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Sitzungsübersicht
Sitzung
M14–S16: Internalisierendes & externalisierendes Verhalten
Zeit:
Mittwoch, 25.03.2020:
14:30 - 16:15

Ort: S16

Präsentationen

Prediction of School-Relevant Outcomes with Broadband and Narrowband Dimensions of Internalizing and Externalizing Behavior Using the Child and Adolescent Version of the Strengths and Difficulties Questionnaire

Moritz Börnert-Ringleb1, Jürgen Wilbert2, Robert Schlack3, Pawel R. Kulawiak2

1Leibniz Universität Hannover, Deutschland; 2Universität Potsdam, Deutschland; 3Robert Koch Institut, Deutschland

Children’s internalizing and externalizing behavior is considered a risk factor for students’ social and academic well-being (Baker, Grant, & Morlock, 2008). Teachers and school psychologists thus play an important role in supporting students with behavioral problems. In educational settings, it is therefore important to identify these students adequately (Wingenfeld, 2002). Among others, the Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) (Goodman, 1997) is a frequently applied screening tool for behavioral and emotional problems in children in educational practice and research (e.g. Metsäpelto et al., 2017). Nevertheless, there is an ongoing controversy regarding the factor structure of the SDQ (e.g. DeVries, Gebhardt, & Voß, 2017). Originally, the 25 items of the SDQ can be grouped into the narrowband subscales of emotional symptoms, peer problems, conduct problems, hyperactivity, and prosocial behavior (Goodman, 1997). However, the subscales for emotional symptoms and peer problems may be combined to the broadband scale of internalizing behavior and the subscales of hyperactivity and conduct problems to the broadband scale externalizing behavior (A. Goodman, Lamping, & Ploubidis, 2010). Empirical evidence concerning the superiority of the narrowband scales of behavior in the prediction of educational outcomes is lacking.

In the present study, therefore, we would like to further describe how behavioral and emotional problems, measured by means of the different self-report SDQ scores (broadband vs. narrowband), are associated with school-relevant outcomes, such as measures of academic success (grades), well-being (school, friends, and family), and personal protective factors (self-esteem and self-efficacy). More specifically we want to examine whether the described narrowband subscales are superior to the broadband subscale with regard to the prediction of the aforementioned school-relevant outcome variables.

Method

The present sample includes children and adolescents in grades 5 to 9 (N = 4654) and results from the representative German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents (KiGGS study). To judge the statistical predictive performance of the different subscales of the SDQ, a regression model with the broadband subscale was compared to a regression model with both underlying narrowband subscales jointly as predictors in one regression model. This model comparison was conducted with regard to each predicted school-relevant outcome variable (academic success (German and math grade); well-being in school, friends, and family (KINDL-R, Ravens-Sieberer & Bullinger, 2000, 2019); personal protective factors (self-esteem and self-efficacy; Schwarzer & Jerusalem, 1995, 2019))

Results and Discussion

The results do not suggest a superiority of the broadband subscales of the SDQ with regard to prediction of the school-relevant outcomes. This was true both for the internalizing as well as for the externalizing behavior subscales. The broadband scale for internalizing behavior outperforms the narrowband scales in the prediction of general self-efficacy and self-esteem. The same holds true for the prediction of the KINDL-R subscales school and self-esteem, as well as for the prediction of the German grade, where the externalizing subscale shows the best model fit. At any rate, in all cases where a continuous broadband scale outperforms the underlying narrowband scales, the difference in AIC values between the models is less than 3, i.e. the models with narrowband scales are almost as good as the models with the broadband scales.

With regard to the internalizing behavior subscale, the use of sum scores for the narrowband subscales of emotional symptoms and peer problems is more informative with respect to the range of predicted outcomes. E.g., the models using the narrowband scales indicate that there are differences between emotional symptoms and peer problems with regard to their effect on different outcome variables. This information is not depicted through the use of the broadband subscale of internalizing behavior, which might therefore lead to a loss of information.



Zusammenhang von externalisierenden und internalisierenden Verhaltensprobleme mit Freundschaften von Schüler*innen an inklusiven Schulen und Förderzentren

Karolina Urton1, Johanna Krull1, Jürgen Wilbert2, Thomas Hennemann1

1Universität zu Köln; 2Universität Potsdam

Für eine positive kognitive und emotional-soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gelten Freundschaften mit Gleichaltrigen und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Peergruppe als besonders bedeutsam (Kessels & Hannover, 2015; Male, 2007; Siegler et al., 2016). Aktuelle Untersuchungen zur sozialen Eingebundenheit von Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf (SPU) weisen darauf hin, dass Kinder mit SPU an inklusiven Schulen schlechter sozial integriert sind als ihre Mitschüler*innen ohne SPU (Avramidis, 2010, 2012; Huber & Wilbert, 2012; Nepi et al., 2015). Diese Befunde bestätigen sich auch hinsichtlich der Freundschaftsbeziehungen. So wiesen Schüler*innen mit SPF eine geringere Anzahl an wechselseitigen Nominierungen als ihre Mitschüler*innen ohne SFB auf (Henke et al., 2017; Hofmann et al., submitted; Koster et al., 2010; Pijl et al., 2008). Bei einer differenzierten Betrachtung der sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfe zeigt sich, dass Schüler*innen mit Verhaltensproblemen von einem erhöhten Ausgrenzungsrisiko betroffen sind (Krull et al., 2014, 2018). Forschungsdesiderata bestehen allerdings hinsichtlich einer differenzierte Betrachtung der Anzahl von Freundschaften in Abhängigkeit von der Art und dem Ausprägungsgrad schulischen Problemverhaltens (internalisierend und externalisierend) sowie der Berücksichtigung des schulischen Kontextes. Dementsprechend verfolgt unsere Studie das Ziel, den Einfluss externalisierenden und internalisierenden schulischen Problemverhaltens im Hinblick auf die Anzahl von Peer-Freundschaften an inklusiven Schulen und Förderzentren zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurden Daten von 1526 Schüler*innen aus 84 Klassen der Klassenstufen 1-4 von 14 Schulen analysiert. Die Erfassung von Freundschaftsbeziehungen erfolgte auf Basis einer soziometrischen Peer-Befragung (Moreno, 1996). Das schulische Problemverhalten wurde mittels einer Fremdbeurteilung durch die Klassenlehrkraft anhand der deutschen Version der Integrated Teacher Report Form (ITRF-G; Volpe & Fabiano, 2013; Volpe et al., 2018) erhoben, welche im Bereich des externalisierenden schulischen Problemverhaltens zwischen den Subskalen oppositionelles Verhalten und problematisches Lernverhalten sowie im Bereich des internalisierenden schulischen Problemverhaltens zwischen den Subskalen sozialer Rückzug und ängstlich-depressivem Verhalten differenziert (Volpe et al., under review). Um die genesteten Datenstruktur zu berücksichtigen, erfolgte die Datenanalyse anhand von Mehrebenenregressionsmodellen. Die Befunde weisen darauf hin, dass Schüler*innen mit externalen und internalen Verhaltensproblemen bedeutsam weniger Freundschaften in der Klasse haben und das die Anzahl der Freundschaften sich des Weiteren mit der Zunahme des eingeschätzten Problemverhaltens verringert. Weiterhin geben die Ergebnisse einen Hinweis darauf, dass die Anzahl der Freundschaften in Abhängigkeit von der Klasse (ICC = 0.24 - 0.26) wie auch der Schulform variiert. Bezogen auf die Schulform zeigt sich, dass Schüler*innen an inklusiven Schulen weniger Freundschaften als an Förderschulen aufweisen. Wenn man darüber hinaus noch das internalisierende und externalisierende Problemverhalten in die Analysen einbezieht ergibt sich, dass Schüler*innen die als oppositionell von der Lehrkraft eingeschätzt werden keinen Unterschied in der Anzahl der Freundschaften in Abhängigkeit von der Schulform aufweisen. Für Schüler*innen mit stark problematischem Lernverhalten und einer erhöhten Ausprägung im Bereich des sozialen Rückzugs lässt sich allerdings ein Unterschied zwischen den Schulformen ausmachen, welcher darin besteht, dass Schüler*innen an inklusiven Schulen bedeutsam weniger Freundschaften aufweisen. Für ängstlich-depressive Verhaltensauffälligkeiten scheint sich hingegen ein umgekehrter Effekt abzubilden. Im Rahmen des Vortrages werden die Ergebnisse kritisch diskutiert und Ansatzpunkte für die weitere Forschung sowie die schulische Praxis beleuchtet.



Bullying-Viktimisierung in der Schule: Sind hochleistende Jungen besonders gefährdet?

Sebastian Bergold1, Heike Wendt2, Daniel Kasper3, Ricarda Steinmayr1

1TU Dortmund; 2Universität Graz; 3Universität Hamburg

Aus bisherigen Studien ist bereits bekannt, dass sich Bullying-Viktimisierung negativ auf Schulleistungen auswirkt (z.B. Buhs, Ladd & Herald, 2006; Ladd, Ettekal & Kochenderfer-Ladd, 2017). Wir postulieren, dass sich Schulleistung unter bestimmten Umständen jedoch auch auf Bullying-Viktimisierung auswirken kann. Schon länger wird vermutet, dass dort, wo Hochleistung nicht der Peer Group-Norm entspricht, Schülerinnen und Schüler (SuS) mit ungewöhnlich hoher Schulleistung einem erhöhten Viktimisierungsrisiko im Vergleich zu SuS mit durchschnittlicher Leistung ausgesetzt sein könnten (s. Olweus, 1978; Schwartz, Gorman, Nakamoto & Toblin, 2005). Peer Group-Normen bezüglich schulischen Verhaltens sind zumindest in westlichen Ländern geschlechtsspezifisch (Jones & Myhill, 2004; Van Houtte, 2004), Schule und schulisches Engagement eher feminin konnotiert (Heyder & Kessels, 2013). Schulisches Engagement ist somit kongruent mit der weiblichen und inkongruent mit der männlichen Geschlechterrolle (s. auch Heyder & Kessels, 2015, 2017) und verletzt damit die männliche, nicht jedoch die weibliche Peer Group-Norm. Nach der Rollenkongruenztheorie (Eagly & Karau, 2002) wird mit dem Geschlechtsrollenstereotyp inkongruentes Verhalten von den Peers abgewertet. Experimentelle Studien zeigten bereits, dass sich bei Jungen hohes schulisches Engagement negativ und Störverhalten im Unterricht positiv auf die Beliebtheit bei Peers auswirkt, während dies für Mädchen nicht zutrifft (Heyder & Kessels, 2014; Rentzsch, Schütz & Schröder-Abé, 2011). Hochleistende Jungen (jedoch nicht hochleistende Mädchen) könnten daher aufgrund ihres Verstoßes gegen die geschlechterspezifische Peer Group-Norm einem höheren Viktimisierungsrisiko ausgesetzt sein als hochleistende Mädchen.

In dieser Studie untersuchten wir das Viktimisierungsrisiko von Jungen und von Mädchen unterschiedlicher Leistungsgruppen. Hierzu nutzten wir für Deutschland repräsentative Daten von N = 3928 Viertklässlerinnen und Viertklässlern (Alter: M = 10.36 J., SD = 0.51; 1946 Mädchen) aus den kombinierten TIMSS- und PIRLS-Erhebungen 2011. Bullying-Viktimisierung wurde in TIMSS/PIRLS 2011 mit der Students Bullied at School Scale erfasst, die aus sechs Items besteht (z.B. „Jemand hat Lügen über mich erzählt“), welche auf einer vierstufigen Skala beantwortet werden (1 = Nie, 2 = Wenige Male im Jahr, 3 = Ein- oder zweimal im Monat, 4 = Mindestens einmal die Woche) (s. Martin & Mullis, 2012). Die interne Konsistenz betrug α = .76 für beide Geschlechter. Schulleistung wurde über die bei TIMSS/PIRLS eingesetzten Leistungstests in den Domänen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften operationalisiert. Diese bestanden aus zwölf Lesepassagen mit insgesamt 146 Items, 180 Mathematikitems und 206 Naturwissenschaftsitems, die in einem randomisierten Multi-Matrix-Design vorgegeben wurden. Mit einer latenten Profilanalyse identifizierten wir zunächst anhand der Testleistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften Leistungsgruppen. In weiteren Schritten nahmen wir zunächst Viktimisierung und anschließend das Geschlecht in das Modell auf. Das Viktimisierungsrisiko bestimmten wir über das Relative Risiko (RR) und Odds Ratio (OR).

Die identifizierten Leistungsgruppen unterschieden sich ausschließlich in ihrem Fähigkeitsniveau über die Domänen hinweg, die Leistungen in allen drei Kompetenztests stiegen von Gruppe zu Gruppe kontinuierlich und konsistent an. Wir beobachteten keine weiteren systematischen Muster. Domänenspezifische Zusammenhänge von Viktimisierung mit Leistung und Geschlecht waren somit nicht erwartbar. Eine Betrachtung der Ergebnisse zunächst ohne Geschlecht ergab einen negativen Zusammenhang zwischen Leistungsniveau und Viktimisierung. Bei Miteinbezug des Geschlechts zeigten sich jedoch differenziertere Ergebnisse. Sowohl in der Gruppe der Höchstleistenden als auch in der leistungsschwächsten Gruppe war das Viktimisierungsrisiko für Jungen deutlich höher als für Mädchen (leistungsstärkste Gruppe: RR = 1.52, OR = 1.91; leistungsschwächste Gruppe: RR = 1.23, OR = 2.13), während sich in den anderen Leistungsgruppen entweder keine substantiellen Risikounterschiede zwischen den Geschlechtern oder ein etwas höheres Risiko für Mädchen zeigte (0.83 ≤ RR ≤ 1.12, 0.66 ≤ OR ≤ 1.23). Interventionsmöglichkeiten zur Entstigmatisierung hochleistender Jungen, die Prävalenz von Bullying-Viktimisierung, Limitationen der Studie und zukünftige Forschungsfragen werden diskutiert.