SSRE-SGL-annual conference 2026
June 17-19, 2026
St.Gallen University of Teacher Education
Conference Agenda
Overview and details of the sessions of this conference. Please select a date or location to show only sessions at that day or location. Please select a single session for detailed view (with abstracts and downloads if available).
|
Daily Overview |
| Session | ||
SYMP 52: Epistemological beliefs about mathematics, as well as the teaching and learning of mathematics. A miracle or what?
| ||
| Presentations | ||
Epistemologische Überzeugungen zu Mathematik sowie Mathematiklehren und -lernen. Wunderwesen oder was? Überzeugungen (beliefs) gehören zu den zentralen Forschungsgegenständen in den Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken, und lassen sich verstehen als subjektive Wahrheitsurteile darüber, wie etwas beschaffen ist bzw. wie etwas funktioniert (Reusser & Pauli, 2014; Oser & Blömeke (2012). Überzeugungen werden als ein Grundgerüst professionellen Handelns angesehen, was insbesondere für das pädagogische Feld von Bedeutung ist, da in der Regel “in action” sinnvoll gehandelt werden muss. Als komplexes, mehrdimensionales und teils affektiv grundiertes mentales Konstrukt (Pajares, 1992; Fives & Buehl, 2012; Skott, 2015; Gill & Hardin, 2015) weisen Überzeugungen eine gewisse zeitliche Stabilität auf (Wilde & Kunter, 2016), sodass Veränderungen vor allem dann zu erwarten sind, wenn sie in bedeutsame soziale Praktiken eingebettet werden (Neuweg, 1999). Die sogenannten epistemologischen Überzeugungen stellen Fischer (2018) zufolge eine spezifische Facette professioneller Überzeugungen dar und beziehen sich darauf, was als Wesen, Struktur und Genese von Wissen in einem bestimmten Fach oder Fachgebiet gilt. In den letzten zwei Jahrzehnten ist insgesamt eine deutlich wachsende Aufmerksamkeit für epistemologische Überzeugungen im bildungswissenschaftlichen Diskurs zu beobachten (Merk et al., 2017), verbunden mit vermehrten Bemühungen, ihre theoretische Konzeptualisierung und empirische Erfassung zu präzisieren. Gleichzeitig zeigt sich insbesondere im Fach Mathematik eine spezifische Dynamik: Hier wurden gezielt Ansätze entwickelt, epistemologische Überzeugungen fach- und prozessbezogen auszudifferenzieren. Mit den TEDS-M-Skalen (Laschke & Felbrich, 2008) liegt ein weithin genutzter Standard zur Messung epistemologischer Überzeugungen zum Fach Mathematik sowie zum Lehren und Lernen desselben vor. Dieses Instrument erlaubt breite Vergleiche über Zielgruppen und Kontexte hinweg, wurde jedoch primär als globale, fachbezogene Skalen konzipiert und weniger differenziert im Hinblick auf spezifische mathematische Tätigkeiten oder inhaltliche Fokusbereiche. Die zunehmende Bedeutung prozessbezogener Kompetenzen wie Argumentieren, Modellieren oder Problemlösen macht jedoch deutlich, dass domänen- und prozessspezifische Präzisierungen notwendig sind, um den tatsächlichen Lern- und Lehranforderungen gerecht zu werden. In jüngerer Zeit wurden Epistemologische Überzeugungen weiter ausdifferenziert. Diese Ausdifferenzierung erfolgt in mehrfacher Hinsicht:
Das Symposium greift diese Entwicklungslinien systematisch auf und beleuchtet epistemologische Überzeugungen sowohl in ihrer allgemeinen theoretischen und diagnostischen Weiterentwicklung (Beitrag 1) als auch in ihrer fach- und prozessspezifischen Ausdifferenzierung im Mathematikbereich (Beiträge 2 und 3). Damit zeigt das Symposium exemplarisch auf, wie epistemologische Überzeugungen allgemein, sowie insbesondere mit Bezug zum Fach Mathematik zunehmend präzisiert, kontextualisiert und aktionsnah untersucht werden. Mit dem Leitthema "Bildung für eine lebenswerte Zukunft" verbindet das Symposium die Frage, welche Rolle epistemologische Überzeugungen für professionelles Lehrer:innenhandeln spielen, das kritisches Denken, reflektierten Umgang mit Wissen und verantwortliches Handeln in einer von Unsicherheit und Komplexität geprägten Welt unterstützt. Gerade im Mathematikunterricht – als zentralem Ort für das Entwickeln argumentativer, problemlösender und begründender Kompetenzen – wird sichtbar, wie Vorstellungen über Wissen und seine Genese Lern- und Handlungsspielräume von Lehrpersonen und Lernenden erweitern oder begrenzen können. In diesem Sinne fokussiert das Symposium einen Schlüsselaspekt von Professionalisierung, der für eine gerechte, demokratische und zukunftsfähige Bildungspraxis von besonderer Relevanz ist. Zugleich werden theoretische und diagnostische Herausforderungen sichtbar, die für zukünftige Forschung und Professionalisierungsansätze zentral sind. Presentations of the Symposium Epistemische Überzeugungen im Fokus: Was Messinstrumente (nicht) leisten Obwohl epistemische Überzeugungen als messy construct (Fives & Buehl, 2012) gelten, werden sie im Zusammenhang mit dem professionellen Denken und Handeln von Lehrpersonen immer wieder empirisch untersucht (z. B. Merk et al., 2017). Wie für die empirische Bildungs- bzw. Professionsforschung typisch, erfolgt ihre Erfassung überwiegend mittels Fragebogeninstrumenten – ein Zugang, der im Idealfall eine enge Passung zwischen theoretischem Modell und empirischer Operationalisierung erwarten lässt. Speziell für Instrumente zur Erfassung epistemischer Überzeugungen scheint diese Passung jedoch häufig nicht gegeben zu sein. Stattdessen erweisen sich selbst theoretisch fundierte Instrumente in unterschiedlichen Studienkontexten wiederholt als nicht kohärent mit den zugrunde gelegten theoretischen Modellen oder als psychometrisch instabil; messinvariante Strukturen lassen sich über verschiedene Projektkontexte hinweg kaum identifizieren (z. B. Mayr et al., in Druck). Angesichts der konkurrierenden theoretischen Zugänge und der vielfach beobachtbaren psychometrischen Inkohärenz ist es bemerkenswert, dass gängige Instrumente – einschließlich der hierfür jeweils postulierten Subskalen bzw. Faktorstrukturen – in nachfolgenden Studien oftmals ohne erneute psychometrische Prüfung übernommen werden. Dies knüpft an die Forderung von Iliescu et al. (2022) an, systematische Reviews und Meta-Analysen zu diagnostischen Verfahren stärker in den Blick zu nehmen, um deren theoretische Fundierung und psychometrische Tragfähigkeit verlässlich beurteilen zu können. Der vorliegende Beitrag greift dieses Desiderat auf und präsentiert Ergebnisse einer systematischen Review-Studie, die 111 Arbeiten seit 1990 analysiert. Die Studie bietet einen systematischen Überblick über Fragebogeninstrumente zur Erfassung epistemischer Überzeugungen im Bildungskontext und untersucht diese hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, psychometrischen Eigenschaften und kulturellen Adaptationen. Die hierfür durchgeführte Literaturrecherche erfolgte in sieben großen Datenbanken (SCOPUS, Web of Science, PsycInfo, PSYNDEX, ERIC, SocINDEX sowie der Psychology & Behavioral Sciences Collection). Eingeschlossen wurden Arbeiten, die epistemische Überzeugungen im Bildungskontext mittels Selbstauskünften in Fragebogeninstrumenten erfassen und psychometrische Informationen berichten. Alle Studien wurden anhand eines detaillierten Kategoriensystems kodiert. Erfasst wurden u. a. das zugrunde liegende theoretische Modell, die Operationalisierung der Dimensionen, die Art der psychometrischen Prüfung (explorativ vs. konfirmatorisch, Reliabilität/Validität), die Qualität der Dokumentation (z. B. Fit-Indizes, alternative Modelle) sowie Umfang und methodische Strenge der jeweiligen Adaptations- und Replikationsmassnahmen. Die Analyseergebnisse verdeutlichen eine ausgeprägte konzeptuelle Fragmentierung: Trotz gemeinsamer Grundannahmen unterscheiden sich die abgeleiteten Dimensionen teils erheblich zwischen Modellen und (Studien-)Kontexten. Psychometrisch sind viele Instrumente psychometrisch schwach: Replikationsversuche gelingen selten, Reliabilitätswerte variieren stark, und Validierungsprozesse sind oft unzureichend dokumentiert. Kulturelle Übertragbarkeit wurde überwiegend angenommen, aber selten systematisch überprüft – etwa durch systematische Übersetzungsstudien oder Messinvarianztests. Aus den vorgestellten Ergebnissen lässt sich die Schlussfolgerung ableiten, dass die Forschung zur Messung Epistemischer Überzeugungen vor grundlegenden theoretischen und, damit verbunden, methodischen Herausforderungen steht. Künftige Forschung sollte sich vermehrt einer theoretisch-konzeptuellen Klärung und damit verbunden einer nachhaltigen Instrumentenentwicklung widmen. Epistemologische Überzeugungen von Lehrpersonen zum mathematischen Argumentieren: Entwicklung eines Befragungsinstruments Epistemologische Überzeugungen von Lehrpersonen sind zentrale Aspekte professioneller Kompetenz (Baumert & Kunter, 2011). Sie lassen sich als subjektiv für gültig erachtete Konstrukte auffassen (Pajares, 1992), denen im Hinblick auf das unterrichtliche Handeln von Lehrpersonen eine zentrale Bedeutung beigemessen wird (Reusser & Pauli, 2014). Dies gilt auch für den Mathematikunterricht: Zwischen epistemologischen Überzeugungen von Lehrpersonen und den Mathematikleistungen der Schüler:innen konnten empirisch sowohl direkte als auch moderiert durch die Unterrichtsgestaltung indirekte Zusammenhänge aufgezeigt werden (z. B. Voss et al., 2011). In solchen Untersuchungen werden epistemologische Überzeugungen jeweils im Hinblick auf die Disziplin Mathematik bzw. auf das Lehren und Lernen des Fachs als Ganzes operationalisiert. Dies zeigt sich beispielsweise bei den Skalen, die im Rahmen der TEDS-M-Studie entwickelt wurden (Laschke & Felbrich, 2008). Diese operationalisieren die Überzeugung zum Wesen von Mathematik mit einer eher prozessbezogenen und einer stärker regel- und prozedurbezogenen Sichtweise. Überzeugungen zum Lehren und Lernen von Mathematik werden als eher transmissives Verständnis i.S. der direkten Vermittlung von Mathematik oder als konstruktivistisches Verständnis, d.h. als aktiv zu leistender Aufbauprozess, der eigenen Denkwegen folgt, operationalisiert. Lernen und Lehren von Mathematik bedeutet aber immer auch, sich mit bestimmten Inhalten (Kompetenzbereichen) vielfältig handelnd (Handlungsaspekte) auseinanderzusetzen um fachliches Wissen aufbauen und anwenden zu können, wie dies aktuelle Lehrpläne als Zielvorgabe definieren (EDK, 2016; KMK 2022). Es greift daher zu kurz, wenn Überzeugungen von Lehrpersonen ausschliesslich als allgemein epistemologische Überzeugungen zum Fach und zum fachlichen Lehren und Lernen konzipiert werden, weil der Zusammenhang von Überzeugungen auf das Unterrichten und Fördern ganz bestimmter mathematischer Handlungen in unterschiedlichen Inhaltsbereichen und nicht nur auf das Unterrichten des Fachs allgemein abzielt. Eine inhaltliche Spezifizierung ist daher von Interesse, wenn eine bestimmte mathematische Kompetenz wie das Argumentieren im Mathematikunterricht fokussiert wird. Obwohl es zu Überzeugungen von Lehrpersonen im Zusammenhang mit der Gültigkeit oder der Definition von Beweisen eine Vielzahl von Befunden gibt (z. B. Knuth, 2002; Reid, 2005, Reuterswärd & Hemmi, 2011), liegen bislang aber keine spezifischen Operationalisierungen vor. Hier setzt dieser Beitrag an und geht der Frage nach, wie ein Befragungsinstrument zu epistemologischen Überzeugungen von Lehrpersonen prozessspezifisch zum mathematischen Argumentieren konzeptualisiert und operationalisiert werden kann. Auf der Basis eines Literaturreviews und einer vorgängigen Befragung von Lehrpersonen zur eigenen Unterrichtspraxis sowie zu Herausforderungen im Umgang mit dem mathematischen Argumentieren (Brunner et al., 2018) wurde ein Instrument entwickelt zur Erfassung der prozessspezifischen Überzeugungen. Dabei wurde auf die TEDS-M Skalen (Laschke & Felbrich, 2008) zurückgegriffen und hinsichtlich mathematischen Argumentierens adaptiert. Demnach wurden Dimensionen von Überzeugungen zum Wesen des Argumentierens mit einem Fokus auf Struktur und Logik (statisch) bzw. auf Kreativität und Prozess (dynamisch) eingeschlossen. Überzeugungen zum Lehren und Lernen des Argumentierens umfassten transmissive, konstruktivistische und zusätzlich ko-konstruktivistische Aspekte, welche sich in der vorgängigen Befragung (Brunner et al., 2018) herauskristallisierten. Nebst lerntheoretischen wurden auch unterrichtspraktische Aspekte berücksichtigt (Lampart, Brunner, & Kempen, 2023). Als vierte Dimension des Instruments wurden individuelle, personenbezogene Komponenten (Kempen, 2019) in die theoretische Konzeptualisierung integriert. Die Operationalisierung dieser vier Dimensionen erfolgte einerseits über eine Adaption bestehender Items hinsichtlich des mathematischen Argumentierens, andererseits wurden Items auf der Grundlage entsprechender Forschungserkenntnisse neu formuliert. So wurden insgesamt 48 Items entwickelt, die – analog zu TEDS-M (Laschke & Felbrich, 2008) – auf einer sechsstufigen Likert-Skala von «stimme überhaupt nicht zu» bis «stimme völlig zu» erhoben wurden. Diese wurden schliesslich mit 128 Lehramtsstudierenden der Technischen Universität Dortmund (81.1 % weiblich) mittels einer schriftlichen Befragung pilotiert. Die Ergebnisse wurden faktorenanalytisch mit und ohne Rotation im Hinblick auf latente Strukturen untersucht, so dass anhand von theoretisch-qualitativen Überlegungen sowie statistisch-quantitativen Kennwerten ein Befragungsinstrument zu epistemologischen Überzeugungen zum mathematischen Argumentieren vorgelegt werden kann. NN NN | ||
