Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Ad Hoc260: Transnational Class Making: Identitäten, Praktiken und Klassifikationen im Kontext transnationaler Klassenbildung
Zeit:
Freitag, 18.09.2020:
13:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Karolina Barglowski, Technische Universität Dortmund
Chair der Sitzung: Sören Carlson, Europa-Universität Flensburg
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

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Präsentationen

Die globale Finanzklasse: Praktiken, Klassifikationen, symbolisches Kapital

Sighard Neckel

Universität Hamburg, Deutschland

Seit den späten 1980er Jahren begann eine neue „Dienstklasse des Finanzmarktkapitalismus“ (Paul Windolf) die Geschäftszentren der Weltstädte zu bevölkern. Finanzvermögen zu sammeln und zu vermehren und anlagesuchendes Kapital für spekulative Finanzprodukte zu interessieren, verwandelte sich zum Metier einer neuen Berufsgruppe von Finanzexperten, die bald eine Vielzahl von Analysten, Finanzingenieuren, IT-Experten, Change Managern, Anwaltssozietäten und Unternehmensberatern um sich versammeln sollten. Ihr wirtschaftlicher Einfluss wurde ebenso zu einem Thema kritischer Erörterungen wie ihr gesellschaftlicher Status und ihre Berufsmoral. Wichtige Gründe hierfür waren von vorneherein der globale Bezugsrahmen der Financial Professionals und die transnationale Reichweite ihrer ökonomischen Aktivitäten. Investmentbanker, Fondsmanager, Trader und Analysten sind heute durch ihre gemeinsame Teilnahme an den globalen Finanzmärkten beständig miteinander verbunden. Sie bilden hierbei professionelle, kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten aus, in denen sie sich etwa in nationaler Hinsicht kaum mehr voneinander unterscheiden. Zur Ausbildung einer globalen Finanzklasse tragen nicht zuletzt feldspezifische Praktiken und Klassifikationsweisen bei, die Finanzakteure mit einer besonderen Form symbolischen Kapitals versorgen. Die Arten und Weisen dieser überaus einflußreichen Variante einer grenzüberschreitenden Klassenbildung werden Gegenstand des Vortrags sein.



Positionierungsstrategien von Migrant*innen in transnationalen sozialen Räumen: ein Beitrag zur Erforschung räumlicher und sozialer Mobilität

Joanna Jadwiga Fröhlich, Inka Stock

Universität Bielefeld, Deutschland

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Nexus zwischen räumlicher und sozialer Mobilität und untersucht dazu, wie Migrant*innen in Deutschland kulturelle, ökonomische und moralische Grenzen nutzen, um sich selbst in transnationalen sozialen Räumen zu positionieren. Basierend auf einer Mixed Methods Studie (Sozio-Ökonomisches Panel [SOEP] und qualitatives Teilsample mit Interviewten aus dem SOEP) verbindet der Beitrag subjektive Positionierungsstrategien mit strukturellen Faktoren und Mobilitätserfahrungen. Dabei wird darauf eingegangen, wie Herkunft und Klasse einen Unterschied in der symbolischen Grenzziehung machen. Unsere Daten zeigen, dass die klassenbezogenen Grenzziehungsmuster sich an symbolischen und materiellen Statusmarkern und Hierarchien des Herkunftslandes sowie Deutschlands orientieren und somit als transnational bezeichnet werden können. Unser Beitrag stellt drei Muster der Selbstpositionierung – und damit verbundene typische Abgrenzungsmuster - vor und zeigt, wie sich bei der (Selbst-)Positionierung in transnationalen sozialen Räumen verschiedene Positionen in der (nationalen) Sozialstruktur und subjektives Erleben von Ungleichheiten bedingen.



Symbolische Grenzen und die Konstruktion hochqualifizierter Migrant*innen als Gruppe. Eine qualitative Analyse anhand des Berliner Stadtmagazins „Exberliner“

Sören Carlson

Europa-Universität Flensburg, Deutschland

Angesichts einer fortschreitenden transnationalen Vergesellschaftung, die unter anderem in neuen Formen transnationaler Mobilität, grenzüberschreitenden Arbeitsmärkten und einer sich internationalisierenden Einwohnerschaft vieler Großstädte zutage tritt, stellt sich die Frage, wie sich durch diesen Transformationsprozess Gruppen- bzw. Klassenzugehörigkeiten verändern und in welchen symbolischen Formen dies gegebenenfalls zum Ausdruck kommt. In der Forschung zur Transnationalisierung von Klassen stehen dabei gerade hochqualifizierte Migrant*innen oftmals im Mittelpunkt der Diskussion. Im Vortrag wird diese Debatte anhand des monatlich erscheinenden, englischsprachigen Berliner Stadtmagazins „Exberliner“ aufgegriffen, das sich nicht zuletzt an aus dem Ausland zugezogene Stadtbewohner*innen bzw. „Expatriates“ richtet. Basierend auf einer qualitativen Inhaltsanalyse von Artikeln des „Exberliner“ aus den Jahren 2017 und 2018 wird untersucht, welche symbolischen Grenzen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über solche hochqualifizierten Migrant*innen in Berlin konstruiert werden und ob sich hieraus Rückschlüsse auf neue Formen der Gruppenbildung ziehen lassen, die nicht mehr entlang dominant nationaler Kriterien verlaufen.



Sprachliches Kapital und symbolische Grenzziehungen in einem supranationalen Feld: Das Beispiel der Europäischen Kommission

Daniel Drewski

Freie Universität Berlin, Germany

Transnationalisierungsprozesse und der Abbau nationaler Grenzen haben zur Entstehung sozialer Felder jenseits des Nationalstaats geführt, in denen Akteure aus unterschiedlichen Ländern zusammenarbeiten, zum Beispiel in internationalen Organisationen oder multinationalen Unternehmen. Insbesondere in internationalen Organisationen wird häufig debattiert, welche Sprachen im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit verwendet werden sollen. Dabei geht es um Fragen von kultureller Anerkennung und der Chancengleichheit von Sprecher*innen unterschiedlicher Sprachen. Ausgehend von Bourdieus Feldtheorie untersucht dieser Beitrag Distinktions- bzw. symbolische Grenzziehungsprozesse auf der Grundlage sprachlichen Kapitals innerhalb eines supranationalen sozialen Feldes.

Als Fallstudie dient die Europäische Kommission, die supranationale Organisation der EU. Die Kommission ist ein besonders interessanter Fall, da in ihr Beamte aus allen EU-Mitgliedstaaten zusammenarbeiten. Sie ist eingebettet in das Sprachenregime der EU, das sämtliche 24 Amtssprachen der Mitgliedstaaten auch als Amtssprachen der EU anerkennt. Gleichzeitig werden davon jedoch nur Englisch, Französisch und Deutsch als „Arbeitssprachen“ für die interne Kommunikation in der Kommission verwendet. Auf der Grundlage von 44 Leitfadeninterviews mit Kommissionsbeamten aus unterschiedlichen Ländern untersucht dieser Beitrag deren Sprachpräferenzen, und die damit zusammenhängenden Distinktions- und Grenzziehungsprozesse innerhalb der Kommission.

Die Studie zeigt erstens, dass Kommissionsbeamte entweder die Verwendung von Englisch oder ein Gleichgewicht zwischen Englisch und Französisch unterstützen, während Deutsch kaum relevant ist. Zweitens wird gezeigt, wie sich die jeweiligen Distinktionsstrategien unterscheiden. Während die Befürworter des Englischen den „instrumentellen Wert“ von Sprachen als internationales Kommunikationsmittel hervorheben, betonen diejenigen, die ein Gleichgewicht von Englisch und Französisch unterstützen, den „symbolischen Wert“ von Sprachen als Ausdruck kultureller Identitäten. Der Beitrag zeigt drittens, wie so symbolische Grenzen entlang einer unterschiedlichen Ausstattung mit sprachlichem Kapital zwischen Beamten markiert werden. Insgesamt bietet dieser Beitrag damit Einblick in symbolische Ungleichheitsdynamiken innerhalb eines supranationalen sozialen Feldes.



Globale Exzellenz, provinzielles Mittelmaß? Zur transnationalen Klassifikation von Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen

Vincent Gengnagel

Europa-Universität Flensburg, Deutschland

Seit den 1980er Jahren bemüht sich die EU zunehmend um die Förderung transnationaler Zusammenarbeit in der Wissenschaft. Insbesondere die EU-Rahmenprogramme werden als wichtiges Instrument zur Schaffung der „European Research Area“ (ERA) eingesetzt, um die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas als wissensbasierte Wirtschaft zu steigern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf angewandter Wissenschaft, was Grundlagenforschung im Allgemeinen und insbesondere jene der Sozial- und Geisteswissenschaften vor Probleme stellt: einer politischen Logik des Wirtschaftswachstums durch Innovation und Industrienähe folgend werden Natur- und Biowissenschaften fokussiert und die Vielfalt der Forschungsthemen eingegrenzt.

Die bisherigen Rahmenprogramme (RP) können deshalb nur mit Einschränkung als Institutionen begriffen werden, die zur Formation einer transnationalen scientific community beitragen – dafür müsste sich diese nach innerakademischen und disziplinspezifischen Standards selbst evaluieren und reflektieren. Insofern tragen die RP zwar an sich durch die Finanzierung europaweiter Projektkooperationen zur Herausbildung transnationaler Arbeitszusammenhänge bei, die Selbstwahrnehmung transnationaler Wissenschaftler*innen für sich entstünde demgegenüber jedoch eher durch die Bezugnahme auf innerakademische Identitätsquellen, gestützt auf eine symbolisch geteilte Wissenschaftlichkeit und Öffentlichkeit.

Vor diesem Hintergrund werden zwei Argumente vorgetragen:

1. Der gegenwärtig prominenteste Versuch einer innerakademisch legitimen Etablierung transnationaler Klassifikationen und Identitäten besteht in der Einrichtung des als autonom konzipierten European Research Councils (ERC), dessen symbolische Produktion von Exzellenz mit Elias als höfische Etikette beschrieben wird.

2. Der ERC trägt als Eliteinstitution zwar zur Genese eines dem Anspruch nach europaweit geltenden Wissenschaftsverständnisses bei, das an innerakademische Distinktionen anschließt – die Konzeption einer oberhalb von Disziplinen und nationalen Fachdistinktionen angesiedelten „Exzellenz“ erhebt jedoch den Marker „transnationale Wissenschaft“ selbst zum Gegenstand von Klassifikationskämpfen und besetzt ihn elitär. Zu diskutieren ist, ob der Exzellenzdiskurs dadurch „mittelmäßige Wissenschaft“ strukturell gegen „das transnationale“ stellt.



Diskutantin

Anna Amelina

BTU Cottbus-Senftenberg, Deutschland

KEIN ABSTRACT VORHANDEN



 
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