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Sitzungsübersicht
Sitzung
M14‒S27: Überzeugungen von Lehrkräften im Kontext migrationsbezogener Heterogenität
Zeit:
Mittwoch, 25.03.2020:
14:30 - 16:15

Ort: S27

Präsentationen

Überzeugungen von Lehrkräften im Kontext migrationsbezogener Heterogenität

Chair(s): Marcus Syring (Eberhard Karls Universität Tübingen, Deutschland), Axinja Hachfeld (Universität Konstanz)

DiskutantIn(nen): Ineke Pit-ten Cate (Universität Luxemburg)

Im Zuge von Migration und Flucht stehen Lehrkräfte einer zunehmend kulturell heterogener werdenden Schülerschaft gegenüber. Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen benötigen entsprechende Bildungsangebote, um ihre individuellen Potentiale zu nutzen und so zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft befähigt zu werden. Die steigende migrationsbezogene, kulturelle Heterogenität erfordert von Lehrkräften folglich professionelle Kompetenzen, welche neben Fachwissen und fachdidaktischen Wissen auch selbstregulative Fähigkeiten, Überzeugungen und Werthaltungen enthalten (Baumert & Kunter, 2006; Blömeke, Müller, Felbrich & Kaiser, 2008), um die Partizipation aller zu erreichen. Im Kontext migrationsbezogener Heterogenität wurden in den letzten Jahren vermehrt die Werthaltungen und Überzeugungen von Lehrkräften in Bezug auf kulturelle Heterogenität und Integration untersucht, da Überzeugungen eine handlungsleitende Funktion zugeschrieben werden. Ein Blick in die Tagungsprogramme der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung der vergangenen drei Jahre zeigt einen merklichen Anstieg an diesbezüglichen Forschungsbeiträgen und Symposien zu den migrationsbezogenen Überzeugungen von Lehrkräften. Dabei ist dieses Forschungsfeld nicht neu; bereits Ende der 1990er Jahre erarbeiteten Studien die Bedeutung individueller Überzeugungen, Einstellungen und Strategien für die Bereitschaft auf migrationsbezogene Unterschiede einzugehen bzw. diese überhaupt wahrzunehmen heraus (vgl. Allemann-Ghionda, 1996; Auernheimer et al., 1996; Gogolin & Neumann 1997). Woher kommt das aktuell gesteigerte Forschungsinteresse, was können aktuelle Studien aus den früheren Forschungsprojekten lernen, welche Forschungsdesiderata ergeben sich daraus für die Zukunft, und welche neuen Aspekte berücksichtigen aktuelle Arbeiten? In diesem Symposium werden diese Fragen aufgegriffen. Der erste Beitrag setzt an den ersten drei Fragestellungen an und gibt einen Rückblick über die Forschung zu migrationsbezogenen Überzeugungen im deutschsprachigen Raum aus den letzten zwei Dekaden. Methodisch als narrativer Literaturüberblick angelegt, systematisiert er die Studien anhand zeitlicher Phasen und ihrer zentralen Forschungsfragen und -vorgehen. So lassen sich die Phasen mit den gesellschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen dieser Zeit in Beziehung setzen und Forschungsdesiderate herausarbeiten. An zwei dieser Forschungsdesiderate setzen die weiteren drei Beiträge des Symposiums an: Im zweiten und dritten Beitrag geht es um ein vertieftes, inhaltliches Verständnis der migrationsbezogenen Überzeugungen, wie sie in den letzten Jahren in verschiedenen Studien konzeptualisiert und untersucht wurden. Der zweite Beitrag geht dafür qualitativ vor und untersucht mithilfe einer freien Assoziationsaufgabe das Integrationsverständnis von 194 angehenden Lehrkräften. Die freien Angaben wurden anhand von Essers (2006) Dimensionen kategorisiert. Als zentraler Faktor kristallisierten sich die Sprachkenntnisse heraus. Dieses Ergebnis schließt den Bogen zum ersten Beitrag, der herausarbeitet, dass sich durch aktuelle Migrationsbewegungen in den letzten Jahren vermehrt eine Differenzierung zwischen migrationsbezogenen und sprachbezogenen Überzeugungen erkennen lässt (vgl. Ehmke et al., 2018 zu Überzeugungen zu Deutsch als Zweitsprache und Fischer (2018) für einen Überblick). Der erste Beitrag weist ebenfalls kritisch auf die Diskussion unterschiedlicher Konzeptualisierungen von egalitären Überzeugungen hin (vgl. Knowles et al., 2009, für den englischsprachigen Raum). Hier setzt der dritte Beitrag an, indem er an zwei Stichproben mit 210 bzw. 99 Lehramtsstudierenden die Zusammenhänge zwischen multikulturellen Gesellschaftsvorstellungen und egalitären bzw. „color-evasive“ Überzeugungen untersucht. Es zeigten sich differentielle Zusammenhänge, was dafürspricht, dass es sich um zwei unterschiedliche Konzepte handelt. Dieses Ergebnis erklärt auch die teilweise unterschiedlichen Ergebnisse verschiedener bisheriger Studien. Als weiteres zentrales Forschungsdesiderat identifiziert der erste Beitrag die Auswirkungen der Überzeugungen auf das Unterrichtsverhalten der Lehrkräfte. Mit dieser Frage beschäftigt sich der vierte Beitrag und untersucht die Zusammenhänge mit individualisierter Differenzierung an einer Stichprobe mit 250 Lehrkräften. Zusätzlich werfen die Autorinnen einen Blick auf Unterschiede zwischen Lehrern und Lehrerinnen und erfüllen damit den Anspruch einer stärkeren Berücksichtigung von Intersektionalität.

Zusammenfassend systematisiert das Symposium vergangene Forschung zu migrationsbezogenen Überzeugungen einerseits und stellt andererseits aktuelle Studien vor, die die im ersten Beitrag erarbeiteten Forschungsdesiderate angehen. Die Beiträge verbinden Perspektiven der Erziehungswissenschaften und der Pädagogischen sowie der Sozialpsychologie und beziehen sich auf Lehramtsstudierende und Lehrkräfte aus unterschiedlichen Bundesländern.

 

Beiträge des Symposiums

 

Kulturelle Überzeugungen – quo vadis? Ein Rück- und Ausblick auf die Forschung zu Überzeugungen im Kontext migrationsbezogener Heterogenität

Axinja Hachfeld1, Marcus Syring2
1Universität Konstanz, 2Eberhard Karls Universität Tübingen, Deutschland

Theoretischer Hintergrund

In den letzten Jahren ist ein Anstieg von Forschungsarbeiten zu den Überzeugungen von Lehrkräften im Kontext migrationsbezogener Heterogenität zu beobachten. Dies hängt u.a. mit veränderten gesellschaftlichen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen, wie Flucht, Migration und Globalisierung einerseits aber auch mit dezidierten Forschungsförderlinien und -programmen andererseits zusammen. Zudem wird in aktuellen Modellen professioneller Kompetenz die Relevanz von Überzeugungen als Teil eben jener unterstrichen und die Bedeutung der Lehramtsausbildung für die Herausbildung professioneller Kompetenzen immer wieder betont. Trotz der Aktualität des Themas ist die Forschung zu Überzeugungen mit Blick auf migrationsbedingte Heterogenität nicht neu. Ein Rückblick auf vorangegangen Forschung kann helfen, die aktuelle Forschung besser einzuordnen und Desiderata zu identifizieren.

Fragestellung

Auf diese Überlegungen aufbauend, verfolgt der Beitrag das Ziel, die Forschung zu migrationsbezogenen Überzeugungen im deutschsprachigen Raum aus den letzten zwei Dekaden zu identifizieren und anhand ihrer zentralen Forschungsfragen und -vorgehen zu systematisieren. Bei der Kategorisierung der leitenden Forschungsgegenstände stand die Systematisierung anhand zeitlicher Phasen im Vordergrund.

Methode

Methodisch folgt der Beitrag einem narrativen Literaturüberblick (vgl. Herbrechter et al., 2018), der die zentralen empirischen Ergebnisse der vergangenen Dekaden identifiziert sowie periodisch zusammenstellt. In mehreren Schritten wurden relevante Studien mithilfe von Datenbanken und mittels Schneeballprinzip gesichtet. Folgende Aufnahmekriterien wurden für die Auswahl der Studien bestimmt: die Studien lieferten Ergebnisse empirischer Analysen, die im deutschsprachigen Raum durchgeführt wurden (unabhängig von der Sprache der Publikation). Die räumliche Begrenzung erschien uns sinnvoll und notwendig, da migrationsbezogene Überzeugungen von Lehrkräften und ihre Erforschung stark durch länderspezifische Rahmenbedingungen geprägt sind (für einen Überblick über den U.S.-amerikanischen Raum vgl. Castro, 2010). Die insgesamt 19 aufgenommenen Artikel wurden mittels Konsensprinzip in Kategorien ein- und im zeitlichen Verlauf angeordnet.

Ergebnisse

Die Forschung der vergangenen 20 Jahre lässt sich in fünf Phasen unterteilen, deren spezifische Forschungsinteressen im Beitrag näher beschrieben werden. In der ersten Phase, der „Empirischen Wende“ (1997-1999), waren vor allem die Skalen- und Konstruktentwicklung leitend. Anschließend brachte die „Erste Vertiefungsphase“ (2000-2006) Untersuchungen zu den Überzeugungen und ihren Zusammenhängen mit verschiedenen Verhaltensvariablen hervor. Nach einer „Stagnations- oder Neuorientierungsphase“ (2007-2010) folgte eine „Wiederbelebungsphase“ (2011-2015), in der viele Projekte zurück zur Skalen- und Konstruktentwicklung gingen und erneut Zusammenhänge mit Facetten professioneller Kompetenz untersuchten. Seit 2015 ist in der „Phase der Anwendungs- und Implikationsforschung“ eine zunehmende Komplexität der untersuchten Fragestellungen zu beobachten, die die Wirkungskette zwischen Prädiktoren von kulturellen Überzeugungen, den Überzeugungen und ihren Auswirkungen auf pädagogischen Handeln sowie (seit 2016) den Zusammenhang zu Schülerleistungen in den Blick nehmen.

Diskussion und Implikationen

Zusammenfassend zeigt sich, dass sich die migrationsbezogenen Überzeugungen von Lehrkräften empirisch mithilfe von Fragebögen reliabel und valide erfassen lassen. Einhergehend mit dem gesteigerten bildungspolitischen und forschungsbezogenen Interesse an der Beschreibung professioneller Kompetenzen von Lehrkräften wurden seit Mitte der 2000er Jahre auch die migrationsbezogenen, kulturellen Überzeugungen von Lehrkräften als Facetten professioneller Kompetenz konzeptualisiert und ihre Zusammenhänge mit weiteren Facetten, vor allen mit den motivationalen Orientierungen, untersucht. Verschiedene Studien wiesen auf differenzielle Auswirkungen von verschiedenen Überzeugungen hin. Obgleich es in den verschiedenen Wellen immer wieder neue Anläufe zur Konzeptualisierung der Überzeugungen gab, zeigen die vorhandenen Instrumente vielfältige Überschneidungen und nur eine eingeschränkte Bandbreite auf. Und auch wenn neuere Arbeiten nicht mehr nur migrationsbezogene Überzeugungen, sondern verschiedene Dimensionen von Heterogenität erfassen, wie beispielsweise soziale Heterogenität, bleibt die stärkere Berücksichtigung von Intersektionalität ein Forschungsdesiderat. Weitere Forschungsbedarfe zeigen sich vor allem für den Einfluss der Überzeugungen auf das tatsächliche Verhalten der Lehrkräfte einerseits und auf die schulische Adaptation von Schülerinnen und Schülern andererseits. Weitere Forschungstrends werden im Beitrag aufgezeigt und Desiderate diskutiert.

 

Das Integrationsverständnis angehender Lehrkräfte

Sabine Glock, Hannah Kleen
Bergische Universität Wuppertal

Theoretischer Hintergrund

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft ist ein gesellschaftlich relevantes und vielfach diskutiertes Thema. Unter Integration wird der Einbezug in und die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft verstanden. Dabei wird zwischen struktureller (Eingliederung in gesellschaftliche Positionen), sozialer (Kontakt zu den Menschen im Aufnahmeland), kultureller (Erlernen von Wissen und Werten des Aufnahmelandes) und identifikativer (Zugehörigkeitsgefühl zum Aufnahmeland) Integration unterschieden (z.B. Esser, 2006). Besonders Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind häufig weniger integriert als Migranten aus anderen Ländern. Gleichzeitig stellt diese Gruppe die größte Migrantengruppe in Deutschland dar. Damit es zu einer gelingenden Integration kommt, werden auch Forderungen an das Bildungssystem gestellt (z.B. Becker, 2011). Jedoch gelingt die Integration durch Bildung in Deutschland nicht immer (Huddleston et al. 2011). Dies könnte auch auf unterschiedliche Vorstellungen von gelungener Integration zurückzuführen sein.

Fragestellung

Was Lehrkräfte jedoch unter einer gelungenen Integration verstehen, wurde unseres Wissens nach bisher nicht erforscht. In dieser Studie wird deshalb das Verständnis angehender Lehrkräfte über die Integration von Schülerinnen und Schülern mit türkischem Migrationshintergrund untersucht.

Methode

Um dies zu überprüfen, wurden 194 Lehramtsstudierende (145 weiblich) gefragt. In einer freien Assoziation war die Aufgabe, zu erläutern, was für Sie die Information: „Ömer und seine Familie sind gut integriert“ bedeutet. Nach der Assoziationsaufgabe wurden die demographischen Variablen erhoben. Die freien Angaben wurden anhand von Essers Dimensionen kategorisiert.

Ergebnisse

Die Analyse verdeutlicht, dass für angehende Lehrkräfte die kulturelle Dimension bei der Integration von SchülerInnen die größte Rolle spielt. Hier wurde insbesondere die Sprache als ein zentraler Faktor herausgestellt. Dies weist auf die bedeutende Rolle von Sprachkenntnissen im Unterricht und beim Bildungserfolg hin. Die soziale Integration ist für die angehenden Lehrkräfte ebenfalls wichtig. Hier werden speziell interethnische Freundschaften aufgeführt, die eine herausragende Rolle für die Eingliederung einer Schülerin/eines Schülers in den Klassenverband spielen. Die strukturelle und identifikative Dimension der Integration von türkischstämmigen Migrant/innen wurde von den Probanden als weniger wichtig erachtet.

Diskussion und Implikationen

Die Studie zeigt, dass vor allem die Dimensionen der Integration genannt werden, die für Lehrkräfte im direkten schulischen Kontext wichtige Variablen darstellen. Die untergeordnete Relevanz der strukturellen Integration ist jedoch interessant, da auch die Vorbereitung auf die Einnahme von Positionen in der Gesellschaft, etwa am Arbeitsmarkt, Aufgabe der Schule ist. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Stellung am Arbeitsmarkt die Eltern und nicht die SchülerInnen selbst in ihrer Integration betrifft, so dass Lehrkräfte vielleicht implizit über die Betonung der kulturellen und sozialen Integration und der Abwertung der Relevanz der strukturellen Integration soziale Disparitäten, die sich von Generation zu Generation übertragen könnten, zu reduzieren vermögen.

 

Stressing Similarities or Ignoring Differences? Shedding Light into Different Forms of Color-evasive Ideology with Pre- and In-service Teachers

Sauro Civitillo1, Linda P. Juang2, Maja K. Schachner2
1Universität Duisburg-Essen, 2Universität Potsdam

Theoretical Background

Color-evasiveness (commonly termed ‘color-blindness’) proposes that discussion around ethnic and cultural group memberships should be deemphasized, avoided or ignored (Neville et al., 2000). Although the color-evasive ideology emerged as prominent in U.S. school literature, it is widespread in European countries and their educational settings (Rissanen, 2019; Roebroeck & Guimond, 2015), including Germany (Schachner, 2019). Importantly, color-evasiveness may be associated with less optimal outcomes among cultural minorities (Celeste et al., 2019), and it has been linked to lower self-reported teaching adaptability to diverse students’ needs (Hachfeld et al., 2011). Yet there is conceptual confusion around the meaning and measurement of color-evasiveness, and this construct is used inconsistently in the international as well as German literature. We looked closely at the theoretical distinction between two belief forms of color-evasive ideology - stressing similarities and ignoring differences (Rosenthal & Levy, 2010). In short, the stressing similarities form emphasizes common ground among groups of individuals, whereas the ignoring differences form directs attention to the person, and not the social groups the person belongs to.

Research Questions

Our goal was to investigate whether two underlying forms of the color-evasive ideology (i.e., stressing similarities and ignoring differences) are distinct, albeit related, constructs. We aimed to achieve this goal by applying these two forms of the color-evasive ideology to teachers’ cultural diversity beliefs.

Method

We conducted two cross-sectional field studies with pre-service teachers (Study 1, N = 210, Mage = 23.7, SD = 5.4; 88% females), and in-service teachers (Study 2, N = 99, Mage = 44.5, SD = 11.1; 61.5% females). To measure stressing similarities beliefs, we administered an existing scale (Hachfeld et al., 2011; e.g., ‘In the classroom, it is important that students of different origins recognize the similarities that exist between them’). To measure ignoring differences beliefs, a scale partially adapted was used (Byrd, 2015; e.g., ‘In the classroom, talking about cultural differences is divisive’). To assess whether the stressing similarities and ignoring differences items loaded on two different but correlated factors, a Confirmatory Factor Analysis including latent factors was fitted by using R. We then calculated t tests and correlations for stressing similarities, ignoring differences and two other important intergroup ideologies studied in the educational context (i.e., multiculturalism and polyculturalism). Finally, we investigated how the endorsement of stressing similarities and ignoring differences beliefs could predict cultural diversity-related stress.

Results

In both studies, questionnaire items on stressing similarities and items on ignoring differences loaded on two separate factors, providing a better fit to the data than the one-factor model. Mean scores on these two types of color-evasive ideology also differed substantially, indicating that participants across the two studies mainly endorsed the stressing similarities perspective. Finally, among both pre- and in-service teachers, stressing similarities and ignoring differences related differently to multiculturalism and polyculturalism, and showed different associations with cultural diversity-related stress.

Discussion

The results of these two studies illustrated that stressing similarities and ignoring differences are distinct. These findings support previous studies that assessed different forms of color-evasiveness (Byrd, 2015; Pedersen et al., 2015) but have not directly compared them. Our study extends the present knowledge by comparing the most common empirically supported form of color-evasiveness within the German context, namely stressing similarities (Hachfeld et al., 2011; Schachner, 2019) with the most classical operationalization of this ideology in U.S. literature, namely ignoring differences (Byrd, 2015; Neville et al., 2000). We hoped to raise awareness of how these important constructs may be further studied and addressed with teachers. In conclusion, attention should be directed particularly to counteract ignoring differences beliefs as their unique effects may be related to undesirable consequences for teachers and students.

 

Unterrichtsbezogene Einstellungen von Lehrkräften und deren Bedeutung für Differenzierung im Unterricht

Miriam M. Gebauer, Nele McElvany
Technische Universität Dortmund

Theoretischer Hintergrund

Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich hinsichtlich einer Vielzahl von lern- und leistungsrelevanten Merkmalen, wobei einige Gruppen von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund bei Leistungsvergleichsstudien mehrheitlich lediglich untere Kompetenzstufen erreichen (Gogolin, 2006). Den Unterricht individuell differenziert vorzubereiten, zu gestalten und reflektiert zu berücksichtigen, wird als wichtiger Aspekt von qualitätsvollem Unterricht betrachtet (Klieme & Warwas, 2011, Rojsk et al., 2014). Dabei müssen Lehrkräfte über grundlegende fachliche, fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche Kenntnisse verfügen, um eine hohe Unterrichtsqualität zu erreichen (z.B. Baumert & Kunter, 2006; Terhart, 2015). Des Weiteren sind positive unterrichtsbezogene Einstellungen relevant für eine gelungene Konzertierung des Unterrichts (z.B. de Broer et al., 2001). Einstellungen können in kognitive, affektive und behaviorale Komponenten unterschieden werden (Eagly & Chaikens, 1993) und sich in der Einschätzung der Nützlichkeit, der Kosten und negative Emotion niederschlagen (Wigfield & Eccles, 2002). Diese Komponenten werden ergänzt durch Erwartungen und motivationale Orientierung kulturelle Heterogenität im Unterricht erfolgreich zu berücksichtigen (Ajzen, 2002). Die Überzeugungen, die Lehrkräfte in Bezug auf das Unterrichten kulturell diverser Schülergruppen haben, entsprechen dabei der kognitiven Komponente des Einstellungsmodells von Eagly und Chaiken (1993). Aufgrund vorliegender empirischer Evidenzen ist anzunehmen, dass eine positive Einstellung in Bezug auf das Unterrichten heterogener Schülerinnen- und Schülergruppen zu einer entsprechenden Differenzierung und Individualisierung im Unterricht führt (Hartwig & Schwabe, 2018), wobei in einigen Studien geschlechtsspezifische Unterschiede bei Einstellungen von angehenden Lehrkräften festgestellt werden konnten (z.B. Gebauer & McElvany, 2017).

Fragestellung

Der vorliegende Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund die drei übergeordneten Fragestellungen:

1. Sind Einstellungen, die Lehrkräfte in Bezug auf das Unterrichten von kulturell heterogenen Klassen haben, von Bedeutung für individualisierte Differenzierung (Vorbereitung, Durchführung und Reflexion) im Unterricht?

2. Sind differenzielle Unterschiede der gefundenen Zusammenhänge zwischen männlichen und weiblichen Lehrkräften feststellbar?

3. Bleiben die gefundenen Zusammenhänge und Unterschiede unter Berücksichtigung weiterer Kovariaten konstant.

Methode

Die Daten von N = 250 nordrhein-westfälischen Lehrkräften der Sekundarstufe I wurden anhand von Mehrgruppen-Strukturgleichungsmodellen mit latenten Variablen analysiert.

Ergebnisse

Die Analysen zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage zeigten, dass die motivationale Orientierung (β = .21; p < .05) und die Erwartung (β = .33; p < .001) der Lehrkräfte bedeutsam für die Reflexion von Differenzierung waren. Für die Durchführung der Individualisierung im Unterricht zeigte sich nur die Erwartung als bedeutungsvoll (β = .20; p < .05) im unterrichtlichen Kontext. Bei einer geschlechterspezifischen Betrachtung zeigten sich differenzielle Unterschiede: Bei weiblichen Lehrkräften waren die Einschätzung der Nützlichkeit kultureller Heterogenität (β = .29; p < .01) und die Erwartungen (β = .35; p < .01) bedeutsam für die Reflexion der Differenzierung im Unterricht. Bei männlichen Lehrkräften waren Zusammenhänge zwischen der wahrgenommenen Nützlichkeit (β = .42; p < .05) sowie der Erwartung (β = .34; p < .10) und der Durchführung von Individualisierung im Unterricht zu beobachten. Die Ergebnisse bleiben nach Berücksichtigung weiterer Kovariaten konstant.

Diskussion und Implikationen

Die Implikationen der Ergebnisse werden hinsichtlich ihrer theoretischen Bedeutung für Forschung und Praxis diskutiert sowie weitere Desiderate identifiziert.