SSRE-SGL-annual conference 2026
June 17-19, 2026
St.Gallen University of Teacher Education
Conference Agenda
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SYMP 08: Early education in the context of multilingualism and inclusion – Empirical findings from different research approaches
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Frühe Bildung im Kontext von Mehrsprachigkeit und Inklusion - Empirische Befunde aus unterschiedlichen Forschungszugängen Frühe Bildungs- und Betreuungsinstitutionen nehmen eine Schlüsselrolle für Bildungsbeteiligung, Teilhabe und Chancengerechtigkeit ein. Insbesondere für Kinder, die in mehrsprachigen Lebenskontexten aufwachsen und wenig Kontakt mit der Lokalsprache haben oder für Kinder, die besondere Entwicklungsbedürfnisse mitbringen, stellen Kitas, Spielgruppen und frühe heilpädagogische Angebote zentrale Lern- und Erfahrungsräume dar. Gleichzeitig fungiert der Frühbereich als erste institutionelle Schnittstelle im Bildungssystem und prägt Übergänge in den Kindergarten und in die Schule nachhaltig. Der Umgang mit Mehrsprachigkeit ist eine grundlegende Herausforderung im pädagogischen Alltag; eine zentrale Strategie der Institutionen, um die bildungspolitisch geforderte Sprachförderung umzusetzen, ist das Durchsetzen einer monolingualen Norm. Mehrere Studien kritisieren diesen monolingualen Habitus, da er der Lebensrealität vieler Menschen nicht entspricht (Akbaş et al. 2022, Gogolin 2008; Panagiotopoulou, 2016). Vor diesem Hintergrund widmet sich das Symposium der Frage, wie frühe Bildung im politischen Spannungsfeld von Mehrsprachigkeit und inklusiver Bildung gestaltet wird, wie Kinder und ihre Familien in ressourcenorientiert unterstützt werden können, und wie die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Institutionen der frühen Bildung gestaltet werden kann. Die Beiträge des Symposiums beleuchten aus unterschiedlichen empirischen und theoretischen Perspektiven zentrale Bedingungen früher Bildungsprozesse. Ein Beitrag untersucht auf der Grundlage einer breit angelegten quantitativen Erhebung die Deutschkenntnisse von Vorschulkindern eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt. Die Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Kinder einen Deutschförderbedarf aufweist und dass insbesondere Kinder mit Deutsch als Zweitsprache seltener frühpädagogische Angebote nutzen. Gleichzeitig wird ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Besuch früher Bildungsinstitutionen, der Dauer der Betreuung und den erreichten Deutschkompetenzen sichtbar. Der Beitrag unterstreicht damit die Bedeutung früher Bildungsangebote als Orte des Zugangs zur Lokalsprache und verweist zugleich auf strukturelle Ungleichheiten im Zugang zu diesen Angeboten, die für nachfolgende Bildungsübergänge relevant sind. Ein weiterer Beitrag richtet den Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonen in mehrsprachigen Kindertagesstätten. Auf der Basis ethnografischer Forschung wird untersucht, wie elterliche Erwartungen, sprachliche Ressourcen und soziale Differenzkategorien in alltäglichen Interaktionen ausgehandelt bzw. sichtbar werden. Dabei werden Kitas als machtvolle institutionelle Kontexte sichtbar, in denen Eltern Positionen zugewiesen und normative Vorstellungen reproduziert oder infrage gestellt werden. Der Beitrag zeigt auf, welche Bedeutung diese Aushandlungsprozesse für die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern haben und welche Anforderungen sich daraus für eine diversitätssensible und reflexive Gestaltung von Elternzusammenarbeit ergeben. Die Bedeutung von Transition wird im Symposium insbesondere am Beispiel der Eingewöhnung in Kindertagesstätten thematisiert. Ein Beitrag untersucht Eingewöhnungsprozesse mit Kindern und Eltern, die über wenig Kenntnisse der Lokalsprache verfügen, und rekonstruiert sprachliche Praktiken sowie pädagogische Strategien im Umgang mit Sprachbarrieren und der Unterstützung der Eltern und Kinder im Eingewöhnungsprozess. Die Ergebnisse der ethnografischen Studie verdeutlichen, dass während der Eingewöhnung der Beziehungsaufbau, die Kommunikation und die Nutzung aller verfügbaren sprachlichen Ressourcen zentral sind. Es zeigen sich gemeinsame Aushandlungsprozesse zwischen Institution und Familie in der Situation der Transition. Abschliessend widmet sich ein Beitrag der heilpädagogischen Früherziehung (HFE) für Kinder auf dem Autismus-Spektrum. Wie in den anderen drei Beiträgen liegt auch hier ein Fokus auf der Mehrsprachigkeit, da alle Kinder im Sample mehrsprachig sind. Anhand der wissenschaftlichen Begleitforschung in einem Spielgruppensetting werden Gelingensbedingungen, Herausforderungen und Entwicklungspotenziale intensiver inklusiver Frühförderangebote aufgezeigt. Der Beitrag verdeutlicht, wie bedeutsam frühzeitige, interdisziplinäre Unterstützung für soziale Teilhabe und für den Übergang ins Bildungssystem ist und wie die Fachpersonen der heilpädagogischen Früherziehung als Brücke zwischen Familie und Institution wirken. Insgesamt verdeutlicht das Symposium die Bedeutung der frühen Bildung und frühkindlicher Bildungs- und Betreuungsinstitutionen für die Teilhabe aller Kinder. Zugleich wird sichtbar, inwiefern diese Institutionen als zentrale Schnittstelle zum Schulsystem fungieren. Die vorgestellten Forschungsarbeiten liefern darüber hinaus Erkenntnisse, von denen auch das anschliessende Bildungssystem, insbesondere im Hinblick auf Transition, Inklusion und ressourcenorientierter Ansatz hinsichtlich Mehrsprachigkeit profitieren kann. Presentations of the Symposium Deutschkenntnisse von Vorschulkindern und die Bedeutung des Besuchs früher Bildungseinrichtungen Die Kenntnis der Gesellschaftssprache bildet eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe an Bildungsprozessen. Nur wenn Kinder die Unterrichtssprache verstehen, können sie Anweisungen folgen, mit Fachpersonen interagieren und aktiv am Gruppengeschehen teilnehmen. Frühzeitiger und regelmässiger Kontakt zur Gesellschaftssprache erleichtert den Erwerb dieser Kompetenzen, da Kinder im Vorschulalter besonders empfänglich für sprachliche Reize sind und sprachliche Muster in dieser Entwicklungsphase rasch verarbeiten und abspeichern. Für Kinder, die mit einer anderen Sprache als der Gesellschaftssprache aufwachsen, ergeben sich dadurch besondere Herausforderungen, da ihnen im familiären Umfeld häufig ein kontinuierlicher Deutschinput fehlt. Institutionelle Lernorte wie Kitas und Spielgruppen gewinnen daher an Bedeutung, weil sie frühen und regelmässigen Zugang zur Gesellschaftssprache ermöglichen. Die vorliegende Arbeit untersucht, über welche Deutschkenntnisse Kinder eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt verfügen und inwiefern der Besuch früher Betreuungseinrichtungen oder Spielgruppen mit ihrem Sprachstand zusammenhängt. Die Erhebungen wurden im Jahr 2025 in 354 Gemeinden aus 15 Schweizer Kantonen durchgeführt. Insgesamt liegen Daten von 23’113 Vorschulkindern vor. Die Deutschkenntnisse wurden mit dem validierten Elternfragebogen Deutsch als Zweitsprache – Elternfragebogen (DaZ-E) erhoben. Ziel war es, Kinder mit Deutschförderbedarf zu identifizieren, damit Gemeinden bei Bedarf entsprechende Förderempfehlungen aussprechen können. Die Ergebnisse zeigen, dass 31.7% der Kinder einen Deutschförderbedarf aufweisen. Zudem besuchen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache deutlich seltener eine Betreuungseinrichtung oder Spielgruppe als Kinder mit Deutsch als Erstsprache. Innerhalb der Gruppe der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache weisen Kinder mit Einrichtungsbesuch signifikant höhere Deutschkenntnisse auf als Kinder ohne Einrichtungsbesuch. Darüber hinaus zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Anzahl wöchentlicher Betreuungsstunden und den erreichten Deutschkompetenzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass insbesondere Kinder mit Deutschförderbedarf weniger häufig und in geringerem Umfang eine Einrichtung besuchen als Kinder ohne Deutschförderbedarf. Insgesamt unterstreichen die Befunde die zentrale Bedeutung früher Betreuungseinrichtungen für die Entwicklung der deutschen Sprache im Vorschulalter. Institutionelle Lernumgebungen stellen eine wichtige Ressource dar, insbesondere für Kinder, die erst im frühen Kindesalter mit der Gesellschaftssprache Deutsch in Kontakt kommen. Die Ergebnisse sind bildungspolitisch relevant und liefern eine empirische Grundlage für die Weiterentwicklung früher sprachfördernder Strukturen im Vorschulbereich. Elternzusammenarbeit in mehrsprachigen Schweizer Kindertagesstätten Familien gelten als zentraler Bildungskontext für die kindliche Entwicklung (Schüpbach & von Allmen, 2013). Professionelle Beziehungen zwischen pädagogischen Fachkräften und Familien können einen positiven Einfluss auf die Bildungschancen von Kindern haben (Lepenies, 2008). Diese Kooperationsbeziehungen manifestieren sich sowohl in strukturierten Settings wie Elterngesprächen oder thematischen Elternveranstaltungen als auch in spontanen Begegnungsmomenten, in Kindertagesstätten (Kitas) etwa beim Bringen und Abholen der Kinder. Institutionen der frühen Bildung sind aufgefordert, Familien systematisch zu informieren und ihnen als Ansprechpartner:innen zur Verfügung zu stehen. Fachkräfte benötigen Informationen von Eltern, um die individuellen Bedürfnisse und Hintergründe der Kinder angemessen berücksichtigen zu können. Im Rahmen der vom SNF finanzierten und seit 2025 laufenden Studie Multilingualism makes a difference wird u.a. untersucht, wie Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften in Schweizer Kindertagesstätten konkret gestaltet und ausgehandelt wird und welche Erwartungen Eltern bezüglich der Betreuung und Bildung ihrer Kinder in der Kita artikulieren. Im Zentrum stehen die Fragen, wie diese elterlichen Erwartungen zum Ausdruck kommen, welche Machtasymmetrien sich in der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonen erkennen lassen und inwiefern soziale Differenzkategorien wie sozioökonomischer Status, Bildungshintergrund oder Sprache die Kooperation beeinflussen. Bisher gibt es kaum empirische Untersuchungen, die die Perspektiven und Aushandlungsprozesse der beteiligten Akteur:innen systematisch in den Blick nehmen. Zur Untersuchung elterlicher Erwartungen wird auf das theoretische Konzept des displaying (good) parenthood zurückgegriffen, das auf elterliche Praktiken in Bezug auf die Erziehung und Bildung ihrer Kinder fokussiert (Uçan, 2022). Erwartungen an die frühe sprachliche Bildung werden als wichtiges Element davon betrachtet. Dieses basiert auf dem displaying family; demnach muss Familie nicht nur „hergestellt" (doing family), sondern auch „gezeigt" werden, wobei dies bei mehrsprachigen Familien besonders virulent ist. Interaktionen zwischen Eltern und Fachkräften werden mithilfe des Konzepts des doing collaboration analysiert, welches eine empirische Untersuchung der Aushandlungsprozesse ermöglicht und Kindertagesstätten als Orte begreift, die in Machtstrukturen eingebunden sind und zur Reproduktion von Ungleichheit beitragen können (Bischoff-Pabst et al., 2022). Die Untersuchung folgt einem ethnografischen Forschungsdesign (Breidenstein et al. 2020). Die Datenerhebung erfolgt durch teilnehmende Beobachtungen in Schweizer Kindertagesstätten, durch leitfadengestützte Interviews mit Eltern und Fachkräften sowie durch eine Dokumentenanalyse der Websites, Konzepte und Leitbilder der Kindertagesstätten. Die Analyse hat zum Ziel, die praktische Herstellung von Elternzusammenarbeit in ihren alltäglichen Vollzügen zu erfassen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Adressierung von Eltern sowie formellen und informellen Interaktionsformaten wie Elterngesprächen, Tür- und Angelgesprächen oder Konflikt- und Aushandlungssituationen. Erste Analysen weisen auf unterschiedliche Adressierungen von Eltern und Umgangsweisen mit elterlichen Erwartungen hin, welche mit der Ausrichtung der Kita an die Zielgruppe(n) von Familien zusammenhängen können. Im Beitrag wird aufgezeigt, was dies für die Elternzusammenarbeit sowie den Umgang mit Differenzkategorien bei Eltern und Kindern seitens der Professionellen bedeutet. Die Ergebnisse werden im Kontext von symbolischen Machtverhältnissen und Ungleichheiten in der Elternzusammenarbeit sowie der damit verbundenen Implikationen für eine diversitätssensible Elternzusammenarbeit diskutiert. Eingewöhnung in Kitas mit Kindern und Eltern mit wenig Kenntnissen der Lokalsprache Verschiedene Forschungsergebnisse unterstreichen die Wirksamkeit einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung für zukünftige schulische Leistungen (Anders, 2013). In der Schweiz zielen zahlreiche Initiativen und Projekte auf Ebene der Gemeinden und Kantone darauf ab, die Eltern zu motivieren, ihrem Kind den Erwerb der Lokalsprache schon vor dem Kindergarteneintritt zu ermöglichen und es in eine Kita zu bringen. Der Übergang in die Kita kann jedoch ohne eine gemeinsame Sprache für Familien und Fachpersonen eine Herausforderung darstellen. Verschiedene Transitionsmodelle bieten für die Praxis in den Kitas Orientierung für die Gestaltung der Eingewöhnung (Siegrist & Widmer, 2018); die spezifischen Herausforderungen im Umgang mit Sprachbarrieren wurden bis jetzt noch nicht erforscht. Das Ziel dieser ethnographischen Studie ist es, die Gestaltung des Eingewöhnungsprozesses in Kitas mit Kindern und Eltern mit wenig Kenntnissen der Lokalsprache, in Bezug auf sprachliche Praktiken und pädagogische Settings zu untersuchen. Die Studie rekonstruiert wie Fachpersonen bei der Eingewöhnung auf die Bedürfnisse der Familien eingehen und welche pädagogischen Praktiken und Strategien sie verwenden, um Kinder und Familien in diesem Prozess zu unterstützen. Die Forscherinnen beobachteten die Eingewöhnungen von vier Kindern in ethnografischen Fallstudien (Gelir, 2021). Die Fallstudien unterscheiden sich kontrastierend darin, ob auf der Gruppe oder in der Kita Fachpersonen arbeiten, welche die Familiensprache des neu eintretenden Kindes und seiner Eltern sprechen, oder ob keine Fachperson über diese Sprache verfügt. Die Dauer der Eingewöhnungen variierte stark: pro Kind wurden zwischen 7 und 18 Besuche beobachtet, wobei das Forschungsteam insgesamt 39 Besuche in den Kitas absolvierte. Zudem wurden halbstrukturierte Interviews mit drei Kita-Leitungen durchgeführt. Die Analyse der Feldbeobachtungen und Interviewtranskripte erfolgte mittels Grounded Theory Method (Glaser et al., 2010). Die Ergebnisse zeigen sowohl allgemeine als auch spezifische Herausforderungen für die Eingewöhnung von Kindern mit wenig Kenntnissen der Lokalsprache in Kitas auf. Um den spezifischen Herausforderungen im Umgang mit Sprachbarrieren zu begegnen, zeigten sich mehrere Ansätze als vielversprechend. Der Einsatz von Dolmetschenden ist sehr vielversprechend, um vertieft Informationen auszutauschen. Auch mehrsprachige Informationen und die Verwendung von Übersetzungsapps sind hilfreich. Insgesamt ist die Nutzung aller zur Verfügung stehenden sprachlichen Ressourcen sehr zentral. In der Studie zeigte sich die besondere Rolle des Translanguaging (García & Wei, 2014): Wenn in der Kita eine Fachperson die Sprache der Familie des neu eintretenden Kindes spricht, ist es eine Chance, wenn diese Fachperson diese Sprache als Hauptbezugsperson im Eingewöhnungsprozess einbringen kann. Die Gespräche mit den Eltern bei der Ankunft und beim Abholen können in der gemeinsamen Sprache geführt werden. Die Fachperson kann die Familiensprache im Dialog mit dem Kind einsetzen, und dem Kind so auch ermöglichen, seine Familiensprache zu verwenden um sich verbal auszudrücken. Die Fachperson verwendet gezielt beide Sprachen, die lokale Umgebungssprache wie auch die Familiensprache des Kindes. Einige Aspekte sind für alle Kinder wichtig, auch für Familien, die die Lokalsprache sprechen: eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Eingewöhnungsphase (Siegrist & Widmer, 2018), ein Schwerpunkt beim Aufbau einer Beziehung zu Kind und Eltern sowie eine gezielte und strukturierte Kommunikation, um Familien im Übergangsprozess zu unterstützen. Weitere Schritte hin zu einer migrationssensiblen Eingewöhnung sind für Forschung und Praxis angezeigt. Intensive Heilpädagogische Früherziehung von Kindern mit ASS im Kontext von Mehrsprachigkeit, Transition und Inklusion Inklusive frühkindliche Bildung stellt komplexe Anforderungen an pädagogische Fachpersonen und Institutionen. Trotz der gesetzlichen Grundlage der Interkantonalen Vereinbarung über die Sonderpädagogik sowie des in der Schweizer UNO-BRK-Ratifizierung verankerten Rechts auf Partizipation bestehen nach wie vor Barrieren, die Kindern mit besonderen Bedürfnissen den Zugang zu inklusiven Bildungssettings erschweren. Unterschiedliche kantonale Regelungen, erhöhter Unterstützungs- und Betreuungsbedarf sowie fehlende Weiterbildungs- und Konzeptressourcen führen dazu, dass Inklusion in vorschulischen Institutionen eine seltene Praxis darstellt (Zumwald et al. 2025). Vor diesem Hintergrund kommt Programmen eine wachsende Bedeutung zu, wie etwa der intensive Frühintervention für Kinder mit frühkindlichem Autismus (IFI). Internationale Studien belegen die Wirksamkeit intensiver, interdisziplinär ausgerichteter Frühförderangebote, die medizinische, entwicklungspsychologische und (sonder-)pädagogische Komponenten systematisch kombinieren (Liesen et al., 2018). Diese Programme setzen auf hohe Interventionsintensität, Prozesse, enge Elternbeteiligung und gezielte Förderung sozial-kommunikativer Kompetenzen. Die multiprofessionelle Kooperation, die klare Strukturierung der Lernumgebung und die konsequente Orientierung an individuellen Entwicklungsprofilen erweisen sich als zentrale Gelingensbedingungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Implementierung intensiver Frühinterventionen in bestehende Strukturen der frühkindlichen Bildung anspruchsvoll bleibt und eine systematische Weiterentwicklung inklusiver Kulturen, Strukturen und Praktiken erfordert (Liesen 2019; Seitz et al., 2022; Zumwald et al., 2025). Ein Pilotprojekt zu intensiver heilpädagogischer Früherziehung (IHFE) für Kinder mit ASS knüpft an diese Entwicklungen an und adaptiert das IFI-Modell an die regionalen Strukturen. Es kombiniert individuelle heilpädagogische Förderung mit einem gruppenorientierten Setting, um Kindern mit ASS im Vorschulalter Lern- und Interaktionsräume zu bieten. Ziel ist es, soziale Teilhabe, Kommunikation und Selbstregulation zu stärken sowie den Übergang in schulische Kontexte zu unterstützen. Die vorliegende wissenschaftliche Begleitforschung untersucht das Pilotprojekt IHFE mittels qualitativer und quantitativer Methoden im Sinne einer Perspektiventriangulation. Das Sample umfasst vier mehrsprachige Kinder mit ASS, deren Eltern, drei heilpädagogische Früherzieher:innen (HFE) sowie die Projektleitung. Videobeobachtungen und Video-Recall-Interviews an zwei Erhebungszeitpunkten zu Beginn und am Ende des Spielgruppenjahres gewähren vertiefte Einblicke in die Umsetzung der IHFE, die Interaktionen der mehrsprachigen Kinder mit ASS im Spielgruppensetting sowie Kooperationsprozesse zwischen HFE und Eltern. Ergänzend erfassen Fokusgruppeninterviews die Sichtweisen der HFE und Eltern hinsichtlich der Entwicklung der mehrsprachigen Kinder mit ASS, der pädagogischen Qualität und der Gestaltung der Übergänge in die Anschlussinstitutionen. Die Datenauswertung erfolgt im Rahmen eines inhaltsanalytischen Vorgehens, das qualitative und quantitative Elemente miteinander verknüpft. Das Kategoriensystem wird deduktiv auf Grundlage etablierter Beobachtungsinstrumente sowie theoretischer Modelle entwickelt. Zudem ist eine induktive Erweiterung des Kategoriensystems auf Basis der videografierten Interaktionen erforderlich, um spezifische situative und dynamische Merkmale adäquat abzubilden. Leitfadengestützte Interviews werden halbstrukturiert durchgeführt, transkribiert und anschliessend mithilfe des inhaltlich strukturierenden, themenorientierten Analyseansatz (Kuckartz & Rädiker, 2022) systematisch ausgewertet. Aufgrund der geringen Fallzahl sind keine generalisierbaren Aussagen möglich. Dennoch erlauben die systematischen Beobachtungen, Interviews und Videoanalysen Rückschlüsse auf Gelingensbedingungen, Herausforderungen und mögliche Weiterentwicklungen inklusiver Bildungssettings. Der Beitrag präsentiert und diskutiert erste empirische Erkenntnisse mit Blick auf Inklusion, Mehrsprachigkeit und Transition im Frühbereich. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Hinweise für die Weiterentwicklung inklusiver Frühförder- und Betreuungssettings in der Schweiz bereitzustellen und Impulse für eine nachhaltige Implementierung intensiver heilpädagogischer Angebote zu geben. | ||
