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Sitzungsübersicht
Sitzung
M14‒S18: Das Fach Englisch in Transformation - Instrumente und Indikatoren von Unterrichtsqualität und Leistungserfassung vor dem Hintergrund des Frühbeginns
Zeit:
Mittwoch, 25.03.2020:
14:30 - 16:15

Ort: S18

Präsentationen

Das Fach Englisch in Transformation – Instrumente und Indikatoren von Unterrichtsqualität und Leistungserfassung vor dem Hintergrund des Frühbeginns

Chair(s): Michael Schurig (TU Dortmund), Nils Jaekel (University of Tenessee, Knoxville)

DiskutantIn(nen): Dominik Rumlich (Universität Paderborn)

Das Fach Englisch befindet sich seit der Einführung des Englischunterrichts in der Grundschule im Umbruch. Der frühe Fremdsprachenunterricht wurde inzwischen in der Grundschule in ganz Deutschland in den Klassen 1 bzw. 3 umgesetzt. Spätestens durch die Umstellung sind Fragen nach der Wirksamkeit und der Qualität des Fremdsprachenunterrichts laut geworden. Doch es existieren widersprüchliche Ergebnisse zur Effektivität des Fremdsprachenunterrichts (Jaekel, Schurig, Florian & Ritter, 2017; Muñoz, 2006; Nikolov, 2017; Pfenniger, 2014). Dabei wird wiederholt darauf verwiesen, dass nicht allein das Alter, sondern vielmehr auch die Qualität des Unterrichtshandelns von Lehrkräften die Basis für das erfolgreiche frühe Erlernen einer Fremdsprache und den langfristigen Lernerfolg bietet (Marinova-Todd, Marshall & Snow, 2000; Mihaljevic Djigunovic, Nikolov & Otto, 2008; Piske, 2017).

Dies sind keinesfalls Fragen, die allein an die Didaktik des Englischen im Bereich der Primarschule herangetragen werden, sondern es ist eine übergreifende Aufgabe für die Forschung im Bereich des Zweitspracherwerbs. Der Bereich des Zweitspracherwerbs zielt darauf ab, (a) die Prozesse zu verstehen, durch die schulpflichtige Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu jedem Zeitpunkt des Lebens eine Sprache, einschließlich Zweit-, Fremd- oder Minderheitensprachen, lernen und verwenden, (b) die sprachlichen Prozesse und Ergebnisse eines solchen Lernens zu erklären und (c) die sprachlichen und nicht-sprachlichen Kräfte zu charakterisieren, die sowohl die Prozesse als auch die Ergebnisse erzeugen und gestalten (Douglas Fir Group, 2016). Um eine möglichst starke Tragfähigkeit zu erreichen, sind Forschungsergebnisse disziplinübergreifend zu verbinden (Schmenk, 2019). Dabei sind Rahmenbedingungen wie zunehmender Multilingualismus und Hetergonität im Klassenraum ebenso zu bedenken wie zunehmend fachfremder Unterrichtens und der Unterricht durch Seiteneinsteiger (Hoffmann & Richter, 2015).

Raphaela Porsch und Eva Wilden beschäftigen sich mit Fragen der fachlichen Qualifikation von Lehrkräften. In dem vorliegenden Beitrag wird dazu die Teilnahme an Angeboten der Fort- und Weiterbildung adressiert. Sie analysieren die Teilnahmemotivation und Teilnahmehäufigkeiten und kontrastieren Lehrkräfte mit unterschiedlichen Fachausbildungen. Sie konnten feststellen, dass fachgebundene Fortbildungen am wenigsten von fachfremd tätigen Englischlehrkräften besucht werden, wohingegen die Gruppe der grundständig ausgebildeten Englischlehrkräfte diese am häufigsten nutzen. Eine aktive Kompensation der fehlenden Erstausbildung findet tendenziell nicht statt. Stattdessen muss von einer Bestätigung einer Vertiefungs- oder Neigungshypothese ausgegangen werden.

Julia Reckermann adressiert die Frage nach reliablen Messinstrumenten, die im Sinne formativer Verfahren zur Unterstützung des Lernens eingesetzt werden können. Der Aufbau des Basiswortschatzes ist unumstrittene Grundvoraussetzung für die Anbahnung von kommunikativen Kompetenzen in einer Fremdsprache und somit fester Bestandteil des Englischunterrichts der Grundschule. Allerdings existieren kaum Testinstrumente, mit denen der Grundwortschatz im Fach Englisch erhoben werden kann. Die Möglichkeit diesen Basiswortschatz zu prüfen stellt für Lehrkräfte aber eine wertvolle Erweiterung der diagnostischen Möglichkeiten und der Basis für gezielte didaktische Intervention da.

Nils Jaekel, Michael Schurig und Markus Ritter beschäftigen sich mit der Qualität von Unterricht im Fach Englisch und der Wirkung auf das Lernen zwischen der Klassenstufe fünf und der Klassenstufe sieben. Es werden die parallelen Effekte verschiedener Dimensionen der Unterrichtsqualität auf das Lernwachstum auf Individualebene und Klassenebene in den Blick genommen und umfänglich abgebildet. In mehrebenenanalytischen Modellen kann herausgestellt werden, dass zwar Effekte auf der Klassenebene beobachtet werden können, aber die Annahme, dass das Lehrkrafthandeln die Leistung beeinflusse inhaltlich hinterfragt werden muss.

 

Beiträge des Symposiums

 

Warum nehmen Englischlehrkräfte an Fortbildungen teil? Eine empirische Studie zur Teilnahmemotivation von Grundschullehrkräften mit unterschiedlicher Fachqualifikation

Raphaela Porsch1, Eva Wilden2
1Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, 2Universität Duisburg-Essen

Zur Aufgabe von allen Lehrkräften gehört die lebenslange Erweiterung ihrer professionellen Kompetenzen. Fachfremd tätigen Lehrkräften bzw. solchen, die regelmäßig Fächer ohne das entsprechende Fachstudium unterrichten, empfiehlt die KMK (2015: 19) die Teilnahme an entsprechenden Fort- und Weiterbildungsangeboten in den Fächern, die nicht Bestandteil ihrer grundständigen Ausbildung sind. Im Rahmen von Fortbildungen kann berufsbegleitend Fachwissen erworben werden, um die fehlende Erstausbildung zu kompensieren (Kompensationshypothese). Anderseits werden Studienfächer aufgrund ausgeprägter Kompetenzen und Interessen gewählt (Winteler et al. 1988). Nach dieser Vorstellung nehmen Lehrkräfte mit einer Fachausbildung häufiger an fachbezogenen Fortbildungen teil (Vertiefungs- bzw. Neigungshypothese). Für Mathematik- und Sachunterrichtslehrkräfte zeigten sich im Rahmen von TIMSS 2015 mehrheitlich keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Teilnahmehäufigkeit nach Fachqualifikation (Porsch & Wendt 2016). Aufgrund von Lehrkräftemangel und der Anwendung des Klassenlehrerprinzips bei fehlender Fachausbildung (Porsch 2016) kommt es flächendeckend zu fachfremd erteiltem Englischunterricht an Grundschulen. Bislang ungeklärt ist, ob sich Grundschulehrkräfte mit und ohne Englisch als Studienfach in der Teilnahmemotivation und -häufigkeit an Fortbildungen unterscheiden.

Unsere Fragestellungen lauten: (1) Aus welchen Gründen besuchen Lehrkräfte an Grundschulen Fortbildungen zum Fach Englisch? (2) Lässt sich die Teilnahmemotivation von Englischlehrkräften an Grundschulen mit ihrer Qualifikation erklären? (3) Liegen Unterschiede in der Teilnahmehäufigkeit an Fortbildungen zwischen Englischlehrkräften mit unterschiedlicher Fachausbildung vor?

Im Rahmen des TEPS-Projekts (Teaching English in Primary School) wurden 2017 insgesamt 844 deutsche Grundschullehrkräfte, die Englisch in Klasse 4 unterrichten, befragt. Von diesen hatten 40.8% Englisch als Studienfach gewählt, 47.2% besaßen eine Nachqualifizierung für das Fach und 12% keine fachbezogene Ausbildung. Neben Hintergrundmerkmalen wurde die Teilnahmehäufigkeit in den letzten zwei Schuljahren auf einer fünfstufigen Likert-Skala erfragt („keine Stunde“ bis „mehr als 35 Stunden“). Die Lehrerfortbildungsmotivation wurde mit einer aus sechs Motivationsfacetten bestehenden Skala erfasst (basierend auf Kao et al. 2011, Übersetzung aus Lenski et al. 2018). Zu den zwanzig Aussagen wurden jeweils vier Antwortoptionen vorgelegt („stimme gar nicht“ bis „stimme völlig zu“).

Bei Betrachtung der Gesamtstichprobe gaben die Englischlehrkräfte am häufigsten an, aus persönlichem Interesse (M = 2.74, SD = .82) und dem Streben nach einer verbesserten Unterrichtspraxis (M = 2.23, SD = .86) Fortbildungen besuchen zu wollen (Frage 1). Dagegen sind extrinsische Gründe, wie etwa beruflicher Aufstieg, für sie kaum von Bedeutung. Diese Befundlage entspricht einer Studie mit taiwanesischen Grundschullehrkräften (Kao et al. 2011) sowie einer Untersuchung deutscher Sekundarschullehrkräfte (Rzejak et al. 2014).

Mehrfaktorielle Varianzanalysen (unter Kontrolle von Alter und Geschlecht) verweisen auf die Bedeutsamkeit der Fachausbildung der Lehrkräfte in Bezug auf die Fortbildungsmotivation. Für Grundschullehrkräfte mit dem Studienfach Englisch ist das persönliche Interesse und der Wunsch nach sozialen Kontakten ausgeprägter (p < .001) als für Lehrpersonen ohne die Fachausbildung (Frage 2). Dieser Befund lässt sich u.a. mit dem höheren Fachinteresse der fachkonform unterrichtenden Lehrkräfte erklären, die Englisch bereits als Studienfach gewählt hatten.

Zur Frage der Teilnahmehäufigkeit (Frage 3) ergibt sich folgendes Bild: Am seltensten wurden Fortbildungen von fachfremd tätigen Englischlehrkräften besucht (M = 1.64, SD = .78) gefolgt von nachqualifizierten Lehrpersonen (M = 2.11, SD = 1.06). Am häufigsten wurden Fortbildungen im Fach Englisch von grundständig ausgebildeten Englischlehrkräften genutzt (M = 2.20, SD = 1.01). Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgern, dass die Vertiefungs- bzw. Neigungshypothese zu gelten scheint, d.h. Lehrkräfte streben an ihre Kompetenzen zu erweitern und gehen ihren bestehenden Interessen nach. Die Belastbarkeit dieser Ergebnisse einschränkend muss u.a. angemerkt werden, dass keine Informationen über die Art und Anzahl der zur Verfügung stehenden Fortbildungsangebote erfragt wurden. Auch bleibt offen, ob es unter fachfremd tätigen Lehrkräften Hemmungen gibt, Fortbildungen zu besuchen, wenn diese für fachfremd und fachkonform unterrichtende Lehrkräfte gemeinsam angeboten werden. Implikationen für die Ausgestaltung von Fortbildungen für Lehrkräfte mit unterschiedlicher Fachqualifikation sowie Forschungsdesiderata sollen den Abschluss des Vortrags bilden.

 

Der Englisch-Wortschatz von Viertklässlern – Ergebnisse einer Vocabulary Retrieval Task Studie

Julia Reckermann
Universität Paderborn

Der Aufbau eines Basiswortschatzes ist unumstrittene Grundvoraussetzung für die Anbahnung von kommunikativen Kompetenzen in einer Fremdsprache und somit fester Bestandteil des Englischunterrichts der Grundschule. Zahlen oder Angaben, welche und vor allem wie viele Wörter am Ende der Grundschulzeit erworben wurden, variieren dabei allerdings stark. Mindt & Schlüter (2007) beschreiben beispielsweise einen Basiswortschatz von 121 Wörtern als Ergebnis des Englischunterrichts in Klasse 3 und 4, während Cameron (2001) unter günstigen Bedingungen von einem Zuwachs von etwa 500 Wörtern pro Lernjahr ausgeht. Wortschatz umfasst dabei aber natürlich mehr als das alleinige Kennen einzelner Wörter. Cameron (2001) beschreibt, was es eigentlich bedeutet, ein Wort zu ‚kennen‘ und stellt hierfür acht unterschiedliche Arten von Wissen dar. Darüber hinaus existiert ein tiefgehendes Wissen über den Aufbau und die Arbeitsweise des Mentalen Lexikons und somit die Art und Weise, wie Wortschatz graduell aufgebaut, gespeichert und abgerufen wird.

Das empirische Erheben von Wortschatz, vor allem bei jungen Fremdsprachenlernenden, ist somit sehr komplex. ‚Wortschatz‘ ist ein so umfassendes Phänomen, dass jegliche empirischen Erhebungen Einschränkungen machen müssen und nur einen bestimmten Aspekt von Wortschatz fokussieren können. Sicherlich ist dies ein Grund dafür, warum es zum Englischunterricht mit jungen Lernenden hierzu bisher nur sehr wenig Forschung gibt. Somit existieren auch kaum Testinstrumente, mit denen Grundschulwortschatz im Fach Englisch erhoben werden kann; vor allem, weil geläufige Testinstrumente mit älteren Lernenden (siehe, z.B. Lightbown & Spada, 2013) für Grundschulkinder aufgrund der Schriftlastigkeit kaum angemessen und nutzbar sind. Bisherige Studien umfassen vor allem die Dissertationsstudie von Freudenau (2017), welche über themenbasierte Wortschatztests den Wortschatzerwerb unter Einsatz digitaler Wörterbücher untersuchte, und die ELLiE-Studie (Enever, 2011), welche mit einer sehr offenen Vocabulary Retrieval Task nach Johnstone (2000) arbeitete.

Die vorliegende Studie greift diese Vocabulary Retrieval Task auf, wobei das Erhebungsverfahren angepasst und um eine Rahmung durch gängige Wortfelder des Englischunterrichts der Grundschule ergänzt wurde. Ziel dieses Instruments ist es, den von den Lernenden erworbenen aktiven und spontan produzierbaren Wortschatz in der Fremdsprache, fokussierend auf typische Themen des Englischunterrichts der Grundschule, zu erfassen. Im Rahmen der vorgestellten Studie wurde zu zwei Zeitpunkten (Beginn und Mitte des vierten Schuljahres) der aktive englische Wortschatz von n=23 Kindern erhoben, um Einblicke in den tatsächlichen Wortschatz der Kinder sowie die Entwicklung des Wortschatzes über sechs Monate zu erlagen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder ihren Wortschatz innerhalb des halben Jahres insgesamt betrachtet erweitert haben, allerdings in sehr individuellem Ausmaß. Außerdem zeigen n=6 Kinder zum späteren Testzeitpunkt einen niedrigeren Score als zum früheren. Bei Betrachtung der tatsächlichen Wörter ist außerdem zu sehen, dass zu den unterschiedlichen Testzeitpunkten teilweise sehr unterschiedliche Wörter genannt wurden.

Im Rahmen der Präsentation wird das Datenerhebungsverfahren über die eingesetzte Vocabulary Retrieval Task im Detail vorgestellt und anschließend werden die Ergebnisse der Studie präsentiert sowie diskutiert. Im Anschluss findet eine kritische Betrachtung statt, inwieweit Wortschatz junger Lernender über die Vocabulary Retrieval Task erhoben werden kann und welche Potentiale und Grenzen dieses Testverfahren aufweist. Aufbauend darauf wird ein Ausblick gegeben, welche anderen Verfahren eingesetzt werde könnten, um den fremdsprachlichen Wortschatz von Grundschulkindern zu erheben.

 

Dimensionen der Unterrichtsqualität auf Klassen- und SchülerInnenebene als Prädiktoren schulischen Lernens im Fach Englisch

Nils Jaekel1, Michael Schurig2, Markus Ritter3
1University of Tenessee, Knoxville, 2TU Dortmund, 3Ruhr-Universität Bochum

Die Fremdsprachenausbildung in der Grundschule hat, durch die europäische Sprachpolitik (Europäische Kommission 2002), in ganz Europa an Bedeutung gewonnen. Der frühe Fremdsprachenunterricht wurde inzwischen in der Grundschule in ganz Deutschland in den Klassen 1 bzw. 3 umgesetzt. Doch es existieren widersprüchliche Ergebnisse zu der Effektivität des Fremdsprachenunterrichts (Jaekel, Schurig, Florian & Ritter, 2017; Muñoz, 2006; Nikolov, 2017; Pfenniger, 2014). Dabei wird wiederholt darauf verwiesen, dass nicht allein das Alter, sondern vielmehr auch die Qualität des Unterrichtshandelns von Lehrkräften die Basis für das erfolgreiche frühe Erlernen einer Fremdsprache und den langfristigen Lernerfolg bietet (Marinova-Todd, Marshall & Snow, 2000; Mihaljevic Djigunovic, Nikolov & Otto, 2008; Piske, 2017).

Die Qualität von Instruktionen in der Schule ist ein wichtiger Teil der Schuleffektivität (Klieme & Rakoczy, 2008; Wagner, Göllner, Helmke, Trautwein & Lüdtke, 2013). Unterrichtsqualität ist dabei kein einzelnes Merkmal, sondern eine Vielzahl von Merkmalen und deren Zusammenwirken, welche in Beziehung zu den Zielen des Unterrichts zu setzen sind (Einsiedler, 2002).

Die vorliegende Studie soll die parallelen Auswirkungen verschiedener Dimensionen der Unterrichtsqualität auf das Lernwachstum im Fremdsprachenunterricht in Englisch am Beginn der Sekundarstufe I beleuchten. Es wird geprüft, ob und inwieweit sich Differenzen zwischen den Leistungsergebnissen der fünften und der siebten Jahrgangsstufe im Fach Englisch in der Sekundarstufe I durch die individuell wahrgenommene und klassenweise aggregierte Unterrichtsqualität erklären lassen.

Die Daten entstammen der ersten Projektphase des Projekts „Ganz In – Mit Ganztag mehr Zukunft. Das neue Ganztagsgymnasium NRW“ und wurden zwischen 2010 und 2016 in zwei Kohorten erfasst. Von 2061 Schülerinnen und Schülern in 102 Klassen liegen Daten zu den Kompetenzen des Hörverstehens und des Leseverstehens zu zwei Messzeitpunkten und Daten zu der wahrgenommenen Unterrichtsqualität vor. In einem ersten Schritt werden weighted-likelihood Schätzer der Leistungsergebnisse in den Jahrgängen fünf und sieben in den Dimensionen Lesen und Hören mittels eines ein-parameter logistischen Modells abgeleitet. Dafür werden Anker-Item Verfahren verwendet, um eine Verknüpfbarkeit der Leistungsergebnisse zu gewährleisten. Eine hinreichende Konformität mit den Modellannahmen konnte bestätigt werden. In einem zweiten Schritt wird das individuelle Lernwachstum mittels Schätzungen von Faktorscores über ein latentes Veränderungsmodell abgebildet. Die Unterrichtsqualität im Fach Englisch wird mittels der Angaben der Schülerinnen und Schüler abgeleitet. Dafür wurden sieben Skalen, welche die Dimensionen Klassenmanagement, Anregung, Schüler-Lehrer-Verhältnis, Strukturiertheit, Empathie, Anregung und Leistungsdifferenzierung gebildet. Alle Skalen der Unterrichtsqualität konnten in einzelnen und multidimensionalen konfirmatorischen Faktoranalysen unter Berücksichtigung der Mehrebenenstruktur bestätigt werden. Zuletzt erfolgt die Verarbeitung in einem Mehrebenenmodell, bei dem die Zusammenhänge zwischen der individuell wahrgenommen Unterrichtsqualität und dem Lernen auf individueller Ebene und die Zusammenhänge zwischen der wahrgenommenen Unterrichtsqualität auf der Klassenebene in der Jahrgangsstufe fünf und dem Lernen auf der Klassenebene parallel betrachtet werden. Vertiefend werden Analysen zu einzelnen Dimensionen mit cross-level Interaktionen vorgestellt.

Die Korrelationen zwischen den Dimensionen der Unterrichtsqualität wiesen auf der Individualebene mittlere bis hohe und auf der Klassenebene kleine bis sehr hohe Korrelationen auf, was in etwa den Annahmen und dem Forschungsstand entspricht. Die ICC betrugen etwa zwischen 10% bis 20%, was die Notwendigkeit eines mehrebenenanalytischen Vorgehens unterstreicht.

Als statistisch relevanteste Prädiktoren für das individuelle Wachstum konnte die Anregung durch den Unterricht in der Klassenstufe fünf identifiziert werden. Auf der Ebene der Klasse wurde hingegen ein negativer Effekt zwischen der Dimension der Strukturiertheit und dem Leistungszuwachs beobachtet.

Es wird argumentiert, dass es sich bei diesem negativen Effekt weniger um eine Vorhersage geringen Lernwachstums im Fach Englisch durch strukturierten Unterricht handelt, als um einen Effekt, den die leistungsspezifische Klassenkomposition auf das Unterrichtshandeln der Lehrkraft hat. Zukünftige Ansätze zu der Analyse der Unterrichtsqualität im Fach Englisch in der Sekundarstufe I werden vor dem Hintergrund der (un-)Möglichkeit der Aggregation von Schülerurteilen und der inhaltlichen Frage nach der Anpassung des professionellen Handelns von Lehrkräften diskutiert.