Conference Agenda
Overview and details of the sessions of this conference. Please select a date or location to show only sessions at that day or location. Please select a single session for detailed view (with abstracts and downloads if available).
|
Daily Overview |
| Session | |
|
S48: Applied Ethics 3 Location: 23.03 U1.65 Session Chair: Oliver Hallich | |
| Presentation 2 | |
3:00pm - 3:45pm
Das bist Du mir schuldig! Über Dankbarkeit von Kindern gegenüber Eltern Uni Potsdam, Germany Seit 2020 müssen Kinder für pflegebedürftige Eltern Unterhalt zahlen bei 100.000 Euro Jahresbruttoeinkommen. Müssten Kinder das auch ohne gesetzliche Verpflichtung aus Dankbarkeit tun, wenn sie können? Mit dieser Frage macht der Vortrag die Kategorie supererogativer Handlungen für die Angewandte Ethik attraktiv. 1. Schulden Kinder Dankbarkeit? 1.1. Wäre Undankbarkeit gegenüber Eltern Verbrechen (Hume), müsste sie bestraft werden. 1.2. Wäre Dankbarkeit Rechtspflicht (Mill), könnten Eltern Dankbarkeitsbezeugungen einfordern, womit der ästhetische Mehrwert von Dankbarkeitsempfindungen verloren ginge. 1.3. Wäre Dankbarkeit Tugendpflicht (Kant), könnte sie unvernünftig ausufern. 2. Weil man das (vgl. 1) vernünftigerweise nicht wollen kann, ist Dankbarkeit gegen Eltern nicht Pflicht (Bleisch 2017), sondern Kandidat für freiwillige Supererogation. 2.1. Falls Dankbarkeit existentielle Interessen (z.B. Lebenspläne) gefährdet, ist sie Ultraerogation. Darum dürften Eltern noch nicht einmal bitten. 2.2. Weil Dankbarkeit i.d. Regel keine existentiellen Interessen gefährdet, ist sie Anstandserogation, die man klugerweise tun sollte. 3. Einschränkungen. 3.1. Dankbarkeit ist reziproke Anstandserogation, weil eine Wohltat vorausgegangen sein muss. Das bloße Ins-Sein-Setzen ist keine Wohltat. 3.2. Es kann unzumutbare Ultraerogation sein, den Eltern Vergehen verzeihen zu müssen. 3.3. Man darf aus Dankbarkeit keine Verbrechen begehen. 3.4. Bei konkurrierenden Verpflichtungen können moralische Dilemmata. entstehen. | |

