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Präsentationen mit dem Text „mahlow“

Poster-S17: Einflüsse auf Lernen und Leistung
Zeit: 26.03.2020: 15:45-17:00 · Ort: S17

Transmission and transaction beliefs: Zur Faktorstruktur des Reader Belief Inventory

Nina Mahlow1, Carolin Hahnel2,3, Ulf Kröhne2, Cordula Artelt1,4, Frank Goldhammer2,3, Cornelia Schoor4

1Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Deutschland; 2DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation; 3Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien – ZIB; 4Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Lesende haben diverse Überzeugungen über ihre eigene Rolle beim Lesen, die sich auf ihr Leseverhalten und ihre Ziele und Strategien beim Lesen auswirken können. Nach Schraw and Bruning (1999) werden diese Überzeugungen als implizite Modelle des Lesens bezeichnet (Reader Beliefs) und können in transmission beliefs und transaction beliefs unterschieden werden (Schraw & Bruning, 1996). Eine Person mit einem starken transmission belief geht davon aus, dass es beim Lesen darauf ankommt, die Botschaft des Autors möglichst gut zu identifizieren und zu verstehen. Die Bedeutung des Textes existiert unabhängig vom Lesenden und muss vom Text oder Autor zum Lesenden „übertragen“, d.h. vom Lesenden rekonstruiert, werden. Eine Person mit starkem transaction belief geht hingegen davon aus, dass die Bedeutung im Lesenden selbst entsteht und somit aktiv aus dem Text konstruiert werden muss.

Die bisherige Forschung (z.B. Mason, Scirica, & Salvi, 2006; Schraw & Bruning, 1996) hat gezeigt, dass transmission beliefs nicht mit dem Textverstehen zusammenhängen, dafür aber transaction beliefs positiv z. B. mit einer holistischen Interpretation von Texten oder besserem Abruf von Inhalten zusammenhängen. Für den englischen Sprachraum entwickelten Schraw and Bruning (1996) das Reader Belief Inventory. Dieser Fragebogen wurde von Schraw (2000) modifiziert. Es fehlt jedoch bislang ein deutsches Instrument zur Erfassung der Reader Beliefs. Deshalb soll in dem vorliegenden Beitrag folgende Fragestellung überprüft werden: Lässt sich die Faktorstruktur des (englischen) Reader Belief Inventory (RBI) von Schraw (2000) in der deutschen Übersetzung replizieren?

Zur Untersuchung der Fragestellung wurden die Daten von 516 Studierenden (77.5% weiblich; zwischen 17 und 42 Jahren, M = 22.79, SD = 3.75) der Geistes- und Sozialwissenschaften zweier deutscher Universitäten erhoben. Die Studierenden befanden sich entweder am Anfang ihres Bachelor-Studiums oder am Ende ihres Master-Studiums. Sie bearbeiteten eine deutsche Übersetzung des RBI von Schraw (2000) am Computer. Das RBI in der Fassung nach Schraw (2000) besteht aus 16 Items/Aussagen, die jeweils einem der beiden Faktoren (transaction/transmission) zugeordnet werden und auf einer 5-stufigen Likert-Skala von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“ bewertet werden sollen. Sieben Items der Skala bezogen sich auf die transmission beliefs (z.B. „Die meisten Bücher meinen genau das, was sie sagen“), neun Items hingegen auf die transaction beliefs (z.B. „Auf das was ich lese, reagiere ich oft sehr emotional“).

Die konfirmatorische Faktorenanalyse mit allen Items zeigte einen nicht zufriedenstellenden Fit (Chi2 = 392.383, df = 103, p < .001; RMSEA = .07; CFI = .77). Aufgrund dessen wurde die Stichprobe per Zufall gesplittet. Mit der einen Stichprobenhälfte wurde eine explorative Faktorenanalyse (EFA) mit obliquer Rotation durchgeführt. Aufgrund geringer Ladungen bzw. hohen Ladungen auf mehreren Faktoren mussten drei transaction-items und ein transmission-item ausgeschlossen werden, sodass auf jeder Skala 6 Items übrig blieben. Die Parallelanalyse nach Horn (1965) deutete bei den restlichen 12 Items auf eine 2-Faktoren-Lösung hin. Die Gütekriterien der zugehörigen EFA waren zufriedenstellend (Chi2 = 62.890, df = 43, p < .05; RMSEA = .04; CFI = .94). Die gefundene zweifaktorielle Struktur wurde an der anderen Stichprobenhälfte mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse überprüft und zeigt einen mäßig guten Fit (Chi2 = 100.567, df = 53, p < .001; RMSEA = .06; CFI = .89). Die Zuordnung der restlichen Items zu den beiden Faktoren konnte repliziert werden. Die beiden Faktoren sind signifikant miteinander korreliert (r = -.28, p < .01). Entgegen der oben genannten Befunde konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen transaction beliefs und Lesekompetenz, jedoch ein signifikant negativer Zusammenhang zwischen transmission beliefs und Lesekompetenz gefunden werden (r = -.17, p < .001). Der Beitrag wird mit einer kritischen Diskussion der Befunde und des Instruments sowie Implikationen für die zukünftige Forschung schließen.

 
 
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