SSRE-SSFE-congrès annuel 2026
17-19 Juin 2026
Haute école pédagogique de Saint-Gall
Programme de la conférence
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SYMP 37: Contribuer à façonner la société et l'environnement – La participation, une pratique de la liberté
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Gesellschaft und Umwelt mitgestalten – Partizipation als Praxis der Freiheit Mit unserem Symposium bewegen wir uns im Feld der gesellschaftswissenschaftlichen Bildung und schliessen somit ans Tagungsthema an. In der gesellschaftswissenschaftlichen Bildung befasst man sich “mit der Beschreibung, Analyse und Erforschung von menschlichen Verhältnissen, namentlich von sozialen, wirtschaftlichen und individuellen Lebensbedingungen und Anschauungen.” (Institut Gesellschaftswissenschaftliche Bildung, o.J.) Von Interesse sind darüber hinaus Beziehungen von Menschen in Gemeinschaften, Gesellschaften und zur Umwelt. “Aus der Perspektive der Lehrpersonenbildung verstehen wir Gesellschaftswissenschaftliche Bildung als Überbegriff für Fachdisziplinen, die sich mit gesellschaftlichen Fragen befassen. Daraus abgeleitete Bildungsprozesse umfassen die Auseinandersetzung mit vergangenen und aktuellen Gesellschaftsformen und -theorien sowie deren Wirkungen auf die Menschen und ihre Lebenswelt. Sie fördern überdies die Fähigkeit, eigene Perspektiven kritisch zu reflektieren” (Institut Gesellschaftswissenschaftliche Bildung, o.J.). Diese Auseinandersetzung findet an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen vor allem am Institut Gesellschaftswissenschaftliche Bildung satt. Zu diesem Institut gehören die Fachbereiche Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG), Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG), Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) sowie der Themenbereich Bildung und Gesellschaft. Durch das Symposium führen Personen unterschiedlicher Fachbereiche des Instituts. In diesem Symposium werden wir partizipative Formen des Engagements von Kindern und Jugendlichen thematisieren und beziehen uns dabei auf einen weit gefassten Begriff der Demokratiebildung als transversales Thema gesellschaftswissenschaftlicher Bildung (Weißeno et al, 2010). Angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen ist es zentral, dass Kinder und Jugendliche lernen, die Gegenwart wahrzunehmen, sich darin zu orientieren, sie zu analysieren und in der Gesellschaft zu handeln (D-EDK, 2016). Das Ausloten von Gestaltungsräumen und das Übernehmen von Verantwortung – im Kleinen wie im Grossen – sind dabeiVoraussetzungen für eine Praxis der Freiheit. Wir stellen vier theoriegeleitete Praxiserprobungen aus der formalen und non-formalen Bildung vor, die unterschiedliche Zugänge zu Partizipation in Gemeinschaft und Gesellschaft eröffnen. Das trinationale Forschungsprojekt Demos zeigt, Demokratische Bildung gelingt, wenn Partizipation im Schulalltag gelebt wird. Durch Dialoge auf verschiedenen Ebenen und die Etablierung einer Kultur der Beteiligung stärkt das Projekt demokratische Kompetenzen – bei Schüler:innen und Lehrpersonen. Ziel ist es, Schule als Ort zu gestalten, an dem Demokratie nicht nur gelehrt, sondern aktiv erlebt wird. Der Beitrag fasst die Erfahrungen aus dem Projekt zusammen und diskutiert die Erkenntnisse. Im Beitrag Vorstellungen zu Macht – ein Unterrichtsdesign für die Sekundarstufe 1 werden Vorstellungen von Schülerinnen und Schüler zum Konzept Macht und mögliche Unterrichtszugängethematisiert, mit denen diese Vorstellungen diskutiert und differenziert werden können. Konfliktfähigkeit oder Dissenstauglichkeit (Reichenbach, 2013) wird als wesentliche Voraussetzung von Partizipation besprochen, im Sinne der Förderung politischer Urteilskompetenzen. Ziel ist es, auszuloten, wie Partizipation von Kindern und Jugendlichen konkret gelehrt, angeleitet und praktiziert werden kann. Dabei geht es nicht nur um Selbstwirksamkeitserfahrungen von jungen Menschen, sondern darum, demokratische Praxis erfahrbar zu machen. Der Beitrag Umwelt wahrnehmen, erkunden, mitgestalten: Partizipative Zugänge zu Mensch-Umwelt-Beziehungen befasst sich mit der Frage, wie junge Menschen an der Gestaltung und Aneignung ihrer Umwelt beteiligt werden können. Am Beispiel des Citizen Science-Projekts “Map4Rec.CH” wird gezeigt, wie Kinder mit Flucht- und Migrationserfahrung in die Planung urbaner Grünräume eingebunden werden können und wie dadurch Zugänge zur Natur und inklusivere Räume für Umweltbildung eröffnet werden. Im Beitrag Analyse und didaktische Umsetzung von komplexen Gegenständen aus der Perspektive Wirtschaft – Arbeit - Haushalt wird auf den Fachbereich Wirtschaft fokussiert. Dabei wird anhand des sogenannten didaktischen Strukturgitters ein komplexer Gegenstand analysiert und exemplarisch aufgezeigt, wie mit diesem im Planspiel “Wirtschaft entdecken” (Wirtschaftsbildung.ch (2025)) didaktisch umgegangen wird. Es wird diskutiert, inwiefern solch eine Analyse und didaktische Umsetzung auch für andere Gegenstände und Lernumgebungen genutzt werden kann. Présentation du symposium Partizipation und demokratische Bildung im Schulalltag – Das Projekt DemoS (Bildung und Gesellschaft) Demokratie ist nicht nur eine politische Ordnung, sondern ein Lebensstil, der alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt und aktiv gestaltet werden muss (Dewey, 1916/1980). Dieser Ansatz erfordert Lernprozesse und kontinuierliche Praxis (Habermas, 1992), da die Auseinandersetzung über das Zusammenleben und die Gestaltung sozialer, politischer und ökonomischer Verhältnisse ein nie abgeschlossener Prozess ist (Arendt, 1981). Obwohl Lehrpläne in Österreich, Deutschland und der Schweiz Spielräume für Schüler:innenpartizipation bieten (Jungkunz et al., 2023), sind bewährte Konzepte (Brügelmann, 2019; Himmelmann, 2005) noch nicht ausreichend in der schulischen Praxis verankert (Edelstein & Fauser, 2001; Quenzel et al., 2023). Hier setzt das trinationale Projekt DemoS (PHSG, PHV und Uni Konstanz) an, das die professionelle und institutionelle Entwicklung von Schulen im Hinblick auf demokratische Handlungs- und Erziehungsspielräume fördert. Das Projekt etabliert vier Dialogebenen: Erstens fördert eine Vortragsreihe den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Expert:innen wie Margret Rasfeld („Schule im Aufbruch“) diskutieren mit Lehrpersonen, Schüler:innen und Schulleitungen über demokratische Schulgestaltung. Zweitens ermöglicht ein länderübergreifendes BarCamp Lehrpersonen, gelingende Beteiligungsformate (z. B. Schulparlamente, Planspiele) vorzustellen. Ein Roundtable vertieft den Austausch und bietet regelmäßige virtuelle Treffen. Drittens führen Schüler:innen in partizipativer Aktionsforschung (Altrichter & Reitinger, 2020) Projekte durch, um Mitbestimmung im Unterricht zu erproben und kreativ zu dokumentieren (Videos, Podcasts, Performances). Viertens bringt ein Zukunftsforum alle Akteur:innen zusammen, um Synergien zu schaffen und partizipative Unterrichtskonzepte weiterzuentwickeln. Altrichter, H. & Reitinger, J. (2019). Analyse von Unterricht durch forschendes Lernen: Wie Lehrpersonen aus ihrem Unterricht lernen können. In E. Kiel, B. Herzig, U. Maier, U. Sandfuchs (Hrsg.), Handbuch Unterrichten an allgemeinbildenden Schulen (S. 475–485). Klinkhardt. Arendt, H. (1981). Vita activa oder Vom tätigen Leben. Piper. https://doi.org/10.1177/1476750305052138 Brügelmann, H. (2019). Demokratisierung von Schule und Unterricht. In M. Harring, C. Rohlfs & M. Gläser-Zikuda (Hrsg.), Handbuch Schulpädagogik (S. 620–630). Waxmann. Dewey, J. (1916/1980). Democracy and Education. The Middle Works, 1899-1924 Volume 9: 1916. Southern Illinois University Press. Edelstein, W. & Fauser, P. (2001). Demokratie lernen und leben. Gutachten zum Programm. BLK. https://doi.org/10.25656/01:239 Habermas, J. (1992). Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Suhrkamp. Himmelmann, G. (2005). Was ist Demokratiekompetenz? Ein Vergleich von Kompetenzmodellen unter Berücksichtigung internationaler Ansätze. BLK. https://doi.org/10.25656/01:257 Jungkunz, S., Lehnerer, E. & Renna, A. (2023). Strukturelle und gesetzliche Rahmenbedingungen schulischer Partizipation. In G. Quenzel, M. Beck & S. Jungkunz (Hrsg.), Bildung und Partizipation (S. 21–43). Budrich. https://doi.org/10.2307/j.ctv362chsf.4 Quenzel, G., Beck, M. & Jungkunz, S. (Hrsg.). (2023). Bildung und Partizipation. Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Budrich. https://doi.org/10.2307/j.ctv362chsf Vorstellungen zu Macht – ein Unterrichtsdesign für die Sekundarstufe 1 (RZG 1) Der Beitrag befasst sich mit Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern zum Konzept Macht. Das Forschungsinteresse des Vorhabens besteht darin, zu erklären, wie sich das Nachdenken und Verstehen von wesentlichen Begriffen und Konzepten von Politik und Demokratie (Basiskonzepte) bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe 1 vollzieht. Die Forschungsabsicht wird ergänzt mit einem fachdidaktischen Entwicklungsinteresse. Konkret dem Versuch Unterrichtsdesigns zu entwickeln, zu erproben und zu analysieren (FUNKEN, 2013), mit denen Lernende sich Wissen und Verstehen von Basiskonzepten aneignen können. Die Vorstellungen der Lernenden zum Konzept Macht werden auf der Basis von historischen und aktuellen gesellschaftlichen Machtdiskursen diskutiert. Übergeordnetes Ziel dieser Auseinandersetzung ist eine Reflexion und Kontrastierung der Vorstellungen und Sinndeutungen der Schülerinnen und Schüler zum Konzept Macht mit politphilosophischen Diskursen. Partizipation wird bei dieser Praxiserprobung nicht im Sinne politischer Handlungskompetenzen, sondern vielmehr als Konfliktfähigkeit oder Dissenstauglichkeit (Reichenbach, 2010) verstanden, im Hinblick auf Förderung politischer Urteilskompetenzen (Krammer 2008). Das Konzept Macht wird als mehrdeutiges Konzept verstanden; es gibt keine vorgegebenen Wahrheiten, was Macht ist und wie sie ausgeübt und erfahren wird (Russel & Hermlin, 2009). Die Mehrdeutigkeit des Konzepts soll offengelegt, diskutiert und kontroverse Vorstellungen von Macht abgewogen werden. Macht ist insofern ein geeigneter Forschungs- und Unterrichtsgegenstand, als dass das Konzept zu den zentralen Begriffen der Sozialwissenschaften gehört. Macht bietet die Möglichkeit, einen universellen Zugriff auf die Analysierbarkeit von sozialem Geschehen zu öffnen (Dahl, 1957). Darüber hinaus ist Macht ein Begriff, von dem Kinder und Jugendliche konkrete Vorstellungen mitbringen. Das Konzept Macht wird im vorgestellten Projekt zum unmittelbaren Unterrichtsgegenstand gemacht. Ich möchte verstehen, welche Sinndeutungen und Erfahrungen Schülerinnen und Schülern zum Konzept Macht erzählen und danach spezifische Unterrichtszugänge zur Vertiefung des Verständnisses von Macht zu entwickeln, zu erproben und zu erforschen. Erkenntnisse dieser Forschungsarbeit werden im Symposium im Kontext aktueller politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen thematisiert. Es werden Lernprozess von Kindern und Jugendlichen aufgezeigt, wie sie mit Begriffen und Konzepten Herausforderungen der Gegenwart verstehen, benennen und analysieren lernen. Dahl, Robert A. (1957): The Concept of Power, in: Behavioral Science; Baltimore, Md 2 (3), 01.07.1957, S. 201–216 FUNKEN-Leitungsteam (2013). Gegenstandsorientierte Unterrichtsdesigns entwickeln und erforschen. Fachdidaktische Entwicklungsforschung im Dortmunder Modell, in: Der lange Weg zum Unterrichtsdesign: zur Begründung und Umsetzung fachdidaktischer Forschungs- und Entwicklungsprogramme, Münster New York München Berlin 2013 (Fachdidaktische Forschungen 5), S. 25–42 Krammer, Reinhard (2008). Kompetenzen durch Politische Bildung. Ein Kompetenz-Strukturmodell, in: Forum Politische Bildung: Kompetenzorientierte Politische Bildung 29 (onlineversion) Russell, Bertrand; Hermlin, Stephan: Formen der Macht, Köln 2009 Reichenbach, Roland (2013). Für die Schule lernen wir: Plädoyer für eine gewöhnliche Institution, Seelze 2013 (Bildung kontrovers) Umwelt wahrnehmen, erkunden, mitgestalten: Partizipative Zugänge zu Mensch-Umwelt-Beziehungen (RZG 2) Der Beitrag befasst sich mit Mensch-Umwelt-Beziehungen und der Frage, wie junge Menschen an der Gestaltung und Aneignung ihrer Umwelt beteiligt werden können. Aus einer raum-zeitlichen Perspektive untersuchen wir in verschiedenen Projekten, wie eine inklusive Umweltbildung gestaltet werden kann. Im aktuellen Citizen Science-Projekt Map4Rec.CH stehen Kinder mit Flucht- und Migrationserfahrung und ihre Nutzung urbaner Grünräume im Zentrum (Egorova & Bae, 2023). Der Zugang zu alltäglichen Grünräumen ist für diese Gruppe häufig erschwert, etwa aufgrund geringer Ortskenntnisse, persönliche Traumata, oder Unsicherheiten im Umgang mit lokalen Regeln (Gillespie et al., 2025; Rodríguez-Ventosa Herrera et al., 2024; Sampson & Gifford, 2010). Zugleich zeigen zahlreiche Studien, dass Aktivitäten im Freien das Wohlbefinden von Kindern fördern und soziale Kontakte unterstützen (Adams & Savahl, 2017; Gladkikh et al., 2019; Sampson & Gifford, 2010; Rishbet et al., 2019). Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz des Kantons Aargau durchgeführt und folgt einem dreistufigen, partizipativen Vorgehen. In Co-Creation-Workshops identifizieren die teilnehmenden Kinder relevante Grünräume, formulieren eigene Interessen und Bedürfnisse und bereiten die Feldarbeit vor. Daran schiessen begleitete Exkursionen in urbanen Grünräumen der Stadt Aarau an. Die Kinder dokumentieren und bewerten ihre Umgebung mithilfe digitaler Kartierungsapplikationen, einfacher Biodiversitäts-Bestimmungsinstrumente und Umweltsensoren. In einer abschliessenden Phase werden die Ergebnisse gemeinsam reflektiert und mit anderen Teilnehmenden, ihren Familien sowie mite lokalen Akteurinnen und Akteuren diskutiert. Der Beitrag reflektiert, wie eine raum-zeitliche Perspektive zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen beitragen kann und welches Potenzial partizipative Formate haben, um junge Menschen als aktive Wissensproduzierende in die Umweltplanung und -bildung einzubeziehen. Zugleich werden Ansatzpunkte für eine inklusivere Umweltbildung und für Beteiligungsformate im öffentlichen Raum aufgezeigt. Adams, S. & Savahl, S. (2017). Nature as children's space: A systematic review. The Journal of Environmental Education, 48(5), 291–321. Egorova, E. & Bae, C. (2023). The image of the city by temporarily displaced children: How place-based citizen science contributes to place discovery. Proceedings of the 4th International Symposium on Platial Information Science, 29–38. Gillespie, A., Abu-Rubieh, Z., Coll, L., Matti, M., Allaf, C., Seff, I. & Stark, L. (2025). Living their best life”: PhotoVoice insights on well-being, inclusion, and access to public spaces among adolescent refugee girls in urban resettlement. International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-being, 20(1), 2431183. Gladkikh, T.M., Gould, R. K. & Coleman, K. J. (2019). Cultural ecosystem services and the well-being of refugee communities. Ecosystem Services, 40, 101036. Rodríguez-Ventosa Herrera, E., Muñoz-San Roque, I. & Roldán Franco, M.A. (2024). Emotional and relational problems of adolescents with and without a migrant background in Europe: a systematic review. European Child & Adolescent Psychiatry, 33, 4115–4131. Rishbeth, C., Blachnicka-Ciacek, D. & Darling, J. (2019). Participation and wellbeing in urban greenspace: ‘curating sociability’ for refugees and asylum seekers. Geoforum, 106, 125–134. Sampson, R. & Gifford, S. M. (2010). Place-making, settlement and well-being: The therapeutic landscapes of recently arrived youth with refugee backgrounds. Health & Place, 16, 116–131. Analyse und didaktische Umsetzung von komplexen Gegenständen (WAH) An der Pädagogischen Hochschule St. Gallen wird der Fachbereich Wirtschaft-Arbeit-Haushalt (WAH) der gesellschaftswissenschaftlichen Bildung zugeordnet. Es wird als eigenes Fach in der Deutschschweiz auf der Sekundarstufe 1 unterrichtet. Das Fach beinhaltet und verbindet die drei Bereiche Wirtschaft, Arbeit und Haushalt und hat zum Ziel, Menschen auf ihre gegenwärtige und zukünftige alltägliche Lebensführung vorzubereiten. Gleichzeitig wird durch das Fach das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Bedürfnissen und Interessen von sich selbst, anderen Menschen und der Umwelt gefördert. Es greift aktuelle und bedeutsame gesellschaftliche Diskurse auf und basiert auf einem breiten Wissensspektrum (D-A-CH Arbeitsgemeinschaft zur “Ernährungs- und Verbraucherbildung (2018), Kanton St. Gallen Bildungsdepartement (2017), Senn & Wespi (2016)). In diesem Beitrag wird auf den Fachbereich Wirtschaft fokussiert. Dieser orientiert sich an den Prinzipien einer sozioökonomischen Bildung, die das Handeln der Haushalte und der Bürger:innen in der Rolle der Konsumierenden, Produzierenden und Arbeitnehmenden in einen grösseren Zusammenhang stellt. Der inhaltliche Fokus liegt bei der Bearbeitung von Schlüsselphänomenen wie zum Beispiel globale Lieferketten, Rolle des Staates oder gesellschaftliche und individuelle Bedeutung von Arbeit. Eine grundsätzliche Herausforderung in der Bildung, so auch auf Sekundarstufe 1 in WAH, ist die Reduktion von komplexen Sachverhalten und das gleichzeitige Beibehalten einer hohen Fachlichkeit. Wie viel Reduktion muss sein, wie viel darf sein? Welche Fachlichkeit braucht es, damit die Schüler*innen auf soliden Grundlagen Entscheidungen treffen können? Sie werden vor vielfältige Herausforderungen und Dilemmas in den Bereichen des Konsums und Lebensstils gestellt: Welche Sneakers kaufe ich mir? Was ist mir wichtiger, der Preis oder die fairen Arbeitsbedingungen? Greb (2009, 52) analysiert mit Hilfe des sogenannten didaktischen Strukturgitters die Komplexität des Gegenstandes der nachhaltigen Entwicklung und kann so Dynamiken, Wechselwirkungen und Dilemmas herausarbeiten. Diese sollen didaktisch transferiert werden können und in Lehr-Lernprozessen aufrechterhalten werden. Es wird nun der Frage nachgegangen, wie mit komplexen Sachverhalten und Dilemmas didaktisch umgegangen werden kann. Dazu wird exemplarisch das Planspiel «Wirtschaft entdecken» (Lütolf (2024), Wirtschaftsbildung.ch (2025)) beigezogen. Mit Hilfe des Strukturgitteransatzes werden darin enthaltene Themen wie globale Lieferketten, regionale Produktion, Nachhaltigkeit in den Dimensionen sozial, ökonomisch und ökologisch aufgezeigt. Es wird diskutiert, inwiefern die Analyse mit dem Strukturgitteransatz auch für weitere komplexe Sachverhalte in den Fächern der gesellschaftlichen Bildung genutzt und die didaktische Umsetzung innerhalb des Planspiels auch auf andere Lernumgebungen übertragen werden kann. D-A-CH Arbeitsgemeinschaft zur “Ernährungs- und Verbraucherbildung” (2018). 3. D-A-CH Erklärung zur Sicherung fachdidaktischer Qualifizierung und Professionalisierung in der Ernährungs- und Verbraucherbildung - (EVB). Greb, U. (2009). Vom Nachhaltigkeitsdiskurs zum hochschuldidaktischen Kriteriensatz. In: Journal of Social Science Education 8(3), 50-66. Kanton St. Gallen Bildungsdepartement (2017). Wirtschaft, Arbeit, Haushalt. Kanton St. Gallen Lehrplan Volksschule. Lütolf, S. (2024). Planspielbasiert und ko-konstruktiv – fachliches und überfachliches Lernen in der Lernumgebung “Wirtschaft entdecken”. In: HiBiFo 1/2024, 85-98. https://doi.org/10.3224/hibifo.v13i1.06 Senn, C. & Wespi, C. (2016). Wirtschaft – Arbeit – Haushalt als Neuakzentuierung der hauswirtschaftlichen Bildung in der Schule und in der Lehrpersonenbildung. In: Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung 34(3), 335-343. https://doi.org/10.25656/01:13929 Wirtschaftsbildung.ch (2025). Wirtschaft entdecken. https://www.wirtschaftsbildung.ch/wirtschaft-entdecken.html | ||
