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Sitzungsübersicht
Sitzung
D9-S17: Emerging Researchers on Videos in Teacher Education - Structured Video Talk
Zeit:
Donnerstag, 26.03.2020:
9:00 - 10:45

Ort: S17

Präsentationen

Emerging Researchers on Videos in Teacher Education - Structured Video Talk

Kira Elena Weber1, Christopher Neil Prilop1, Julia Bönte2, Christina Gippert3, Bernadette Gold5, Robin Junker3, Sabrina Konjer3, Gerlinde Lenske4, Rijana van Bebber2, Till Rauterberg3, Julian Windscheid6

1Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland; 2Universität Duisburg-Essen; 3WWU Münster; 4Universität Koblenz-Landau; 5Universität Erfurt; 6TU Ilmenau

Zielstellung

Im Rahmen der GEBF 2020 planen wir ein interaktives Forum, um den Austausch zwischen Wissenschaftler*innen, die Forschung zu Unterrichtsvideos in der Lehrer*innen(aus)bildung fokussieren, zu fördern.

Ziel des Beitrags „Structured Video Talk“ ist es, einen umfassenden Überblick über den Einsatz von Unterrichtsvideos in der Lehr-Lern-Forschung zu bieten, verschiedene methodische und technische Herangehensweisen zu diskutieren und ein Forum für systematischen Austausch zu schaffen. Wir sehen unseren „Structured Video Talk“ als Start eines fortlaufenden Austausch- und Innovationsforums, um Synergieeffekte im Forschungsfeld Einsatz von Unterrichtsvideos in der Lehrer*innen(aus)bildung zu generieren. Der „Structured Video Talk“ soll in einer umfassenden Mailing-Liste und Research Gate Gruppe münden, in der ein Austausch über Forschungsprojekte, methodische und technische Entwicklungen, Lehrkonzepte oder Kooperationsangebote stattfinden soll. Hierfür soll sich zum Ende des „Structured Video Talks“ eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftler*innen formieren, die die Mailing-Liste und Research Gate Gruppe pflegt und Newsletter verfasst. Zudem soll diese Gruppe als Editor*innen ein Special Issue in einem Peer Reviewed Journal zur videobasierten Forschung in der Lehrer*innen(aus)bildung verantworten.

Theoretischer Rahmen

Der steigende Einsatz von Unterrichtsvideos in der Lehrer*innenausbildung zeigt sich nicht zuletzt in der Vielfalt der videobasierten Projekte im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Videos werden immer häufiger auf unterschiedliche Weise eingesetzt und gewinnen sowohl in Deutschland als auch international zunehmend an Bedeutung in der Lehrer*innenbildung (Gaudin & Chaliés, 2015; Seidel & Thiel, 2017). Unterrichtsvideos dokumentieren das professionelle Handeln einer Lehrperson im komplexen Unterrichtsgeschehen (Helmke, 2012) und ermöglichen damit die zeit- und ortsunabhängige Analyse dieser authentischen Unterrichtssituationen aus unterschiedlichen professionellen Perspektiven. Daher stellen sie für die Fachwissenschaften, die Fachdidaktiken und die Bildungswissenschaften ein relevantes Medium dar (Seidel & Thiel, 2017).

Während viele Studien (z.B. Gold, Förster, & Holodynski, 2013; Kleinknecht & Gröschner, 2016) die positive Wirkung videobasierten Lernens zunächst im Sinne eines „Overall“-Effekts im Vergleich zu üblichen Instruktionsmethoden ohne Videoeinsatz untersuchten, stellt sich zunehmend die Frage nach differentiellen Effekte von videobasierten Lehr-Lern-Settings, wie zum Beispiel welche Videoarten, Einsatz- und Instruktionsmethoden besonders effektiv sind (z.B. Hellermann, Gold, & Holodynski, 2015; Seidel et al., 2011; Weber, Gold, Prilop, & Kleinknecht, 2018). Das bedeutet, dass den individuellen Lernzielen entsprechend geeignetes Videomaterial und passgenaue instruktionale Designs ausgewählt und evaluiert werden müssen (Gaudin & Charliès, 2015). Trotz einiger, mit der Videonutzung verbundener, Herausforderungen, wie hohen Anschaffungskosten für das technische Equipment, Datenschutzregulierungen und hohem Zeitaufwand bzgl. der Datensammlung, etabliert sich das Video als Medium und Werkzeug immer stärker in der Lehrer*innenbildung. Inzwischen verfügen diverse Universitäten über Videoportale und ermöglichen somit eine standortübergreifende Nutzung professionell aufbereiteter Videovignetten.

Beiträge des interaktiven Forums

Für den „Structured Video Talk“ wurden Nachwuchswissenschaftler*innen verschiedener Institutionen gewonnen, deren Forschungsgruppen verschiedene Videoarten, Einsatz- und Instruktionsmethoden untersuchen. Des Weiteren werden verschiedene Videoplattformen vorgestellt, die für die videobasierte Lehrer*innenbildung nutzbar sind.

Im Beitrag von Weber und Prilop wird der Einsatz eigener und fremder Unterrichtsvideos in digitalen Lernumgebungen in Praktika und Seminaren an der Leuphana Universität Lüneburg dargestellt. Der Beitrag fokussiert neben differenziellen Effekten unterschiedlicher Videoarten insbesondere lernwirksame Instruktionselemente für den Einsatz fremder oder eigener Videos. Zudem werden die verschiedenen digitalen Lernumgebungen demonstriert.

Der Beitrag von Junker, Gippert, Holodynski, Rauterberg und Konjer stellt verschiedene Videoportale vor, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entwickelt wurden. Das Videoportal ProVision, das im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung entstanden ist, stellt professionell aufbereitete Videos von authentischem Unterricht aus allen Schulstufen und verschiedenen Unterrichtsfächern für die Lehreraus- und -fortbildung bereit. Zu jedem Unterrichtsvideo können Begleitmaterialien abgerufen werden, die Kontext, Ziele und Durchführung der Unterrichtsstunde erläutern und Analysemöglichkeiten in Bezug auf den kompetenten Umgang mit Schüler*innenheterogenität aufzeigen. Das Meta-Videoportal, an dem bisher die Universitäten Frankfurt, Köln, Duisburg-Essen, die LMU München sowie die FU Berlin beteiligt sind, ermöglicht eine übergreifende Suche von Unterrichtsvideos bestehender Unterrichtsvideoportale, ohne dass dafür eine Registrierung bei den einzelnen Portalen notwendig ist. Dies soll vor allem Personal der Lehrkräfteaus- und -fortbildung ermöglichen, schnell und unkompliziert solche Videos zu finden, die für die jeweils angestrebte Jahrgangsstufe, Schulform, das Fach oder Thema gesucht werden.

Der Beitrag von Bönte, Nissing und Lenske befasst sich mit der Entwicklung sowie der Wirkungsevaluation von inszenierten Videovignetten in der Lehrkräfteausbildung. Neben exemplarischen Studien wird das CLIPSS-Videoportal vorgestellt, welches auf Basis des ProViel-Projekts als Teil der Qualitätsoffensive Lehrerbildung an der Universität Duisburg-Essen entstanden ist. Auf dem CLIPSS-Videoportal stehen inszenierte Videovignetten sowie ergänzendes Material zum Thema Klassenführung für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften zur Verfügung.

Der Beitrag von Gold, Windscheid und Jurkowski stellt die Online-Lernplattform VideoLeB vor, auf der Selbstlernmodule mit authentischen 360°-Videos aus inklusiven Schulklassen zur Verfügung gestellt werden. Nach der Vorstellung der Lernplattform werden Ergebnisse eines Experiments zu Effekten des Lernens mit 360°-Videos auf professionelle Kompetenzen im Vergleich zu üblichen Videos präsentiert.

Geplanter Ablauf

Video ist nicht nur Inhalt des geplanten „Structured Video Talks“, sondern auch zentrales Medium der Präsentation. Nach einem videobasierten Input zur Rahmung des interaktiven Forums, werden Kurzpräsentationen im Videoformat über exemplarische Studien der Forschungsgruppen informieren. Der Einsatz von Kurzpräsentationen im Videoformat soll bezwecken, dass das Publikum einen umfassenden Eindruck über den Einsatz der digitalen Lernumgebungen bzw. Videoplattformen gewinnen kann, gleichzeitig aber die Möglichkeit zu intensiven Diskussionen mit den Forschungsgruppen besteht.

Parallel dazu stellen die Forschungsgruppen ihre digitalen Lernumgebungen bzw. Videoplattformen an Diskussionstischen vor und diskutieren zentrale Fragen des Forums: Welche professionellen Kompetenzen können durch den Einsatz von Videos gefördert werden? Inwiefern haben unterschiedliche Videoarten (fremd, eigen, inszeniert) Vorteile in ausgewählten Studiendesigns? Wie müssen Videos aufbereitet sein, um diese Kompetenzen zu fördern? Was muss rechtlich beachtet werden?

Abgesehen von den Diskussionstischen, die von den einzelnen Forschungsgruppen moderiert werden, soll sich ein zusätzlicher Diskussionstisch mit der Optimierung der Vernetzung von Forscher*innen der videobasierten Lehrer*innen(aus)bildung befassen. Wie kann dieses Forum fortgeführt werden? Wie können bereits bestehende Strukturen (z. B. Meta-Videoportal) bestmöglich genutzt und ausgebaut werden? Wie können Synergieeffekte in Bezug auf Forschung und Lehre erzielt werden?

Der „Structured Video Talk“ wird durch eine strukturierte Diskussion abgeschlossen, welche die zentralen Fragen, die während des Structured Video Talks diskutiert wurden, fokussiert. Besonderer Fokus liegt hier auch auf der Schaffung eines Netzwerkes zur besseren Vernetzung von Forscher*innen der videobasierten Lehrer*innen(aus)bildung.