Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Ad Hoc288: Von Tradierungen zu Verflechtungen? Koloniale und völkische Erbschaften, Postsozialismus und patriarchale Machtverhältnisse in Verhandlungen von Migration
Zeit:
Dienstag, 22.09.2020:
10:00 - 13:00

Chair der Sitzung: Miriam Friz Trzeciak, BTU Cottbus Senftenberg
Chair der Sitzung: Anna Amelina, BTU Cottbus-Senftenberg
Chair der Sitzung: Birgit Behrensen, BTU Cottbus Senftenberg
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Diskursstrategien völkisch-autoritärer Akteure im Strukturwandel. Herausforderungen für Gemeinwesen am Beispiel der Bürgerdialoge der Stadt Cottbus

Heike Radvan

BTU Cottbus-Senftenberg, Deutschland

Viele Gemeinden in der Region Lausitz sind herausgefordert, einen Umgang mit völkisch- autoritären Akteuren und ihren Strategien zu finden. In der Stadt Cottbus mobilisiert seit dem Spätsommer 2017 ein Zusammenschluss aus extrem rechten und völkisch-autoritären Gruppierungen auf Demonstrationen und Kampagnen. Die Atmosphäre in der Stadt ist hiervon geprägt, zu allererst schränkt dies Menschen ein, die von der Abwertung und den Bedrohungen völkisch autoritärer und extrem rechter Akteure betroffen sind. Ähnlich wie andere Kommunen auch, greifen Verantwortliche in Cottbus in dieser Situation zu Beginn des Jahres 2018 auf das Format „Bürgerdialog“ zurück, entsprechende Veranstaltungen finden in sechs Stadtteilen statt.

Im Artikel stellen wir die Ergebnisse unserer Forschung zu den Bürgerdialogen vor. Unter Anwendung der Grounded Theory wurden drei Veranstaltungen vertiefend analysiert und Kategorien gebildet. Im Vordergrund steht die Frage, wie die Diskurse auf den Veranstaltungen in Cottbus verlaufen, welche Themen auf welche Weisen angesprochen werden und welcher kommunikative Umgang damit gewählt wird. Zudem interessieren uns Gelingensfaktoren im Sinne des Ermöglichens eines demokratischen Dialoges: Wie können unter den spezifischen Bedingungen – Teilnehmende, die bewußt und z.T. strategisch die Regeln des Sagbaren brechen, diskriminieren und z.T. nicht am Austausch von sachbezogenen Argumenten interessiert sind – diese Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt werden, um einen Verlauf im Sinne demokratischer Standards zu gewährleisten. Diese (anwendungsbezogene) Fragestellung ist bislang kaum Gegenstand empirischer Forschung.



Umkämpftes Asyl - Vom geteilten Nachkriegsdeutschland bis in die Berliner Republik

Patrice Poutrus

Universität Erfurt

In seinen Beitrag und basierend auf seiner jüngsten Buch, wird Patrice G. Poutrus die lange Vorgeschichte, den Verlauf und die Folgen der Grundgesetzänderung vom 28.06.1993 - Artikel 16, Absatz 2, Satz 2 – vorstellen. Er geht den Fragen nach, warum ausgerechnet der Satz „Politisch Verfolgte genießen Asyl“ zur ersten und bisher einzigen großen Verfassungskrise im vereinten Deutschland geführt hat und wieso der gefundene politische Kompromiss bis in die Gegenwart die politische Kultur der „Berliner Republik“ so nachhaltig prägt. Der Referent geht davon aus, dass sich die außerordentliche Mobilisierung der politischen Öffentlichkeit in der Bundesrepublik beim Thema Asyl nicht allein aus den bedauernswerten Schicksalen der vielen ausländischen Flüchtlinge erklären lässt. Wie auch die mit der Aufnahme verbundenen tatsächlichen oder auch vermeintlichen Herausforderungen für den bundesdeutschen Sozialstaat keine hinreichende Erklärung dafür liefern. Vielmehr war der Komplex Flüchtlings- und Asylpolitik von Beginn mit fundamentalen Fragen nach den politisch-moralischen Grundlagen der deutschen Gesellschaft verbunden. Für die einen stellte eine offene Flüchtlings- und Asylpolitik die Garantie für eine grundsätzliche Abkehr von der rassistisch geprägten Vergangenheit und insbesondere vom Nationalsozialismus dar. Für die anderen war eine solche Position undenkbar, weil sie einen Bruch mit dem Paradigma des „Nichteinwanderungslandes“ bedeutet hätte, was als Aufgabe der historischen, kulturellen und ethnischen Identität der Deutschen verstanden wurde. Patrice G. Poutrus vertritt die Auffassung, dass die Revision von Artikel 16, Abs. 2., Satz 2 zu Artikel 16a – auch Asylkompromiss genannt – ein Gründungsakt der Berliner Republik war, der bis in die Gegenwart nachwirkt.



„Aggressive Flüchtlinge, gewalttätige Hooligans, besorgte Bürger": Postkoloniale, postsozialistische und heterosexistische Grenzziehungen in den Mediatisierungen von Migration und Konflikt in Ostdeutschland

Miriam Friz Trzeciak, Jana Schäfer

BTU Cottbus Senftenberg, Deutschland

In unserem Beitrag kombinieren wir intersektionale, postkoloniale und postsozialistische Perspektiven und untersuchen, wie Mediatisierungen von Migration und Konflikten in ostdeutschen Städten mehrdimensionale Grenzziehungen bedienen. Anhand einer Diskursanalyse zeigen wir, wie die Mediatisierungen die Deutungsmuster „Migration als sexuelles Problem“ (Dietze 2019) und „brauner Osten“ (Heft 2018) aufrufen und dabei ethnosexuelle und kulturalisierende Grenzziehungen zur Konstruktion einer auf weißen Epistemen aufbauenden, imagined community (re)produzieren. Indem die Mediatisierungen Ostdeutsche einerseits als kulturell rückständig und Migrant*innen andererseits als kulturell gefährlich konstruieren, tragen sie zur Legitimierung rassistischer Diskurse und Praktiken in den sozialen Kämpfen um Migration und Konflikt bei. Darüber bestärken sie die "Politik mit der Angst", wie sie von rechten und rechtsextremen Akteur*innen angestoßen werden (Wodak 2016).



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGS 2020
Conference Software - ConfTool Pro 2.6.135
© 2001 - 2020 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany