Conference Agenda
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C1: Epistemische Kompetenzen (in German)
Organised by Bettina Bussmann (University of Salzburg), David Lanius (Karlsruhe Institute of Technology).
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| Session Abstract | ||
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Globale Herausforderungen wie die Schwächung der Demokratie, die drohende Klimakrise und die digitale Transformation und eine damit einhergehende Disruption der öffentlichen Diskurse und epistemische Krise lassen neue Kompetenzen auf Seiten der Bürger:innen notwendig werden. Wie können sie wahre Überzeugungen ausbilden, wenn ihre Lebenswelt durch eine stark ansteigende Informationsfülle und Komplexität geprägt ist, in der es auch für erkenntnisinteressierte Menschen zunehmend schwieriger wird, Desinformation, Verschwörungstheorien und Wissenschaftsleugnung zu erkennen und von zuverlässigen Nachrichten, Studien oder Expert:innen zu unterscheiden? Welches Wissen benötigen wir für die Analyse und Beantwortung philosophischer Fragen, die nicht unabhängig von lebensweltlichen Herausforderungen gedacht werden können? Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es epistemischer Kompetenzen. Das Kolloquium widmet sich der Frage, wie epistemische Kompetenzen aus einer fachphilosophischen und aus einer philosophiedidaktischen Perspektive verstanden werden sollten. Obwohl der Begriff der epistemischen Kompetenz in der Literatur zunehmend wichtiger wird, ist bislang noch unterbeleuchtet, welcher Art von Wissen und Fähigkeiten epistemische Kompetenzen überhaupt umfassen. Dies gilt es zu klären, bevor didaktische und bildungswissenschaftliche Fragen zur Entwicklung epistemischer Kompetenzen sinnvoll beantwortet werden können. Vor allem in der Philosophiedidaktik wird epistemische Kompetenz bislang primär mit Blick auf wissenschaftstheoretische Erkenntnisse verstanden, die nötig sind, um wissenschaftliche Aspekte der Lebenswelt von Schüler:innen in die philosophische Unterrichtspraxis zu integrieren. Hier lohnt sich möglicherweise eine Ausweitung des Begriffs auf andere Erkenntnisquellen, wie etwa journalistische Expert:innen, um dann besser untersuchen zu können, welchen Beitrag philosophische Bildung in Schulen und anderen öffentlichen Räumen zur Entwicklung epistemischer Kompetenzen leisten kann, um Bürger:innen in die Lage zu versetzen, der Disruption öffentlicher Diskurse und epistemischen Krisen besser zu begegnen. Programm: Das Kolloquium hat das Ziel, den Begriff der epistemischen Kompetenz philosophisch weiter zu fundieren und aktuelle Probleme zu benennen, die wir in der Lehre und in öffentlichen Diskursen vorfinden. Diese Vorarbeiten sind wichtig, um ein tragfähiges Fundament für die erfolgreiche Anwendung in Schulen, Hochschulen und anderen öffentlichen Räumen bereitzustellen. Dafür werden wir ein interaktives Format nutzen, bei dem die Vortragenden 10-Minuten-Inputs geben, die jeweils von 20-Minuten-Diskussionen gefolgt sind. Die Zwischenergebnisse werden wir festhalten und am Ende nochmals zur allgemeinen Diskussion stellen. Das Publikum wird über den ganzen Verlauf des Kolloquiums einbezogen. | ||
| Presentations | ||
Epistemische Kompetenzen aus der Perspektive einer Theorie von Fähigkeiten Humboldt-Universität zu Berlin, Germany In der Bildungsforschung ist ein Verständnis von Kompetenzen prominent, das Kompetenzen als Kombination aus erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und motivationalen Fähigkeiten und Bereitschaften auffasst, diese kognitiven Fähigkeiten zur Anwendung zu bringen (Klieme 2003; im Anschluss an Weinert 2001). Im Vortrag wird diese Auffassung mithilfe einer aktuellen Theorie von Fähigkeiten genauer ausbuchstabiert und auf epistemische Fähigkeiten angewandt. Dabei wird deutlich, dass den Bereitschaften eine nicht zu unterschätzende Rolle zukommt. Dimensionen epistemischer Kompetenz Universität Salzburg, Austria Angesichts der digitalen Transformation der Öffentlichkeit gewinnen epistemische Kompetenzen an Wichtigkeit. Dabei ist jedoch nicht klar, was diese sind, wie sie didaktisch konzeptualisiert werden können und wie man sie dann schulisch und außerschulisch vermitteln könnte. Die Ausgangsfrage ist: Welche Fähigkeiten hat eine epistemisch kompetente Person? Um diese Frage zu beantworten, greifen Anna Breitwieser und ich auf zwei bestehende Ansätze zurück, die erste Schritte zur Konzeptualisierung epistemischer Kompetenz unternommen haben. Nennen wir sie wissensbasierte Konzeption (in Anlehnung an Peterson et al., 2017) und reflexionsbasierte Konzeption (in Anlehnung an Bussmann & Kötter, 2019). Aufbauend auf ihren jeweiligen Stärken schlagen wir ein Kompetenzmodell epistemischer Kompetenz vor, das sowohl die Anwendung epistemischer Methoden als auch die Fähigkeit zu deren Reflexion integriert. Empirisch informiertes Philosophieren University of Salzburg, Austria Empirisch informiertes Philosophieren ist nicht der Standard im deutschsprachigen Philosophieunterricht und in der universitären (Lerhkräfte)Ausbildung. Falls doch, dann gibt es bis jetzt keine Debatte darüber, welche Herausforderungen sich dadurch stellen und welche Kompetenzen auf Lehrenden-und Studierendenseite gefördert werden müssen. Ich stelle anhand eines exemplarischen Beispiels das Problem vor und präsentiere empirische Daten aus einer repräsentativen Analyse von Unterrichtskonzeptionen aus den Jahren 2003-2024 der Zeitschrift für die Didaktik der Philosophie und Ethik. Affektive Lernziele mit kognitiver Relevanz Heinrich-Heine-University-Duesseldorf, Germany Die zunehmende mediale Präsenz von Pseudowissenschaft und Wissenschaftsleugnung (Christian and Gawel, 2024) sowie die Verbreitung von spezifischen Fehlinformationen, die das Vertrauen in Expertise beeinträchtigen (Hund, 2023; Nichols, 2024) plausibilisieren die Forderung nach einer Stärkung epistemischer Kompetenzen bei Laien. Vor diesem Hintergrund wird untersucht, ob epistemische Kompetenzen primär als kognitive Lernziele konzipiert werden sollten, was intuitiv richtig erscheinen mag. Es wird argumentiert, dass dieses Vorgehen bereits bei der Bearbeitung komplexer, normativ aufgeladener gesellschaftlicher Themen in der universitären Lehre an seine Grenzen stößt. Dies wird illustriert anhand von Debatten um genderkritischen Feminismus (Lawford-Smith, 2022, 2023; Lawford-Smith and Pepper, 2024), Transfeminismus (Jenkins, 2023; Chappell, 2024; Bettcher, 2025) und heterodoxer Sozialkritik (McWhorter, 2021; Neiman, 2023; al-Gharbi, 2024). Es wird These vertreten, dass epistemische Kompetenzen in hohem Maße von Fähigkeiten abhängen, die eher dem affektiven Lernbereich zugeordnet werden sollten, wie intellektuelle Demut, Offenheit für Dissens und die Fähigkeit zur Affektregulierung. | ||