnerable Gesellschaft – Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung für die Freiheit» (2025) schildert Frauke Rostalski aus rechtswissenschaftlicher Perspektive den Schutzbedarf von Individuen, die sich zunehmend als vulnerabel empfinden und in unterschiedlichen Kontexten primär auf ihre persönlichen Bedürfnisse fokussieren. Wie Rostalski konstatiert, führen «wachsende Zuschreibungen von Verletzlichkeit dazu […], dass die eigenverantwortliche Risikobewältigung mehr und mehr in den Hintergrund rückt» und «im Umgang mit Risiken nach externer, vor allem staatlicher Unterstützung» (ebd.: 21) verlangt wird. Rostalski prognostiziert, dass diese Bewegung schlussendlich in einer abnehmenden gesamtgesellschaftlichen Resilienz mündet. Dabei verschieben sich die Aufgabenbereiche der staatlichen Institutionen, die sich bisweilen mit einer «rabiaten Egozentrik» (Paris 2025) konfrontiert sehen und zunehmend persönliche Empfindungen und individuelle Erwartungshaltungen berücksichtigen sowie regulieren sollen. Rostalskis Überlegungen können als grobe Schablone dienen, so unsere provokante These, um das aktuelle Verhältnis zwischen Studierenden und Hochschulen zu lesen. Während gegenwärtig kriegerische Auseinandersetzungen, globale Migrationsbewegungen, ökonomische und technologische Unsicherheit und zunehmende anti-demokratische Bewegungen die globalen, wie nationalen Nachrichten beherrschen und die Frage nach Regulierung aufwerfen, scheinen intuitive Bezugnahmen (zunehmend?) über andere Formen der Betroffenheit strukturiert zu werden. So beklagen sich Studierende in Umfragen seltener über fehlende inhaltliche Bezüge zu gegenwärtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, sondern betonen, dass sie Mühe hätten, sich zu konzentrieren, die Semesterpläne zu dicht, oder aber die Termine ungünstig gelegen seien. Sie artikulieren Erwartungshaltungen, indem sie Lehrende dann als «gut» bewerten, wenn diese auf individuelle «Bedürfnisse eingehen» oder für eine «angenehme Atmosphäre» sorgen und ihnen mit beinahe fürsorgerischem Gestus begegnen. Lehrende an Hochschulen ihrerseits reagieren mit Veranstaltungen, deren didaktische Settings sich zunehmend an schulische Formate annähern oder indem sie Studierende durch Über-Didaktisierung der Lerninhalte und durch minutiöse Begleitung der Lernprozesse von selbstverantwortlichem Lernen entbinden. Hochschulen sehen sich folglich mit dem Anspruch konfrontiert, einerseits Studierende auf die Herausforderungen wachsender sozialer, politischer und ökonomischer Fragilität vorzubereiten und andererseits auf studentischen Fürsorgebedarf zu reagieren. Vor dem Hintergrund der (hier erkennbar zugespitzt) formulierten Spannungsverhältnisse zwischen Studierenden und ihren Ansprüchen, der Hochschullehre und ihrer normativen Ausrichtung sowie hochschulischen Entwicklungen einerseits, und gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen andererseits, fokussiert unsere Diskussion die zentrale Frage: - Wie können Hochschulen dazu beitragen, vermeintlich «vulnerable» Individuen für zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen zu sensibilisieren und ihre kollektive, verantwortungsethische Handlungsfähigkeit stärken? Die Diskussion umfasst drei Schwerpunkte, die jeweils aus der Perspektive der Hochschulforschung, der curricularen Entwicklung von Studiengängen und der Hochschulentwicklung in der Form der Kurzstatements beleuchtet werden:
Das Diskussionsforum wird als dialogisch-partizipatives Format gestaltet. Neben kurzen Inputs der Podiumsgäste und Diskutant:innen wird eine aktive Beteiligung an der Diskussion angeregt. - Rotating-Chairs: Teilnehmende können neben den Diskutant:innen Platz nehmen und eigene Sichtweisen, empirische Befunde oder theoriegeleitete Argumente einbringen. - Statements aus dem Publikum: Das Publikum kann sich schriftlich mit Hilfe eines elektronischen Tools oder mündlich beteiligen. Die Statements aus dem Publikum werden in der Diskussion aufgegriffen. - Partizipative Schlussfolgerung: Gemeinsam wird über die möglichen Konsequenzen für Hochschulen diskutiert. | ||
