Conference Agenda
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W07: Hoffnung, Verzweiflung und Zeitbezug
Dieser Workshop befasst sich mit Hoffnung, Verzweiflung und deren Zeitbezug. Menschliches Handeln ist konstitutiv auf eine kontingente Zukunft gerichtet, die man nie ganz in der Hand hat. Zu dieser Unverfügbarkeit kann man sich hoffend oder verzweifelnd verhalten, selten auch indifferent. Der Workshop will Natur und normative Dimension dieser Einstellungen thematisieren.
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| Session Abstract | ||
AbstractDieser Workshop befasst sich mit Hoffnung, Verzweiflung und deren Zeitbezug. Menschliches Handeln ist konstitutiv auf eine kontingente Zukunft gerichtet, die man nie ganz in der Hand hat. Zu dieser Unverfügbarkeit kann man sich hoffend oder verzweifelnd verhalten, selten auch indifferent. Der Workshop will Natur und normative Dimension dieser Einstellungen thematisieren, einschließlich der Frage, welche davon und in welchem Ausmaß in der heutigen von Krisen und Brüchen gezeichneten Welt angemessen sind. Programm09:00 Begrüßung 09:10 – 10:25 Claudia Blöser (Universität zu Köln): Hoffnung als ethischer Standard 10:25 – 10:35 Pause 10:35 – 11:50 Dorothea Debus (FAU Erlangen-Nürnberg): Shaping Our Mental Lives: Hope, Despair and Attention 11:50 – 13:20 Mittagspause 13:20 – 14:20 Jakob Huber (Freie Universität Berlin): Was ist eine Verzweiflungstat? 14:20 – 14:25 Pause 14:25 – 15:25 Regina Schidel (Goethe-Universität Frankfurt): Die Epistemologie des Möglichen: Hoffnung als moralische Ressource 15:25 – 15:30 Pause 15:30 – 16:30 Andreas Müller (Goethe-Universität Frankfurt): No Need to Despair over the Standard Problem for the Standard Theory of Hope | ||
| Presentations | ||
Hoffnung als ethischer Standard Universität zu Köln, Germany Dass Hoffnung praktischen und theoretischen Normen unterliegt, ist mittlerweile weithin anerkannt. In diesem Vortrag möchte ich der kaum beachteten Idee nachgehen, dass Hoffnung selbst ein Standard sein kann, an dem wir unser Handeln ausrichten sollten. Mein Vorschlag lautet, dass ein ethischer Standard sein kann, sich so zu verhalten, dass die Bedingungen vernünftigen Hoffens nicht untergraben oder sogar befördert werden. Diese Idee möchte ich an einem individuellen und einem politischen Beispiel ausbuchstabieren: Im Kontext von schwerer Krankheit und mit Blick auf die Klimakrise. Shaping Our Mental Lives: Hope, Despair and Attention FAU Erlangen-Nürnberg, Germany tba Was ist eine Verzweiflungstat? Freie Universität Berlin, Germany Die Verzweiflung wird in der Philosophie seit jeher äußerst skeptisch bewertet - während Hoffnung motiviert und mobilisiert, so die gängige Sicht, führt Verzweiflung zu Passivität und Demoralisierung. Gerade Aktivist*innen argumentieren jedoch zunehmend, dass Verzweiflung angesichts sich zuspitzender Krisen wie etwa dem Klimawandel die einzig angebrachte Einstellung oder Emotion ist. Vor diesem Hintergrund haben auch Philosoph*innen zuletzt versucht, ein differenzierteres Bild der Verzweiflung zu zeichnen. Dabei wird häufig der epistemische Wert der Verzweiflung in den Vordergrund gestellt: diese könne uns wertvolle Einsichten über den Zustand der Welt und unsere eigenen Werte verschaffen. Ich hingegen möchte den praktischen Wert der Verzweiflung genauer unter die Lupe nehmen und fragen, wann welche Art von Verzweiflung welche Formen der Handlung hervorbringen kann. In anderen Worten, was genau ist die sprichwörtliche „Verzweiflungstat" und unter welchen Umständen (wenn überhaupt) sollten wir sie gutheißen? Die Epistemologie des Möglichen: Hoffnung als moralische Ressource Goethe-Universität Frankfurt, Germany Moralische Urteile und Handlungen setzen eine Form von Wissen voraus – Wissen darüber, was moralisch richtig ist, welche Prinzipien moralische Normen begründen sowie über die Umsetzbarkeit solcher moralischen Urteile. Wenn wir nicht in einen Relativismus verfallen wollen, muss dieses moralische Wissen bestimmten intersubjektiven Standards genügen. Allerdings gerät unser moralisches Wissen in einer komplexen Welt voller Unverfügbarkeiten und unterschiedlicher ethischer Wertbindungen unter Druck: Zum einen ist moralisches Wissen aufgrund gesellschaftlicher Situierung begrenzt und standortgebunden, zum anderen ist unsere Urteilskraft nur bedingt dazu in der Lage, alle Möglichkeiten dafür abzusehen, was aus unserem Handeln für Konsequenzen folgen. Im Vortrag frage ich nach der Rolle, die Hoffnung in diesem moralepistemologischen Koordinatenfeld spielt. Gegen Ansätze, die in Hoffnung bloßes Wunschdenken oder die Bemäntelung von Ungerechtigkeit ausmachen, gehe ich in drei Schritten der produktiven Kraft von Hoffnung für unser Handeln nach. 1. Die epistemische Dimension von Hoffnung: Wie kann Hoffnung helfen, Brüche im Wissen zu überbrücken, ohne ins Beliebige abzugleiten? 2. Die kritische Dimension von Hoffnung: Wie hilft uns Hoffnung dabei, ein besseres Verständnis unserer eigenen Verstrickung in soziale Ordnungen zu gewinnen? 3. Die normative Dimension von Hoffnung: Welche Rolle spielt Hoffnung als motivationale Kraft, um trotz Ohnmacht und Krisenerfahrung an emanzipatorischen und utopischen Projekten festzuhalten? No Need to Despair over the Standard Problem for the Standard Theory of Hope Goethe University According to the standard theory of hope, hope has two elements, a cognitive element and a conative element. It is now widely accepted that the standard theory of hope fails to distinguish hope from despair. In this talk, I will critically examine the focus theory of hope defended in Chignell (2023), which proposes a third element, the focus element, in order overcome this limitation of the standard theory. While promising, I will raise doubts about the focus theory of hope. Drawing on recent developments in zetetic epistemology, I propose an alternative understanding of the cognitive element. By reconceptualizing it in terms of inquisitive attitudes and question-settling, rather than beliefs about possibilities or probabilities, this revision delivers a variant of the standard account that can distinguish hope from despair without adding further elements. | ||

