Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
SekAuG1: Sektion Alter(n) und Gesellschaft: Um_Ordnung der Generationenverhältnisse!? Biographische und generationale Spannungen in modernen Gesellschaften
Zeit:
Mittwoch, 16.09.2020:
13:30 - 16:30

Chair der Sitzung: Sabine Bollig, Universität Trier
Chair der Sitzung: Anja Schierbaum, FernUniversität Hagen
Chair der Sitzung: Helga Pelizäus-Hoffmeister, Universität der Bundeswehr München
Ort: digital
Den Link zur digitalen Sitzung finden Sie nach Anmeldung zum Kongress bei Eventbrite.

Kooperation mit der Sektion Jugendsoziologie und der Sektion Soziologie der Kindheit


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Präsentationen

Im Wandel: Ein transgenerationaler und biographischer Blick auf junge Erwachsene im Spannungsfeld der «2. Diasporageneration»

Mareike Scherer

Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft, Universität Zürich, Schweiz

Wie gehen Kinder von Eingewanderten mit Diaspora- und generationsspezifischen Spannungen um? Wie vereinen sie als «Sandwichgeneration» die familiäre Transnationalität sowie vermeintlich unvereinbare Werte und Ideologien im Spannungsfeld ihrer eigenen Biographien?

Anhand ausgewählter Fallbeispiele aus aktueller ethnographischer Feldforschung (u.a. mit biographisch-narrativen Interviews) in der Schweiz setzt sich dieser Beitrag mit Spannungsprozessen im Kontext von Diasporagesellschaften auseinander. Es wird aufgezeigt, inwiefern sich junge Erwachsene der sogenannten «2. Generation» aus der Türkei in der Schweiz aufgrund der familiären Migrationsgeschichten durch prozesshafte transgenerationale und biographische Verortungen in verschiedenen Spannungsfeldern wiederfinden. Diese Spannungsfelder beziehen sich vorwiegend auf generationale Differenzen, die seitens der «2. Generation» sowohl intrafamiliär als auch in der Diasporagemeinschaft wahrgenommen werden. Zudem sind sie tief verknüpft mit sozio-kulturellen Differenzen zwischen Herkunfts- und Aufnahmegesellschaften und weisen ethno-politische sowie religiöse Dimensionen generationaler Transmissionen und Konfliktbewältigung auf.

In Anbetracht dessen geht dieser Vortrag auch auf die Frage ein, inwiefern Angehörige der sogenannten «2. Generation» folglich zu Akteur_innen (Diaspora-)gesellschaftlicher Wandlungsprozesse werden können.

Auf methodisch-analytischer Eben wird außerdem die Relevanz eines transgenerationalen Blicks auf Konflikt- und einhergehende Migrationserfahrungen sowie eines prozessstrukturell-biographischen Ansatzes diskutiert, um individuelle Herausforderungen der Biographiegestaltung in ihren Zusammenhängen mit familiären und soziokulturellen Strukturen sowie spezifischen transgenerationalen Migrationserfahrungen erfassen zu können.



Kindeswohl aus Sicht von Jugendlichen - eine theoretische und empirische Suche nach Gefährdungskonstruktionen von Jugendlichen

Tobias Franzheld

Universität Koblenz, Deutschland

Der Beitrag widmet sich zunächst einer Spurensuche in aktuellen Theorieangeboten, die das vermutete Ausblenden der Jugend in Kindeswohldiskussionen theoretisch bestätigen. Vulnerabilität und Resilienz, Generationalität und Generativität oder Fürsorge und Autonomie sind disziplinär gebundene Zweiteilungen des Kindeswohls, die sich mehr für die Differenz zwischen Kindheit und Erwachsenalter als für eine theoretische Fokussierung einer vermittelnden Perspektive auf das Schutzbedürfnis von Jugendlichen konzentrieren. Jugend wird weiterhin als passagere Lebensphase aufgefasst, die sich bei längerer Betrachtung scheinbar auch im Feld der Jugendhilfe von selbst „auswächst“.

Empirisch möchte ich dieser theoretischen Reduktion am Beispiel von Jugendlichen widersprechen, die sich selbstständig (Selbstmelder) an Schutzeinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (Inobhutnahmen) wenden. Im Material möchte ich zeigen, wie Abhängigkeit und Selbstständigkeit in der Situation einer Selbstmeldung in Verhandlungen geraten, Jugendliche fähig werden, sich an Schutzeinrichtungen zu wenden, obschon sie sich selbst als bedroht oder gefährdet wahrnehmen. Diese biographischen Einordnungen von Selbstmeldungen zu Lebenswegentscheidungen der Jugendlichen verdeutlichen, warum es sich auch für theoretische Kindeswohlkontroversen lohnt, einen empirischen Blick auf Jugendliche zu werfen.



Intergenerationale Konflikte um Pflegesettings in migrantischen Bevölkerungsgruppen

Marc Breuer

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen/ KatHO NRW, Deutschland

Der Vortrag analysiert intergenerationale Spannungen und Konflikte unter Migrant_innen und ihren Nachkommen hinsichtlich der Frage, in welchen Formen Pflege im Alter zu leisten sei. Ein zentraler Bezugspunkt der Forschung ist die Beobachtung, dass Dienstleistungen der professionellen Betreuung und Pflege unter Einwanderer_innen nur unterdurchschnittlich in Anspruch genommen werden. Während jedoch Besonderheiten der Pflegeerwartungen im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft vielfach diskutiert wurden, gilt das kaum für den Umgang mit solchen Differenzen innerhalb migrantischer Bevölkerungsgruppen.

Datenbasis sind qualitative Leitfadeninterviews, die zwischen 2017 und 2019 vorrangig mit türkeistämmigen Personen geführt wurden. Befragte der ersten und der zweiten Einwanderergeneration thematisieren gleichermaßen, dass die Erwartungen an Pflegesettings innerhalb ihrer Herkunftsgruppe im Wandel begriffen seien. Traditionell sei es üblich, dass die altgewordenen Eltern jeweils von ihren Kindern gepflegt würden, während professionelle Unterstützung (v.a. in der Form von Pflegeheimen) eher abgelehnt werde. Allerdings seien jüngere Menschen aufgrund veränderter Lebensbedingungen immer weniger bereit, den traditionellen Normen zu entsprechen. Mehrere der jüngeren Befragten sprechen von einem „Generationskonflikt“, da sie sich weiterhin mit den traditionellen Erwartungen konfrontiert sehen, ohne diese jedoch realisieren zu können oder zu wollen.

In der Analyse zeigt der Vortrag, wie generationale Differenzen in der Bewertung von Pflegesettings (die in der Mehrheitsgesellschaft natürlich auch migrationsunabhängig verbreitet sind) mit ethnisierenden Zuschreibungen verknüpft werden. Über die Befürwortung traditioneller Pflegeformen versichern sich Teilgruppen der Einwanderer_innen ihrer Verbundenheit mit dem Herkunftsland. Andere sehen ihre Assimilation an das Einwanderungsland nicht zuletzt darin abgebildet, dass sie sich von ethnisierten Leitbildern distanzieren und professionalisierte Pflegesettings befürworten, die sie zugleich als charakteristisch für die Mehrheitsgesellschaft verstehen. Intergenerationale Beziehungen erweisen sich als Austragungsorte von Konflikten um Pflegesettings, in denen zugleich um die alltagsbezogene Relevanz ethnischer Identitäten und Traditionen gestritten wird.



un/doing age – Ein de/konstruktivistischer Ansatz zur Analyse spannungsreicher Altersverhältnisse

Anna Wanka1, Grit Höppner2

1Goethe-Universität Frankfurt/Main; 2Kath. Hochschule NRW, Münster

Alter ist in unserer Gesellschaft eine zentrale Differenzkategorie. Es dient zum einen als Organisationsbasis sozialer Prozesse, der Zuteilung sozialer Rollen und Verpflichtungen sowie als Orientierungsrahmen für die Interpretation individueller Biographien, zum anderen erfolgt darüber eine ungleiche Bewertung der einzelnen Altersphasen: Während die mittlere Lebensphase mit dem scheinbar rationalen, selbstbestimmten, entscheidungsfähigen Erwachsenen zum Sinnbild für das umfängliche Mensch-Sein idealisiert wird, fungieren die Lebensphasen an den „Rändern des Lebenslaufs“ – Kindheit, Jugend, höheres Erwachsenenalter – als die „Anderen“ zu diesem Normalzustand. Die normative Aufladung der Differenzkategorie Alter trägt so zu spannungsreichen Altersverhältnissen bei, die sich aus einem Missverhältnis zwischen Alterserwartung und Altersperformanz ergeben und die durchzogen werden vom Ideal des Erwachsenenalters bei gleichzeitiger Abwertung der anderen Lebensphasen. Der vorliegende Beitrag zielt, anders als viele andere Forschungsarbeiten in diesem Bereich, nicht darauf ab, die Auswirkungen solcher spannungsreichen Altersverhältnisse zu untersuchen, sondern ihre Herstellung und Dekonstruktion. Dabei wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Alter keine statische, sondern eine prozessual-dynamische und kontinuierliche Differenzkategorie ist mit einer Vielzahl konsekutiver Ausprägungen (z.B. von 0 bis 100 Jahren), die sich in Lebensphasen (z.B. Kindheit, Jugend, höheres Alter) verdichten.

Mit Rekurs auf die Ansätze doing age und undoing age wird ein de/konstruktivistischer Analyserahmen entwickelt, der danach fragt, wie und wann im Lebenslauf Alter relevant bzw. irrelevant gemacht wird und welche Idealvorstellungen dadurch reproduziert oder vergessen werden. Dazu diskutieren die Autorinnen empirisches Material aus unterschiedlichen qualitativen Forschungsprojekten und skizzieren Fragestellungen für zukünftige empirische Forschung, die notwendigerweise lebensphasenübergreifend und -vergleichend angelegt sein muss. Damit will der Beitrag zeigen, wie erst eine de/konstruktivistische Betrachtung der Differenzkategorie Alter über den Lebenslauf hinweg zu einer Reduktion der Spannungen in Altersverhältnissen beitragen und den Blick der Alters- und Lebenslaufforschung erweitern kann.



 
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