Veranstaltungsprogramm

Sitzung
Session 3k: Podiumsdiskussion
Zeit:
Donnerstag, 22.09.2022:
10:45 - 12:45

Ort: A0217_PHSt

Seminarraum

Präsentationen

Von alten Gräben und neuen Wegen. Zum Stellenwert von Theorie und theoretischen Auseinandersetzungen in der Bildungswissenschaft I (Podiumsdiskussion)

Marion Döll1, Matthias Huber2, Florian Müller3, Georg Neuweg4, Henning Schluß5, Katharina Soukup-Altrichter1

1PH Oberösterreich, Österreich; 2PH Kärnten, Österreich; 3AAU Klagenfurt, Österreich; 4JKU Linz, Österreich; 5Universität Wien, Österreich

Das Verhältnis zwischen empirischer Bildungsforschung auf der einen und der Allgemeinen Erziehungswissenschaft, Bildungstheorie und Erziehungsphilosophie auf der anderen Seite ist ein angespanntes. Auffällig ist, dass zwar von beiden Seiten vielfältige Kritik geäußert wird, eine Auseinandersetzung damit jedoch nur selten stattfindet (Helsper 2016). Aus theoretischer Perspektive wird vorgebracht, die empirische Bildungsforschung generiere durch einseitige Methoden und verkürzte Theorieansätze Ergebnisse für eine technokratische Verwendung des schulischen Lernens (Tillmann 2016). Seitens der empirischen Bildungsforschung wiederum wird kritisiert, dass die philosophischen Abstraktionen der Bildungstheorie empirisch nicht anschlussfähig seien und die soziale Wirklichkeit verkennen würden. Ebenso wird der Allgemeinen Erziehungswissenschaft vorgeworfen, im Duktus der Kritik zu verharren und keine Lösungen anzubieten. Die Fronten scheinen verhärtet und wechselseitig bezugnehmende Diskurse selten zu sein (ebd.). Dazu besteht eine Konkurrenz um institutionelle Ressourcen und bildungspolitischen Einfluss, wobei die empirische Bildungsforschung expandiert und die theoretischen Bezüge der Bildungswissenschaft in den Hintergrund gedrängt werden. Diese Verschiebung hat vor allem für Nachwuchswissenschafter*innen spürbare Folgen: Der Brunnen, aus dem sich die empirische Bildungsforschung theoretisch speist, trocknet zunehmend aus.

Zur Stärkung des Feldes hat sich 2020 mit dem Arbeitskreis Epistemologie, Theorieentwicklung und Begriffsarbeit (AK ETB) eine Initiative gegründet, die sich (meta-) theoretischen Auseinandersetzungen der Bildungswissenschaft widmen und dabei die Grundlagen, Herausforderungen und Potentiale der Disziplin unter Berücksichtigung historischer und zeitgenössischer Perspektiven kritisch diskutieren möchte. Ziel ist, im Zusammenspiel von Theorie und Empirie die Auseinandersetzung mit disziplinären Grundlagen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die qualitätsvolle Weiterentwicklung und kritische Selbstreflexion bildungswissenschaftlicher Forschung zu unterstützen.

In der ÖFEB stößt die Initiative auf geteiltes Echo. Im Rahmen der Podiumsdiskussion soll daher das derzeitige Verhältnis zwischen den theoretischen Bezügen der Bildungswissenschaft und der empirischen Bildungsforschung in Österreich beleuchtet und der Frage nachgegangen werden, welchen Stellenwert theoretische Arbeit innerhalb der Bildungswissenschaft und der ÖFEB hat.

Es diskutieren am Podium (in alphabetischer Reihenfolge):

Matthias Huber (Vorstandsmitglied der ÖFEB, Mitbegründer des AK ETB)

Florian Müller (ehem. Vorsitzender der ÖFEB)

Georg Neuweg (Vorsitzender der Vereinigung der Universitätsprofessoren der Wirtschafts- und - Berufspädagogik)

Henning Schluß (Professor für Empirische Bildungsforschung und Bildungstheorie)

Katharina Soukup-Altrichter (Vorsitzende der ÖFEB)

Moderation: Marion Döll (Vorstandsmitglied der ÖFEB, Mitbegründerin des AK ETB)