SSRE-SSFE-congrès annuel 2026
17-19 Juin 2026
Haute école pédagogique de Saint-Gall
Programme de la conférence
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SYMP 17
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Vergleichende Perspektiven des Mangels an qualifizierten Lehrkräften in den DACH-Ländern – Fokus Einzelschule Der Mangel an qualifizierten Lehrkräften stellt in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine der aktuell zentralen Herausforderungen für die Personalplanung, jedoch auch für die Gestaltung der Schulkultur und damit die pädagogische Entwicklung der Einzelschule dar (Autor*innengruppe Bildungsberichterstattung, 2022; Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, 2024; Kulturministerkonferenz [KMK], 2024; Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung [SKBF], 2023). Diese Berichte und weitere Studien aus den DACH-Ländern weisen auf vergleichbare Kontextbedingungen und ähnliche Gründe für die Entstehung des Mangels an qualifizierten Lehrkräften hin (Huber & Lusnig, 2022; Kreis et al., 2024; Sandmeier & Herzog, 2022; Schnider & Braunsteiner, 2024). Jedoch zeigen sich auch Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich der Steuerung im Mehrebenensystem, sowie rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen (Porsch et al., 2025), die sich unmittelbar auf die Handlungskoordination zwischen Akteur*innen auswirken – von der Bildungspolitik über die Schulaufsicht bis hin zur einzelnen Schule (Altrichter, 2015; Fend, 2008; Jutzi & Mayland, 2024). Während in der gesamten DACH-Region eine Flexibilisierung von Ausbildungsgängen (Quer- oder Seiteneinstieg) kontrovers diskutiert wird (Altrichter et al., under review; Baar & Mladenovska, 2023; Bauer & Kost, 2023; Bellenberg et al., 2020), gibt es für innovative Schul- und Unterrichtsformen befristete Anstellungen oder die Rekrutierung von nicht ausgebildetem Personal unterschiedlich viel Handlungs- und Umsetzungsspielraum (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, 2024; Sandmeier & Herzog, 2024). Das Symposium nimmt – basierend auf empirischen Daten in verschiedenen Kontexten und Schulstufen – diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Blick. Im Zentrum steht die Perspektive der Schulleitung als Schlüsselakteur*in im Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Fachkräften und den Folgen verschiedener Massnahmen zu dessen Bekämpfung. Schulleitende bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Bestimmungen, begrenzten Ressourcen und hohen Erwartungen an die Qualität von Unterricht und Schulentwicklung. Durch den Fokus auf die Einzelschule wird die Mikroebene in den Vordergrund gerückt, in welcher die Auswirkungen des Mangels an qualifizierten Lehrkräften unmittelbar spürbar sind und Steuerungsimpulse anderer Ebenen rezipiert, adaptiert und umgesetzt werden müssen. Das Symposium verfolgt einen vergleichenden Ansatz: Beiträge aus allen drei Ländern beleuchten die Governance-Strukturen, die Rolle der Akteur*innen sowie die Kontextabhängigkeit von Massnahmen im Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Im Beitrag 1 wird die Situation im Bundesland Bremen (D) dargestellt, indem auf Ergebnisse aus zwei Interviewstudien mit Schulleitungen und Seiteneinsteigenden Bezug genommen wird. Im Fokus steht dabei die Frage, welche Art des Schulleitungshandelns die organisationale Resilienz der Einzelschule auch in Zeiten des Lehrkräftemangels befördert. Im Beitrag 3 werden auf der Basis qualitativer Interviews mit österreichischen Schulleitungen Auswirkungen der Beschäftigung nicht-traditionell qualifizierter Lehrpersonen auf die Arbeitsweise von Einzelschulen sowie auf Vorstellungen über professionelle Lehrpersonenarbeit und über Koordinationsweisen im Schulsystem diskutiert. Dabei werden Fragen angesprochen wie:
Ziel des Symposiums ist es, Herausforderungen, Kontextspezifika und Rahmenbedingungen sichtbar zu machen und erfolgreiche Strategien auf Schulebene und in der Aushandlung mit der Systemebene zu identifizieren. Das Symposium leistet damit einen Beitrag zur internationalen Diskussion zum Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Lehrkräften unter verschiedenen Kontextbedingungen und zur Weiterentwicklung von Governance-Ansätzen im Bildungsbereich (Symeonidis et al., 2025). Présentation du symposium Organisationale Resilienz in Zeiten des Lehrkräftemangels: Die Rolle der Schulleitung Theoretischer Hintergrund Das Schul- und das Schulverwaltungsgesetz, die Lehrerdienstordnung und andere rechtliche Grundlagen, etwa die Fortbildungsverordnung, übertragen Schulleitungen in Bremen sehr konkrete und verpflichtende Aufgaben: Sie tragen die Gesamtverantwortung für die Schule, leiten das Personal, organisieren Unterricht und Schulalltag und stellen die Umsetzung pädagogischer Ziele sowie die Einhaltung des Bildungsauftrags sicher. Sie sind weisungsbefugt gegenüber Lehrkräften und weiterem pädagogischen wie nicht-pädagogischem Personal, sie fördern die Zusammenarbeit im Kollegium, wirken auf Fortbildungen hin und beraten die Mitarbeitenden „in allen Fragen des Unterrichts und der Arbeit an der Schulentwicklung“ (Senatorin für Kinder und Bildung 2008, S. 5). Zu diesem Personal zählen inzwischen in erheblichem Umfang auch Personen, die ohne ein Lehramtsstudium über den Seiteneinstieg in den Lehrberuf eintreten. Diese Entwicklung stellt Schulleitungen vor neuartige Herausforderungen: In Bremen werden inzwischen über 20 Prozent der offenen Lehrer*innenstellen mit Personen besetzt, die kein klassisches Lehramtsstudium absolviert haben (Destatis 2025), an einzelnen Schulen liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent (Baar & Idel 2025, 295). Um unter diesen Bedingungen handlungsfähig und als Organisation resilient zu bleiben, bedarf es einer Führung, die u.a. differenzsensible Kollegialität als Grundlage kooperativer Schulentwicklung fördert. ‚Organisationale Resilienz‘ wird dabei als Prozessqualität der Einzelschule verstanden, die es ihr erlaubt, auf kaum antizipierbare interne und externe Herausforderungen so zu reagieren, dass sie nicht nur leistungs- und funktionsfähig bleibt, sondern aus diesen Situationen heraus lern- und entwicklungsorientierte Veränderungsprozesse anstößt. Diese Prozesse sollen für die beteiligten pädagogischen Akteur*innen positive Sinnhorizonte eröffnen (Anders et al. 2022, 58ff.). Fragestellung Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Strategien Schulleitungen entwickeln, um angesichts des Lehrkräftemangels organisationale Resilienz zu sichern, und welche dieser Strategien – auch aus Sicht der Seiteneinsteigenden – als besonders förderlich gelten können. Analysiert wird hierzu, welche Chancen und Herausforderungen Schulleitungen mit dem Seiteneinstieg verbinden, welche Aufgaben sie daraus für ihr Leitungshandeln ableiten und wie Seiteneinsteigende die entsprechenden Maßnahmen wahrnehmen. Zudem wird untersucht, wie diese Wahrnehmungen das Professionsverständnis der Seiteneinsteigenden beeinflussen. Forschungsdesign Im dem Beitrag zugrundeliegenden Forschungsprojekt wurden sieben problemzentrierte Interviews (Witzel 1992) mit Schulleitungen (40–95 Minuten) sowie 16 Interviews mit Seiteneinsteigenden (45–90 Minuten) geführt. Die Interviews mit den Schulleitungen wurden mit der Grounded Theory (Glaser/Strauss 1998) ausgewertet, um über offenes, axiales und selektives Kodieren induktiv Kategorien, tragende Konzepte und Orientierungen zu rekonstruieren. Die Interviews mit den Seiteneinsteigenden wurden mit einer typenbildenden qualitativen Inhaltsanalyse (Kelle & Kluge 2010) ausgewertet, bei der Merkmale und ihre Ausprägungen induktiv bestimmt und anschließend durch komparative Vergleiche prägnanter Kombinationen von Merkmalsausprägungen zu Typen verdichtet wurden. Im Beitrag werden die Ergebnisse beider Teilstudien vergleichend zueinander in Beziehung gesetzt, um sichtbar zu machen, welche Orientierungen und Maßnahmen der Schulleitungen welche Wirkungen auf das Professionsverständnis der Seiteneinsteigenden sowie auf die Entwicklung differenzsensibler Kollegialität und organisationaler Resilienz entfalten. Resultate und deren Bedeutung Die Befunde zeigen, dass Schulleitungshandeln insbesondere dann positiv auf das Professionsverständnis der Seiteneinsteigenden wirkt, wenn es sich durch einen transformationalen Führungsstil (Schoch & Keller 2024) auszeichnet. Ein leitungsseitiges Selbstverständnis, das auf „Fürsorge“ und „Beratung“ basiert, führt dazu, dass Seiteneinsteigende selbst ein Professionsverständnis entwickeln, dass sich in einem schüler*innenzentrierten „Mut machen“ und „Sich kümmern“ ausdrückt. Gleichzeitig führt die von ihnen wahrgenommene Anerkennung als vollwertige Lehrkräfte – trotz formaler Professionalisierungsdefizite – im Rahmen differenzsensiblen Kollegialität dazu, dass sie sich auf die Gestaltung von Bildungsprozessen konzentrieren und aktiv an Schulentwicklungsprozessen beteiligen. Damit tragen sie – gemeinsam mit der Schulleitung – wesentlich zur organisationalen Resilienz der Einzelschule bei. Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Lehrpersonen auf der Ebene der Einzelschule Der Mangel an qualifizierten Lehrpersonen stellt im zyklischen Verlauf immer wieder und aktuell eine zentrale Herausforderung für das Bildungssystem dar und hat sich insbesondere in der deutschsprachigen Schweiz zu einem strukturellen Problem entwickelt (Sandmeier & Herzog, 2024). Der Umgang mit diesem Mangel ist in einem föderal organisierten Bildungswesen sowohl auf kantonaler Ebene (Makro-Ebene) als auch auf Ebene der Einzelschule (Meso-Ebene) von zentraler Bedeutung für die Qualität von Bildungsprozessen. Aus dem Zusammenspiel dieser Ebenen entstehen spezifische Herausforderungen für Einzelschulen, welche die Ausgestaltung und Umsetzung von Massnahmen mitgestalten. Da die Zuständigkeit für das Bildungswesen in der Schweiz bei den Kantonen liegt, unterscheiden sich die Rahmenbedingungen in Bezug auf das Personalmanagement und den Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Lehrpersonen teils deutlich. In systemvergleichenden Studien, welche die Schweiz berücksichtigen, wird häufig auf den Kanton Zürich bezogen, (Boye & Leonhard, 2023; Porsch et al., 2025), welcher beispielsweise bei der Akquise von unqualifizierten Lehrpersonen klare Grenzen formulieren (bspw. zeitliche Anstellungsbegrenzung von unausgebildetem Personal). Der Kanton Bern, der im Unterschied dazu einen sehr grossen Handlungsspielraum (beispielsweise bei der Personalakquise) den Schulen überlässt, wird bisher kaum in den Blick genommen. Gerade hier ist es besonders interessant, wie auf Ebene der Einzelschule konkret mit dem Lehrpersonenmangel umgegangen wird und mit welchen Strategien die Qualität von Unterricht und Schule trotz dieser angespannten Personalsituation gesichert werden soll. Der bestehende Forschungsstand richtet den Fokus überwiegend auf Ursachen des Mangels sowie auf Massnahmen auf der Makro-Ebene oder auf intermediären Strukturen, während die schulinternen Handlungsweisen bisher kaum systematisch untersucht wurden. Diese im nationalen Vergleich hohe Betroffenheit von Berner Schulen bezieht sich nicht nur auf den quantitativen, sondern auch auf den qualitativen Mangel, das heisst die Besetzung von Stellen mit nicht adäquat ausgebildeten Lehrpersonen (Keller-Schneider & Boye, 2023; Sandmeier & Herzog, 2024). Diese Forschungslücke adressiert dieser Beitrag. Im Zentrum steht die Frage: Welche schulinternen Massnahmen setzen Schulen im Umgang mit dem Mangel an qualifizierten Lehrpersonen um, und wie nehmen Schulleitende und Lehrpersonen diese wahr? In dem diesem Beitrag zugrundeliegenden Forschungsprojekt wird ein sequenzielles Mixed-Methods-Design verfolgt (Kuckartz, 2017). Zunächst wurde eine quantitative Befragung aller Schulleitungen mit Personalverantwortung der Zyklen 1 und 2 im Kanton Bern durchgeführt (193 vollständig ausgefüllte Fragebögen, 58 %), um sowohl die objektive Betroffenheit durch Lehrpersonenmangel (z. B. offene Stellen, Bewerbungszahlen, Anstellung von nicht oder stufenfremd ausgebildetem Lehrpersonal) als auch die subjektive Belastung zu erfassen. Zudem wurde der wahrgenommene Handlungsspielraum der Schulleitungen erhoben, um zu untersuchen, inwiefern ihre organisatorischen Möglichkeiten die Umsetzung von Massnahmen beeinflussen. Dabei wurde die Bandbreite sowie die eingeschätzte Wichtigkeit der von den Schulen eingesetzten Massnahmen erhoben. Mittels deskriptiver Analysen und Strukturgleichungsmodellen wird für diesen Beitrag untersucht, welche schulinternen Massnahmen umgesetzt werden, wie deren Wichtigkeit eingeschätzt wird und wie diese Einschätzungen in Bezug auf das Belastungserleben im Verhältnis zur objektiven Betroffenheit variieren. Unterschiede zwischen strukturell ähnlichen Schulen werden ebenfalls berücksichtigt. Die quantitative Analyse wird durch eine qualitative Codierung der Massnahmen ergänzt, um deren Vielfalt und Typen zu erfassen. Erste Resultate aus der qualitativen Vertiefungsstudie ergeben dazu Einblicke, wie genau die Massnahmen auf Einzelschulebene entstehen und umgesetzt werden. Die Ergebnisse liefern Erkenntnisse darüber, welche Massnahmen aus Sicht der Schulleitungen praktikabel und wichtig sind und inwiefern diese kontextabhängig variieren. Auf Basis der qualitativen Analyse lassen sich exemplarische Massnahmen auf der Mesoebene ableiten, die bildungspolitische Diskussionen bereichern können und Hinweise für die Entwicklung von Unterstützungsstrukturen und Steuerungsinstrumenten auf kantonaler Ebene geben. Insgesamt wird so die Verbindung zwischen strukturellen Herausforderungen und schulischen Handlungsstrategien empirisch untersucht. Angesichts des gegenwärtigen Lehrpersonenmangels sind solche Erkenntnisse essenziell, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die sowohl systemische als auch lokale Perspektiven berücksichtigen. Wie verändert die Anstellung von nicht-traditionell qualifizierten Lehrpersonen die Schule aus der Sicht von Schulleitung in Österreich? Kontext und theoretischer Hintergrund: Wie in anderen europäischen und deutschsprachigen Ländern (EC 2023; Porsch et al., 2025; UNESCO, 2024) herrscht gegenwärtig auch in Österreich ein Mangel an Lehrpersonen, auf den die österreichische Regierung mit einem „Maßnahmenpaket“ reagiert hat (BMBWF, o.J.), das neben Werbe- und Imagebildungsmaßnahmen sowie einer Veränderung der Lehrpersonenausbildung auch die Einstellung von ‚nicht-traditionell‘ qualifizierten Lehrkräften vorsieht. Dies hat dazu geführt, dass beispielsweise im Schuljahr 2024/25 nahezu 50 % (49,1 %; BMBWF, 2025) der neu eingestellten Lehrpersonen einer von drei Gruppen ‚nicht-traditionell‘ qualifizierter Lehrpersonen (Lehramtsstudierende ohne Abschluss, Quereinsteiger:innen, Sondervertragslehrpersonen) angehörte. Diese Entwicklungen sind für die Arbeits- und Funktionsweise des Bildungswesens unter mehreren Perspektiven interessant, von denen wir in dem geplanten Beitrag folgende fokussieren wollen: Personalrekrutierung, -qualifikation und -einsatz sind wesentliche Elemente der Governance des Bildungswesens (Altrichter, 2010), die durch die vielfältigen Notmaßnahmen im Zuge des Lehrpersonenmangels einem Veränderungsdruck ausgesetzt sind. Die Diversifizierung des Personals kann Auswirkungen auf die Organisation schulischer Arbeit und Schulentwicklung haben (Pauling, 2023; Altrichter & Helm, 2011). Sowohl in der Gewinnung von nicht-traditionell qualifiziertem Personal auf Systemebene als auch im Umgang damit auf Einzelschulebene drücken sich spezifischen Vorstellungen von Professionalität im Lehrberuf (Reusser & Pauli, 2014; Cramer et al., 2023) aus. Die Forschung in Österreich hat sich bisher auf Qualifizierungsprogramme (z.B. Flick-Holtsch et al., 2024) sowie auf Merkmale und Erfahrungen neu eingestellter alternativ qualifizierter Lehrkräfte (z.B. Helm et al., 2025) konzentriert, doch gibt es bisher (wie auch in anderen Ländern vgl. Sandmeier & Herzog, 2024; Seeliger & Håkansson Lindqvist, 2023) kaum Analysen aus der Perspektive von Schulen, die mit Lehrpersonenmangel und dem Einsatz von nicht voll qualifizierten Lehrkräften umzugehen haben (für erste Projekte vgl. Baar, 2025; Jutzi et al., 2025). Fragestellungen: Angesichts dieses Forschungsdesiderats nimmt die vorliegende Studie die Perspektive von Schulleitung mit folgenden Forschungsfragen in den Blick: Thema: Erwartungen – Qualifikation – Professionalitätsvorstellungen • Welche Erwartungen an und Erfahrungen mit nicht-traditionell qualifizierten Lehrpersonen haben Schulleitungen an österreichischen Schulen? Welche Bedeutung hat dabei die fachliche und / oder pädagogische Qualifikation? Thema: Auswirkungen auf die Einzelschule und ihre Arbeitsweise • Welche Auswirkungen haben Lehrpersonenmangel und die Anstellung von nicht-traditionell qualifizierten Lehrpersonen auf die Arbeit und Weiterentwicklung der jeweiligen Schule? Thema: schulische Begleitmaßnahmen – begleitende oder ersetzende innerschulische Qualifizierung • Welche besonderen Einsatzformen sowie Maßnahmen der Begleitung, Unterstützung und Qualifizierung nicht-traditionell qualifizierter Lehrpersonen sind in den Schulen beobachtbar? Thema: Koordination und Governance im Bildungssystem • Wie verändern sich Akteursrollen und Koordinationsmechanismen im Bildungssystem im Zuge der Rekrutierung und Beschäftigung von nicht-traditionell qualifiziertem Lehrpersonal? Forschungsdesign und -methode: Mit 15 qualitativen leitfadengestützten Interviews wurden österreichische Schulleitungen von 7 Primarschulen und 8 Sekundarschulen befragt. Neben der pädagogischen, organisatorischen und administrativen Leitung der Schulen sind Schulleitungen hauptverantwortlich für Schulentwicklung ihres Standortes. Seit der Erweiterung der Schulautonomie durch das Bildungsreformgesetz 2017 (BMBWF, 2017) erfolgt auch die Rekrutierung und Auswahl der Lehrpersonen durch die jeweilige Schulleitung. Alle Interviews wurden transkribiert und inhaltanalytisch (Mayring, 2014) ausgewertet. Resultate und deren Bedeutung: Darstellung und Diskussion der Ergebnisse konzentriert sich auf folgende Themenbereiche: (1) Die Erwartungen an nicht-traditionell qualifizierte Lehrkräfte, ihre Einsatzformen sowie die ihnen angebotenen Begleitmaßnahmen spiegeln Vorstellungen über Lehrpersonenprofessionalität, deren Weiterentwicklung und die Rolle, die dabei unterschiedliche Akteure einnehmen, wider. (2) Im Zuge der Rekrutierung, des Einsatzes und der begleitenden Betreuung nicht-traditionell qualifizierter Lehrpersonen übernehmen Schulen (möglicherweise) neue Aufgaben (bzw. nicht ganz neue Aufgaben in einem neuen Umfang). Dies könnte zu einer Neu-Gewichtung der verschiedenen von Schulen zu erfüllenden Leistungen (z.B. Schulentwicklung/Pflege der Schulqualität, individuelle Förderung, Management der Schule, Außendarstellung usw.) führen. (3) In einer governancetheoretischen Perspektive könnte sich dies auch in veränderten Koordinationsverhältnissen zwischen unterschiedlichen Akteuren wie Lehrpersonenbildung, Einzelschule und Bildungsverwaltung niederschlagen. | ||
