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Sitzungsübersicht
Sitzung
B-09: Familiäre Herkunft und frühkindliche Entwicklung
Zeit:
Mittwoch, 09.03.2022:
15:15 - 17:00

Chair der Sitzung: Kerstin Schütte
Chair der Sitzung: Olaf Köller
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom09


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Präsentationen
Symposium

Familiäre Herkunft und frühkindliche Entwicklung

Chair(s): Kerstin Schütte (IPN - Leibniz-Institut fur die Padagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Deutschland), Olaf Köller (IPN - Leibniz-Institut fur die Padagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Deutschland)

DiskutantIn(nen): Sabine Walper (Deutsches Jugend-Institut DJI)

Bestimmte familiäre Herkunftsmerkmale stellen eine Bildungsbenachteiligung dar, Ressourcen fehlen auf unterschiedlichsten Ebenen (z. B. Kenntnisse der Verkehrssprache, finanziell, zeitlich). Aus verschiedenen disziplinären Perspektiven und auf Basis von Daten einer längsschnittlich angelegten Interventionsstudie erweitern die Beiträge in diesem Symposium das Verständnis davon, mit welchen Merkmalen kognitive, motorische und selbstregulatorische Entwicklungsdimensionen assoziiert sind und wie frühkindliche Entwicklung gezielt gefördert werden kann. Der erste Beitrag zeigt differentielle Entwicklungsstände in Abhängigkeit des kindlichen Geschlechts auf und sensibilisiert so für die Notwendigkeit einer komplexeren Betrachtung von herkunftsbedingten Disparitäten. Der zweite Beitrag ergänzt den Elternbericht um objektive neurowissenschaftliche Maße, die bereits im Alter von sieben Monaten Entwicklungsunterschiede belegen und mit Herkunftsmerkmalen in Zusammenhang stehen. Einen möglichen Wirkmechanismus der Entwicklung der kindlichen Selbstregulationsfähigkeit untersucht der dritte Beitrag. Sowohl der identifizierte Mediator als auch der Prädiktor selbst – mütterliche Beruhigungsstrategien und Erziehungsselbstwirksamkeit – sind gezielter Förderung zugänglich. Die Kosten-Effektivität der Intervention in Form von Hausbesuchsprogrammen, welche der Entstehung herkunftsbedingter Disparitäten durch systematische Unterstützung bildungsbenachteiligter Familien entgegenwirken soll, steht im Zentrum des vierten Beitrags. Die bildungsökonomische Bewertung geht somit über die Einordnung von Effekten in natürlichen Maßen oder Effektstärken hinaus. Praktische Implikationen ergeben sich für die Forschungspraxis, aber auch für das Politikfeld der frühen Kindheit.

 

Beiträge des Symposiums

 

Existieren Geschlechterunterschiede in der frühkindlichen Entwicklung von Kindern aus Familien mit besonderen Entwicklungsherausforderungen?

Sabina Pauen, Lena Heilig, Tanja Hauser
Universität Heidelberg

Wann und wie in der normalen frühkindlichen Entwicklung Geschlechterunterschiede entstehen, ist gesellschaftlich und politisch hochrelevant. Untersuchungen zeigen kaum stabile Unterschiede in den ersten sechs Lebensmonaten, wohl aber ab Beginn des zweiten Lebensjahres (z.B. Fausto-Sterling et. al., 2012), wenn sich bei Mädchen leichte Vorsprünge im sozial-emotionalen (z.B. Alexander & Wilcox, 2012) sowie im sprachlichen Bereich (z.B. Eriksson et al., 2012) nachweisen lassen; bei Jungen ein leichter Vorsprung in der motorischen Entwicklung (Fausto-Sterling et al. 2012). Offensichtlich spielen auch Aspekte der Sozialisation bei der Entstehung von Geschlechterunterschieden eine entscheidende Rolle (z.B. Dinkel & Snyder, 2020; Babu et al., 2015; Levine et al, 2005).

Fragestellung

Um die bestehende Datenlage zu verbessern werden vor allem Studien benötigt, die die Entwicklung von Kindern in den ersten Lebensjahren auf unterschiedlichen Entwicklungsdimensionen parallel betrachten. Dies ist mit dem Beobachtungsinstrument MONDEY (Milestones of Normal Development in Early Years; Pauen et al., 2012) möglich. Es enthält 111 Meilensteine aus acht unterschiedlichen Entwicklungsbereichen (Grobmotorik, Feinmotorik, Wahrnehmung, Denken, Sprache, Soziale Beziehungen, Selbstregulation, Gefühle). Eltern bewerten anhand von Alltagsbeobachtungen, ob ihr Kind bestimmte Meilensteine erreicht hat. Aus den Daten lassen sich bereichsspezifische Scores sowie ein Gesamtscore errechnen.

Eine erste Studie zu Geschlechterunterschieden unter Verwendung von MONDEY lieferte weder für Kinder im Alter von 0-6 Monaten (N= 749) noch 18-24 Monaten (N=216) Geschlechterunterschiede im MONDEY Gesamtscore (Kirrstetter et al., 2021). Bei bereichsspezifischer Betrachtung ergab sich erwartungskonform ein leichter Vorsprung der Mädchen der älteren Gruppe auf den Dimensionen Denken, soziale Beziehungen und Gefühle. Die Auswertung bezog sich jedoch primär auf Kinder aus besser gestellten Familien, so dass die Frage der Generalisierbarkeit auf andere Populationen noch zu klären ist.

Die vorliegende Untersuchung verwendet ebenfalls MONDEY und untersucht mögliche Geschlechterunterschiede im ersten Lebensjahr anhand von Daten einer unabhängigen Längsschnitt-Stichprobe mit Kindern aus Familien mit besonderen Herausforderungen. Ausgehend von der bestehenden Literatur werden für diesen Zeitraum keine stabilen Geschlechterunterschiede erwartet.

Methode

Im Rahmen des multizentrischen Längsschnittprojektes Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE, s. Schütte et al., 2020) bewerteten Eltern mit besonderen Entwicklungsherausforderungen zu bislang drei Messzeitpunkten im ersten Lebensjahr die Entwicklung ihres Kindes mit Hilfe von MONDEY: mit 3 Monaten (M = 92 Tage, SD = 17 Tage), mit 6 Monaten (M = 185 Tage, SD = 19 Tage) und mit 12 Monaten (M = 363 Tage, SD = 20 Tage). Die Stichprobe besteht aus N = 105 Probanden (w = 50, m = 55), für die vollständig ausgefüllte MONDEY Bögen vorliegen.

Ergebnisse

In Einklang mit unseren Erwartungen ergaben sich zu keinem der Messzeitpunkte innerhalb des ersten Lebensjahres signifikante Unterschiede des Geschlechts im standardisierten MONDEY Gesamtscore. Nur bei bereichsspezifischer Betrachtung fielen leichte Unterschiede auf, die sich jedoch als instabil erwiesen: Mit 6 Monaten, nicht jedoch mit 12 Monaten zeigte sich ein signifikanter Entwicklungsvorsprung der Jungen in den Bereichen Grobmotorik (T (103) = 2,012, p < .05) und Gefühle (T (103) = 2,183, p < .05). Mit 12 Monaten erreichten die Mädchen marginal höhere Werte auf der Dimension Soziale Beziehungen (T (103) = -1,682, p<.10).

Diskussion

Die vorliegenden Ergebnisse stehen in Einklang mit denen der Vorläuferstudie von Kirrstetter et al. (2021), und auch mit den in der Literatur berichteten Befunden. Sie unterstreichen, dass sich Mädchen und Jungen im ersten Lebensjahr weitgehend vergleichbar schnell entwickeln. Auch wenn auf einzelnen Dimensionen Entwicklungsvorsprünge der einen oder der anderen Geschlechtergruppe erkennbar sind, handelt es sich dabei lediglich um transiente Phänomene. Die Analyse weiterer Daten, die zu späteren Zeitpunkten an der gleichen Stichprobe erhoben werden, soll klären, ob bzw. wann stabile Geschlechterunterschiede erkennbar werden.

 

Einfluss des sozioökonomischen Status auf die elektrophysiologische Verarbeitung akustischer Reizänderung von Säuglingen

Annika Wienke, Birgit Mathes
Universität Bremen

Adäquate Reizverarbeitung, Reizunterscheidung und das gezielte Lenken von Aufmerksamkeit gehören zu den basalen Fähigkeiten, deren Erlernen bereits im Mutterleib beginnt (Fellmann et al., 2004). Der sozioökonomische Status (SES) prägt hierbei bereits früh die Entwicklung. Entwicklungsbedingte Veränderungen funktionaler neuronaler Netzwerke scheinen im Besonderen für Einflüsse der Umgebung sensitiv zu sein (Pietto et al., 2017; Shephard et al., 2019). Die Elektroenzephalografie (EEG) bietet eine einfache, kostengünstige und nicht-invasive Möglichkeit diese Verarbeitungsprozesse auf neuronaler Ebene bereits bei Säuglingen zu untersuchen und diese sowohl im Längsschnitt zu vergleichen (Kushnerenko et al., 2002; Wienke et al., 2018) als auch mit dem SES in Verbindung zu setzen (Conejero et al., 2018; Pierce et al., 2019; Shephard et al., 2019).

Als Teil der BRISE-Studie (Bremer Initiative zur Förderung frühkindlicher Entwicklung) beantworten Eltern u.a. Fragen zum SES, ihrem sozialen und kulturellen Umfeld. Im Rahmen von EEG-Untersuchungen werden die Aspekte akustischer Verarbeitung sich wiederholender Töne für gesunde Säuglinge zwischen sieben und zwölf Monaten durch den Einsatz ereigniskorrelierter Potentiale (EKPs) in einem passiven auditorischen Oddball untersucht. Die neuronale P3a-Komponente steht im Zusammenhang mit dem unwillentlichen Lenken der Aufmerksamkeit auf abweichende, seltene Reize und indiziert eine Diskrimination dieser Reizkategorie (Fellmann et al., 2004; Wienke et al., 2018).

Als Teil-Stichprobe der BRISE-Studie wurden 71 wachen Säuglingen wiederholt Klaviertöne mit 466,6Hz als häufigen Standardton (N=200) und 550,5Hz als abweichenden, seltenen Ton (N=48) präsentiert. Die Amplitude einer P3a-ähnlichen Komponente wurde 280-330ms nach Stimuluspräsentation für zentrale Gehirnregionen gemessen.

Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Säuglinge bereits mit sieben Monaten Tonunterschiede wahrnehmen und eine P3a-ähnliche Komponente generieren. Diese neuronale Antwort verstärkt sich mit dem Alter. Dies kann auf strukturelle Veränderungen des Gehirns mit dem Alter zurückzuführen sein, welche eine koordiniertere Verarbeitung durch eine zeitlich präzisere neuronale Kommunikation ermöglichen. Es verbessert sich - vermutlich im Zusammenhang mit diesen neuronalen Entwicklungsprozessen - auch die Fähigkeit der Aufmerksamkeitskontrolle (Fellmann et al., 2004; Wienke et al., 2018).

Bereits in dieser frühen Alterspanne deuten sich Unterschiede in der Reizwahrnehmung zwischen den Säuglingen an. Ein niedriger SES – v.a. bezogen auf das mütterliche Bildungsniveau – korreliert mit schwächerer Reizdiskrimination. Seltene, relevante Information kann somit schlechter herausgefiltert und fokussiert werden (Conejero et al., 2018; Shephard et al., 2019).

Einfache Paradigmen, wie ein akustischer Oddball, sind vielversprechende Werkzeuge zur längsschnittlichen Untersuchung basaler kognitiver Fähigkeiten. Sie bieten Möglichkeiten, beispielsweise im Rahmen von BRISE, den Einfluss des SES auf Entwicklungsprozesse von Kindern zu untersuchen. Die Ergebnisse verdeutlichen die Relevanz von frühen Interventionsprogrammen und die bedarfsgerechte Unterstützung von Familien zur Prävention.

 

Von Ko-Regulation zur Selbst-Regulation: Zusammenhänge von mütterlichem Beruhigungsverhalten, mütterlicher Erziehungsselbstwirksamkeit und Säuglingsregulation

Natalie Kiel1, Gizem Samdan1, Annika Wienke1, Tilmann Reinelt2, Sabina Pauen3, Birgit Mathes1, Charlotte Herzmann4
1Universität Bremen, 2Universitätsspital Zürich, 3Universität Heidelberg, 4Kita Bremen

Die frühkindliche Emotionsentwicklung stellt einen wichtigen Aspekt von Entwicklungsprozessen dar und beeinflusst die Entwicklung der sozial-emotionalen Kompetenz (Belsky et al., 2001), Selbst-Regulation (Robson et al., 2020), inhibitorischen Kontrolle (Blair et al., 2015) und Aufmerksamkeit (Chang & Burns, 2005). Sie gehört zu den Fähigkeiten, die mit schulischen Leistungen wie Lesekompetenz und mathematischem Vermögen in Verbindung gebracht werden (Röthlisberger et al., 2013).

Säuglinge und Kleinkinder sind nur begrenzt in der Lage, ihre Emotionen und Impulse zu regulieren (z. B., Pauen et al., 2019). Die elterliche Ko-Regulation wie beispielsweise Beruhigungsverhalten,wirkt sich auf die Entwicklung der emotionalen Selbst-Regulation von Kindern aus (z. B., Groß et al., 2013). Die Ko-Regulation wird als eine soziale Interaktion definiert, bei der Individuen ihre Handlungen dynamisch miteinander koordinieren (Pauen & Edos Group, 2016). Einfühlsames und responsives mütterliches Verhalten gegenüber dem Säugling in emotionaler Not, wirkt sich positiv auf die emotionale Entwicklung aus (z. B., Backer et al., 2018).

Studien zeigen, dass sowohl mütterliche Erziehungsselbstwirksamkeit als auch die Ko-Regulation, die eigenen Regulationsfähigkeiten des Säuglings beeinflussen: Hohe wahrgenommene Erziehungsselbstwirksamkeit der Bezugsperson wird mit sensitivem (z. B., Wilson et al., 2014) und unterstützendem Erziehungsverhalten (z. B., Glatz & Buchanan, 2015) in Verbindung gebracht, einschließlich zugewandten Beruhigungsstrategien (z. B., Gärtner et al., 2018). Die Mechanismen, die diesen Assoziationen zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig geklärt.

Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkung der mütterlichen Erziehungsselbstwirksamkeit und die vermittelnde Rolle mütterlicher Beruhigungsstrategien auf die Regulationsfähigkeiten des Säuglings, wie das Schrei- und Schlafverhalten. Es wurden Fragebogendaten von N = 143 Müttern (Alter: M = 32 Jahre, SD = 5,7) mit Säuglingen im Alter von zwei bis vier Monaten analysiert.

Das Strukturgleichungsmodell identifizierte zwei Arten der Beruhigungsstrategien als wichtige Prädiktoren für die Regulation des Säuglings. Geringe mütterliche Erziehungsselbstwirksamkeit wurde mit einer häufigen Anwendung von abgewandten Beruhigungsstrategien in Verbindung gebracht, was sich wiederum negativ auf die Beruhigungsfähigkeit und die Schreihäufigkeit des Säuglings auswirkte. Es zeigte sich kein systematischer Zusammenhang zwischen mütterlichen Erziehungsselbstwirksamkeit und zugewandten Beruhigungsstrategien. Die zugewandten Beruhigungsstrategien wirkten sich zwar positiv auf das Beruhigungsverhalten der Säuglinge aus, standen jedoch mit häufigerem nächtlichem Aufwachen des Säuglings in Verbindung.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse ein komplexes Beziehungsmuster zwischen der mütterlichen Erziehungsselbstwirksamkeit, dem mütterlichen Beruhigungsverhalten und der Regulationsfähigkeit des Säuglings. Andauernde dysfunktionale Ko-Regulation zwischen Mutter und ihrem Säugling kann die emotionale und selbst-regulatorische Entwicklung der Säuglinge negativ beeinflussen. Dies zeigt die Wichtigkeit, bereits im Säuglingsalter Mütter mit niedriger mütterlicher Erziehungsselbstwirksamkeit so zu unterstützen, dass Ihnen ein zugewandtes Erziehungsverhalten gelingt

 

Die Kosteneffektivität von Hausbesuchsprogrammen in BRISE

Mara Barschkett1, Laura Schmitz1, Katharina Spieß2
1DIW-Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 2Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB)

In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind die öffentlichen Ausgaben für Kinder im frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsbereich kontinuierlich gestiegen (Bildungsbericht 2020). Zahlreiche Effektivitätsstudien in der bildungsökonomischen Literatur belegen die Wirksamkeit von frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten in Bezug auf verschiedene kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungsmaße der Kinder (siehe Kilburn et al. 2018 für eine Übersicht). Insbesondere Kinder aus benachteiligten Familien und Nachbarschaften profitieren in der Entwicklung ihrer kognitiven (z.B. Heckman und Masterov 2007, Cunha und Heckman 2010) und nicht-kognitiven Fähigkeiten (siehe Camehl 2017 für eine Übersicht).

Die Frage nach der Kosteneffizienz dieser Angebote wird hingegen oft nur unzureichend beantwortet. Effizienzstudien, entweder in Form von Kosten-Effektivitätsstudien oder Kosten-Nutzen-Studien, betrachten Kosten und Wirkung gemeinsam und ermöglichen somit eine effizizente Verteilung öffentlicher und privater Ressourcen. Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum gibt es in Deutschland nur wenige systematische Effizienzanalysen (Schmitz und Kröger 2017). Eine Ausnahme stellt die Evaluation des Hausbesuchsprogramms Pro Kind dar (Jungmann et al. 2015, Kliem et al. 2018, Conti et al. 2021).

Im Rahmen des BRISE-Projektes untersuchen wir die Kosteneffektivität der frühkindlichen Maßnahmenkette BRISE (Bremer Initiative zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung) im Hinblick auf erste Effekte auf Mütter und Kinder. BRISE richtet sich an benachteiligte Familien in bestimmten Stadtteilen Bremens und bietet ihnen während der ersten sechs Lebensjahre ihrer Kinder eine Reihe von Maßnahmen an (Schütte et al. 2020). Familien mit ähnlichen sozioökonomischen Merkmalen aus anderen ausgewählten Stadtteilen bilden die Kontrollgruppe. Unsere Studie konzentriert sich auf die Kosten und sehr frühen Effekte der ersten Stufe der Interventionskette bestehend aus drei Hausbesuchsprogrammen, die in den letzten Monaten der Schwangerschaft beginnen.

Wir untersuchen kausale Effekte auf eine Reihe von Zielvariablen in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden und Mutter-Kind-Interaktion. Methodisch bedienen wir uns zunächst dem Entropy Balancing (Hainmüller 2012), um Unterschiede in Maßnahmen- und Kontrollgruppe auszugleichen. Die Schätzung kausaler Effekte erfolgt mithilfe des Instrumentalvariablenschätzers (Angrist et al. 1996), wobei die Zugehörigkeit zu Stadtteilen der Maßnahmengruppe als Instrument für die tatsächliche Teilnahme an den Hausbesuchsprogrammen dient. Die Kosten werden jährlich mithilfe eines detaillierten Kostenfragebogens erfasst, welche von den Trägern der Programme in Bremen ausgefüllt werden. Wir setzen die Kosten der Programme in Beziehung zu ihrer Wirkung auf verschiedene Zielvariablen für Mütter und Kinder und vergleichen sie sowohl miteinander sowie mit der Kosteneffizienz ähnlicher frühkindlicher Programme in der internationalen Literatur.



 
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