Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
Sitzungsübersicht
Sitzung
F11‒S12: Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung – Zur Rolle der Überzeugungen pädagogischer Fachkräfte für die Implementation von digitalen Medien in der Praxis
Zeit:
Freitag, 27.03.2020:
11:15 - 13:00

Ort: S12

Präsentationen

Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung – Zur Rolle der Überzeugungen pädagogischer Fachkräfte für die Implementation von digitalen Medien in der Praxis

Chair(s): Franziska Cohen (Otto-Friedrich-Universität Bamberg), Poldi Kuhl (Leuphana Universität Lüneburg)

DiskutantIn(nen): Eva Reichert-Garschhammer (Staatsinstitut für Frühpädagogik Bayern)

Digitale Medien gehören mittlerweile zur Lebensrealität von fast allen Familien und Kindern in Deutschland. Neben dem häuslichen Umfeld spielen bis zum Schuleintritt auch Kindertageseinrichtungen (Kitas) in Bezug auf die Bildung, Erziehung und Betreuung eine zentrale Rolle im Leben von nahezu allen Kindern. Kitas sind dementsprechend zum einen ein weiteres Umfeld, das Erfahrungen und Lerngelegenheiten im Umgang mit „Information and Communication Technology“ (ICT) und ICT-unterstützten Lernprozessen bieten kann. Zum anderen sind Kitas auch ein Arbeitsumfeld, in dem zunehmend digitale Technologien als Werkzeuge für die pädagogische Arbeit relevant werden. Dass digitale Medien bereits selbstverständlich zum häuslichen Lebensumfeld und damit zur Lebensrealität der Kinder und Fachkräfte gehören, bedeutet jedoch nicht, dass diese in den vorschulischen Bildungseinrichtungen bereits einen entsprechenden Platz gefunden hätten (Feierabend, Plankenhorn & Rathgeb, 2015). Professionelle Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften gelten als wichtige Voraussetzungen für die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Lerngelegenheiten in frühkindlichen Bildungseinrichtungen (Fröhlich-Gildhoff et al. 2011) u.a. auch im Hinblick auf den Einsatz von ICT im pädagogischen Alltag (Caena, Redecker, 2019). Studien weisen darauf hin, dass die Nutzung von digitalen Technologien in pädagogischen Kontexten von zwei Aspekten abhängt: der Ausstattung und den professionellen Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte (Knezek et al. 2013),die auch ihre Einstellungen gegenüber der Nutzung digitaler Medien in der pädagogischen Praxis umfassen (Christensen & Knezek, 2008; Teo, 2010). Auf letztere soll im Rahmen des Symposiums besonders eingegangen werden.

Die Einstellungen und Überzeugungen sind, neben den Wissenskomponenten und motivationalen Aspekten, Teil der professionellen Handlungskompetenz von pädagogischen Fachkräften (Fröhlich-Gildhoff, Nentwig-Gesemann & Pietsch, 2014, Kunter et al., 2011). Brüggemann (2013) zeigte, dass Kitafachkräfte dem Einsatz digitaler Medien in der Kita insgesamt eher kritisch gegenüber eingestellt sind. Digitale Technologien werden vor allem dann in Kitas positiv bewertet und genutzt, wenn sie als Werkzeuge zweckrational eingesetzt werden, z.B. um Vorbereitungen zu erleichtern. Auch wenn damit erste Ansatzpunkte zur Implementation von digitalen Medien in Kitas vorliegen; mangelt es derzeit noch an umfassenden und belastbaren empirischen Befunden zu den Vorerfahrungen und Überzeugungen der pädagogischen Fachkräfte zur Nutzung von ICT im pädagogischen Alltag in Kitas .

An diesem Forschungsdesiderat setzt das vorliegende Symposium an und trägt quantitative und qualitative Beiträge zur Professionalisierung der Fachkräfte und insbesondere deren Haltungen, Einstellungen und Erfahrungen mit der Implementation von ICT in Kitas zusammen. Mit diesem Fokus fügt sich das Symposium sehr gut in den thematischen Kontext der GEBF-Tagung mit dem Schwerpunkt im Bereich Digitalisierung ein.

Der erste Beitrag untersucht unter Anwendung einer qualitativen Inhaltsanalyse von Kitafachzeitschriften, welche geteilten Überzeugungen die Fachdisziplin „Frühpädagogische Fachkräfte“ zur Implementierung von digitalen Medien in Kitas aufweist. Hierbei werden sowohl negative als auch positive Haltungen gegenüber digitalen Medien herausgearbeitet und in ihrer Begründung diskutiert.

Der zweite Beitrag bezieht sich auf die individuellen Einstellungen frühpädagogischer Fachkräfte und Eltern zur Nutzung von digitalen Medien in Kindertageseinrichtungen. In dieser quantitativen Studie werden das Nutzungsverhalten und die Einstellungen von Eltern und Fachkräften kontrastiert und im Hinblick auf Implikationen für die pädagogische Praxis diskutiert.

Der dritte Beitrag geht der Frage nach, wie die Nutzung von Dokumentationsapps die Arbeit der Erzieher/-innen beeinflusst. In leitfadengestützten Interviews wurden digitale Technologien als Werkzeug für den Beobachtungs- und Dokumentationsauftrag von Kitas reflektiert. Mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse werden die Beweggründe der Nutzung bzw. Nicht-Nutzung von Dokumentationsapps eruiert. Zudem werden die von Kita-Leitungen sowie Erzieher/-innen wahrgenommenen Chancen und Risiken digitaler Dokumentationsapps für die Verbesserung von Arbeitsabläufen diskutiert.

Die Beiträge werden in einer abschließenden Diskussion aufeinander bezogen und im Hinblick auf ihren Beitrag für die (Weiter)Entwicklung digitalisierungsbezogener professioneller Handlungskompetenzen von pädagogischen Fachkräften in der frühkindlichen Bildung eingeordnet.

 

Beiträge des Symposiums

 

Geteilte Überzeugungen frühpädagogischer Fachkräfte zu digitalen Medien in Kindertagesstätten - eine Dokumentenanalyse

Stefanie Pietz, Franziska Cohen, Yvonne Anders
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Theoretischer Hintergrund

In Folge des digitalen Wandels ist sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf wissenschaftlicher Ebene eine kontroverse Debatte über die Implementierung von digitalen Medien im frühpädagogischen Bereich, insbesondere zum Einsatz in Kindertagesstätten (Kita) entstanden. Zum einen werden negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung sowie eine Verdrängung analoger Spielformen befürchtet (Bolstad, 2004). Zum anderen wachsen Kinder in einer digital geprägten Welt auf und nutzen ICT ganz selbstverständlich in ihrem Alltag (Aufenanger, 2014). Die Kita bildet -neben der Institution Familie- in der Entwicklung des Kindes einen unmittelbaren Lebensbereich, der Einfluss auf diese nimmt (Bronfenbrenner, 1981). Die Qualität der pädagogischen Arbeit in Kitas, insbesondere die Struktur-, Orientierungs- und Prozessqualität, ist ein entscheidendes Kriterium für positive Zusammenhänge zwischen der Kindertagesbetreuung und kindlicher Entwicklung (Kluczniok & Roßbach, 2014). Einstellungen und Überzeugungen von frühpädagogischen Fachkräften werden der Orientierungsqualität zugeordnet und sind eine elementare Voraussetzung für professionelles Handeln in frühpädagogischen Alltagssituationen. Sie prägen im Wesentlichen die Handlungsplanung und -bereitschaft bzgl. Bildungsprozessen im allgemeinen und den Einsatz digitaler Medien im Besonderen und bilden damit eine zentrale Voraussetzung für die Bewältigung der beruflichen Anforderungen (Fröhlich-Gildhoff et al. 2011) und qualitativ hochwertige pädagogischen Prozesse (Anders, Roßbach 2015). Es ist davon auszugehen, dass sich Überzeugungen je nach Bildungsbereich unterscheiden können (Steffensky, Anders, Barenthien et al. 2017). Zum Aufbau von Überzeugungen greifen Fachkräfte auf unterschiedliche Strategien zurück (z.B. Praxiserfahrungen, Kollegen). Praxisfachzeitschriften stellen eine weitere Quelle für die Ausbildung von Überzeugungen dar. Sie repräsentieren in diesem Sinne das kollektive Selbstverständnis der Profession. Bisher gibt es jedoch nur wenig Forschung zu den geteilten Überzeugungen der Fachkräfte im Umgang mit digitalen Medien.

Fragestellung

Diese theoretischen Konzeptionen bilden die Ausgangslage für folgende Fragestellung: Welche geteilten Überzeugungen hat die Fachdisziplin zur Implementierung von digitalen Medien in Kitas? Hierbei werden sowohl negativ geprägte Haltungen als auch positive Haltungen gegenüber digitalen Medien herausgearbeitet. Mithilfe einer Dokumentenanalyse soll ein vertiefender Einblick in den Diskurs der geteilten Überzeugungen gewonnen werden.

Methode

In den acht auflagenstärksten deutschsprachigen praxisorientierten Fachzeitschriften wurden zwischen 2013 und 2019 234 Texte identifiziert, die den Einsatz digitaler Medien im Kontext Kita thematisieren. Die Artikel umfassen verschiedene Arten von Texten, die von medienpädagogischen Praxisberichte über Hinweise zum Thema Datenschutz im Kindergarten bis hin zu Positionsartikeln und argumentativen Artikeln bezüglich des Einsatzes von digitale Medien in Kitas reichen. Die Auswertung erfolgt nach einem Mixed-Method-Ansatz. Mithilfe der Inhaltsanalyse (Mayring, 2015) wurde das gesamte Textmaterial in MAXQDA mittels deduktiver und induktiver Kodierung anschließend sowohl qualitativ als auch quantitativ analysiert. Die quantitative Analyse gibt unter anderem Einblick in die zeitliche Entwicklung der Debatte. Die qualitative Analyse sieht die geteilten Überzeugungen der Fachcommunity im Fokus. Hierbei werden unter anderem wertende Aussagen zu Digitalisierung in der Kindheit sowie Kita, die Rolle der Fachkraft in Interaktionen mit Kindern, Emotionen und Motivationen von Fachkräften sowie an sie gerichtete Erwartungen und Aussagen zum Stellenwert digitaler Medien untersucht. Um eine hohe Auswertungsqualität sicherzustellen erfolgte der Kodierprozess durch mehrere Kodierer*innen. Es kann eine Intercoderreliabilität von Kappa (BP) =.91 berichtet werden, die als ausgezeichnet einzuschätzen ist (Bortz & Döring, 2006).

Ergebnisse

Mit Blick auf die geteilten Überzeugungen wird deutlich, dass sich negativ konnotierte Aussagen stark auf den Verdrängungsaspekt analoger Erlebnisse und deren negative Folgen auf die kindliche Entwicklung, fokussieren. Darüber hinaus wird die Kindertagesstätte als Schonraum verstanden, in dem Kinder vor digitalen Medien und deren Einflüsse bewahrt werden sollen. Positive Haltungen sehen im Einsatz digitaler Medien eine Erweiterung bzw. Unterstützung der kindlichen Bildungs-und Lernprozesse. Dabei wird von Fachkräften erwartet, dass sie in der Lage sind digitale Medien situations- und altersangemessen einzusetzen und eine stets begleitende und regulierende Rolle einzunehmen. Die erzielten Ergebnisse werden im Hinblick auf eine gelingende Implementierung im pädagogischen Alltag und professionelle Entwicklung von Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte diskutiert.

 

Nutzung digitaler Medien in Familien und Kinderkrippen

Karoline Rettenbacher1, Lars Eichen1, Sigrid Wimmer1, Helmut Karl Lackner2, Manuela Paechter1, Catherine Walter-Laager1
1Karl-Franzens-Universität Graz, 2Medizinische Universität Graz

Theoretischer Hintergrund

Der alltägliche Gebrauch digitaler Medien ist in allen gesellschaftlichen Bereichen stark verbreitet. Kinder kommen schon sehr früh mit digitalen Medien in Berührung (Marsh et al., 2015; Ofcom, 2014; Livingstone, 2014). Es kann sowohl für den deutschsprachigen als auch den anglo-amerikanischen Raum zusammengefasst werden, dass Bildschirmmedien, insbesondere Fernsehgeräte, bereits in den ersten Lebensjahren intensiv genutzt werden (Feierabend et al., 2015; Kabali et al., 2015). Die Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien auf die Entwicklung und Gesundheit von Kleinkindern ist jedoch bisher kaum erforscht.

Der Umgang mit digitalen Medien stellt Eltern und elementarpädagogische Fachpersonen vor spezifische Aufgaben. Dies gilt auch, weil die elterliche Nutzung von digitalen Medien das Medienverhalten junger Kinder beeinflusst (Plowman et al., 2012).

Die Fünf-Länder-Studie von Palaiologou (2016) zeigt, dass elementarpädagogische Fachpersonen (N = 920) sich zwar insgesamt kompetent im Umgang mit digitalen Medien fühlen, jedoch finden 65,4 % nicht ausreichend vorbereitet zu sein, um digitale Medien in die tägliche Praxis zu integrieren. Nur 32 % der elementarpädagogischen Fachpersonen (N = 203) fühlen sich sicher genug, um digitale Medien mit Kindern unter drei Jahren zu nutzen. Die Gründe dafür sind unter anderem die persönlichen Einstellungen der elementarpädagogischen Fachpersonen, dass Kleinkinder keine digitalen Medien verwenden sollten (51 %) und die Sorge den Kindern damit zu schaden (39 %) (Hatzigianni & Kalaitzidis, 2018). Weitere Ergebnisse legen nahe, dass das Alter der Kinder und der Zugang der Kinder zu digitalen Medien zu Hause die Einstellungen der elementarpädagogischen Fachpersonen zur Nutzung digitaler Medien im pädagogischen Alltag beeinflussen (Mertala, 2019).

Entsprechend kann unter anderem vermutet werden, dass die Mediennutzung in der Familie mit jener in den elementarpädagogischen Einrichtungen zusammenhängt.

Fragestellung

Im Gesamtprojekt „Kinder in der digitalen Welt“ wird untersucht, wie sich die Nutzung digitaler Medien auf die Entwicklung und Gesundheit von Kleinkindern auswirkt. Zudem wird die Mediennutzung und -erziehung in Familien und Kinderkrippen untersucht.

Im Symposiumsbeitrag werden explorativ Ergebnisse zu folgenden Forschungsfragen präsentiert:

1. Wie häufig und aus welchen Gründen werden digitale Medien durch die elementarpädagogischen Fachpersonen genutzt?

2. Wie bewerten Eltern im Vergleich zu elementarpädagogischen Fachpersonen die Nutzung digitaler Medien durch Kinder?

Methode

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden mittels Fragebogen von N = 126 teilnehmenden Personen Daten erfasst. Diese teilen sich in zwei verbundene Stichproben österreichischer Familien (N = 69; Alter: M = 35 Jahre; SD = 5,9) und elementarpädagogischen Fachpersonen (N = 57; Alter: M = 31 Jahre, SD = 10,1; Berufserfahrung: M = 10,5, SD = 9,9) auf.

Für Fragestellung 1 gaben die Fachpersonen für eine Liste von digitalen Medien an, wie häufig sie diese mit den Kindern nutzen (Skala sechsfach abgestuft von nie bis täglich). Weitere standardisierte Fragen erfassten die Verankerung und den Einsatz digitaler Medien in der Kinderkrippe.

Für Fragestellung 2 wurden dieselben Medien von Eltern und Fachpersonen in Bezug auf die Nutzung durch ihre Kinder bewertet (sechsstufige Skala von 1 = sehr negativ bis 6 = sehr positiv) (Six & Gimmler, 2007).

Ergebnisse

Fragestellung 1: Rund die Hälfte der befragten Fachpersonen (49,1 %) gab an, das Radio täglich mit den Kindern zu nutzen, um mit Kindern Musik anzuhören. 3,5 % der Fachpersonen gaben an, dass die Medienerziehung in der Konzeption der Einrichtung verankert ist. Etwas über die Hälfte der Fachpersonen (50,9 %) lehnen den Einsatz von digitalen Medien in der Kinderkrippe vollständig ab. Deckungsgleich mit bisherigen Ergebnissen (Palaiologou, 2016) beschreiben Fachpersonen (57,2 %), dass es ihnen an digitalen Medien fehlt.

Fragestellung 2: Die elementarpädagogischen Fachpersonen (M = 2.32, SD = .68) bewerten den Einfluss von digitalen Medien auf das Kind signifikant negativer als die Eltern (M = 2.81, SD = .68) (t122 = 3.99, p < .001). Die Effektstärke liegt bei r = .34 im mittleren Bereich.

 

Chancen und Risiken der Nutzung von Dokumentationsapps in Kindertagesstätten

Herrad Schönborn, Poldi Kuhl
Leuphana Universität Lüneburg

Theoretischer Hintergrund

Die Dokumentation der kindlichen Entwicklung und des kindlichen Lernens, gilt als ein grundlegender Bestandteil professionellen pädagogischen Handelns von Erzieher/-innen und soll dazu beitragen, die Qualität der Arbeit in Kitas zu sichern (Knauf 2019). Die Dokumentation qualitativ hochwertig durchzuführen, stellt die Kitas vor große Herausforderungen. Sie bedeutet einen hohen Zeitaufwand, der für einen Großteil der pädagogischen Fachkräfte im Rahmen der regulären Arbeitszeit nur schwer zu bewältigen ist (Viernickel et al. 2013). Inzwischen werden für die Dokumentation auch Dokumentationsapps verwendet, was kontrovers diskutiert wird. Einerseits besteht die Annahme, dass die Nutzung dieser Apps Unterstützung bietet, da die Dokumentation besser in den Kitaalltag integriert und zeitsparender durchgeführt werden könne (Bostelmann et al. 2017; Lepold & Ullmann 2018). Andererseits werden die Verflachung der Dokumentation, die Verletzung ethischer Aspekte und Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien befürchtet (Knauf 2019; Lepold & Ullmann 2018). Zu den primär theoretisch geführten Kontroversen liegen bislang nur wenige Forschungsergebnisse vor (Knauf 2015; Burghardt & Knauf 2015). So gibt es kaum Forschung dazu, in welchem Umfang Dokumentationsapps genutzt werden und welche Chancen und Risiken pädagogische Fachkräfte mit ihrer Nutzung verbinden. Eine Online-Befragung zu digitaler Dokumentation in Kitas weist darauf hin, dass Dokumentationsapps in der Mehrheit der Kitas wenig bekannt sind und nur selten genutzt werden (Schönborn & Kuhl, 2018). Die genauen Beweggründe der Nutzung bzw. Nicht-Nutzung sind jedoch bislang kaum erforscht. Hier setzt der vorliegende Beitrag an und geht folgenden Fragen nach:

Fragestellungen

1. Wie begründen Kita-Leitungen und Erzieher/-innen die derzeit genutzte Dokumentationsform?

2. Was sind, aus Sicht von Kita-Leitungen und Erzieher/-innen, wahrgenommene Chancen und Risiken der Nutzung von Dokumentationsapps?

Methode

Die Datengrundlage für die Untersuchung bilden leitfadengestützte Interviews, die mit einer Auswahl der Kitas geführt wurden, die an der o.g. Online-Befragung teilgenommen haben (Schönborn & Kuhl, 2018). Im Sinne einer kontrastierenden Fallauswahl wurden gezielt Kitas kontaktiert, die ausschließlich digital mit einer App oder in Mischform (analog/digital) dokumentieren. Die Fragen des Leitfadens für die Kita-Leitungen (n=7) sowie je zwei Erzieher/-innen der Kitas (n=14) greifen kita-spezifisch Aspekte aus der Online-Befragung auf und gehen vertiefend auf diese ein. Die Interviews wurden von Dezember 2018 bis März 2019 durchgeführt und mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016) in MAXQDA ausgewertet.

Ergebnisse

Im Hinblick auf die erste Forschungsfrage nach den Begründungen der derzeit verwendeten Dokumentationsform zeigte sich, dass Kita-Leitungen nicht alleine entscheiden können, ob in ihrer Kita Dokumentationsapps verwendet werden. Der Träger spielt bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle. Solange dieser die App nicht zulässt bzw. finanziert, scheitert die Implementierung, auch wenn viele der Befragten an sich motiviert sind, mit Dokumentationsapps zu arbeiten und dies als zeitgemäß betrachten. Andere Befragte sehen keinen Mehrwert in der Verwendung von Dokumentationsapps oder äußerten die Sorge, mit diesen nicht umgehen zu können.

In Bezug auf die zweite Fragestellung nach den wahrgenommenen Chancen und Risiken der Nutzung von Dokumentationsapps unterschieden sich Kitas, die mit oder ohne App dokumentierten. Beide nannten sowohl Vor- als auch Nachteile, allerdings überwogen bei den Kitas, die bereits mit Apps dokumentieren, die Vorteile. Insbesondere betont wurde die Beschleunigung bestimmter Arbeitsschritte, besonders kritisiert hingegen die Abhängigkeit von der Technik.

Im Vortrag sollen die Ergebnisse vertiefend dargestellt und ausblickend diskutiert werden, wie weitere Forschung einen Beitrag dazu leisten kann, Prozesse der Etablierung digitaler Dokumentationsapps zu evaluieren und evidenzbasiert zu ihrem Gelingen beizutragen.